Ganz der Papa

Nein, Helena und der Zoowärter haben noch immer keinen Termin für ein Treffen gefunden. Davon geredet haben sie zwar schon oft, aber meist scheitert es daran, dass bei Helena keiner das Telefon abnimmt, wenn der Zoowärter anrufen will. Das Mädchen ist wohl einfach zu beschäftigt. Kein Grund für den Zoowärter, Trübsal zu blasen. Es gibt ja noch andere Mädchen. Joanna, zum Beispiel, mit der man es immer so lustig hat. Oder Matilda, mit der er diese Woche schon dreimal gespielt hat und die er morgen schon wieder einladen will.
Ganz klar, der Zoowärter liebt Mädchen. Er, der mit seinen Freunden und Brüdern so laut und wild ist, zeigt sich bei seinen Freundinnen von der sanften, verspielten Seite. Da wird gemalt, gebastelt und Schule gespielt. Für Matilda darf es kein gewöhnliches Zvieri sein, da muss ein bunter Früchteteller her. Neben Matilda stürmt man auch nicht einfach achtlos die Treppe hoch, sonst könnte sie am Ende noch hinfallen. Vor allem aber will er sich ungestört mit ihr unterhalten können. „Prinzchen, sei nicht immer so laut“, heisst es dann. „Matilda und ich können bei diesem Lärm gar nicht miteinander reden.“
Ich kenne einen Mann, der genau auf diese Weise das Herz seiner heutigen Frau erobert hat und mir scheint, dass der Zoowärter diesem Mann nicht nur sehr ähnlich sieht, sondern dass er auch seine Art geerbt hat.

Eingescannt

Natürlich musste ich die Sache mit dem Self-Scanning sogleich ausprobieren, als ich erfuhr, dass jetzt auch mein Detailhändler das System anbietet. Als leidenschaftliche Futtersammlerin muss ich mitreden können, wenn beim nächsten Kaffeeklatsch die Rede auf den Einkauf mit dem Handscanner kommt. Nicht, dass ich oft mit Frauen zusammenkomme, die über nichts anderes als Einkauf, Trockenwerden und Putzmittel reden, aber man sollte zumindest vorbereitet sein. Jetzt also könnte ich mitreden, wenn ich denn müsste, also tue ich es.

Self-Scanning beim Zwischendurch-Einkauf, das geht. Ist zwar langweilig, aber es erinnert mich an meinen Studentenjob an der Kasse, als ich die Chef-Verkäuferin beeindruckte, weil ich fast so schnell scannte wie die Profis. Einer meiner grössten beruflichen Erfolge…

Self-Scanning und Wocheneinkauf geht zwar auch, wird aber schon deutlich schwieriger. Wie soll man sinnvoll einpacken können – Schweres und Hartes unten, Leichtes und Weiches oben -, wenn alles sogleich in die Einkaufstaschen wandert, zuerst die Kakis und erst viel später die Milchflaschen? Aber eben, es geht. Zumindest, wenn man den Verstand nicht vollends ausschaltet, was man beim Einkauf ohnehin nie tun sollte, sonst weiss man zu Hause nicht mehr, weshalb man auf die hirnverbrannte Idee gekommen ist, Trüffelöl zu kaufen, wo doch ausser Karlsson keiner von uns Trüffel mag.

Self-Scanning und FeuerwehrRitterRömerPirat ist geradezu erholsam. Vor lauter scannen vergisst der Junge, Süssigkeiten und Spielsachen zu betteln. Vielleicht spürt er auch einfach, dass betteln jetzt noch zweckloser ist als gewöhnlich. Wenn man zwischendurch mal kurz nachschauen kann, wie viel Geld man am Ende ausgeben wird, wird das Neinsagen so viel einfacher.

Was aber auf gar keinen Fall geht: Self-Scanning und Prinzchen. Mal löscht er mir die eben eingescannten Artikel, dann wieder setzt er mir fröhlich ein paar zusätzliche Raclette-Käse auf die Rechnung, weil es so viel Spass macht, die Plus-Taste zu drücken. Hin und wieder fällt das Gerät zu Boden, weil er es nicht mehr aus den Händen geben will und beim Bezahlen kommt das Geschrei, weil wir nicht bei der Kinderkasse mit dem Treppchen anstehen, sondern bei einer dieser kühl wirkenden Bezahlstationen.

Mag sein, dass ich hie und da wieder zum Scanner greifen werde, aber solange die Bezahlstation nicht mehr zu mir sagt als „Akzeptieren Sie die allgemeinen Geschäftsbedingungen“ und „Geben Sie Ihren PIN-Code bitte verdeckt ein“, wird sich das System bei mir nicht durchsetzen. Ein Grosseinkauf ohne Schwatz mit der Kassiererin ist nichts für mich.

Mama schläft (nie so ganz)

Zwölf lange Jahre habe ich trainiert, beim Mittagsschlaf nie so tief wegzutauchen, dass man direkt neben mir das Haus in Brand stecken könnte. Oh ja, ich habe einige kleinere Katastrophen verschlafen – Bad unter Wasser, Fingerfarbenschmierereien und dergleichen -, aber wenn es wirklich gefährlich zu werden drohte, weckte mich mein mütterliches Alarmsystem immer rechtzeitig. Ich glaube, die Kinder haben inzwischen begriffen, dass es sich nicht lohnt, grosse Dummheiten anzustellen, weil Mama Venditti auch im Schlaf kaum etwas entgeht.

„Meiner“ hingegen glaubte bis heute Nachmittag noch allen Ernstes, er könne tun, was der Arzt verboten hat, bloss weil ich gerade im Land der nachmittäglichen Albträume unterwegs war. Aber wenn ich mitten in meinen Albträumen die Satzfetzen „nur kurz nach Olten“, „Mama schläft ja noch“ und „geht schon mal zum Auto“ höre, dann bin ich aus dem Bett, bevor ich ganz wach geworden bin. Da will der gute Mann doch tatsächlich für einen Besuch im Brockenhaus sein Leben aufs Spiel setzen, bloss weil ihm die Decke auf den Kopf fällt, wenn er wochenlang zu Hause bleiben muss. Dass ihm die Decke auf den Kopf fällt, kann ich ja nur zu gut verstehen, aber mit heftigem Schwindel, übermässiger Lärmempfindlichkeit und Gleichgewichtsstörungen setzt man sich nun mal nicht ans Steuer. Schon gar nicht mit zwei Kindern auf der Rückbank.

Und so bekam „Meiner“ eben zu hören, was jeder zu hören bekommt, der meinen Mittagsschlaf stört: „Kann man sich denn in diesem Haus nicht mal ein halbes Stündchen hinlegen, ohne dass einer auf dumme Gedanken kommt?“

20121106-204553.jpg

Gute alte Bestechung

Irgendwann ist genug herumgebrüllt, gedroht, gebettelt, an den Verstand – oder gar an das Mitgefühl für die arme, übermüdete Mama- appelliert. Irgendwann hilft nur noch eins,  nämlich Bestechung. Nun ja, so offen gibt das kaum einer zu, aber machen wir uns nichts vor: Wer für zehn Einheiten Wohlverhalten einen Hallenbadbesuch, für zwanzig Einheiten Wohlverhalten einen Museumsbesuch und für dreissig Einheiten Wohlverhalten eine Überraschung verspricht, besticht seine Kinder. 

Oh ja, Belohnungssysteme sind äusserst wirksam. Das beweisen die zahlreichen Kundenkarten, die wir allzeit griffbereit halten. Egal wie klein der Gewinn, wenn man uns eine Belohnung in Aussicht stellt, müssen wir sie haben und zwar so schnell als möglich. Bei den Kindern ist dies nicht anders und so tun sie für ein paar Wochen brav das, was wir uns von ihnen wünschen. Kaum aber sind die Belohnungen eingesackt, ist der alte Schlendrian zurück.

Warum also gestalte ich dennoch für jedes Kind seinen eigenen Plan mit individuell formulierten Zielen? Ich tue es, weil ich eine Verschnaufpause brauche. Weil das Gezerre um jede kleinste Gefälligkeit zu viele Nerven kostet. Weil ich Zeit gewinnen will, um mir Gedanken zu machen, wie wir die Kinder wieder besser begleiten sollen, damit wir in Zukunft auf die billige Bestechung verzichten können.    

A ram sam sam

Das Prinzchen hat’s in der Krippe gelernt und singt es andauernd.

Der Zoowärter hat’s im Kindergarten gelernt und singt es ebenfalls andauernd.

Der FeuerwehrRitterRömerPirat hat es von den kleinen Brüdern gelernt und probiert aus, wie viel schneller es noch geht.

Luise muss es auf der Querflöte üben.

Karlsson klimpert es auf dem Klavier, weil er Luise begleiten möchte.

Ich frage mich, ob denn keiner an die armen Mütter denkt, die pausenlos das gleiche banale Liedchen hören müssen.

20121104-213240.jpg

Window-Shopping

Endlich weiss ich, was mich in diesen Tagen fast zur Verzweiflung bringt. Es ist meine Projektlosigkeit, die mir die Lebensfreude raubt. So viele Möglichkeiten und so wenig Energie. Ich fühle mich wie ein London-Tourist, der bis auf ein paar Pfund alles für kitschige Royals-Souvenirs ausgegeben hat und nun mit sehnsüchtigen Blicken vor den Schaufenstern von Selfridges steht.

„Wow, beeindruckend, dieser Käser-Lehrgang! Den nähme ich sofort. Wenn der bloss nicht so zeitintensiv wäre. Aber vielleicht dieser Fünftageworkshop? Ist zwar nicht die ganz grosse Sache, aber mit etwas gutem Willen würde ich es vielleicht hinkriegen? Mist, da steht, dass man zuerst einen Basiskurs in Milchverarbeitung machen muss und das dauert ja auch wieder seine Zeit. Wird wohl nichts daraus… Aber dort hinten, diese niedliche, kleine Tauschbörse für Hausgemachtes. Kostet gar nicht so viel, ein paar Anrufe, ein bisschen Werbung auf Facebbook, zwei oder drei motivierte Freundinnen… Ich glaube, das könnte ich noch zusammenkratzen… Bloss, wer kümmert sich dann um die Kinder? Und was, wenn alles, was keinen Abnehmer findet, bei mir liegen bleibt? Und wenn sich alle aus dem Staub machen, bevor aufgeräumt ist. Wird wohl doch nichts draus… Aber es wäre doch soooooo niedlich….“

„Das dort drüben ist der absolute Hammer! Ein umwerfendes Buchprojekt, das nehme ich, koste es, was es wolle… Äääähm, okay, an die durchwachten Nächte habe ich dabei natürlich nicht gedacht und die freien Stunden für ungestörtes Arbeiten… Na ja, wenn ich mich ein wenig anstrengen würde, könnte es klappen… Aber mir brummt noch der Schädel von der letzten schlaflosen Nacht und da habe ich nicht mal geschrieben. Ist wohl doch noch etwas zu früh für grosse Schreibereien… Aber dieses sensationelle Ablagesystem für gute Ideen, das kann ich mir vielleicht leisten. Wie, dazu müsste ich mein Büro auf Vordermann bringen? Wo ich doch gerade so knapp meinen Haushalt schaffe, wenn „Meiner“ mehrheitlich ausfällt… Wird wohl auch nichts draus. Zumindest noch nicht jetzt.“

‚Ha, aber das dort drüben, das muss einfach klappen. Das Kätzchen, das sich Karlsson zum Geburtstag wünscht, das muss doch einfach drin liegen. Wo zwei Katzen sich wohl fühlen, wird auch eine dritte glücklich sein. Ach so, ja, die zwei müssten Nummer drei auch noch akzeptieren. Und wenn Leone oder Henrietta dies nicht täten? Würde dann eine davon sich aus dem Staub machen? Die Kinder würden das Karlsson und mir nie verzeihen… Aber es wäre doch so tröstlich, etwas Kleines, Lebendiges zu haben…. Nein! Auf gar keinen Fall hinschauen! Du weisst, dass das nicht in Frage kommt…Nun ja, ein einziger, verstohlener Blick wird wohl nicht schaden…es ist ja nur ein Blick… Mist! Jetzt hat es mich schon wieder erwischt, dabei weiss ich doch ganz genau, dass das auf gar keinen Fall drin liegt. Ob es vielleicht eine Nummer kleiner ginge? Ein Tageskind vielleicht, nur ein paar Stunden pro Woche, vielleicht auch nur ein oder zweimal im Monat… Ach, vergiss es, du weisst genau, dass das weder für das Kind noch für dich gut wäre…“

„Dann machen wir eben eine Reise. Einfach mal weg aus dem ganzen Trott, Neues erkunden, Vergangenes hinter sich lassen, neue Lebensperspektiven gewinnen… Nun gut, zuerst müsste „Meiner“ mal wieder auf die Füsse kommen. Und dann müsste man schauen, wie das mit der Schule zu lösen wäre. Ach so, ja, die Finanzen… Vergessen wir das Ganze gleich wieder…“

So stehe ich da, bewundere die Auslage und denke, dass ich wohl erst einmal sparen muss, ehe wieder an Projekte zu denken ist. Aber ich weiss schon, was ich mir als erstes anschaffe, wenn es dann soweit ist. Bis dahin stricke ich mal an Karlssons Pullunder weiter. Ist ja auch eine Art Projekt…

20121103-105051.jpg

Wenn bloss die blöden Kieselsteine nicht wären…

Es sind nicht die grossen Brocken im Leben, die mir derzeit am meisten zu schaffen machen. Ich kann damit leben, dass es noch mehrere Wochen bis Monate dauern kann, bis „Meiner“ sich von seiner Krankheit erholt hat. Hauptsache, er kommt wieder auf die Beine und die Aussichten dafür sind gut. Natürlich treibt es mich an die Grenzen, dass die Hauptlast für Kinder und Haushalt in diesen Wochen auf meinen Schultern lastet, aber irgendwann haben wir ja gesagt zu „in guten wie in schlechten Tagen“ und „Meiner“ hat ja auch schon oft für mich geschleppt. Ich kann es verkraften, dass ich zu ausgelaugt bin für einen neuen Job. Klar, ich freue mich schon auf den Tag, an dem ich endlich wieder energiegeladen aus dem Bett springen werde, aber bis dahin nehme ich das Leben so ruhig wie das eben möglich ist.

Oder versuche es zumindest und genau da liegt das Problem: Mit den grossen Brocken wäre ich genügend ausgelastet und darum würde ich zu gerne auf die lästigen Kieselsteine verzichten, die in meinen Schuhen drücken. Die Flöhe, die sich ausgerechnet jetzt auf unseren Katzen niederlassen müssen und deren Bekämpfung viel Zeit erfordert. Die Panne beim Online-Banking, die mich dazu zwingt, die Rechnungen am Postschalter zu begleichen und eine neue „Smart Card“ zu organisieren. Der Geschirrspüler, der mal wieder nicht will, wie er sollte. Der heruntergerissene Duschvorhang, den ich erst dann wieder aufhängen kann, wenn ich die richtigen Ringe aufgetrieben habe. Prinzchens Weigerung, etwas anderes als grüne Hosen anzuziehen, wodurch jedes An- und Umziehen zum Machtkampf ausartet. Die Mandarinenschalen, welche die Kinder überall liegen lassen. Der Katzenkot hinter der Spielzeugkiste. Der Anruf, der genau dann kommt, wenn ich endlich mal auf dem Sofa liege. Der Autoschlüssel, der nicht dort ist, wo er sein sollte…

Lauter kleine Banalitäten, an die ich nicht mehr als einen Gedanken verschwenden sollte und die in diesen Tagen doch so oft dazu führen, dass ich laut werde. Nichtigkeiten, keiner Beachtung Wert und doch oft so gewichtig, dass meine Laune – und meine Familie – darunter leidet. Ich möchte mich nicht darüber aufregen und schaffe es doch nicht, cool zu bleiben. Vielleicht rauben mir die grossen Brocken doch mehr Energie, als ich wahrhaben möchte.

 

Brave Kinderchen

Die Kinder von heute geniessen im Allgemeinen nicht den besten Ruf, vor allem nicht am 31. Oktober. Man berichtet von rohen Eiern, die gegen Hauswände fliegen, Nachtlärm und gemeinen Lausbubenstreichen. Weil ich weiss, dass das nicht vollkommen aus der Luft gegriffen ist, konnte ich ein mitleidiges Lächeln nicht unterdrücken, als Karlsson kurz vor dem Eindunkeln den folgenden Hinweis an die Eingangstüre hängte: „Bitte nicht stören, wir sind krank. Der Inhaber“

„Damit machen wir uns doch nur lächerlich“, wandte ich ein. „Darauf nimmt doch keiner Rücksicht.“ Doch Karlsson liess sich nicht beirren. Keiner sollte es wagen, die Kranken im Hause zu belästigen. Und siehe da, die Bitte wurde ernst genommen. Kein einziges Kind brachte es übers Herz, die leidenden Vendittis zu stören, dabei hätte mein Süssigkeitenvorrat für das halbe Dorf gereicht. Einige wagten sich zwar in den Hauseingang, aber nachdem sie das Schild gelesen hatten, zogen sie brav wieder ab. Sentimental, wie ich nun mal bin, war ich ob dieser Rücksichtnahme so gerührt, dass ich einer Kindergruppe hinterherrief, sie sollten doch bitte warten, damit ich ihnen etwas mitgeben könne. Folgsam, wie die Kinder von heute nun mal sind, warteten sie, aber ich glaube, sie fürchteten sich fast ein wenig vor dieser Irren, die ihnen in der Dunkelheit Süssigkeiten aufdrängen wollte.

20121031-231241.jpg

Höhlenträume

Wenn die Geschirr- und Wäscheberge die Sicht auf den Feierabend versperren….
Wenn man trotz Putzfrauenbesuch schon wieder über die Spielsachen stolpert…
Wenn der ganze Bürokram, mit dem man in einem durchschnittlichen Privathaushalt schon bald eine Teilzeit-Sekretärin beschäftigen könnte, wieder einmal liegen bleibt….
Wenn man aus dem Altpapier eines einzigen Tages Isoliermaterial für ein ganzes Haus herstellen könnte….
Wenn die Kindergeburtstagswünsche ins Unermessliche steigen….
Wenn der Kater das Katzenfutter verschmäht, weil die Speisereste so viel besser schmecken….
Wenn das Telefon andauernd klingelt….
Wenn zum vierten Mal am Tag jemand wegen einer Nichtigkeit an der Türe steht….
Wenn schon wieder ein Lattenrost den Geist aufgibt….
Wenn die Zeitungslektüre mal wieder nur Sorgenfalten auslöst….

…. dann denke ich jeweils, eine sichere Höhle mit ein paar Fellen und einem warmen Herdfeuer hätte auch gereicht. Okay, vielleicht noch eine Badewanne und eine gut sortierte Hausbibliothek dazu, aber den Rest hätte man sich doch wirklich schenken können.

Ja, ich weiss, WLAN und iPad fehlen noch, aber tun wir mal so, als könnte ich noch ohne… Ich meine, WLAN in einer Höhle, sowas geht nun mal einfach nicht. Man stelle sich nur mal vor, wie schlecht die Verbindung dort wäre.

 

 

Was soll das?

Meine sehr verehrten Wettermacher

Mit diesem Schreiben möchte ich meine tiefste Enttäuschung ausdrücken. Bis anhin hatte ich stets geglaubt, Sie hätten mit Kommerz nichts am Hut. Immerhin scheren Sie sich einen Dreck darum, ob das Wetter im Süden an Ostern schön ist, ob das Open Air-Kino verregnet wird, ob die Skipisten schneefrei bleiben. Diese standhafte Unabhängigkeit vom grossen Geld habe ich stets bewundert.

Und nun dies. Als ob es nicht schlimm genug wäre, dass die Läden schon seit Wochen vollgestopft sind mit dem ganzen Weihachtskram. Mit Ihrem verfrühten Schneegestöber haben Sie die den Kindern vorgegaukelt, es würde jetzt dann gleich losgehen mit der Bescherung. Im Gegensatz zu uns desillusionierten Erwachsenen glauben die lieben Kinderlein nämlich noch an das Märchen von weissen Weihnachten.

Ausbaden müssen das einmal mehr wir Eltern. „Nein, lieber Zoowärter, der Samichlaus kommt noch lange nicht.“ „Nein, Prinzchen, wir stellen den Tannenbaum nicht gleich nach deinem Geburtstag auf.“ „Ja, Luise, dir bleibt noch genug Zeit, einen Wunschzettel zusammenzustellen.“ „Ach, FeuerwehrRitterRömerPirat, muss ich denn wirklich jetzt schon Jingle Bells vorsingen?“ Wissen Sie denn nicht, wie anstrengend es ist, bereits Wochen vor Weihnachten nur noch ein einziges halbwegs vernünftiges Kind im Haus zu haben? Das Ganze auch noch kurz vor Vollmond.

Sie verstehen also, meine verehrten Wettermacher, dass ich von Ihrer Anbiederung an die Geschäftemacher nichts halte. Als Wiedergutmachung erwarte ich von Ihnen, dass Sie uns für den Rest der kalten Jahreszeit einschneien. Nach diesem Wochenende brauche ich ganz dringend einen Winterschlaf.

20121028-224047.jpg