Mein kleines Jubiläum

Ob ich denn nicht bloggen möchte, fragte mich ein guter Freund vor etwas mehr als zwei Jahren, als ich jedesmal, wenn man mich fragte, wie es mir gehe, den Tränen nahe war. Was mich so unglücklich sein liess? Nun, es gab viele Gründe, aber einer der Hauptgründe war, dass in meinem Kopf so viele Sätze herumschwirrten, dass ich aber keine Möglichkeit sah, diese Sätze jemandem zugänglich zu machen. Dennoch war ich zuerst mal skeptisch, als der Vorschlag mit dem bloggen kam. Bloggen ist doch bloss etwas für Freaks, dachte ich. (Denke ich eigentlich noch immer, aber inzwischen habe ich feststellen müssen, dass ich selber ein Freak bin.) Etwas für Freaks, die ihre unwichtigen Gedanken ins Universum hinaus brüllen und vergeblich auf eine Antwort warten.

Weil ich mich nicht entscheiden konnte, schritt unser Freund zur Tat: „Was meinst du zum Namen ‚beautifulvenditti‘?“, fragte er mich ein paar Tage später und noch ehe ich mich entschieden hatte, ob ich mich auf das Abenteuer einlassen solle, war mein Blog eingerichtet und zwei Tage später mailte unser Freund: „Wann fängst du an zu schreiben? Ich warte auf deinen ersten Post“. Und so fing ich eben an, zögerlich zuerst und stets bereit, die Sache beim geringsten Widerstand wieder aufzugeben. Doch bald schon stellte ich fest, wie beruhigend es ist, wenn man sich in einer schlaflosen Nacht nicht mehr unruhig im Bett herumwälzen muss, sondern aufstehen und schreiben kann. Mit der Zeit kamen auch die ersten Kommentare und damit verschwand auch das Gefühl, dass ich ins Leere schreibe. Irgendwann schliesslich kam der Tag, an dem ich zum ersten Mal mehr als hundert Leser hatte. Ich weiss, das sind nicht besonders viele, aber gebt einem Schreiberling das Gefühl, seine Texte würden gelesen und er mutiert zum glücklichsten Menschen auf diesem Planeten. Und von da an hört er nicht mehr auf, diesen Planeten mit seinen Texten zu beglücken, auch wenn der Planet sich auch ohne das Geschreibsel fröhlich weiterdrehen würde.

Warum ich das alles ausgerechnet heute schreibe? Weil ich gestern diesen Planeten mit meinem 500. Post beglückt habe und mich das ein kleines bisschen sentimental stimmt.

Werbung

Ich mache das ja selten, aber wenn eine Novemberschreiberin zu bloggen beginnt, dann muss ein bisschen Werbung einfach sein. Seit drei Tagen gibt es die „Schreibschaukel“ und ich schaukle dort so gerne mit, dass ich sie einfach weiterempfehlen muss!

Familienzuwachs

Keine Angst, wir sind nicht schon wieder schwanger. Wir haben auch kein Kind adoptiert.Wir sind noch immer die gleichen sieben Leute, die einander auf etwas zu engem Raum immer wieder auf die Zehen treten. Dennoch haben wir Familienzuwachs bekommen.

Bei uns wohnen nicht mehr nur das Prinzchen, der FeuerwehrRitterRömerPirat, Luise aus dem "Doppelten Lottchen" sowie das Sams und Karlsson vom Dach in Personalunion. Vor ein paar Tagen hat sich unser Zweitjüngster ganz ohne Vorwarnung in Linus verwandelt.  Linus, der kleine Freund von Charlie Brown, der mit der Schmusedecke.

Plötzlich muss die Decke  immer und überall dabei sein. Zwar stolpert der Kleine ständig, aber er gibt sie nicht mehr her. Momentan beschränkt sich das Ganze zum Glück noch auf die Wohnung, doch es ist eine Frage der Zeit, bis die Decke auch mitkommen muss, wenn wir nach draussen gehen. Mal sehen, wie wir das dann meistern werden.

Bis dahin sagen wir nur: Herzlich willkommen, Linus!

Warum überhaupt bloggen?

Da läuft man während sieben Jahren durch die Welt, stellt unterwegs eins, zwei, drei, vier Kinder auf die Welt, versucht, immer dranzubleiben, die Augen offen zu halten, sich zu allem eine Meinung zu bilden und keine jener Mütter zu werden, die über nichts anderes mehr reden können als über Windelpreise, Babys erstes Fürzchen und die böse Spielgruppenleiterin, die einfach nicht sehen will, was für ein Genie man da auf die Welt gestellt hat. Man gibt sich alle Mühe, den Verstand nicht zu verlieren. Auch an den Tagen nicht, an denen der Älteste morgens um sieben eine Scheibe einschlägt, weil er partout kein Schokoladenjoghurt essen will, die Vierjährige und der Dreijährige zusammen mit dem Nachbarsjungen ausreissen und erst nach dem Überqueren der Hauptstrasse in der Hauptverkehrszeit aufgegriffen werden können, und sich der Jüngste in eine milchspeiende Fontäne verwandelt, kaum ist der Boden endlich fertig geputzt.
Was tut man, um den Verstand nicht zu verlieren? Man schreibt. Am besten immer und überall. Denn beim Schreiben sieht man schwarz auf weiss, ob man noch bei Sinnen ist, oder ob man sie nun doch überschritten hat, diese haarfeine Linie zwischen dem ganz normalen Wahnsinn des Familienalltags und dem nicht mehr ganz normalen Wahnsinn der durchgeknallten Mutter, die irgendwann mit irrem Blick auf der Couch des Psychiaters landet und wirres Zeug brabbelt.
Ja, das Schreiben würde helfen. Doch schreiben ohne Publikum, auch wenn es ein imaginäres ist, ist sinnlos. So läuft die besagte Mutter durch die Welt und schreibt, jedoch immer nur im Kopf. Und wenn dann abends endlich Ruhe ist, sind die Sätze weg. Verschwunden unter Wäschebergen, ersoffen im Putzkessel, zu Boden getrampelt von vier Paar hinreissend schönen, aber gegenüber mütterlichen Gedanken äusserst unsensiblen Kinderfüssen.
Dieser Zustand dauert so lange, bis sich jemand der armen Mutter annimmt, ihr einen Blog einrichtet, ihr sagt, wie das alles geht, denn darum hat sie sich in den letzten Jahren nicht kümmern können. Ja, jetzt könnte sie schreiben, wenn da nicht plötzlich diese Schreibblockade wäre. Denn inzwischen hat sich die Mutter so daran gewöhnt, dass ihr ohnehin niemand zuhört, es sei denn, sie erzähle eine Gutenachtgeschichte. Sie hat erlebt, dass Frauen nur als einigermassen intelligente Wesen betrachtet werden, solange sie noch keine Mütter sind. Danach zählen keine Titel mehr, keine beruflichen Erfahrungen, keine herausragenden Fähigkeiten. Es zählt nur noch, ob die Mama ihren Nachwuchs so im Griff hat, dass er nicht stört. Ob sie weiss, wie man aus einem langweiligen Butterbrot eine vollwertige, kindergerechte Mahlzeit mit Smiley-Gesicht zaubert. Ob sie es schafft, ihre Böden immer so blitzblank geputzt zu haben, dass die Nachbarskinder nicht mit schmutzigen Hosen nach Hause kommen.
Nun denn, Schreibblockade hin oder her, es muss geschrieben werden. Und wenn es niemand liest? Auch egal. Hauptsache, die Mutter verliert nicht den Verstand.