Trainingsprogramm zum Schuljahresanfang

6:30 Uhr: Sich unter Ächzen und Stöhnen aus dem Bett zwängen, dem Prinzchen eine Milch wärmen und sich zurück ins Bett begeben.

6:45 Uhr: Sich unter Ächzen und Stöhnen aus dem Bett zwängen, ganz langsam und vorsichtig die Treppe hochsteigen, Orientierungslauf, um herauszufinden, welches Kind in welchem Bett den Schlaf gefunden hat, Weckruf und dann die Kinder mit sanftem Druck aus dem Bett holen, was zuweilen nur unter Körpereinsatz – „Mama, ziehst du mich bitte hoch, mein Körper ist so schlapp, ich schaffe das nicht alleine.“ – gelingt.

6:55 Uhr: Startschuss zum Stafettenlauf zwischen Herd und Küchentisch: Wer bringt schneller mehr Kakaotassen auf den Tisch, ohne etwas zu verschütten? „Meiner“ ist meistens Sieger, aber er schummelt, denn er wärmt die Milch in der Mikrowelle und nicht auf der Herdplatte.

7:25 Uhr: Startschuss zum Treppenrennen: Mama hetzt drei Treppen hoch, um Kleider für die Kleinsten zu suchen, die Kinder hetzen zwei Treppen hoch, dann wieder eine runter und wieder drei hoch, wozu weiss keiner so genau, aber das alles wirkt sehr geschäftig und am Ende hetzen doch wieder Mama und Papa gemeinsam hoch und runter, um Schuhe, Schulhefte, Zahnbürsten, etc. herbeizuschaffen.

Irgendwann zwischen 7:25 und 7:50 Uhr: Ein verzweifelter Versuch, mal kurz zu duschen. Meist gelingt es, manchmal nicht.

7:55 Uhr: Der Endspurt für die Schulkinder beginnt. Schulsäcke stemmen, Kinder anfeuern „Ja, Luise, du schaffst das. Nur noch diesen einen Zahn bürsten und dann kannst du losziehen! Jawohl, Karlsson, nur noch einmal die Treppe hoch und die Schuhe holen, dann bist du bereit! Bravo, der FeuerwehrRitterRömerPirat hat’s als Erster geschafft! Bitte um einen kräftigen Applaus für den FeuerwehrRitterRömerPiraten!“

8:00 Uhr: Endspurt für die Vorschulkinder. Tief bücken, um beim Anziehen der Schuhe zu helfen, weit in die Höhe strecken, um die eigenen Schuhe, die man vor Luise in Sicherheit hat bringen müssen, aus dem Regal zu holen und wieder tief bücken, um das Prinzchen hochzuheben, der „nicht laufen kann“.

8:10 Uhr: In raschem Schritt zum Kindergarten. Wer ist schneller, der Zeiger der Uhr oder Mama Venditti mit Prinzchen auf dem Arm und verträumtem Zoowärter im Schlepptau? Der Uhrzeiger gewinnt fast immer und die Kindergärtnerin fragt besorgt nach, ob Mama Venditti wohl auch mitgekriegt hat, dass der Kindergarten in diesem Schuljahr bereits um Viertel nach acht beginnt und nicht wie früher um halb neun. Ja, Mama Venditti hat das mitgekriegt, aber ihre Kinder scheren sich einen Dreck darum, wo der Uhrzeiger steht, Hauptsache, sie können noch schnell der Nacktschnecke guten Tag sagen und die hohe Mauer beim Kirchgemeindehaus erklimmen. Genau so, wie es eigentlich sein müsste, wenn man denn noch Zeit hätte, Kind zu sein.

8:20 Uhr: Heftiges Winken, um sich vom Zoowärter zu verabschieden.

8:21 Uhr: Prinzchen hochheben, der noch immer „nicht laufen kann“ und ab zur Arbeit.

8:30 bis 11:30 Uhr: Verschnaufpause für den Körper, jetzt ist der Kopf dran.

11:35 Uhr: Zum Kindergarten rennen – diesmal ohne Prinzchen auf dem Arm – und den Zoowärter abholen.

11:45 Uhr: Den Zoowärter und die anderen Kinder, die sich uns auf dem Heimweg angeschlossen haben, zu Hause abladen. Überprüfen, ob wirklich nur eigene Kinder ins Haus gehen und falls Fremde darunter sind, dafür sorgen, dass diese zu Hause anrufen, um zu melden, dass sie bei uns gelandet sind. Zurück ins Büro rennen, um die Arbeit abzuschliessen und das Prinzchen abzuholen.

12:15 Uhr: Mit dem Prinzchen auf dem Arm nach Hause hetzen, wo „Meiner“ hoffentlich schon Zeit gefunden hat, das Essen fertig zu machen, das einer von uns beiden im Morgengrauen oder am Vorabend halbwegs vorbereitet hat..

12:55 Uhr: Kurze Verschnaufpause auf dem Sofa, zumindest, wenn niemand anruft und damit den Wettlauf „Wer ist zuerst beim Telefon?“ in Gang setzt.

13:15 Uhr: Der Endspurt für die Schulkinder beginnt. Schulsäcke stemmen, Kinder anfeuern „Ja, Luise, du schaffst das. Nur noch diesen einen Zahn bürsten und dann kannst du losziehen! Jawohl, Karlsson, nur noch einmal die Treppe hoch und die Schuhe holen, dann bist du bereit! Bravo, der FeuerwehrRitterRömerPirat ist als erster bereit! Bitte um einen kräftigen Applaus für den FeuerwehrRitterRömerPiraten!“

13:15 bis 18:00 Uhr: Das Nachmittagsprogramm ist weniger straff organisiert. Es beinhaltet wahlweise „Noch schnell ins Büro rennen und dort eine oder zwei Stunden arbeiten“ oder „Mit zwei oder drei Kindern im Schlepptau – das Prinzchen natürlich wieder auf dem Arm – zum Arzttermin hetzen“ oder „Nur mal rasch in die Migros gehen, um Milch und Obst zu kaufen – natürlich wieder mit Kindern auf dem Arm und im Schlepptau“ oder „Kommt, wir begleiten Karlsson zur Geigenstunde. Ich muss doch die neue Lehrerin auch mal treffen. Ja, Prinzchen, ich nehme dich auf die Schultern und ihr anderen lauft schön brav mit. Nein, die Geigenstunde ist nicht mehr im Schulhaus gleich um die Ecke, sondern im anderen. Ja, genau, Luise, in dem Schulhaus, zu dem man immer so weit laufen muss…“. Hin und wieder, wenn nur die Kleinen und ich zu Hause sind, sieht das Nachmittagsprogramm auch so aus: „Kommt mal aufs Sofa, ihr zwei,  ich erzähle euch eine Geschichte“ und wenig später schlafen wir drei kreuz und quer übereinander tief und fest, bis die Grossen nach Hause kommen und eine Motivationsspritze für die Hausaufgaben brauchen.

18:00 bis 21:00 Uhr: Allmählich wird das Tempo gedrosselt, alle schalten einen Gang tiefer. Nun ja, zumindest, wenn kein Elternabend auf dem Programm steht. Falls doch, dauert das Trainingsprogramm eben noch ein wenig länger: Kinder in Rekordzeit füttern, ins Bett bringen und dann, pünktlich um fünf vor sieben, los zum Schulhaus. Wann endlich teilt jemand der lieben Lehrerschaft mit, dass ein Elternabend um sieben Uhr uns Eltern daran hindert, unseren Kindern einen pädagogisch wertvollen Tagesabschluss mit Ritualen, Gutenachtgeschichten und „Ich hab‘ dich lieb“ zu bieten? Und die Strafe tragen natürlich wieder wir Eltern, denn wenn wir um halb neun nach Hause gehetzt kommen, sind bestimmt alle noch wach, weil sie doch ohne Rituale, Gutenachtgeschichten und „Ich hab‘ dich lieb“ nicht einschlafen konnten.

 

 

Erfolgsbilanz

Wohl in keinem anderen Lebensbereich wird die Freude über den klitzekleinsten Erfolg sogleich wieder durch den nächsten Misserfolg zunichte gemacht wie im Familienleben. Du glaubst, du hättest eine Situation ausnahmsweise mal bravourös gemeistert, doch kaum drehst du dich um, siehst du, dass es dafür an einem anderen Ort bereits wieder brennt. Abends hast du dann das Gefühl, der Tag sei eine Aneinanderreihung unzähliger kleiner Missgeschicke und Misserfolge gewesen. Die Lichtblicke dazwischen hast du schon längst vergessen. Damit dies heute nicht der Fall ist, hier eine kleine Erfolgsbilanz aus dem Hause Venditti:

  • Karlsson hat beim Zwischendurcheinkauf gebettelt, ich möchte doch wieder einmal Salat kaufen, er hätte so grosse Lust darauf. Als ich bloss einen in den Wagen legte, protestierte er lautstark und verlangte nach einem zweiten. Schokolade, Chips und andere vollwertige Nahrungsmittel hingegen hat er ausnahmsweise keines Blickes gewürdigt.
  • Das Prinzchen hat nur einen der beiden Frischhefe-Würfel zerkrümelt und auf der Matratze des Ehebetts verteilt. Der andere Würfel ist ganz geblieben. Nun ja, wenn ich es recht bedenke, ist das vielleicht nicht unbedingt ein Erfolg, sondern viel eher ein glücklicher Zufall, weil das Prinzchen durch etwas anderes, das ihn spannender dünkte, abgelenkt wurde.
  • Luise hat heute fast nie gezickt, was vielleicht daran lag, dass sie den ganzen Nachmittag weg war.
  • Das Prinzchen schlief heute Abend ohne sein Nuschi ein und ersparte mir damit eine lange, nervenaufreibende Suchaktion.
  • Der FeuerwehrRitterRömerPirat und der Zoowärter haben sich nicht ein einziges Mal verhauen.
  • Der Zoowärter hat sich ganz alleine angezogen, ohne zu protestieren, das könne er noch nicht und er sei noch viel zu klein und wenn man viereinhalb sei, müsse man sich noch nicht selber anziehen, auch wenn man nächste Woche in den Kindergarten komme.
  • Das Prinzchen verlangte nach einer zweiten Portion Orecchiette mit Bohnen und sagte nicht bereits vor dem ersten Bissen „Hani nöd gern!“
  • Luise hat ihre Schuhe ins Regal gestellt. 
  • Der FeuerwehrRitterRömerPirat war bereits angezogen, als ich zum Mittagessen nach Hause kam und so, wie es aussah, hat ihn niemand dazu zwingen müssen.
  • Das Prinzchen hat nicht auf den Boden gepinkelt, als er ohne Windel unterwegs war, sondern hat das Katzengeschirr, das wir uns schon mal angeschafft haben, als Töpfchen verwendet.
Und schliesslich noch der unglaublichste aller Erfolge:
  • „Meiner“ und ich konnten uns heute nach dem Mittagessen kurz hinlegen, weil gerade niemand sein Holzschwert geflickt haben, oder die Schürze des Dirndls gebunden haben, oder die Geschichte vom kleinen Maulwurf uns seiner blauen Hose vorgelesen haben wollte.
Eine ganz beachtliche Erfolgsbilanz, nicht wahr? Wie? Ihr findet, das seien alles nur Bagatellen? Da muss ich euch leider widersprechen. Nehmen wir das Beispiel von Luises Schuhen. Wenn ihr wüsstet, wie oft wir das Kind schon darauf aufmerksam gemacht haben, dass ihre Schuhe ins Regal gehören, dann wüsstet ihr, dass das heutige Ereignis so denkwürdig ist, dass es eigentlich gebührend gefeiert werden müsste. Leider hatten wir keine Zeit dazu, denn ausnahmsweise kamen heute die Kinder nicht ein einziges Mal aus ihren Betten gekrochen und wenn mich nicht alles täuscht, herrschte spätestens um Viertel nach neun absolute Ruhe in den Kinderzimmern. Auch das ein Erfolgserlebnis, wobei man hier nie so ganz sicher sein kann. Vielleicht erfahren wir auch morgen früh, dass die Kinder gar nicht geschlafen, sondern die halbe Nacht Gespenster gejagt haben. Was bekanntlich so leise vor sich gehen muss, dass nicht nur die Eltern, sondern auch die Gespenster nichts davon merken.

Ihr lieben Deutschen

Auf die Gefahr hin, dass ich von gewissen Kreisen in der Schweiz des Landesverrats bezichtigt werde, muss ich hier mal etwas gestehen: Ich mag euch. So etwas dürfte ich als Schweizerin ja gar nicht sagen, denn hierzulande gilt es nicht gerade als cool, Deutsche nett zu finden. Aber wie soll ich denn behaupten, ihr wäret schnoddrig, wenn man uns bei allen Aufenthalten bei euch sehr (gast)freundlich behandelt hat? Wie soll ich mich darüber beklagen, ihr würdet uns langsamen Schweizer nie ausreden lassen, wo die Deutschen, die ich kenne, immer schön brav warten, bis ich in meinem holperigen Schweizer-Hochdeutsch bis zur Pointe einer vermeintlich witzigen Bemerkung vorgedrungen bin? Weshalb sollte ich mich darüber ärgern, dass ihr bei uns in den Spitälern arbeitet, wo ich doch selber nie und nimmer genug Mumm in den Knochen hätte, blutige Wunden zu verarzten und alte Menschen zu waschen? Klar, mir sind auch schon doofe Deutsche begegnet, aber die waren auch nicht doofer als die Doofen bei uns. Natürlich finde ich euer Privatfernsehen schrecklich, aber es zwingt mich ja keiner, mir das anzusehen. Nein, ich sehe wirklich keinen Grund, euch doof zu finden; hin und wieder etwas sonderbar vielleicht, aber ganz bestimmt sehr nett und sympathisch. 

„Sonderbar?“, wundert ihr euch. „Sonderbar seid ihr Schweizer, aber wir doch nicht.“ Zwar muss ich euch da ein Stück weit Recht geben, aber ihr habt durchaus auch eure Eigenheiten, die sich dem auswärtigen Besucher nicht allzu leicht erschliessen. Wie muss ich zum Beispiel das Strassenschild deuten, das sich aus einem Überholverbot, einer Tafel mit einem Camper sowie der Zeitangabe 19 – 6 Uhr – vielleicht waren es auch andere Zahlen – zusammensetzt? Ergibt ja alles zusammen ein nahezu künstlerisches Arrangement, aber was bitte bedeutet das nun für mich als Autofahrerin? Bedeutet es überhaupt etwas für mich, oder geht das nur diejenigen etwas an, die mit Wohnwagen unterwegs sind? Ich muss gestehen, dass mich diese Kombination von Strassenschildern ziemlich verunsichert hat, so sehr, dass sie mich bis in meinen Traum verfolgt hat, in dem ich aus Angst, das falsche Schild zu befolgen, im Schneckentempo über eure Autobahnen gekrochen bin und nicht wagte, den Wohnwagen vor mir zu überholen. 

Sonderbar ist auch euer Umgang mit Jubiläen. Hat man uns damals als junge Lokaljournalisten gleich zu Beginn unserer Tätigkeit eingebleut, dass es keine „30-jährigen Jubiläen“ gibt, weil kein Mensch so viel Zeit zum Feiern hat, begeht ihr hemmungslos „25-jährige Gründungsfeste“, „50-jährige Geburtstage“ und vielleicht gar „100-jährige Jubiläen“. Und ich hatte mir stets gedacht, ihr wäret ein arbeitsames Volk. 

Was mich aber am meisten wundert ist euer Hang zu Klebrig-Süssem. Ihr ernährt euch doch wohl nicht mehrheitlich von Bonbons, Marzipan, Zuckerwatte und Plundergebäck, oder? Warum in aller Welt sind dann die Regale in euren Supermärkten von unten bis oben mit Süsswaren vollgestopft? Ich war immer der Meinung, das Anstehen am Schalter der Schweizer Post mit ihrem Süssigkeiten auf Kinderaugenhöhe sei der absolute Horror, aber nachdem ich erfolglos versucht habe, meine unvernünftigen, nach Süssem lechzenden Söhne tränenfrei durch eure Supermärkte zu lotsen, ist mein Respekt für alle Deutschen Mamas, die es schaffen, ihre Kinder gesund zu ernähren, ins Grenzenlose gestiegen. 

Vielleicht aber täuscht mich auch mein Eindruck, denn es könnte ja sein, dass ich bei euch einfach viel eher in Versuchung komme, zuzugreifen, weil es für sehr viel weniger Geld sehr viel mehr Kalorien zu kaufen gibt. Das Totschläger-Argument „Nein, das ist viel zu teuer, das können wir uns nicht leisten“ verfängt bei euch einfach nicht, zumal unsere Kinder schon ziemlich gewieft sind im Umrechnen des Euro-Kurses. Wenn das Ganze dann noch mit dem bei uns nicht erhältlichen, bei euch aber omnipräsenten, Waldmeistergeschmack daherkommt, dann kann auch ich nicht mehr widerstehen und ich sage ja, auch wenn ich sehr genau weiss, dass ich eigentlich nein sagen sollte. Und um den Bogen zum Anfang dieses Posts zu schlagen muss ich noch anfügen, dass man Menschen, die so viel Waldmeistergeschmack haben, doch einfach mögen muss.

Neues aus dem Haushalt

Reisen bildet, sagt man und wie es sich gehört, habe auch ich in diesen Ferien Weisheiten gesammelt. Die weiseste dieser Weisheiten möchte ich meiner Leserschaft nicht vorenthalten, zumal es sich dabei um einen Haushaltstipp handelt, den ich gerne schon vor Jahren gekannt hätte.

Also, hier kommt er endlich, nach mehr als zwei Jahren Bloggerei, mein allererster Haushaltstipp: Flecken von Babybel-Wachs auf Kachelböden – es kann auch das Wachs vom Edamer-Käse sein – entfernt man am einfachsten mit einem Baby-Feuchttuch. Das funktioniert übrigens auch bestens bei versiegeltem Parkett. Habe ich heute Morgen beim Aufräumen der Ferienwohnung festgestellt, nachdem ich die hartnäckigen Wachsflecken einfach nicht wegbkriegen konnte.

Weshalb ich diesen Tipp hier weitergebe? Erstens, weil ich keinen Bedarf dafür habe, da wir weder Kachelböden noch versiegelte Parkettböden haben. Und zweitens, weil man von einer bloggenden Teilzeithausfrau doch Haushalttipps erwartet und ich möchte meine Leserschaft nicht enttäuschen.

Wie, ihr wollt hier gar keine Haushaltstipps lesen? Umso besser. Das mit dem Babybel-Wachs ist nämlich der Einzige, den ich auf Lager habe. Aber vielleicht ist ja dennoch die eine oder andere verzweifelte Mama, die eine Ferienwohnung in halbwegs anständigem Zustand hinterlassen möchte, froh darum.

Es gäbe da natürlich noch eine andere Möglichkeit: Sich konsequent weigern, Babybel-Käse zu kaufen, wenn die Kinder wieder unbedingt welchen haben wollen. Dies allerdings erfordert ziemlich starke Nerven und wer diese nicht hat – wie ich zum Beispiel -, der sollte sich zusammen mit dem Käse auch gleich noch eine Packung Feuchttücher kaufen.

Kenne ich die?

„Meiner“ und ich sollten es inzwischen ja schon längst wissen: Es gibt Tage, an denen man mit unseren Kindern nicht auswärts essen sollte. Heute war so ein Tag, aber wir taten es trotzdem. Klar, vier von fünf Kindern waren schrecklich aufgedreht und das fünfte klagte noch immer laut über Bauchschmerzen, wenn auch etwas weniger als gestern. Aber nachdem ich den ganzen Tag mit wirrem Kopf und grummelndem Bauch im Bett verbracht hatte und „Meiner“ sich vom Apotheker – nicht dem gleichen wie gestern – hatte sagen lassen, der FeuerwehrRitterRömerPirat brauche frische Luft, beschlossen wir, auf der Halbinsel Kampa eine böhmische Kartoffelsuppe zu essen. Genau das Richtige für Mägen, die zwar vor Hunger grummeln, aber nicht sicher sind, ob sie das Essen dann auch wirklich behalten wollen.

Nach einigem Suchen fanden wir das perfekte Restaurant: Ein lauschiger Garten, ein Tisch etwas abseits von den anderen Gästen und grossfamilienfreundliche Preise. Nachdem auch noch die Kellnerin voller Bewunderung fragte, ob all diese Kinder aus eigener Produktion stammten, hatten „Meiner“ und ich das Gefühl, dass heute ein Abend werden könnte, an den man noch Jahre später sehnsüchtig zurückdenken würde. „Wisst ihr noch, damals, auf der Halbinsel Kampa, als wir diese köstliche böhmische Kartoffelsuppe aus dem Brot löffelten…“

Nun, ich bin mir ziemlich sicher, dass wir uns immer mal wieder an diesen Restaurantbesuch erinnern werden, wenn auch nicht voller Sehnsucht. Es fing damit an, dass der Zoowärter und das Prinzchen unablässig über die Sitzbänke kletterten und dazu einen Riesenlärm veranstalteten. Etwas später meldeten sich die Bauchschmerzen und damit auch das laute Jammern unseres Dritten zurück. Karlsson und Luise stritten sich derweilen, wer den grünen Trinkhalm bekommen sollte.

Dann kam das Esen und jetzt ging es richtig los. Luise verschüttete ihre Erdbeerlimonade über die gebratenen Zwiebelringe, das Prinzchen füllte sich die Windel, der FeuerwehrRitterRömerPirat raste aufs WC und der Zoowärter wollte sich aus dem Staub machen, weil er in nächster Nähe einen Spielplatz vermutete. Derweilen versuchte Karlsson, den griechischen Salat, den er sich mit Luise teilte, in Essig zu ertränken. Aus irgend einem Grund gerieten sich das Prinzchen und der FeuerwehrRitterRömerPirat in die Haare, weshalb unser Jüngster seine Sandalen auszog, um sie dem grossen Bruder an den Kopf zu werfen. „Meiner“ schaffte es in letzter Sekunde, das Schlimmste zu verhindern, aber der FeuerwehrRitterRömerPirat heulte dennoch Rotz und Wasser. Auch der Zoowärter heulte, weshalb weiss ich nicht mehr, ich weiss nur noch, dass ihm vor lauter Heulen das Abendessen wieder hochkam. Ich schaffte es gerade noch, ihm eine leere Schale hinzuhalten, deren Inhalt „Meiner“ mithilfe von zwei – sauberen – Windeln im nahe gelegenen Abfalleimer diskret entsorgen konnte. Danach wollten wir eiligst unsere Rechnung bezahlen und sofort verschwinden. Währenddem wir auf die Kellnerin warteten, stellte der Zoowärter fest, dass er jetzt, wo sein Abendessen in Windeln gewickelt im Abfalleimer lag, wieder hungrig war und da sonst nichts mehr auf dem Tisch war, wollte er sich über die letzten Pommes Frites seines größeren Bruders hermachen. Natürlich liess ihn dieser nicht einfach so gewähren, was zu erneutem Geheul führte.

Als wir uns wenige Minuten später mit unserer Barbarenhorde – mindestens drei davon laut heulend – aus dem Staub machten, glaubte ich, das Schlimmste sei überstanden. Doch was musste ich sehen, als ich mich ungeduldig umwandte, um zu sehen, wo „Meiner“ und die Kinder so lange blieben? Die machten sich doch tatsächlich über den Inhalt eines Abfalleimers her, allen voran „Meiner“, der voller Begeisterung zwei hässliche alte Ledertaschen, die wohl noch die Anfänge des Kommunismus in Prag miterlebt hatten, herauszog. Der Zoowärter tat es seinem Papa gleich und schwenkte bald darauf voller Stolz einen ausgedienten Squash-Schläger.

Als ich das sah, tat ich etwas, was ich noch nie zuvor getan habe: Ich ging so schnell als möglich weiter und tat, als würde ich die da hinten nicht kennen.

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Armes Prinzchen

Allmählich nähert sich das Prinzchen seinem dritten Geburtstag und so langsam kommt bei mir das Mitleid auf, das ich immer empfinde für die Dreijährigen. Nun ja, es dauert noch gute drei Monate, bis der grosse Tag da ist, aber als jüngstes Kind ist das Prinzchen immer etwas schneller als die anderen es waren. Und darum zeichnet sich bei ihm jetzt schon ab, was früher oder später kommen muss: Die Schonzeit nähert sich ihrem Ende. 

Es fängt damit an, dass nicht mehr alle „ach, wie süüüüüüüüss“ kreischen, wenn das Prinzchen einem seiner Geschwister eins überbrät. Plötzlich heisst es „Prinzchen, du nervst!“ und der arme Junge ist ganz verdattert. Warum sind sie plötzlich nicht mehr entzückt, wenn er den Grossen zeigt, wer hier der Meister ist? Vielleicht hat es etwas damit zu tun, dass seine Schläge inzwischen ganz schön schmerzhaft sind und das ist nun mal nicht mehr besonders süss.

Ein weiteres Anzeichen, dass es für unseren Jüngsten langsam ernst gilt: Der Satz „Ach lass ihn doch. Er ist noch so klein und versteht noch gar nicht, dass er kein Eis haben darf, wenn er bereits Gummibärchen genascht hat“ fällt deutlich seltener. So langsam entwickelt unser Prinzchen ein Gefühl für den Tagesablauf und von einem Kind, das schon ziemlich gewieft mit den Begriffen „heute“ und „morgen“ jongliert, erwartet man automatisch, dass es damit leben kann, dass es erst morgen wieder etwas Süsses gibt. Natürlich weiss ich, dass der Junge trotz seiner grossen Worte noch keinen Zeitbegriff hat, aber wer sagt denn, dass Mütter sich immer schön brav an das halten, was sie wissen? Oh ja, es fällt mir durchaus schwer, bei dem herzigen Bengel konsequent zu bleiben, wo er doch im Vergleich zu seinen Geschwistern tatsächlich noch sehr klein ist, aber irgendwann muss er wohl lernen, dass er hier nicht im Schlaraffenland lebt. 

Ja, und da wäre natürlich noch die Sache mit dem Chaos. So langsam ist es einfach nicht mehr süss, wenn das Prinzchen wie ein Wirbelsturm durch die Wohnung fegt. Er braucht gerade mal so lange, wie Mama auf dem WC sitzt, um den Küchenschrank leer zu räumen, eine halbe Tüte Mehl zu verschütten und den Brotteig mit bunten Zuckerstreuseln zu verzieren. Ja, ich weiss, ihr denkt jetzt, ich würde wohl den halben Vormittag im Badezimmer verbringen und glaubt mir, die Versuchung ist gross, eben dies zu tun, um das Durcheinander, das unser Jüngster innert Kürze anrichtet, nicht sehen zu müssen. Aber weil ich inzwischen die unzähmbare Neugierde unseres Jüngsten und deren desaströse Folgen für Mobiliar, Bastelarbeiten und Lebensmittelvorräte kenne, wage ich kaum mehr, die Tür zum Badezimmer zu schliessen, aus Angst, ich würde ausgerechnet in dem Moment weg sein, in dem er beschliesst, das iPad aus dem Fenster zu werfen oder Karlssons Zeugnis etwas bunter zu gestalten. Und sagt jetzt nicht, wir müssten die Dinge eben prinzchensicher verstauen. In den vergangenen Monaten mussten wir durch diverse schmerzhafte Erfahrungen lernen, dass es so etwas wie Prinzchensicherheit nicht gibt, das Kind kommt überall hin, wenn er es sich nur fest genug in den Kopf setzt. Und weil man ein solches Kind nicht bremst, indem man ihm sanft ins Ohr säuselt „Mein lieber kleiner Schatz, willst du das nicht lieber bleiben lassen? Mama ist ganz traurig, wenn du jetzt diesen Blumentopf vom Balkon schmeisst“, kommt es hin und wieder vor, dass wir ziemlich laut und ernst werden müssen, ehe er von seinem Tun ablässt.

Wenn ich lese, was ich bis jetzt geschrieben habe, frage ich mich, weshalb ich diesen Text mit „armes Prinzchen“ überschrieben habe. Sind nicht wir anderen die Armen? Immerhin versuchen wir den lieben langen Tag mit mässigem Erfolg zu verhindern, dass der kleine Lausebengel unser Leben noch vollends auf den Kopf stellt. Aber ich bleibe dabei, dass nicht wir die Armen sind, sondern er. Denn währenddem wir wissen, dass sich das alles wieder legen wird, wenn der Verstand des Prinzchens anfängt, mit seinem Können Schritt zu halten, hat er keine Ahnung, weshalb es immer öfters „Prinzchen neeeeeiiiiiiiin! Jetzt hörst du sofort auf damit!“ heisst und nicht mehr „Ach schau mal wie süss! Jetzt hat er schon wieder den ganzen Sirup ausgekippt, weil er versucht hat, sich selber einzuschenken.“

Das grosse Schlafen

In meinem Kopf habe ich schon unzählige Male Anlauf genommen.

Anlauf, endlich an der Geschichte weiter zu arbeiten, die schon so lange auf die Feinarbeit wartet. Ich habe mir gar eine alte Schreibmaschine zugelegt, damit ich gezwungen bin, jedes einzelne Wort noch einmal umzudrehen und an den richtigen Platz zu setzen. Wo es keine Delete-Taste gibt, gibt es auch keinen Raum mehr für überzählige Wörter, so dachte ich mir. Aber eben, bis jetzt ist es beim Anlaufnehmen geblieben.

Ich habe auch schon unzählige Male Anlauf genommen, endlich mal wieder ein paar Kilos loszuwerden. Nein, ich habe nicht vor, einem ungesunden Schönheitsideal nachzueifern, aber einfach nur noch runder werden ist wohl auch nicht gerade gesund.  Auch hier ist es aber beim Anlauf geblieben.

Auch im Bezug auf meine Kinder bin ich in den Startlöchern: Endlich wieder mehr Energie in die Beziehung stecken, nicht immer nur müde mit dem Kopf nicken und „dann mach halt, wenn du unbedingt musst“ seufzen. Doch auch in diesem Bereich trete ich auf der Stelle, nehme mir jeden Tag vor, es anders zu machen als am Tag zuvor.

Wohin ich auch schaue in meinem Leben, überall sehe ich Dinge, die ich in Angriff nehmen will; Lebensbereiche, die mir wichtig sind, denen ich gerne wieder mehr Beachtung schenken würde.

Mein Kopf ist unglaublich aktiv, denkt sich neue Wege aus, entwirft Pläne für ein Leben, das mehr dem entspricht, was ich unter Leben verstehe. Aber was hilft es, wenn der Kopf wie verrückt arbeitet, solange der Körper nicht mitmacht? Das faule Ding hat nämlich seit einiger Zeit nur noch eins im Sinn: Schlafen, schlafen und nochmals schlafen. Kaum zeichnet sich ab, dass es da ein freies Zeitfenster geben könnte, beginnt mein Kopf zu planen. „Zuerst einmal werde ich eine oder zwei Stunden schreiben, dann mache ich einen Spaziergang und schliesslich spiele ich noch mit den Kindern dieses Spiel, das sie schon so lange spielen möchten“, sagt er dann zum Beispiel. „Nichts da!“ schreit der Körper. „Zuerst wird geschlafen.“ „Nicht schon wieder schlafen“, meckert der Kopf. „Das haben wir schon gestern zuerst gemacht und dann war wieder die ganze freie Zeit verpennt und alles, was ich tunt wollte blieb liegen.“ „Heute schlafen wir nicht so lang“, verspricht der Körper. „Nur ein halbes Stündchen, dann können wir tun, was immer du willst.“ „Das sagst du jedes Mal und am Ende bleibst du doch so lange liegen, bis die Kinder von der Schule nach Hause kommen und es Zeit wird zum Kochen“, brummt der Kopf. „Ach komm schon, du weisst, dass man viel besser arbeiten kann, wenn man ausgeschlafen ist. Und die Kinder erträgst du auch viel besser, wenn du nicht mehr so müde bist“, insistiert der Körper. „Da hast du ja schon Recht, aber meine Freizeit ist begrenzt, die kann ich nicht einfach verschlafen… Wobei, so eine Viertelstunde könnte nicht schaden. Vielleicht habe ich danach tatsächlich mehr Energie….“ „Ich hab’s doch gewusst, dass du zur Einsicht kommen wirst“, lobt der Körper, schmeisst sich aufs Bett und schon versinke ich im tiefsten Schlaf.

Ich hoffe doch sehr, dass ich im Schlaf irgendwann genügend Energie für neue Taten gewonnen haben werde. Damit es nicht lange beim Anlaufnehmen bleibt…

Neue Welten

Mir wurde ja schon ein wenig mulmig, als „Meiner“ Karlsson zum zehnten Geburtstag das Versprechen abgab, dass er im Laufe des Jahres je einen ganzen Tag mit Papa und einen ganzen Tag mit Mama verbringen dürfe. Das Programm, so sagte „Meiner“, würde ganz vom Kind bestimmt. An sich eine tolle Sache, denn es gibt für Mehrfacheltern ja eigentlich nichts Schöneres, als einen ganzen Tag Zeit zu haben für ein einziges Kind. Zeit zum Reden, Spass haben, dem Kind die volle Aufmerksamkeit schenken. Doch man weiss ja auch, wohin es führen kann, wenn man den Kindern freie Hand lässt bei der Programmgestaltung: Plötzlich findet man sich inmitten von kreischenden Teenies am Justin Bieber-Konzert wieder. Oder hustend und keuchend an einem Moto-Cross-Rennen. Oder, schlimmer noch, auf einer Fresstour durch sämtliche Fastfood-Tempel des Landes. Man kann nie wissen, welche abartigen Vorlieben angehende Teenager entwickeln und deshalb finde ich ein solches Versprechen ziemlich risikoreich. Hätten meine Eltern mir damals ein solches Angebot gemacht, ich hätte sie bestimmt zu einem Michael Jackson-Konzert geschleppt, oder ich hätte sie dazu gezwungen, mit mir ins Kino zu gehen, um Dirty Dancing zu schauen. Nun gut, da war ich schon etwas älter als zehn, aber man weiss ja, dass die Pubertät und damit auch die Geschmacksverirrungen heutzutage früher einsetzen als zu unseren Zeiten. Klar, aus Liebe zum Kind ist man zu allem bereit, aber nicht zu allem gleich gern.

Aus diesem Grund sah ich dem Mama-Karlsson-Tag mit gemischten Gefühlen entgegen. Was würde unser Ältester von mir erwarten; auf welche Tortur musste ich mich gefasst machen? Nachdem „Meiner“ am Papa-Karlsson-Tag schon sämtliche bekannten Highlights – Kino, Antiquitätenhändler, gut essen und Thermalbad – abgehakt hatte, wusste ich erst recht nicht mehr, womit ich zu rechnen hatte. Mit einem Vergnügungspark vielleicht, oder mit einem Besuch im „Spassbad“, das nur für Menschen unter zwanzig lustig und Berufsjugendliche lustig ist? Oder am Ende vielleicht ein Essen in einem Nobelrestaurant, in dem ich mich nicht zu benehmen weiss? Immerhin ist Karlsson ein bekennender Feinschmecker. Nun, es kam nicht ganz so schlimm: Mein Sohn und ich fahren am Samstag nach Avenches in die Oper. Offen gestanden habe ich keine Ahnung, wie man sich in einer Oper aufführt, aber die Veranstaltung findet ja in der Arena statt, da werde ich nicht viel falsch machen können. Ob mir die Musik gefallen wird, weiss ich nicht und ob ich die Handlung verstehen werde erst recht nicht, aber immerhin beschert mir der Ausflug keine Albträume, mal abgesehen von der Fahrt nach Avenches, die bei meinem Orientierungssinn durchaus zur Katastrophe werden könnte. Im Gegenteil, ich sehe dem Abend mit eienr gespannten Vorfreude entgegen. Und sollte mir das Ganze nicht zusagen, so kann ich immerhin dankbar sein, dass unser Ältester mich verschont vor kreischenden Teenagern, irrsinnigen Rutschbahn-Fahrten und missgünstig dreinblickenden Kellnern, die nur darauf warten, bis mir ein Bissen unter den Tisch fällt.  

Als

Kinderspuren

Als erfahrene Eltern haben wir uns längst daran gewöhnt, dass es nicht immer ganz ungefährlich ist, den müden Kopf einfach so im Dunkel des Schlafzimmers auf das Kopfkissen sinken zu lassen. Allzu oft kommt es vor, dass man nicht das weiche Kissen, sondern die harten Kanten eines Legosteins zu spüren kriegt. Gefahr lauert oft auch unter der Bettdecke, sei es in Form einer Stricknadel, die trotz mütterlichen Verbots als Schwert verwendet worden ist, oder in Form eines aufgeweichten Zwiebacks, der den Weg ins Elternschlafzimmer gefunden hat, obschon Essen grundsätzlich nur in der Küche und im Esszimmer erlaubt ist. Leider haben wir erkennen müssen, dass sich immer mal wieder jemand in unserem Zimmer breit macht, auch wenn wir schon hundertmal gepredigt haben, wir würden unsere Gäste ja auch nicht im Kinderzimmer bewirten oder unsere Schmutzwäsche bei ihnen liegen lassen. Natürlich verteidigen wir unsere Privatsphäre weiterhin standhaft, aber wie die Legosteine, Stricknadeln und der aufgeweichte Zwieback beweisen, sind wir noch nicht so weit, dass diese auch tatsächlich respektiert wird. 

Als erfahrene Eltern wissen wir auch, dass Mamas Kleiderschrank den Kindern nicht so heilig ist, wie Mama dies gerne hätte und so kommt es, dass die lieben Kleinen sich hin und wieder mit Verkleidungsstücken bedienen, ohne vorher um Erlaubnis gefragt zu haben. Meist tauchen die lange vergeblich gesuchten Kleidungsstücke erst beim nächsten Grossreinmachen wieder auf und dann weiss natürlich keiner mehr, wie der Rock oder die Hose den Weg ins Kinderzimmer gefunden hat. Ganz ähnlich geht es mit Papas Akkordeon, Mamas Lippenstift, den Küchenutensilien und seit einiger Zeit auch mit der Tageszeitung. Grundsätzlich habe ich ja nichts dagegen, wenn die Kinder sich unserer Sachen bedienen,  wir leben ja alle unter einem Dach und teilen fast alles miteinander. Es wäre einfach nur nett, wenn sie a) zuerst fragen würden, b) nach Gebrauch ihre Spuren wieder beseitigen würden und c) ihre Spuren nicht überall hinterlassen würden.

Bis vor Kurzem war der Computer noch die letzte von den Kindern  unangetastete Zone. Doch seitdem Karlsson für die Schule erste kleine Vorträge schreibt, Luise und der FeuerwehrRitterRömerPirat sich ihre Ausmalbilder selber ausdrucken können und der Zoowärter hin und wieder dabei helfen darf, seine Ausmalbilder auszuwählen, ist auch die letzte kinderfreie Festung eingenommen. Und seither erwartet uns jedes Mal eine Überraschung, wenn wir den Computer starten. Mal ist der Bildschirm mit neuen Ordnern übersät, dann wieder sind alle Programme, die so bequem auf den ersten Klick zugänglich sein sollten, im Nirgendwo verschwunden, hin und wieder kommt es auch vor, dass einem ein  Zhu Zhu Pet als Bildschirmhintergrund entgegenlächelt. Grundsätzlich habe ich ja nichts dagegen, wenn die Kinder sich so langsam aber sicher auch am Computer heimisch fühlen und meiner Meinung nach ist es auch richtig, wenn sie dazu nur ein einziges, von den Eltern überwachtes Gerät zur Verfügung haben. Es wäre einfach nett, wenn sie a) zuerst fragen würden, b) nach Gebrauch ihre neuen Ordner und Hintergrundbilder wieder löschen würden und c) auf der Tastatur keine klebrigen Spuren hinterlassen würden. Wobei c) nur funktioniert, wenn die Kinder endlich akzeptieren, dass Essen grundsätzlich nur in der Küche oder im Esszimmer erlaubt ist….

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Tischgespräch

„Was gibt’s denn heute zum Mittagessen? Das stinkt ja fürchterlich!“

„Das stinkt nicht, das duftet! Ich kann es kaum erwarten, bis ich endlich davon probieren kann. Und du musst unbedingt auch probieren. So etwas Gutes hast du noch nie gegessen.“

„Nein danke, ich verzichte lieber. So scheusslich wie das stinkt, werde ich keinen Bissen davon runterkriegen.“

Das Essen wird aufgetragen, die Familie setzt sich zu Tisch.

„igitt! Ich will nicht neben dieser Schüssel sitzen. Diesen Gestank halte ich nicht aus.“

„Jetzt hab‘ dich doch nicht so! Immerhin habe ich mir grosse Mühe gegeben, das Essen zuzubereiten. Und überhaupt: Das ist eine Delikatesse.“

„Eine Delikatesse? Von wegen! Mach mal bitte das Fenster auf, sonst kann ich hier nicht essen.“

Jemand öffnet das Fenster, eine Weile lang essen alle schweigend.

„Das ist einfach himmlisch! Komm, probier auch mal ein wenig. Das darfst du dir nicht entgehen lassen.“

„Hör sofort damit auf, mit diesem ekligen Zeug vor meinem Gesicht herumzufuchteln! Ich werde keinen Bissen davon probieren. Und es ist mir vollkommen egal, dass ich nachher kein Dessert kriege.“

„Du kennst doch unsere Regel: Es wird von allem probiert, was auf den Tisch kommt.“

„Ich pfeife auf diese Regel. Von dem hier probiere ich ganz bestimmt nicht und wenn ich für den Rest des Jahres kein Dessert mehr kriege. Mich hat ja keiner gefragt, ob ich überhaupt will, dass diese Scheusslichkeit auf den Tisch kommt.“

So kam es, dass fünf kleine Vendittis genüsslich ein von Karlsson zubereitetes Ziegenkäse-Fondue verzehrten, während Mama, Papa und Au Pair angeekelt die Nase rümpften und sich standhaft weigerten, auch nur einen einzigen Brotbrocken mit Käse herunterzuwürgen.

Wer hat eigentlich unsere Kinder auf diese irrsinnige Idee gebracht, dass man bei Tisch von allem probieren soll?