Wie? Schon wieder Winter?

Und wir sind natürlich einmal mehr nicht darauf vorbereitet. Letztes Jahr hatten wir ja die perfekte Ausrede: Mit dem ersten Schnee kam auch das Prinzchen hereingeschneit und von da an hatten wir keine Augen mehr für alles andere um uns herum. Und so fuhen wir den ganzen Winter kaum Auto, denn für Winterpneus hatten wir keine Zeit. Das Klima war uns bestimmt dankbar dafür.

Doch dieses Jahr gibt es einfach keine Ausrede dafür, dass uns der erste Schnee kalt erwischt hat. Klar, bis vorgestern war es noch so warm, dass der FeuerwehrRitterRömerPirat in kurzen Hosen herumlaufen wollte. Aber sogar wir sollten inzwischen mitgekreigt haben, dass Ende November so langsam mit Kälte gerechnet werden muss. Weshalb Karlsson, Luise und der Zoowärter trotzdem noch keine neuen Winterschuhe haben? Ääääähm? Weiss ich auch nicht. Warum ich heute den FeuerwehrRitterRömerPiraten zu spät und mit zu kleinen Handschuhen in den Kindergarten geschickt habe? Öööööh? Vielleicht hat es etwas damit zu tun, dass ich auf dem Estrrich, wo unsere Wintersachen noch immer liegen, trotz langen Suchens keine passenden Handschuhe für ihn gefunden habe. Ob wir uns so langsam auf die Socken machen müssen, um uns wintertauglich zu machen? Hmmmmm. Das könnte eine Idee sein…

Soap Opera?

Es gibt da eine Frau, der ich, wenn immer möglich, aus dem Weg gehe. Nicht, dass sie unfreundlich wäre oder besonders unsympathisch. Sie erzählt mir einfach zu viele intime Details aus ihrem Leben, wenn sich etwa einmal im Jahr unsere Wege kreuzen. Über diese Frau weiss ich fast mehr als über meine engsten Freunde: Jedes Detail ihrer Fehlgeburten, jeden Fehltritt, den ihr Mann je begangen hat, alle Schandtaten ihrer Schwiegermutter, ihrer Nachbarn, – die sich übrigens gerade getrennt haben, – der Lehrer ihrer Kinder. Einfach alles, was ich nicht unbedingt erfahren möchte. Schon gar nicht beim Einkauf. Wenn ich sie treffe, fühle ich mich immer in eine Soap Opera versetzt.

Heute war es mal wieder so weit und weil ich keine Fluchtmöglichkeit sah, liess ich mich auf ein Gespräch ein. Fragte nach dem Befinden der Kinder, hörte mir ein paar Schauergeschichten an. Als sie gerade richtig in Fahrt geraten will, nimmt sie plötzlich das Prinzchen wahr, das still im Einkaufswagen sitzt. „Ist das dein Jüngster?“, will sie wissen. „Der sieht ja gar nicht aus wie die anderen!“ Sie mustert mich prüfend. Erwartet sie etwa, dass ich rot werde, oder dass ich ihr erzähle, ich hätte „Meinem“ ein Kuckucksei untergejubelt? Hofft sie, eine Schauergeschichte zu erfahren, die sie in ihrem Bekanntenkreis weitererzählen kann. Etwa so:  „Ich kenne eine, die hat fünf Kinder und das Fünfte sieht den anderen vier kein bisschen ähnlich…“

Ich versuche ihr zu erklären, dass das Prinzchen eben ganz die Mama sei, dass er ausserdem Luise so ähnlich sieht, dass er ihr eineiiger Zwilling sein könnte, wäre da nicht der Altersunterschied. In ihren Augen lese ich, dass all dies sie kalt lässt. Wenn sie sich mal dazu entschieden hat, daran zu zweifeln, dass „Meiner“ des Prinzchens Vater ist, dann lässt sie sich nicht mehr davon abbringen. Da würde nicht mal das eindeutige Resultat eines Vaterschaftstests etwas ändern. Ein Sohn, der der Mama gleicht, ist in ihren Augen doch einfach suspekt. Und überhaupt: Wozu hat man all die Soaps geschaut, wenn man nicht wenigstens ein kleines Bisschen Menschenkenntnis daraus ins reale Leben einfliessen lassen kann?

Nun, drei Dinge lässt die gute Frau ausser Acht: Erstens hätte ich gar keine Zeit, mich mit irgendwelchen fremden Männern einzulassen und zweitens liebe ich „Meinen“ auch nach siebzehn Jahren noch wie am ersten Tag. Und das lebhafte, – man könnte auch sagen das überdrehte, –  Wesen kann das Prinzchen unmöglich von mir geerbt haben. Das sind eindeutig die Gene von „Meinem“. Aber wenn jemand von Klatsch und Tratsch lebt, spielen solche Kleinigkeiten  keine Rolle…

 

Simulieren, Lektion I

Weil ich mal wieder einen Wecker ruiniert habe, weckt mich morgens das Telefon. Und weil ich heute nicht schon um halb sieben aufstehen wollte, holte ich das Prinzchen ins Bett, als er zu quengeln begann. So kam es, dass die beiden, das Prinzchen und das Telefon, in den frühen Morgenstunden zueinander fanden. Was dem Prinzchen grösstes Vergnügen bereitete. Er hielt sich das Ding ans Ohr und plapperte fröhlich vor sich hin. Kein Anflug von Ohrenweh oder sonstiger Leiden. Plötzlich fiel mir ein, dass Karlssons Geigenlehrerin wohl nicht gerade entzückt wäre, wenn sie vor Tagesanbruch einen Anruf des Prinzchens bekäme. Und meine Mutter wohl auch nicht. Und die Feuerwehr schon gar nicht. Oder sonst jemand, dessen Nummer wir gespreichert haben. Und so entwand ich das Telefon aus des Prinzchens eisernem Griff um die Tastensperre zu aktivieren. Was jetzt folgte, war ein Auftritt erster Klasse: Das Prinzchen griff sich an sein krankes Ohr, stiess einen jämmerlichen Schmerzensschrei aus und der Blick aus seinen tieftraurigen Kulleraugen sagte mir, dass er diese Ohrenschmerzen einfach nicht mehr aushalten kann.

Eigenartig: Kaum hatte er das Telefon wieder, waren auch die Schmerzen weg. Das erinnert mich entfernt an die Zimmernachbarin, mit der ich einmal nach einer Geburt die Nachwehen teilte: Die Frau quasselte den ganzen Tag fröhlich am Telefon, doch kaum betrat das Personal das Zimmer, krümmte sie sich, ihr Gesicht verzerrte sich und sie stöhnte, was das Zeug hielt. Und wenn das Personal wieder draussen war, quasselte sie weiter.

Du wirst deine Mittelohrentzündung doch nicht etwa simuliert haben, mein Prinzchen?

Kann man wirklich nicht?

Das Prinzchen hat Ohrenweh. Auch das noch! Als ob wir nicht schon lange genug krank gewesen wären. Der kleine Mensch tut mir so leid. Wie er schreit, sich verzweifelt an mich klammert, hofft, dass ich seinen Schmerz wegzaubern kann. Weil ich doch die Mama bin und alles kann. Da taucht plötzlich vor meinem inneren Auge das Bild eines anderen Kindes auf. Auch ein kleiner Junge, nur etwas älter als das Prinzchen. Das Gesichtchen verzerrt vor Schmerz,  Verzweiflung in seinem Blick, keine Kraft mehr  zum Weinen. Ich kenne den kleinen Jungen nicht, ich habe ihn nur in der Tagesschau gesehen. Er lebt irgendwo, weit weg von hier. Dort, wo die Kinder Hunger haben und die Mütter nicht helfen können, weil sie selber nichts haben.

Wie ich da so sitze mit meinem Prinzchen auf dem Schoss und mich frage, ob ich mit ihm zum Arzt gehen soll, wird mir auf einmal bewusst, dass ich nicht weiss, was wirkliche Sorgen sind. Gott sei Dank weiss ich es nicht. Warum aber gibt es noch immer Mütter auf dieser Welt, die es nur zu gut wissen? Warum haben wir Menschen es geschafft, auf den Mond zu fliegen? Waffen zu entwickeln die aus einer Entfernung von tausenden von Kilometern ferngesteuert werden können? Warum wissen wir auf die Sekunde genau, wann die nächste Sonnenfinsternis sein wird? Warum trauern die Menschen jetzt noch Michael Jackson nach und nehmen es gleichzeitig schulterzuckend zur Kenntnis, dass alle sechs Sekunden ein Kind stirbt? Warum wissen wir so viel und haben doch vom Wichtigsten keine Ahnung?

Alte Fragen, ich weiss. Fragen, die man schon so oft gehört hat. Fragen, die einen langsam nerven. Fragen, die man nicht beantworten kann. Kann man wirklich nicht? Oder will man nicht?

Chacun à sa façon

Beim Kranksein pflegt ja jeder seinen eigenen Stil. Das tritt jetzt, wo wir fast alle schweinemässig flach liegen, wiedermal deutlich zu Tage. Karlsson zum Beispiel, schläft sich durch die Seuche hindurch, will nichts als alleine sein und wenn es ihm wieder etwas besser geht, vertraut er auf die heilenden Kräfte eines Buches, das er von vorne bis hinten durchliest. Dann ist er wieder gesund.

Luise ist das pure Gegenteil. Sie will auf keinen Fall alleine sein, beklagt sich dann aber den ganzen Tag, es sei ihr zu laut, die andern sollten endlich still sein. Wenn man ihr aber vorschlägt, sie solle sich in ein ruhigeres Zimmer zurückziehen, weint sie, als habe man ihr angedroht, sie im Wald auszusetzen. Und natürlich ist sie die Ärmste und Kränkste auf dem ganzen Planeten.

Ist der FeuerwehrRitterRömerPirat krank, verläuft die Sache in Wellen. Entweder, er liegt so flach, dass er nicht mal mehr merkt, ob er auf dem harten Fussboden schläft, oder aber er nervt die ganze Familie mit seiner Überdrehtheit, rennt nach draussen, um an der Tür zu klingeln und trommelt auf die Blechschüssel, die bereit steht, falls jemand erbrechen muss. Die Phasen des FeuerwehrRitterRömerPiraten wechseln so schnell, dass man sich in einem Moment fragt, ob man ihn vielleicht doch besser in den Kindergarten geschickt hätte und sich im anderen Moment überlegt, ob man nicht doch besser zum Arzt gehe mit ihm.

Der Zoowärter schliesslich schläft fast immer und wenn er mal wach ist, ist er grantig, dass es nicht zum Aushalten ist. Und wehe, man sagt, er sei ein Armer. Oder er sei krank. Dann fängt man einen gaaaaaanz bösen Blick ein.

Beim Prinzchen weiss man noch nicht so recht, wie sein Krankheitsstil aussieht, aber ich fürchte, dass es in die Richtung quengelig und „ich bin der Ärmste auf der Welt“ geht. Ähnlich wie Luise eben. „Meiner“ ist, wie bereits früher erwähnt, prinzipiell nur in den Ferien krank und weigert sich dann standhaft, sich dies einzugestehen, weshalb er alles, was er übers Jahr hat aufschieben müssen, in seinen Krankheitstagen zu erledigen versucht. Und sich dann wundert, weshalb er sich so elend fühlt.

Und was ist mit mir? Welchen Stil pflege ich? Nun, wenn ich krank bin, sind meist auch alle anderen krank. Und darum wische ich Erbrochenes auf, schleppe Matrazen, um ein zentrales Krankelanger herzurichten, koche Tee, messe Fieber, verabreiche Medikamente. Letzteres allerdings nur im absoluten Notfall, denn meist sind die Kinder danach so aufgedreht, dass ich nicht einmal mehr Zeit finde für mein Selbstmitleid, das bei mir ebenfalls zum Kranksein gehört. Ach ja, eigentlich würde ich mich mit ein wenig schreiben, viel Jammern und noch mehr lesen wieder auf die Beine bringen. Aber weil Mamas bekanntlich nie krank sind, bleibt es meist beim Pflegen der anderen. Nun ja, wenigstens bin ich diesmal zum Schreiben gekommen. Da fühlt man sich doch gleich ein wenig besser…

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Wo bleiben die denn?

Seit Jahren nun warte ich schon auf die Lieferung und noch immer sind sie nicht eingetroffen, die zusätzlichen Arme, die ich gleich nach Karlssons Geburt bestellt hatte. Eigentlich habe ich pro Kind ein weiteres Paar bestellt, müsste also inzwischen zwölf Arme haben. Aber noch immer mühe ich mich ab mit den Zweien, die ich bei meiner Geburt auf den Lebensweg mitbekommen habe. Versuche irgendwie, dafür zu sorgen, dass Karlsson sein Pausenbrot bekommt, währdenddem ich Luises Haar kämme, die Schuhe des FeuerwehrRitterRömerPiraten suche, den Zoowärter davon abhalte, dem Prinzchen auf den Rücken zu steigen und dem Prinzchen den versabberten Pulli ausziehe. Das alles natürlich mit dem Telefon in der Hand, denn meistens hat man ja auch noch einen Anruf entgegenzunehmen.

Okay, ich weiss, ich sähe ziemlich sonderbar aus mit zwölf Armen. Aber dennoch träume ich da wohl einen alten Menschheitstraum. Wie anders will man sich erklären, dass die Inder eine überaus hässliche vielarmige Göttin namens Kali haben? Ich bin mir sicher, dass diese von einer gestressten Mutter erfunden worden ist. Nun ja, die Idee hat auch ihre Nachteile. So dürfte zum Beispiel die Bekleidungsindustrie Probleme haben damit, uns Mütter elegant einzukleiden. Aber wenigstens hätten die Schneider mal wieder eine Herausforderung. Und wahrscheinlich müsste man auch furchtbar aufpassen, dass sich die vielen Arme nicht ineinander verknoten. Aber wenn ich mal wieder, wie heute früh, verschlafen habe und vor lauter Hetze nicht mehr weiss, wo ich zuerst anpacken soll, dann verwünsche ich die Tatsache, dass ich nur zwei Hände und  zwei Füsse habe. Und dass ich noch immer auf die Lieferung meienr Bestellung warte.

Man komme mir jetzt nicht mit der Ermahnung, ich müsse mich eben nicht verschlafen, dann sei es kein Problem, mit der Grundausstattung an Extremitäten auszukommen. Wie soll man sich denn nicht verschlafen, wenn man die halbe Nacht auf den Beinen gewesen ist, weil Karlsson  eine Grippe aufgelesen hat?

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Halten Sie die Klappe, Frau Klum!

Ach, wie schön! Wir dürfen uns mal wieder anhören, was Frau Klum zur Mutterschaft zu sagen hat, oder genauer gesagt dazu, wie man als Mutter so bald als möglich nach einer Geburt wieder durch die Gegend klappern kann. Diesmal will Frau Klum bereits mehr als zwanzig Kilos verloren haben, was gar nicht so einfach sei. Doch mit dem Stress einer Grossfamilie und einem Laufband im Haus schaffe man das, will sie uns weis machen.

Liebe Frau Klum, ich glaube Ihnen kein Wort. Zu lange schon stille ich meinen Hunger mit da einem Bissen aus dem Teller eines meiner Kinder, dort einem angebissenen Brötchen, das vergessen wurde. Zu lange schon überwinde ich meine unglaubliche Müdigkeit mit starkem Kaffee und einem Stück Schokolade. Zu oft habe ich mir vorgenommen, ab jetzt täglich dreissig Minuten Sport zu treiben, doch nach dem alltäglichen Herumrennen schaffe ich es nur noch, meine müden Knochen vor den Computer zu schleppen, um ein wenig zu schreiben. Meine zehn Kilo Übergewicht werde ich trotz meines erfüllten Lebens nur sehr zaghaft los. Wäre es wahr, was Frau Klum sagt, ich bestünde nur noch aus Haut und Knochen.

Also Frau Klum, hören Sie endlich damit auf, zu behaupten, es sei alles ganz eifach. Hören Sie auf, jungen Müttern das Leben schwer zu machen mit Ihrem kranken Schönheitsideal. Sehen Sie endlich ein, dass nur die privilegiertesten Mütter es sich leisten können, sich wenige Wochen nach der Geburt schon wieder nur um sich selber zu drehen. Und dann hören Sie endlich auf, ihre privilegierte Situation zum Mass aller Dinge zu machen.

Und überhaupt: Was ist so schlimm daran, wenn man einer Frau ansieht, dass sie ein paar Schwangerschaften hinter sich hat, dass sie wunderbaren Geschöpfen das Leben Geschenkt hat? Immerhin hätte Peter Paul Rubens seine wahre Freude daran, Frau Klum hingegen würde er links liegen lassen. Und Rubens Frauen hängen immerhin  heute noch in den Museen, während Heidi Klums Klone morgen schon vergessen sein werden.

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Happy Birthday, mein Prinzchen!

Heute also ist der grosse Tag. Da liegt er, der kleine Geburtstagsprinz, eng umschlungen mit seinem Geburtstagsbären, und hat keine Ahnung davon, welch wichtiger Meilenstein dieser Tag für seine Eltern ist. Wie hatten wir uns davor gefürchtet, noch einmal Eltern zu werden. Wie habe ich geheult damals, als ich ungläubig auf den positiven Schwangerschaftstest starrte. Nicht, weil ich mich nicht auf das Kind freute. Kinder hätte ich noch unzählige haben können. Aber ich hatte keine Ahnung, wie ich das schaffen sollte, wie wir alle das schaffen sollten. Eine erschöpfte Mama, ein erschöpfter Papa, vier kleine Kinder, finanzielle Engpässe, aufgeschobene Träume  und noch einmal ein Baby. Kann das gut gehen?

Es kann! Das Prinzchen ist die grösste Überraschung, die uns in unserem Leben geschenkt wurde. Ein perfekter kleiner Mensch, der uns alle im Sturm erobert hat, der uns gezeigt hat, dass ein Kind nie falsch ist, auch dann nicht, wenn es zu einem schwierigen Zeitpunkt geboren wurde. Der uns gezeigt hat, dass man Vieles schaffen kann, wenn man den Mut hat, zu seinen Schwächen zu stehen, Hilfe anzunehmen und sich trotz aller Widrigkeiten zu freuen an dem neuen Leben. Und deshalb ist heute ein ganz besonderer erster Geburtstag. Wir sind so dankbar, dass du zu uns gehörst, kleiner Prinz!

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Wenn die Mama Hilfe braucht

Eigentlich ist es ja ganz gut, wenn man auch bei uns in der Provinz endlich erkennt, dass Mütter nach einer Geburt nicht automatisch glücklich sind. Und natürlich ist es auch gut, dass man dies in der lokalen Tageszeitung thematisiert, dass Psychologinnen für das Thema sensibilisieren wollen. Doch die Ratschläge, die sie erteilen, haben etwa so viel mit der Realität zu tun wie die Mär von der stets glücklichen Mutter, nämlich gar nichts. Wenn eine Mutter drei Wochen lang an Erschöpfung, Angst, Zwang oder Depression leide, solle sie Hilfe in Anspruch nehmen, liest man da.

Tönt einfach? Natürlich. Aber man zeige mir mal die Mutter eines Neugeborenen, die Zeit hat, darüber nachzudenken, ob sie jetzt eher erschöpft sei, unter Zwängen leide oder ob sie vielleicht depressiv sei. Die Frau, die in den ersten Monaten mit dem Baby überhaupt dazu kommt, sich über ihr Innenleben tiefschürfende Gedanken zu machen, die Zeit hat, zu analysieren, was da gerade passiert mit ihr, diese Frau gibt es nicht. Nun ja, vielleicht übertreibe ich. Es mag einzelne Frauen geben, die eine Mutter oder Schwiegermutter haben, die ihnen alle Lasten abnimmt, aber das schafft ja meistens neue Probleme. Und so erkennen die meisten Frauen wohl erst rückblickend, dass da nicht alles eitel Sonnenschein war in den ersten Monaten mit dem Kind. Und sie werden sich Vorwürfe machen, dass sie so viel geweint haben, dass sie die Zeit mit dem Baby nicht genossen haben, dass sie nicht so glücklich waren wie die Frau im Pampers-Werbespot. So sind wir Mütter eben.

Was soll man also tun? Der Sache ihren Lauf lassen? Die Mütter blindlings in die Depression rasseln lassen? Wohl kaum. Aber wie wäre es, wenn man nicht die Mütter beauftragen würde,  Hilfe in Anspruch nehmen, wenn es schlecht geht? Wenn man stattdessen die Väter für das Thema sensibilisieren würde? Die Grosseltern? Die Arbeitgeber? Die Gesellschaft, die mit ihren unrealistischen Erwartungen den Müttern das Leben unnötig erschwert? Vor lauter Windelbergen sehen die meisten Mütter ihre eigenen Bedürfnisse nicht mehr. Da braucht es schon andere, die dafür sorgen, dass die Mama nicht im Elend ersäuft.

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Warnung vor den Window Colors

Darf man die Erfinder von Window-Colors verklagen, weil sie es geschafft haben, einen vollkommen kinderuntauglichen Artikel in jeden bekinderten Haushalt einzuschleusen?

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Nein, das Prinzchen hat nicht aus der Window-Colors-Flasche getrunken. Ein vom FeuerwehrRitterRömerPiraten auf dem Balkon zwischengelagertes Bild hat genügt, um das ganze Chaos anzurichten. Und nein, das Prinzchen heulte nicht, weil ich ihn wegen der Schmiererei bestraft hätte. Er heulte, weil er in die Badewanne musste. Zum zweiten Mal an diesem wunderbaren Tag. Und nein, ich habe nicht geheult. Nur fast. Weil das Prinzchen eine Flasche Window Colors im WC versenkt hat, wo sie trotz all meiner Bemühungen, sie rauszuholen, geblieben ist.

Zumindest weiss ich jetzt, dass meine Strategie, die Misere zu fotografieren anstatt zu explodieren,  funktioniert. Bis ich endlich die Kamera gefunden hatte, war mein Zorn schon längst verraucht.