Ihr könnt mich mal, ihr Eisheiligen!

Glaubt ihr wirklich, ich liesse mich von euch noch länger davon abhalten, endlich richtig loszulegen im Garten? Wie um alles in der Welt soll ich an einem Tag wie heute meinen Tomatenpflänzchen beibringen, dass sie noch länger im engen Gewächshaus ausharren müssen, weil ihr seit jeher den Ruf habt, besonders kalt zu sein? Wie soll ich die Kürbisse noch länger auf meinem Fensterbrett wuchern lassen, wo doch ihr Hügelbeet schon längst schön aufgewärmt ist von der Sonne? Was sollen die Melonen denken, wenn ich sie trotz bester Wetterprognose dazu zwinge, im Haus zu bleiben, weil das Gewächshaus noch von den Tomatensetzlingen in Beschlag genommen wird? Ihr müsst doch einsehen, dass ich das meinen lieben Pflänzchen nicht antun kann. 

Nein, seid jetzt bitte nicht eingeschnappt. In anderen Jahren erweise ich euch ja gerne die Ehre. Aber doch nicht jetzt, wo schon bald einmal die ersten Erbsen erntereif sind. Letztes Jahr genossen das Prinzchen und ich die ersten Erbsen am 15. Juni – ja, ich weiss das noch, ich habe es in meinem Blog dokumentiert – dieses Jahr wird dies spätestens am 15. Mai der Fall sein. Meine Fenchel, die schon seit Wochen draussen sind, sehen bedeutend schöner und kräftiger aus als das Zeug aus dem Gewächshaus, das sie einem in der Landi andrehen wollen. An unserer Südmauer, wo das wärmeliebende Gemüse wachsen soll, ist schon längst der Sommer eingekehrt. Und für den allerschlimmsten Notfall liegt ja noch das wärmende Vlies bereit. Da müsst ihr doch verstehen, dass ich jetzt einfach nicht mehr länger warten kann

Verzeiht mir also, wenn ich dieses eine Mal keine Rücksicht auf euch nehmen mag. Und bestraft mich gefälligst nicht mit einem schlimmen Temperatursturz. 

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Weil auch hier nicht das Paradies ist…

Weshalb wir im Sommer überhaupt in die Ferien fahren würden, wollte il Cuginos grosser Bruder von mir wissen. Bei uns sei es so traumhaft schön, da könnte man doch eigentlich immer zu Hause bleiben. Die Frage überraschte mich nicht,  befanden wir uns doch gerade bei strahlendem Sonnenschein auf einer grünen Wiese, umgeben von blühenden Bäumen und bunten Frühlingsblumen. Zwitschernde Vögel, Kirchenglocken und ein vor Freude kreischendes Prinzchen sorgten für die perfekte Geräuschkulisse. Ja, bei uns ist es tatsächlich schön, dachte ich. Und für Gäste aus Süditalien, die mit Erstaunen feststellen, dass hierzulande eine öffentliche Wiese gemäht und gepflegt wird, muss das alles noch viel schöner aussehen. 

Warum also verreisen? Weil unser Leben leider nicht so beschaulich ist, wie die Kulisse, vor der es sich abspielt. Sind wir zu Hause, dann sind wir auch verfügbar. Für Besprechungen, spontane Arbeitsaufträge, Therapiegespräche, Tierarztbesuche, kaputte Haushaltgeräte, Werbeanrufe, Kinder chauffieren… Bleiben wir hier, beinhalten auch Ferientage eine gehörige Portion Alltag, was nicht nur schlecht ist, denn auch der Alltag hat einige ganz nette Dinge zu bieten. Eine spontane Kaffeerunde mit dem Nachbarn, zum Beispiel, Nachbarskinder, die bis zum Eindunkeln mit unseren Kindern herumtoben, Setzlinge auspflanzen,… So richtig zur Ruhe kommen wir aber nie, wenn wir zu Hause sind, nicht mal dann, wenn wir uns einmal zum süssen Nichtstun durchgerungen haben. Dann klingelt nämlich bestimmt das Telefon…

Darum verreisen wir, wann immer es unser Budget zulässt. Und natürlich auch, weil es nicht nur hier traumhaft schön sein kann, sondern an ganz vielen anderen Orten auf diesem Planeten ebenso. 

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Von wegen nutzlos

In den Gemüsegärten meiner Kindheit fristeten Blumen ein Schattendasein. Blumen könne man eben nicht essen, erklärten die Gemüsegärtner, wenn man sie fragte, weshalb es in ihren Gärten nicht bunter sei. Bereits nach dem Genuss meiner ersten Kapuzinerkresse-Blüte ahnte ich, dass diese Gärtner irrten, doch wie weit sie mit ihrer Meinung daneben lagen, wird mir erst allmählich bewusst.

Oh nein, es wäre mir nie in den Sinn gekommen, auf Blumen im Garten zu verzichten. Ihre Schönheit genügt mir vollauf, um ihnen Platz zu schaffen. Mehr und mehr erkenne ich aber, dass es ohne sie gar nicht geht. Mein Wissen auf diesem Gebiet ist zwar noch sehr beschränkt – Rittersporn gegen Engerlinge, Futterpflanzen für Bienen und Schmetterlinge, Ringelblumen, Salbei, Kapuzinerkresse und Bartnelken gegen Schnecken -, doch zweifelsohne gibt es da einige in Vergessenheit geratene Gartenweisheiten, von denen mein Garten viel profitieren könnte. Und darum werden ab sofort die Blümchen mit gleich viel Hingabe gehätschelt wie bis anhin nur die Tomaten.

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Schon schön, aber…

Klar doch, ich liebe es auch, unter dem blühenden Kirschbaum zu stehen und den wolkenlosen Himmel zu betrachten. Ich freue mich über die Bienen, die zahlreicher herumsummen als in den letzten Jahren. Mehrmals am Tag mache ich eine kurze Runde ums Haus, um die Osterglocken zu bewundern, die Aurikel, die Veilchen, den Löwenzahn… Manchmal bin ich meinen Kindern peinlich, weil ich mit allem rede, was da spriesst und gedeiht, zum Beispiel mit der Brennessel, die ich zwar in meinem Garten haben will, aber nicht dort, wo sie zu wachsen beliebt, weshalb ich sie zum Umzug auffordern muss. Und natürlich schlägt mein Herz höher, wenn ich wieder mit nackten Füssen in der kühlen Erde stehen kann.

Doch kühle Erde hat es nur dort, wo ich das Beet frisch aufgefüllt habe. Die Erde, die vom letzten Jahr noch da ist, fühlt sich staubtrocken an, egal, wie oft ich sie befeuchte. Auch wenn ich tiefer grabe, finde ich keine Feuchtigkeit, es sei denn, ich erwische einen Katzendreck. (Nebenbei gesagt: Wann begreift dieser Gottegris endlich, dass eine Katze nie in den eigenen, sondern stets in Nachbars Garten macht?) Jeden Abend mache ich die Runde mit der Giesskanne, zweimal habe ich gar den Gartenschlauch hervorgeholt, gerade so, als hätten wir Hochsommer.

Nein, ich will mich nicht über den Sonnenschein, das Vogelgezwitscher und die Blütenpracht beklagen. Zu Denken gibt mir die andauernde Trockenheit aber trotzdem.

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Bittersüss

Für etwas mehr Gemüsegartenfläche bin ich immer gern zu haben. Habe ja auch unzählige Keimlinge, die bald einen Platz zum Wachsen finden sollen. Die zusätzliche Fläche war diesmal schnell bereit: Holzdeckel weg, zwei morsche Bretter entfernen, sieben Sack Erde und zwei Sack Kompost – fertig war das neue Beet. Eigentlich hätte ich jubeln müssen, doch stattdessen betrachtete ich mein Tagewerk mit einem Kloss im Hals. Dort, wo bald schon Fenchel, Karotten und Schwarzwurzeln wachsen werden, buken unsere Kinder Sommer für Sommer ihre Sandkuchen. Eine Zeit lang waren es ganz viele Sandkuchen, dann wurden es weniger, bis die Produktion letzten Sommer fast ganz eingestellt wurde. Zeit also, den Sandkasten anderweitig zu nutzen.

Wehmütig betrachtete ich die wenigen Förmchen, die noch zurückgeblieben waren. Ich dachte zurück an jenen Frühlingsnachmittag, an dem Karlsson und seine um zwei Jahre ältere Cousine mit einer Schaufel eine riesige Hausspinne totschlugen und sich dann einen Saison lang nur in den Sandkasten trauten, wenn ich ihn vorher auf Spinnen abgesucht hatte. Ich erinnerte mich an die Flusslandschaften, die der FeuerwehrRitterRömerPirat jeweils mit grosser Ausdauer erschuf. Ich versuchte nachzurechnen, wie viele Kinder in diesem kleinen Quadrat glückliche Stunden verbracht hatten. Ja, ich freue mich über mein neues Gartenbeet, aber es schmerzt mich, das Kapitel „Sandkasten“ abzuschliessen.

Als ich den schweren Deckel des Sandkastens wegtrug, traf ich meine Mutter, die dabei war, den Gartenweg zu kehren. Plötzlich erinnerte ich mich daran, wie sie in dem Rund, in dem wir als Kinder unzählige glückliche Sand-Stunden verbracht hatten, Fetthennen anpflanzte, nachdem wir dem Sandkasten entwachsen waren. Gut fünfzehn Jahre später legte sie in ihrem neuen Zuhause, das heute auch unser Zuhause ist, einen Sandkasten für ihre zahlreichen Enkel an. Auch eine Schaukel bekamen die Enkel und eine Rutschbahn, ja, sogar ein liebevoll eingerichtetes Spielzimmer, das mit allem ausgestattet ist, was Kinderherzen höher schlagen lässt.

Der Anblick meiner Mutter tröstete mich über den Abschiedsschmerz hinweg. Irgendwann – so hoffe ich – wird es bei uns wieder einen Sandkasten geben, vielleicht auch eine Schaukel, eine Rutschbahn und ein Spielzimmer. Darüber freue ich mich.

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Wettergejammer

Das ist es jetzt also, das schreckliche Wetter, vor dem sie uns gewarnt haben: Ziemlich kühl, Regen, ab und zu etwas Schneeähnliches, manchmal auch Sonne. Also eigentlich Wetter, wie man es um diese Jahreszeit erwarten würde, wenn man noch wüsste wann welches Wetter zu erwarten wäre. Gut, der März hat uns natürlich ziemlich durcheinander gebracht mit der ganzen Sonne und der Wärme, aber zumindest die Meteorologen sollten noch wissen, dass er auch anders kann. Aber was tun sie, diese Experten? Senden uns Wetterwarnungen, weil frühmorgens mit Frost zu rechnen ist. Reden von der „Rückkehr des Winters“. Tun so, als wäre der Frühling bereits wieder zu Ende. Okay, ich weiss, dass es an einigen Orten wirklich viel geschneit hat, aber hier bei uns ist alles im grünen Bereich. Ja,  es war sogar höchste Zeit für etwas Feuchtigkeit, damit es im Garten grünen kann. 

Also, meine geschätzten Meteorologen, hört bitte auf mit eurem Gejammer. Es reicht mir schon, wenn alle anderen sich über das Wetter beklagen, das eigentlich wenig Anlass zur Klage bietet.

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Tomatenliebe

Stimme der Vernunft: „Dieses Jahr säst du nicht wieder zu viel an. Du weisst ja noch, wie das letztes Jahr war…“

Ich: „Versprochen. Diesmal halte ich mich zurück. Nur ein paar Samen von jeder Sorte.“

Stimme der Vernunft: „Wie viele Sorten hast du denn?“

Ich: „Hmmmm, lass mich nachdenken. Da wären mal die ‚Gelbe von Thun‘, ‚Legend‘, ‚San Marzano‘, ‚Purpurkalebasse‘, ‚Auriga‘, ‚Saucey‘, Baselbieter Röteli’…“

Stimme der Vernunft: „Und das willst du alles ansäen?“

Ich: „Halt, nicht so schnell, ich bin noch nicht fertig. Ich habe noch ‚Weisse Ochsenherz‘, ‚Milchperle‘, ‚Tigrella‘, Shipped Roman‘, wobei ich bei der nicht sicher bin, ob die noch keimt. Dann noch die ‚birnenförmige Gelbe‘, aber die kann ich erst Ende Monat ansäen und dann noch…“

Stimme der Vernunft: „Wenn ich richtig mitgezählt habe, sind wir jetzt bei zwölf Sorten und so, wie ich dich kenne, hast du mir noch einige verschwiegen. Nehmen wir mal an, es gibt pro Sorte eine Pflanze, dann wäre dein Garten bereits voll. Du hast aber bereits sehr viel mehr als bloss einen Samen pro Sorte angesät.“

Ich: „Wer ist denn so blöd, nur einen einzigen Samen zu säen? Man weiss ja nie, ob daraus auch etwas wird. Aber mach dir keine Sorgen: Ich ziehe dann nur die Schönsten und Stärksten an. Die anderen schmeisse ich weg.“

Stimme der Vernunft (seufzt tief und schüttelt den Kopf): „Wir werden dann ja sehen…“

Eine Woche später, die Keimlinge sind prächtig gediehen

Ich: „So, ich fange mal an mit Pikieren…“

Stimme der Vernunft: „Denk dran: Nicht mehr Setzlinge, als dein Garten fassen kann…“

Ich: „Einige mehr müssen es schon sein. Für den Fall, dass etwas abserbelt.“

Stimme der Vernunft: „Okay, drei pro Sorte. Mehr nicht.“

Ich: „Ich werd’s versuchen.“

Ich mache mich an die Arbeit, die Stimme der Vernunft beobachtet mich schweigend. Ich fange mit der „Gelben von Thun“ an.

Ich: „Oh, du bist aber schön geraten. Dich nehme ich. Hmmm, du siehst auch nicht schlecht aus. Und dich nehme ich auch. Ach, du Armes, du bist so klein und zart. Dir muss ich unbedingt eine Chance geben. Ich kann dich doch nicht einfach dem Komposthaufen überlassen. Und du, mein Kleines, du möchtest doch sicher auch…“

Stimme der Vernunft: „Das sind aber schon mehr als drei. Und wie war das nochmals mit ’nur die Schönsten und Stärksten‘?“

Ich: „Aber ich kann doch nicht so sein. Schau dir mal das hier an. So hübsch und zart. Komm, meine Süsse, da ist noch ein freier Platz in der Pikierschale…Oh, und du, du bist ja ganz toll gewachsen…“

Zehn Minuten später haben 24 Keimlinge der „Gelben von Thun“ einen festen Platz in der Pikierschale ergattert und ich mache mich mit der „Legend“ zu schaffen. 

Stimme der Vernunft: „Und was hast du jetzt mit diesen 24 potentiellen ‚Gelben von Thun‘ vor?“

Ich: „Na ja, alle werden wohl nicht überleben…“

Stimme der Vernunft: „Bei der Pflege, die du den Kleinen angedeihen lässt, wird ganz bestimmt mehr als die Hälfte überleben. Und was soll mit denen geschehen?“

Ich: „Also, mindestens zwei kommen in meinen Garten, dann verschenke ich vielleicht noch einige und für die anderen muss ich halt noch etwas Platz schaffen…Vielleicht muss dann auch das eine oder andere Pflänzchen sein Leben lassen.“

Stimme der Vernunft: „Oh ja, ich sehe dich schon vor mir, wie du unter Tränen eines deiner kostbaren Pflänzchen zum Komposthaufen trägst. Wo du es schon nicht übers Herz bringst, einen Keimling zu töten…“

Ich: „Vielleicht finde ich bis Mitte Mai noch einen Weg, meinen Garten zu vergrössern. Dann findet bestimmt jedes Pflänzchen seinen Platz.“

Stimme der Vernunft: „Klingt nicht allzu vernünftig…“

Ich: „Die Vernunft ist ja auch nicht mein Business sondern deines. Und überhaupt, wer kann denn schon Vernunft walten lassen, wenn es um Tomatenpflanzen geht?“

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Die halten sich ja auch nicht zurück…

Was auf meiner Garten-Einkaufsliste steht:

  • 10 bis 12 Säcke Bio-Gemüseerde
  • 5 bis 7 Säcke Bio-Kompost (weil meiner noch nicht reif genug ist, um bereits seine Wirkung zu tun)
  • Saatschalen in zwei oder drei verschiedenen Grössen
  • Herbstblumenzwiebeln aus denen natürlich aussehende Blüten heranwachsen sollen und nicht irgendwelche überzüchteten Dinger, die aussehen, als wären sie aus Kunststoff.
  • Natürlich aussehende, einheimische, immergrüne Pflänzchen, die meine improvisierten Stein-Hochbeete überwuchern können.
  • Saatkartoffeln für Blaue St. Galler, die laut meiner Garten-App spätestens bis Ende März im Boden sein müssten, es aber auch schon seit Mitte Februar sein könnten.

Was ich in den Gartenabteilungen und Gartencenters finde:

  • Aussaaterde, Zimmerpflanzenerde, Universalerde mit Torf, Gemüseerde mit Torf, Beerenerde, Wasserpflanzenerde, Azaleenerde Moorbeeterde…und einen einzigen Sack Bio-Gemüseerde.
  • „Kompost? Hmmm, ja, vielleicht haben wir einen oder zwei Säcke. Aber kein Bio.“
  • Weit und breit keine Saatschalen, dafür unzählige Aufzucht-Sets mit getrockneten Torf-Töpfchen. Und Torf-Töpfchen will ich nicht, weil ich schon als Kind gelernt habe, dass Torf im Biogarten nichts zu suchen hat.
  • Blumenzwiebeln, bei denen der Züchter ganz offensichtlich die Vorgabe hatte, dass die Aster auf gar keinen Fall aussehen darf wie eine Aster, die Gladiole nicht wie eine Gladiole und die Dahlie nicht wie eine Dahlie. Und das alles in Farben, die selbst mir zu schreiend bunt sind.
  • Hässliches immergrünes Zeugs von zweifelhafter Herkunft
  • Steckzwiebeln und Steckknoblauch in rauen Mengen, aber weit und breit keine Saatkartoffeln. Was auch nicht weiter schlimm ist, weil ich ja gar keine Kartoffeln setzen kann, wenn ich keine Erde habe, um das Kartoffelbeet aufzufüllen.

Okay, mir ist auch klar, dass die Gartensaison noch nicht offiziell eröffnet ist, aber man wird ja wohl noch die Beete vorbereiten dürfen, ehe die Frostharten ausgepflanzt werden müssen, was demnächst der Fall ist.  Pikieren ohne Saatschalen ist auch nicht ganz einfach und die vom letzten Jahr sind alle rissig. (Nein, kommt mir jetzt nicht mit diesen Eierkartons, das ist letztes Jahr zünftig in die Hose gegangen.)

Und überhaupt, warum soll ich mich in Zurückhaltung üben, wenn mich die Lust zum Gärtnern packt? Die Gartencenter tun es ja auch nicht und überstellen jetzt schon alles mit pastellfarbenen Osterhasen, getupften Eiern und Hühnern aus Stroh. Dabei kommt der Osterhase doch erst, wenn meine Palerbsen bereits blühen sollten. 

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Es geht los

2 Sack Aussaaterde
Saatschalen liegen bereit
App heruntergeladen (so richtig britisch, das kommt gut)
Saatgut fotografiert und in die App eingetragen

Morgen dann:
Fruchtfolgen studieren, Bepflanzung der Beete planen, Zeitplan festlegen

Und schliesslich:
Ansäen
Keimlinge hätscheln
Den Frühling herbeisehnen…

Dieses Jahr gehe ich meine Leidenschaft mit System an.

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Es ist wieder diese Zeit im Jahr…

…in der unsere kleineren Kinder die Sommerkleider aus dem Schrank zerren und halb nackt aus dem Haus rennen würden, wenn wir sie nicht rechtzeitig erwischten.

…in der ich Stunden damit verbringe, das Internet nach dem perfekten Ferienhaus an perfekter Lage abzusuchen und weil es noch eine halbe Ewigkeit dauert, bis der Sommer da ist, bilde ich mir ein, wir könnten vielleicht zwischendurch doch noch ein paar Tage irgendwohin…Halt! Erst mal den Kontostand wieder ins Lot bringen!

…in der wir fast jedes Wochenende Gäste haben oder eingeladen sind, weil man im alten Jahr alles aufs neue verschoben hat.

…in der Luise fragt, ob wir nicht wieder einmal, eventuell, wenn wir Eltern nichts dagegen hätten, Skifahren gehen könnten. Und wenn wir antworten, wir wüssten es nicht, schnappt sie sich den neuesten Kleiderkatalog und zeigt uns, was sie in ihrer Sommergarderobe alles haben möchte.

…in der ich mindestens einmal wöchentlich träume, ich hätte den richtigen Zeitpunkt zum Ansäen von Setzlingen verpasst und stünde zum Frühlingsbeginn ohne Pflänzchen da.

…in der man sich einbildet, es dauere noch ewig, bis die Nichte heiratet, bis Markttag sei, bis der runde Geburtstag da sei… und auf einmal steht man wieder völlig unvorbereitet da, weil die Zeit mal wieder schneller war als die Einbildung.

…in der ich den Frühling kaum erwarten kann.

Jedes Jahr im Winter ist es wieder so, auch dann, wenn der Winter sich nicht wie ein Winter aufführt.

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