Alltagseinbruch

Ich geb’s ja nur ungern zu, aber auch in den Ferien gibt es Tage, die man am liebsten wieder vergessen möchte. Zum Beispiel heute, als ich mich im Einkaufszentrum aussetzen liess, in der Hoffnung, dort endlich WLAN zu haben, damit ich meine Kolumne schreiben und ein paar Rechnungen bezahlen kann. Zugang zum Internet gab es nicht, dafür riss der Riemen meines fast neuen Schuhs, also humpelte ich von einem Laden zum nächsten und schliesslich über die breite, viel befahrene Strasse, in der Hoffnung, irgendwo Schuhe in Grösse 37 zu finden und nicht nur riesige Latschen für Riesinnen. Fündig wurde ich schliesslich im Supermarkt. Als ich diesen verliess, waren „Meiner“ und die Kinder bereits vom Museumsbesuch zurück und ich fand keine Zeit mehr, meinen Ärger verpuffen zu lassen, also mussten sie als Abfalleimer herhalten. Frustriert liess ich mich auf eine Sitzbank fallen, wo ich ganz unerwartet auf Internet-Zugang stiess. Die Zeit reichte gerade mal, um drei Rechnungen zu begleichen, ehe meine Bank mich wissen liess, sie traue meiner Internet-Verbindung nicht, weshalb sie keine weiteren Daten mehr empfangen werde. Und weil jetzt a) der Akku des Laptops leer war und b) die Kinder nicht mehr länger auf mich warten mochten, suchte ich meinen Kram zusammen und verliess das elende Einkaufszentrum, nur um Augenblicke später mit Luise noch einmal zurückzukehren, weil sie keinen Augenblick länger ohne Flip Flops sein konnte.

Jetzt, wo dieser eine miese Ferientag zu Ende geht, quält mich nur noch die Frage, wie ich Kolumne und Rechnungen zu Ende bringen kann, ohne einen weiteren Alltagseinbruch erleben zu müssen.

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Work in progress

Da unsere Ferienwohnung einem Theaterverein gehört, befindet sich auf dem Grundstück eine Freilichtbühne und da liegt es wohl nahe, dass unsere Kinder schon kurz nach unserer Ankunft beschlossen, ein eigenes Stück auf die Bühne zu bringen. Uraufführung ist am ersten August, aber wir Eltern amüsieren uns jetzt schon köstlich. Hier ein kurzer Abriss der Ereignisse der vergangenen Tage:

Sonntag, 21. Juli
Erstes Brainstorming führt zu heftigen Auseinandersetzungen. Warum darf der FeuerwehrRitterRömerPirate keinen Affen in Ritterrüstung spielen und wenn alle so gemein sind, macht er nicht mehr mit. Das Prinzchen möchte immer nur Michel aus Lönneberga sein, der Zoowärter immer nur Karlsson vom Dach und dabei wollen doch Luise und Karlsson – unserer, nicht derjenige vom Dach – unbedingt auch Figuren dabei haben, die sie selber erfunden haben.

Montag, 22. Juli
Der Autor – also Karlsson – ist fleissig am Werk, denn obschon es gestern nicht danach ausgesehen hatte, hat man sich doch auf ein gemeinsames Projekt mit diversen Rollen für alle einigen können. Luise übt derweilen mit ihren kleinen Brüdern die Astrid Lindgren-Lieder, die vorgetragen werden. Damit alle die Lieder in- und auswendig kennen, dürfen wir bei der Autofahrt nur noch „Lille Katt“, „Världens bästa Karlsson“ und „Grisen gal i granens topp“ hören.

Dienstag, 23. Juli
Die Liederauswahl wurde über den Haufen geworfen, also hören wir jetzt im Auto nicht mehr „Världens bästa Karlsson“, sondern „Merja,merja, mojsi“ und zusätzlich „Liten vaggvisa“, weil drei Lieder einfach zu wenig sind. Das Stück ist jetzt fast fertig geschrieben und Karlsson hütet es wie seinen Augapfel.

Mittwoch, 24. Juli
Die Schauspieler sollen ihren Text bekommen und Karlsson wird leicht nervös, weil es hier weder Drucker noch Kopierer gibt, was für ihn einen Haufen Schreibarbeit bedeuten könnte. Erst der Hinweis, dass einer der Schauspieler des Lesens noch nicht mächtig ist und die anderen ein sehr gutes Gedächtnis haben, vermag ihn zu beruhigen. „Dann schreibe ich also nur eine Fassung“, verkündet der Autor freudestrahlend, was Luise in Panik versetzt, denn wie soll sie ohne Text ihre Zeilen lernen? Sie schreibt sie schliesslich aus dem Gedächtnis auf, was Karlsson in Rage versetzt, denn wenn die Texte einfach so frei herumflattern, könnte ja einer daherkommen und das Stück klauen. Einmal mehr entgeht das Projekt nur knapp seinem frühen Tod.

Donnerstag, 25. Juli
Die Rollen sind verteilt, das Datum der Aufführung wird bekannt gegeben und dann bricht Panik aus: „Wir können keine Ausflüge mehr machen. Wann sollen wir denn noch proben?“ Wir erlauben spätes Zubettgehen und abends lauschen wir voller Rührung den Liedern, die auf der Bühne gesungen werden. Obschon wir eigentlich gar nichts gehört haben dürften…

Freitag, 26. Juli
Proben, Ausflug, Proben, Schwimmen am See, Proben

Samstag, 27. Juli
Ausflug nach Kosta, Picknick am See mit anschliessendem Baden, Proben, Diskussion über das Menü anlässlich der Premiere. Es soll Flusskrebse geben und Chips, natürlich.

Sonntag, 28. Juli
Kostümprobe führt zu heftigem Streit. Karlsson und Luise drohen, sie würden alles hinschmeissen, worauf der Zoowärter und das Prinzchen beschliessen, ihr eigenes Stück zu spielen. Karlsson und Luise beruhigen sich wieder, aber jetzt will das Prinzchen nicht mehr mitmachen, denn „Meiner“ und ich weigern uns, mit ihm die 173 Kilometer nach Vimmerby zu fahren, um ihm ein echtes Michel-Kostüm zu besorgen. Das Prinzchen kriegt sich wieder ein, aber jetzt bockt der FeuerwehrRitterRömerPirat. Er werde zum Tanzen auf gar keinen Fall die Holzschuhe anziehen, denn von denen bekäme er Blasen an den Füssen. Ich überrede ihn dazu, wenigstens zur Hauptprobe und zur Aufführung die Holzschuhe zu tragen und rette damit die Produktion. Sofern nicht noch eine absolut unüberwindbare Differenz auftaucht…

(Un)vorbereitet

Wir haben uns so ziemlich auf alles eingestellt, als wir zu Hause unsere Koffer packten: Auf die legendären schwedischen Mücken, von denen wir aber herzlich wenig merken und die laut unserer Vermieterin dieses Jahr tatsächlich kaum anzutreffen sind. Auf die Zecken, die entgegen eines weit verbreiteten Irrtums sehr wohl auch in Südschweden ihr Unwesen treiben. Auf kühle Abende, die man angeblich nicht ohne warmen Pulli überstehen kann. Auf Elche, die ausser uns wohl jedem Schwedentouristen irgendwann den Weg versperren. Auf die kinderfreundlichen Schweden, die es gemäss Berichten von Freunden nicht allzu sehr schätzen, wenn man die eigenen Kinder mit lauter Stimme in die Schranken weist. Ja, sogar mit der Existenz von Schlangen habe ich mich kurz – wenn auch äusserst widerwillig – auseinandergesetzt.

Nur etwas haben wir nicht bedacht: Dass im Norden die Sonne im Sommer nicht nur kaum untergeht, sondern dass sie trotz angenehmer Temperaturen durchaus auch brennen kann. Oh ja, wir haben die Sonnencreme von zu Hause mitgenommen, aber wir sind doch tatsächlich naiv genug, sie im Ferienhaus zu vergessen, wenn wir auf die Insel Öland ausfliegen. Nun ja, ganz so schmerzhaft, wie er im Süden ausfallen würde, ist der Sonnenbrand hier nicht.

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Bildungsfragen

Als ich noch in streng konservativen christlichen Kreisen verkehrte, wurde ich manchmal gefragt, wozu ich überhaupt eine Matura machen wolle, als Frau würde ich mich früher oder später ohnehin um die Kinder kümmern. Später, als ich an der Uni war, bekam ich die gleichen Fragen wieder zu hören, diesmal einfach mit leicht aggressivem Unterton. Ja, ich weiss, ihr glaubt mir nicht. Ihr denkt wohl, ich könne unmöglich so alt sein, dass ich mich noch mit solchen Vorwürfen hätte herumquälen müssen. Doch die Kreise, in denen ich mich in den Neunzigern bewegte, waren ziemlich konservativ und sie blieben es auch, als ich schon längst begriffen hatte, dass ich mit solchen Ansichten nicht leben konnte.

Doch darüber möchte ich ja eigentlich gar nicht schreiben, sondern viel eher über die Frage, wie ich ohne diese vielen Ausbildungsjahre und den Mann mit der pädagogischen Ausbildung unsere Kinder je unterstützen könnte. Wie kann es sein, dass ein sprachlich absolut nicht unbegabtes Kind nach zwei Jahren Kindergarten und vier Jahren Primarschule noch nicht einmal eine Postkarte fehlerfrei schreiben kann? Was ist falsch gelaufen, wenn ich einem durchaus intelligenten Kind nach zwei Jahren Kindergarten und zwei Jahren Schule erklären muss, welche Wortarten man gross schreibt und welche klein? Wie kommt es, dass „Meiner“ und ich peinlich genau überprüfen müssen, was Töchterchen im Französisch lernt, weil sie schon zu viele falsche Satzstrukturen gelehrt bekommen hat? Wo würden unsere Kinder in der Mathematik stehen, wenn nicht „Meiner“ den ganzen Stoff zu Hause noch einmal mit ihnen durchackern würde? Wenn er nicht die Fragen beantworten würde, die nach den spärlichen Erklärungen des Lehrers noch geblieben sind? Werde ich das Gleiche tun müssen, wenn Karlsson und Luise nach den Sommerferien Englisch lernen?

Und warum in aller Welt schlagen die Lehrer immer nur dann Alarm, wenn ein Blatt ein paar Tage zu spät abgegeben wird, jedoch nie, wenn das mit der Rechtschreibung einfach nicht im Kopf bleiben will? Warum müssen wir das Material selber zusammensuchen, wenn Vertiefung nötig ist? Was hätten unsere Kinder ohne unsere Unterstützung gelernt, ohne die bestimmt nicht immer akkuraten Antworten, die wir ihnen geben, ohne die Geschichten, den Garten, die Haustiere, die Ferienaufenthalte, die Ausflüge, ohne die Bücher und Zeitschriften, die bei uns überall herumliegen und für noch mehr Unordnung sorgen? Klar müssen Schule und Elternhaus einander ergänzen, aber ich frage mich allmählich, was bliebe, wenn das, was wir beitragen, wegfiele. Und warum müssen all diese Fragen ausgerechnet in den Sommerferien über mich hereinbrechen?

Natürlich sind Matura und Uni keine Voraussetzungen, um Kinder grossziehen zu können, wie das mit unseren Kindern an unserer Schule gutgehen sollte, kann ich mir jedoch beim besten Willen nicht vorstellen.

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Improvisationstheater

Seit unserer Ankunft in Schweden steht das gleiche Theaterstück auf dem Programm. Es trägt den Titel „Wir wollen noch nicht ins Bett“, unsere Kinder spielen die Hauptrollen und da es ein modernes Stück ist, legen die Schauspieler grossen Wert auf die Mitwirkung des Publikums. Deswegen haben auch „Meiner“ und ich unseren Part zu spielen, den Part der fiesen Bösewichte, die mit allen Mitteln zu bekämpfen sind. Während man mir immerhin zugesteht, im Laufe des Stücks zur geläuterten Schlafliedchensängerin zu mutieren, muss „Meiner“ bis zum bitteren Ende den Fiesling spielen.

Kein Wunder, dass er dies allmählich satt hat und das trieb ihn wohl dazu, heute Abend die zwei Sätze auszusprechen, die ich zuerst für das Dümmste hielt, was er in seiner fast dreizehn Jahre dauernden Karriere als Vater je geäussert hat: „Ich spiele nicht mehr mit. Heute Abend geht ihr dann uns Bett, wann es euch passt.“ Die Schauspieltruppe konnte ihr Glück kaum fassen, endlich nicht mehr das gleiche öde Stück spielen zu müssen. Der Älteste der Truppe bemerkte zwar, wir würden also heute Abend einen auf antiautoritäre Erziehung machen, doch er spielte dann doch bereitwillig mit. Auch ich war nicht unglücklich über die Programmänderung, fürchtete aber, das improvisierte Stück könnte ganz gewaltig in die Hose gehen.

Anfangs sah es auch ganz danach aus. Einige beschmierten sich im Badezimmer mit einer fürchterlichen Kriegsbemalung, die anderen machten sich über die Wassermelone her, die ich heute Nachmittag gekauft hatte. Später servierten sie uns Dessert und gekühlte Getränke, veranstalteten damit zwar ein riesiges Chaos in der Küche, bescherten uns aber dennoch einen ziemlich gemütlichen Abend. Sie beseitigten sogar die ärgsten Spuren ihres kreativen Abendprogramms. Gegen halb zehn gab der Erste bekannt, er wolle jetzt ins Bett gehen und bald darauf griff einer nach dem anderen zur Zahnbürste. Nicht später als in den vergangenen Tagen üblich wurde ich um ein paar Schlaflieder und ein Abendgebet für die Katzen zu Hause gebeten und bald darauf war es still im Kinderzimmer.

Ein durchschlagender Erfolg also, dieses Improvisationstheater. Ob sich daraus wohl ein neues Stück machen lässt?

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Zweite Etappe

Gewöhnlich würden unsere Familienferien ja spätestens nach zwei Wochen enden, doch diesmal folgte auf den Auszug aus dem roten Smålandhaus nicht die Rückreise in die Schweiz. Wir sind lediglich etwas weiter in den Süden gereist, in ein altes Schulhaus, wie es wohl die Bullerbü-Kinder besuchten. Eine gemütliche Wohnung mit traumhafter Aussicht, umgeben von hohen Bäumen und ganz nahe beim See gelegen. Noch einmal ein wahr gewordener Traum, diesmal in einer Gegend, in der alle paar Meter ein Hinweis auf eine Glasbläserei oder eine kulturelle Veranstaltung hinweist. Und das alles bei schönstem Sommerwetter.

Ehe ihr jetzt vor Neid erblasst, denkt bitte daran, dass wir nicht nur sehr viel Gepäck, sondern auch alle unsere Macken mit nach Schweden genommen haben. Deshalb brülle ich mehrmals am Tag: „Wollt ihr wohl endlich aufhören zu streiten! Könnt ihr denn nicht einen einzigen Augenblick lang die ganze Schönheit hier geniessen?“ Meistens sollten sich Luise und „Meiner“ angesprochen fühlen…

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Nach zwei Tagen…

…die wir damit verbracht haben, in winzige, bunte Holzhäuschen zu kriechen, auf riesengrosse Möbelstücke zu klettern, Michel, Klein-Ida, Nils-Karlsson Däumling, Madita, Karlsson vom Dach und Ronja Räubertochter auf der Bühne zu bewundern, an lauschigen Plätzen zu picknicken, die Kinder dabei zu bewundern, wie grossartig sie den „Nicht den Fussboden berühren“-Parcours meistern, zu diskutieren, ob Frau Petrells Haus nicht stattlicher sein müsste, nach dem perfekten Souvenir zu suchen und immer und immer wieder zu sagen, wie grossartig diese Frau Lindgren doch war, haben „Meiner“ und ich nur noch das eine Bedürfnis: Schlafen und vom einfachen Leben in Bullerbü träumen. Oh ja, wir haben die Besuche in Astrid Lindgrens Värld genossen, doch jetzt sind wir hundemüde.

Unsere Kinder aber haben dort nicht nur Zuckerstangen, Postkarten, Krumulus-Pillen, Kuckelimuck-Medizin und ein Madita-Kleidchen erstanden, sondern offensichtlich auch eine ganze Menge Energie. Und so spielen sie bis zur Dämmerung – also bis elf Uhr oder so – auf dem Rasen vor dem Haus das Leben in Lönneberga nach. Da werden Missetäter in den Tischlerschuppen geschickt, es werden Spukgeschichten erzählt, man tanzt einen abendlichen Walzer und immer wieder ertönt die Bitte: „Mama, singst du mit uns Klein-Idas Sommerlied und dann noch das Lied von Karlsson und dann noch…“. Ja, und dann glauben sie doch allen Ernstes, wir könnten vor dem Eindunkeln noch im nahe gelegenen See baden gehen, so, wie Michel und Alfred das getan haben.

Einfach herrlich, ich weiss und mir wird auch ganz warm ums Herz, wenn die Fünf so erfüllt sind von dem, was wir gesehen und erlebt haben. Aber werden die denn nie müde?

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Ansichtssache

„Meiner“ und ich bemitleiden den FeuerwehrRitterRömerPiraten jeweils wegen seines Geburtstags. Mitten in den Sommerferien, meist an einem Ort, wo Kuchenbacken nur unter erschwerten Bedingungen möglich ist und die Geschenke eine gewisse Grösse nicht überschreiten dürfen, weil sie sonst nicht mehr ins Reisegepäck passen. Die Geburtstagsparty mit Freunden muss entweder Wochen vorher oder Wochen nachher stattfinden, die Geschenke von Verwandten tröpfeln so nach und nach herein.

Das ist unsere Sicht, die Geschwister des FeuerwehrRitterRömerPiraten sehen das ganz anders: Er bekommt die ausgefallensten Tortendekorationen, die grösste Vielfalt an Süssigkeiten, die Luftballons, die es in der Schweiz nicht gibt. Nie muss er an seinem Geburtstag zur Schule gehen, wir alle haben Zeit, ihn den ganzen Tag zu feiern, meistens gibt es ein ausgefallenes Spezialprogramm.

Darum war das Protestgeheul gross, als „Meiner“ und ich verkündeten, wir würden Astrid Lindgrens Värld am Geburtstag des FeuerwehrRitterRömerPiraten besuchen. „Dann wird sich wieder alles nur um ihn drehen, dabei freuen wir uns seit Monaten auf diesen Ausflug“, protestierten die anderen. „Meiner“ und ich redeten uns den Mund fusselig, um die aufgebrachten Geschwister zu beruhigen, doch nichts half. Bis mir endlich das Argument in den Sinn kam: „An seinem Geburtstag lassen sie den FeuerwehrRitterRömerPiraten gratis rein. Das heisst, mehr Geld für uns alle. Vielleicht liegt dann ja sogar ein zusätzliches Souvenir drin…“ Da konnten sie natürlich nichts mehr einwenden, auch wenn sie es noch immer furchtbar unfair finden, dass der FeuerwehrRitterRömerPirat echte schwedische Zuckerstangen und „einen Ring Bratwurst von der Besten“ bekommt.

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Sieben unter einem Hut

Familienferien sind schön, ganz klar, aber Familienferien sind auch eine Herausforderung, denn wenn der Einzelgänger dazu gezwungen ist, sein Zimmer mit dem Herdentier zu teilen, dann kommt es früher oder später unweigerlich zum Krach. Vor allem, wenn die Leseratte ebenfalls im gleichen Zimmer schlafen muss und abends das Licht nur so lange brennen lassen darf, wie die anderen es dulden. Für weiteren Zündstoff sorgt, dass das Herdentier unglaublich unternehmungslustig ist, was dem Genussmenschen, der einfach nur in den Tag hinein leben möchte, vollkommen gegen den Strich geht. Während der Krachmacher hier draussen endlich mal so richtig laut sein darf, ringt der Ruhesuchende verzweifelt um Fassung. Warum muss der ausgerechnet hier so laut sein, wo endlich mal weder Motorenlärm noch Nachbars Rasenmäher stören? Der Ordnungsliebende rauft sich derweilen die Haare, weil die anderen sich einfach so gehen lassen, als wäre Ordnung im Urlaub vollkommen unwichtig. Um dem ganzen Chaos noch das Sahnehäubchen aufzusetzen, schmieden die einzelnen Charaktere im Laufe des Tages immer wieder neue Allianzen, denn es findet sich immer ein Verbündeter, der auch gerade das will, was die anderen Fünf nicht wollen.

Es könnte ziemlich schwierig werden, alle Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen, wollten wir nicht trotz Unterschiedlichkeiten alle dasselbe: Die Zeit in diesem wunderschönen Land geniessen, möglichst viel Unbekanntes kennenlernen und jeden Tag in Frieden mit einem Kapitel „Michel“ abschliessen.

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Bildungslücken füllen

Heute Nachmittag, als wir gemütlich durch Mariannelund schlenderten, wurde auf einmal eine riesige Bildungslücke sichtbar. “ Mama, weisst du noch, wie der Michel einmal mit seiner Büsse einen Dieb verjagte?“, fragte Karlsson. „Und als er Klein-Ida an der Fahnenstange hochzog? Das muss ein Spass gewesen sein…“, sagte Luise. „Und sein armer Papa war immer das Opfer…“, meinte der FeuerwehrRitterRömerPirat kichernd. „Oh ja, der arme Papa mit dem Blutklösseteig…“, fing ich an, doch der Zoowärter unterbrach mich: „Was hat der Michel mit der Fahnenstange gemacht?“ Und noch ehe ich antworten konnte, wollte das Prinzchen wissen, was denn eine Büsse sei. Als ich nicht gleich zu erklären begann, wandte sich das Prinzchen an „Meinen“: „Papa, was ist eine Büsse und warum hatte der Michel eine?“ „Also, äääähh, ich glaube…also ja, da musst du die Mama fragen…“, stammelte „Meiner“ und da dämmerte mir, dass etwas geschehen muss und zwar sofort.

„Luise, hast du nicht den ‚Michel‘ mitgenommen?“, fragte ich. Als sie bejahte, stand das Programm für heute Abend fest: Zuerst ein Ausschnitt aus dem Bullerbü-Film, dann ein Kapitel „Michel“ für die Kleinen und schliesslich Pflichtlektüre für „Meinen“. Karlsson, Luise, der FeuerwehrRitterRömerPirat und ich können uns doch unmöglich mit solch ungebildetem Pack in Vimmerby zeigen.

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