Herbstferien

Luftschloss:

Ganze Tage im Garten arbeiten, viel Zeit mit Freunden verbringen, ein paar Ausflüge machen oder vielleicht auch zwei Tage wegfahren, ein wenig ausschlafen, wenn es mit dem Garten gut vorangeht, damit anfangen, die Küche aufzumöbeln.

Realität:

Kinderärztin mit Luise, Physiotherapie mit Luise (4 x), Spezialärztin mit dem FeuerwehrRitterRömerPiraten (2x), Zaharzt („Meiner“), Spezialärztin (nicht die gleiche wie vorher, da für „Meinen“), tagelang über die Hochbeetfrage diskutieren, anstatt Hochbeete zu bauen (Okay, die Frage ist jetzt ausdiskutiert und falls es hinhaut, wird es guuuut), Hetbstschuhe kaufen, aufräumen, putzen, arbeiten, Rechnungen bezahlen, neues Handy für Luise ersteigern (alleine dies wäre eigentlich ein Fulltime-Job), Klaviertransport organisieren (auch das beinahe ein Fulltime-Job, weil der Transporteur sich rar macht) neuen Fernseher installieren… und das alles sind natürlich nur die Fixpunkte, dazwischen gibt es zu klären, wer wann ans neue Klavier darf, wer sich am Magenbrot vergriffen hat, wie man Zoowärters Albtraum bekämpft, woher man spät abends Lesenachschub für den FeuerwehrRitterRömerPiraten bekommt und wie man Prinzchens Quetschung an den Fingern am besten lindert. Business als usual also und ich frage mich, warum ich nach fast fünfzehn Jahren Familienleben noch immer blöd genug bin, zum Ferienbeginn Luftschlösser zu bauen. 

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Nebenschauplatz

Zum Streiten kommt man in so einer Ehe mit Kindern ja nicht mehr richtig. Sind die Kinder noch wach, wird ihnen Angst und Bange, wenn Mama und Papa einander gegenseitig anbrüllen und mit Tellern um sich schmeissen. Sind die Kinder im Bett ist man zu müde, um sich noch Gehässigkeiten an den Kopf zu werfen. Sollte man es tatsächlich mal schaffen, ein paar Stunden ohne Kinder zu sein, gibt es noch so viele andere Dinge zu tun, dass Streit nicht den ersten Platz auf der Prioritätenliste einnehmen kann. Also muss man die Kämpfe, die ja irgendwie zu einer funktionierenden Beziehung dazugehören, auf einem Nebenschauplatz austragen. Bei uns ist das aktuell gerade der Garten.

Ich demontiere ganz und gar respektlos die potthässliche, instabile, klotzige Rankhilfe, die er vor einem oder zwei Jahren in mühevoller Kleinarbeit gebaut hat. 

Um sich an mir zu rächen, führt er das Mäuerchen des Halbrundbeetes einfach zur anderen Seite des Gartenpfades weiter, obschon ich ihm klipp und klar gesagt habe, dass ich das nicht haben will. Und dann erwartet er auch noch Komplimente, für sein unglaublich tolles Gartendesign.

Ich würde mir natürlich lieber die Zunge abbeissen, als ihm das erwünschte Kompliment zu schenken. (Obschon das Resultat seiner Bemühungen ganz ansprechend aussieht, aber wehe, einer von euch verrät mich!)

Er kritisiert, ich hätte das Moorbeet ganz und gar falsch angelegt. Nicht dass er etwas vom Anlegen von Moorbeeten verstünde –  den Ratgeber habe ich gelesen -, aber optisch passt es dem Herrn Gemahl nicht. 

Dann ändere ich halt die Form des Moorbeets, weil ich diese Niederlage aber nicht einfach so einstecken kann, schnappe ich mir das einzige gerade auffindbare Schäufelchen und buddle Tulpenzwiebeln in den Boden, wohl wissend, dass er ohne das Schäufelchen an seinem Mäuerchen nicht weiter werkeln kann. (Das hat man eben davon, wenn man ohne Rücksprache mit mir längere Mäuerchen baut und an meinen Moorbeeten rummäkelt.)

Irgendwann gelingt es ihm, sich das Schäufelchen zu schnappen und dann stehe ich da mit meinen Tulpenzwiebeln und weiss nicht, wie ich die in den Boden bringen soll und dann beginne ich zu jammern, weil das zweite Schäufelchen mal wieder spurlos verschwunden ist und daran ist ganz bestimmt nur „Meiner“ schuld, denn der schiebt ja immer die Steine von einem Ort zum anderen, anstatt sie endlich zu entsorgen, aber das sage ich natürlich nicht laut, sonst würden wir ja offen streiten. 

Ihn lässt das alles kalt, denn er muss jetzt schaufeln, sonst trocknet der Mörtel ein. 

Die Menschen, die am Haus vorbeigehen, freuen sich an dem netten Paar, das in froher Eintracht in der Erde wühlt, die kleineren Kinder machen fröhlich den Handlanger, die grösseren Kinder plündern oben in der Wohnung den Kühlschrank und keiner merkt, dass wir einen erbitterten Kampf austragen, weil wir bei all dem nicht ein einziges böses Wort verlieren. Warum sollten wir auch, wo doch das Resultat unseres kleinen Machtkampfes durchaus ansprechend aussieht? (Also ja, mal abgesehen von dem verlängerten Mäuerchen, das ich im Kreise der Familie erst dann als schön bezeichnen werde, wenn „Meiner“ vergessen hat, wie sehr ich mich gegen seine Idee gestemmt habe.)

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Was schon ist – und was noch werden soll

Etwa anderthalb Monate sind vergangen, seitdem ich in einem Anflug von Weltuntergangsstimmung damit begonnen habe, den Garten zu roden. Seither haben wir schon ein paar Dinge zustande gebracht. Wir haben…

  • Schwielen an den Händen.
  • Endlich eine Schubkarre angeschafft.
  • permanent schwarze Ränder unter den Fingernägeln.
  • Altes, aber noch brauchbares Material verkauft.
  • Ein vom Sturm zerzaustes Mini-Gewächshaus über den Gartenzaun geworfen und es dadurch elegant zusammengefaltet.
  • Eine wunderschöne Herbstanemone geschenkt bekommen, die auch schon ihren Platz im Garten gefunden hat. 
  • Erdbeeren gepflanzt.
  • Mit Menschen geredet, von deren Existenz wir nicht mal wussten, weil wir hinter unserem Gestrüpp so gut versteckt waren.
  • Stundenlang gejätet.
  • Dem Prinzchen erklärt, dass wir keine Gärtnerei eröffnen können, auch wenn Gärtnereien toll sind und in der Erde graben Spass macht.
  • Sträucher gepflanzt.
  • Löcher für alte Rosensorten gebuddelt. 
  • Gartenratgeber gewälzt.
  • Einen Mandelbaum gepflanzt.
  • Blumensaat aus England importiert und für die nächsten neun Monate geplant, was wann angesät und ausgepflanzt werden muss.
  • Meterweise Fliederwurzeln, die bereits wieder herzige kleine Fliedertriebe an sich hatten, ausgegraben. 
  • Schleierkraut zwischen die Löcher für die Rosen gepflanzt, obschon eine Passantin der Meinung war, Rosen würden einzig in Begleitung von Lavendel gut gedeihen, alles andere sei blanker Unsinn.
  • Die Wurzeln des Feigenbaums, die wir fälschlicherweise ausgebuddelt haben, wieder eingebuddelt.
  • Gelernt, was eine Wurzelsperre ist. (Ob wir es auch richtig gemacht haben, wird sich zeigen…)
  • Gestaunt, wie schnell das alles vorwärts geht. 

Trotzdem bleibt noch ziemlich viel zu tun. Bevor der Winter kommt, sollten wir noch: 

  • Ganz viele noch unentdeckte Fliederwurzeln ausgraben.
  • Viele weitere Stunden jäten.
  • Hochbeete bauen.
  • Wege anlegen.
  • Den Sitzplatz erneuern.
  • Pflanzen, was demnächst geliefert wird. 
  • Aufräumen, was noch herumliegt.
  • Vermutlich noch etwas siebenhundertmal erklären, dass wir nicht vorhaben, einen Rasen anzulegen, auch wenn geschätzte 99,9% aller Spaziergänger, die an unserem Garten vorbeigehen, dies für die einzig richtige Lösung halten.
  • Endlich lernen, den Mund zu halten, wenn mal wieder einer erklärt, welche Unkrautvertilger am wirksamsten sind. Mit Menschen, die Unkrautvertilger für eine gute Sache halten, diskutiert man besser nicht, die wissen nämlich alles besser. 
  • Diesen sauschweren Gartentisch, den ich nicht mal um einen Millimeter zu bewegen vermag, wenn „Meiner“ hilft, von der Stelle wegbringen, wo die Hochbeete hin sollten. 
  • Irgendwie den Pflanzenkaufrausch in den Griff bekommen, weil das, was bereits bestellt ist oder als Saatgut bereit liegt, vermutlich für drei oder vier Gärten ausreichen würde. 
  • Mir endlich angewöhnen, die Gartenhandschuhe unter dem Dach zu versorgen, wenn Regen angesagt ist. 
  • Die elenden Pfosten, die der Vorbesitzer unseres Hauses wohl bis zum Erdkern im Boden verankert hat, irgendwie loswerden.

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Hobbygärtner 

Es ist noch nicht allzu lange her, als ich in den Weiten des Internets nach Rat in Sachen Kinderkriegen und Kinderhaben suchte. Gab ich zum Beispiel „Hausmittel Milchstau“ ein, landete ich mitten in einer hitzigen Diskussion, die so anfing: „Hilfe!!!! Ich habe Milchststau!!!! Tut weh wie Sau!!!! GG sagt, ich soll aufhören, Stumpelchen mit MuMi zu füttern, aber das finde ich herzlos. Brauche dringend ein Hausmittel!!!!“ Dann folgten zehn Seiten Zank, der sich hauptsächlich um die Frage drehte, ob die arme Mama lieber den herzlosen GG in die Wüste schicken, oder Stumpelchen durch verfrühten Abbruch der MuMi-Zufuhr dem Verderben ausliefern wolle. Brauchbare Rezepte für Hausmittel gingen in der Flut der nicht immer korrekt geschriebenen Wörter leider unter.

Heute befrage ich das Internet nicht mehr zum Thema Milchstau, heute will ich wissen, ob ihm etwas zu den Begriffen „Sanddorn Rhizomsperre“ einfällt. Natürlich fällt ihm etwas ein und was ich lese ist nicht minder unterhaltsam als das, was ich zu „Hausmittel Milchstau“ zu lesen bekam. Das sieht dann etwa so aus:

Petunia: „Hallo Leute, kann mir jemand helfen? Ich möcht so gerne Topinambur in meinm Garten pflanzen weil ich die so mag, aber jetzt sagt mein Freund, die wuchern so schlimm, da bekomme ich Krach mit den Nachbarn.“

Naturbursche: „Willst du mit deinem Nachbarn in Frieden leben, lass die Finger von Topi. Kommt nicht gut. Ich rede da aus Erfahrung…“

Lavendelkönigin: „Sorry, Petunia, aber im Naturgarten haben Topis nichts verloren!“

Petunia: „Warum nicht? Ich verzichte auf Kunstdünger und verwende auch keine Schneckenkörner.“

Lavendelköniging: „Schon mal nachgelesen, woher die Topis kommen? Also, wenn du die für eine einheimische Pflanze hältst, hängst du dein Gartenwerkzeug besser an den Nagel.“

Naturbursche: „Ich lach mich schlapp! Du willst Topis düngen?! Willst du denn für den Rest deines Lebens nichts anderes mehr fressen?! Nette Grüße an deine Verdauung….“

Grüner Daumen: „Hast du nicht mehr alle, Naturbursche? Dürfen Anfänger denn nicht mal mehr ihre Fragen stellen, ohne dass du sie in deinen Spott ersaufen lässt?“

Petunia: „Ich bin keine Anfängerin!!! Ich ziehe seit Jahren erfolgreich Basilikum im Balkonkistchen!!!!“

Lavendelkönigin: „Ich ziehe meinen Hut vor dir, du Gartenexpertin….“

Petunia: „Das wird mir echt zu doof hier!“

Grüner Daumen: „Krieg dich wieder ein, Petunchen. Wenn du Topis pflanzen willst, baust du am besten eine Rhizomsperre ein, dann wuchern sie vielleicht nicht ganz so schlimm.“

Petunia: „Eine was?“

Naturbursche: „Tja, sowas braucht man halt nicht beim Basilikum….“

Grüner Daumen: „Halt mal die Fresse, Naturbursche. Eine Rhizomsperre ist so ein Ding, das man in den Boden eingräbt, damit die Wurzeln sich nicht im ganzen Garten verbreiten. Kriegst du im Baumarkt oder im Gartencenter.“

Lavendelkönigin: „Kannst auch Teichfolie nehmen. Kommt billiger.“

Grüner Daumen: „Vergiss den mit der Teichfolie! Hab ich bei meinem Bambus gemacht und jahrelang bitter bereut….“

Lavendelkönigin: „Also bei meinem Sanddorn hat sich die Teichfolie bestens bewährt.“

Naturbursche: „Teichfolie für Bambus?!?!?! Ich hab gemeint, das hier sei ein Forum für echte Gärtner und nicht für hirnverbrannte Vorgartenzwerge, die ein bisschen im Dreck wühlen.“

So geht es endlos weiter, weil aber keine brauchbaren Angaben zum Thema „Rhizomsperre Sanddorn“ zu erwarten sind, breche ich hier ab. Immerhin weiß ich jetzt, dass Hobbygärtner ebenso rechthaberisch sind wie Mamas. 

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Sonntagsarbeit

Wenn man bedenkt, dass ich nicht nur christlich und links bin, sondern auch noch ganz und gar gegen Kinderarbeit, dann war es wohl ziemlich daneben, sonntags in der Abenddämmerung mit dem FeuerwehrRitterRömerPiraten, dem Zoowärter und dem Prinzchen im Garten zu arbeiten. Aber Himmel, war das ein Vergnügen, im Eilzugstempo siebenhundert alte Verbundsteine aus dem Boden zu holen, um mehr Platz für die Natur zu schaffen. Viel lustiger als spielen sei das, fanden meine Söhne, ob wir nicht gleich noch den ganzen Vorplatz abdecken könnten. Das konnten wir leider nicht, denn der muss bis nächstes oder übernächstes Jahr bleiben, auch wenn er nicht minder hässlich ist als der Weg, den wir freigelegt haben. Weil ich im Oktober trotzdem guten Gewissens links wählen will, entlöhnte ich meine Mitarbeiter fürstlich und ich hielt mich dabei gar an das biblische Gleichnis, in dem der jeder Arbeiter gleich viel bekommt, egal wie spät er sich zur Arbeit meldet. 

Okay, ich geb’s ja zu, das mit der Lohngleichheit tat ich vor allem, um zu verhindern, dass der ganz und gar friedliche Arbeitseinsatz in Tränen endet. 

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Garagen-Igel (oder vielleicht auch Igel-Garage)

Menschen wie wir, die ihr Auto als Gebrauchsgegenstand betrachten, brauchen keine Garage, finde ich. Darum sehne ich den Tag herbei, an dem ich das potthässliche, nutzlose Ding gegen ein anständiges Gewächshaus mit Geräteschuppen eintauschen kann. Besonders jetzt, wo unser Grundstück von Tag zu Tag kahler wird, kann ich es kaum mehr ertragen. „Hier ist kein Leben mehr weit und breit, nur diese hässliche Garage“, klage ich, wenn es mir mal wieder nicht schnell genug vorwärts geht mit der Gartengestaltung.

„Hier ist kein Leben mehr weit und breit, nur diese hässliche Garage“, hat sich auch der Igel gesagt, der ab und zu bei uns vorbeischaut, um sich die paar Nacktschnecken zu schnappen, die der Hitze getrotzt haben. „Aber Menschen, die ihr Auto als Gebrauchsgegenstand betrachten, brauchen keine Garage, da könnte ich doch eigentlich einziehen“, sprach er weiter, schlüpfte durchs halb geöffnete Tor und und machte es sich drinnen gemütlich. Jetzt haben wir also einen Garagen-Igel – oder vielleicht auch eine Igel-Garage – und ich bin bis auf Weiteres versöhnt mit dem Schandfleck auf unserem Grundstück. So als Provisorium, bis wir endlich ein anständiges Igelhotel eingerichtet haben, kann die Garage von mir aus noch ein paar Monate stehen bleiben.

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Wenn dein Garten an der Strasse liegt,…

…und du dich irgendwann dazu entschliesst, dem Gehölz den Garaus zu machen, um aus der Einöde etwas Schönes entstehen zu lassen, dann kommst du mit jedem, der am Haus vorbeigeht, ins Gespräch. 

Der eine – ein netter Kerl, leicht handicapiert – erzählt dir, wie er jeweils zu Hause, in den Bergen oben, mit seinen Blumen plaudert und wie gut das beiden Seiten tut.

Der Nächste lässt dich ganz unverblümt wissen, es sei wirklich höchste Zeit, dass du das mit dem Garten mal endlich anpackst. So, wie das ausgesehen habe, sei es ja wirklich nicht mehr schön gewesen. 

Der Dritte sagt dir, mit der von euch angewendeten Methode würdet ihr die Wurzelstöcke nie und nimmer aus dem Boden kriegen und er bleibt auch bei seiner Meinung, als du erklärst, auf diese, Wege hättet ihr bereits ohne grossen Aufwand fünf hartnäckige, lästige Dinger ausgegraben. 

Ein älteres Ehepaar freut sich, dich mit „Deinem“ im Garten anzutreffen, findet, es sei doch besser, einen neuen Garten anzulegen, anstatt sich einen neuen Mann zu suchen und erzählt dann voller Stolz die eigene Liebes- und Lebensgeschichte.

Eine übellaunige Alte sagt zwar nichts, verzieht aber angewidert das Gesicht, weil auf der Feuerstelle gerade ein paar Wurzelstöcke, die zu gross sind für den Häcksler, ziemlich viel Rauch produzieren.

Manch einer meint nur: „Lieber du als ich“ und lässt zur Motivation ein paar Tipps zurück, nach denen du nicht gefragt hast.

Einige wollen wissen, was denn werden soll und sind erstaunt, wenn du dir deinen zukünftigen Garten ganz anders vorstellst, als sie es machen würden. 

Und dann gibt es noch so nette Menschen wie dein Nachbar und sein Kollege, die mit sinnvollen Tipps und Tricks, Werkzeugverleih und beherztem Anpacken dafür sorgen, dass die Arbeiten mit bedeutend weniger Schwielen und Schweissausbrüchen als erwartet vorangehen.

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Alles nur eine Frage der Disziplin?

Montag backen, Dienstag arbeiten, Mittwoch Garten, Donnerstag arbeiten, Freitag putzen – So ist das geplant und so habe ich das in den vergangenen zehn Tagen auch mehr oder weniger durchgezogen. „Ist es am Ende doch nur eine Frage der Disziplin, ob man es schafft, die Dinge zu tun, die man sich vorgenommen hat?“, fragte ich mich selbst heute früh, als ich mal kurz meinem Spiegelbild begegnete. Mein Spiegelbild zog die Augenbrauen hoch. „Hast du die Sache mit Schwiegermama schon wieder vergessen?“, fragte es mich. „Und die Lehrerin, die dich fast jeden Mittwochvormittag angerufen hat, weil der FeuerwehrRitterRömerPirat über Bauchweh klagte? Und Luise, die so viel krank war? Und deine eigenen Käferchen? Und all die Stundenplanänderungen? Und…“ „Schon gut“, unterbrach ich ungeduldig, denn im Garten warteten ein paar hartnäckige Wurzeln auf mich, „ich habe verstanden: Solange alles mehr oder weniger rund läuft, ist es eine Frage der Disziplin, aber wenn Schwiegermütter, Lehrerinnen und Käfer die Finger im Spiel haben, kann ich wollen, soviel ich will, es wird trotzdem nicht klappen.“ „Schlaues Mädchen“, antwortete mein Spiegelbild. Jetzt war es an mir, die Augenbrauen hochzuziehen. „Mädchen? Hast du uns zwei in letzter Zeit schon mal etwas genauer angesehen?“ „Wie sollte ich?“, fragte mein Spiegelbild zurück, „du rennst ja andauernd wie ein aufgescheuchtes Huhn durch Haus und Garten, da bekomme ich dich kaum je zu Gesicht.“ „Ach ja, ich soll hier vor dem Spiegel rumhängen, wenn meinen Plänen endlich mal nichts im Wege steht?“, raunzte ich. „Und wenn ich dir das nächste Mal begegne, wirfst du mir vor, ich sei ein undiszipliniertes Miststück, das nichts auf die Reihe kriegt.“ Eine Antwort wartete ich nicht mehr ab, denn die Wurzeln brauchten mich jetzt wirklich. Man weiss schliesslich nie, wann der nächste Käfer kommt… 

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Kahlschlag

Die Sträucher so verdurstet, dass sich Äste ohne grossen Kraftaufwand abbrechen lassen. 

Der Löwenzahn schlapp, seine Wurzeln saft- und kraftlos. Fast ohne Widerstand gibt er das Terrain frei, das er sich im Frühling so selbstbewusst erobert hat. 

Regenwürmer nur in getrockneter Form.

Das Erdreich so krümelig, dass Prinzchen, sein bester Freund, Zoowärter und FeuerwehrRitterRömerPirat den ganzen Nachmittag Archäologen spielen können und sogar eine fast schon historische 200-Lire-Münze zu Tage fördern.

Sogar das lästige Efeu vermag sich nicht richtig gegen unsere Rodungsarbeiten zu wehren. 

Die Gurken kraftlos, unmotiviert und ohne Ertrag. Ohne nur den leisesten Hauch von Wehmut räumen wir das Beet jetzt schon. 

Auch die Nacktschnecken haben sich rar gemacht. 

Keine Frage, der Hitzesommer hat dem Garten ziemlich zugesetzt. Und dadurch beste Bedingungen geschaffen, damit wir mit unserem Kahlschlag viel schneller vorwärts kommen als geplant. Darum gleicht unser Garten nach wenigen Stunden Arbeit bereits einer Wüste. Im Kopf gedeihen deshalb die Träume für zukünftige Gartentage umso üppiger. 

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Mit der Säge gegen die Weltuntergangsstimmung

Zugegeben, es war ein Anflug von Weltuntergangsstimmung, der mich dazu bewog, heute Nachmittag zur Säge zu greifen. Nach ausgiebiger „Spiegel“-Lektüre sah ich mal wieder schwarz genug, um nicht nur von einem Selbstversorgergarten zu träumen, sondern ihn für eine Notwendigkeit zu erachten, für die es sich lohnt, zu schwitzen.

Es ist nämlich so: Einer, der in grauer Vorzeit mal Besitzer unseres Hauses war, verstand unter dem Begriff Garten einen gepflegten Sitzplatz mit schattenspendendem Sichtschutz. Ein Sichtschutz aus Gehölzen, die für Bienen komplett uninteressant und obendrein potthässlich sind, die aber nach Jahren des mehr oder weniger ungehinderten Wucherns unglaublich viel Platz auf unserem nicht gerade riesigen Grundstück einnehmen. Ein Sichtschutz also, der weg muss, ehe wir überhaupt überlegen können, was aus dem kleinen Flecken Erde, den wir unser eigen nennen, in Zukunft werden soll. Und weil wir wohl die Idee haben, nicht aber das nötige Kleingeld, um andere für uns malochen zu lassen, müssen wir eben selber ran.

Wer mich kennt, kann sich vorstellen, wie geschickt ich mit einer Säge umzugehen weiss. Dennoch wurden heute Nachmittag – trotz Hitze und Ungeschicklichkeit – ein Gestrüpp, zwei Bäumchen und die Hälfte eines undefinierbaren Baum-Busch-Gestrüpps soweit gestutzt, dass sich „Meiner“ der Entfernung des Wurzelwerks widmen kann. Ein Anfang erst, bestimmt, aber dennoch ein entscheidender Schritt, denn so elend, wie der „Garten“ jetzt aussieht, kann er gar nicht bleiben und wir sind endlich gezwungen, etwas Richtiges daraus zu machen.

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