Konsumlust steigend

„Weisst du Mama, jetzt, wo ich in der Dritten bin und so viel mehr Stress habe als im letzten Schuljahr, brauche ich unbedingt ein Etui. Damit ich nicht so viel Zeit verliere mit dem Suchen von Farbstiften und weisst du, wenn ich die Hausaufgaben im Hort mache oder bei der Grossmama, dann wäre das auch viel praktischer so. Also, ich muss wirklich ganz dringend ein neues Etui haben, am besten noch heute. Ach ja, und ich will mir jetzt übrigens kein Pferd mehr kaufen, sondern Meerschweinchen. Oder vielleicht auch Kaninchen, ich bin mir noch nicht so sicher, aber können wir schon mal bei ricardo nachschauen, ob es ein gutes Angebot gibt?  – Schau mal, Mama, dieser Kaninchenstall kostet nur 70 Franken. Ist der nicht unglaublich günstig? Aber Mama, das macht doch nichts, dass da noch das Auslaufgehege fehlt. Da müssen wir eben noch eins dazu kaufen. Hier hätte ich schon ein Passendes gefunden. Oder der Papa macht mir eins. Können wir gleich jetzt zum Baumarkt fahren? Ach ja, Mama, beinahe hätte ich es vergessen: Wir können in der Schule die alten Bibliotheksbücher kaufen, nur 50 Rappen das Stück. Darf ich? Bitte, bitte! Nein, ich will das Geld nicht mit Karlsson und dem FeuerwehrRitterRömerPiraten teilen, sonst kaufen die so doofe Bücher, die ich nicht haben will. Okay, dann kaufe ich eben nur drei Stück, wenn du gerade nicht so viel Kleingeld im Portemonnaie hast. Aber schau mal, hier hast du noch eine zwanziger Note! Kann ich nicht die mitnehmen? Warum denn nicht? Ich bringe dir auch ganz bestimmt den Rest wieder zurück, versprochen. Ach Mama, du bist so unfair. Ich rede jetzt kein Wort mehr mit dir. ———Mama, wann kommt denn endlich das Paket mit den Herbstkleidern, das du für uns bestellt hast. Glaubst du, es kommt noch diese Woche, oder müssen wir vielleicht noch in die Stadt gehen. Es könnte ja sein, dass es übermorgen plötzlich kalt wird und dann habe ich gar nichts Passendes mehr zum Anziehen. Und wenn wir dann schon in der Stadt sind, kaufen wir gleich noch das Etui. Können wir gleich jetzt gehen?….“

Das können wir natürlich schon, meine geliebte Tochter, aber nur, wenn du mir verrätst, woher wir all das Geld nehmen sollen, das du so gerne ausgeben möchtest.

Ihr habt ja Recht…

Ihr habt ja Recht, ihr, die ihr mir sagt, dass ich mal wieder auf dem besten Weg bin, das Fuder zu überladen. Ihr, die ihr mir ins Gewissen redet, weil ich wieder zu oft ja sage,  weil ich der Ruhe zu wenig Raum gebe, weil ich Aufgaben übernehme, die nicht meine sind. Ihr habt Recht, meine lieben Kinder, wenn ihr mir sagt, dass ich wieder zu viel Zeit im Büro verbringe und zu wenig mit Bilderbuch und Kuscheldecke auf dem Sofa. Du irrst nicht, mein Körper, wenn du mir sagst, dass es jetzt Zeit wäre, eine Pause einzulegen, die müden Füsse zu entlasten, tief durchzuatmen und einfach mal gar nichts zu tun.

Ich kann euch allen wirklich nur zustimmen, und doch bleibe ich ratlos. Denn egal wie oft ich schon erschöpft am Boden lag, egal, wie oft ich mir schon geschworen habe, nicht noch einmal in die gleiche Falle zu tappen, egal, wie oft ich mir schon vorgenommen habe, es beim nächsten Mal anders zu machen, so habe ich noch immer keinen Weg gefunden, aus meiner Haut zu können, eine andere zu werden. Eine, die ja sagt, wenn Ja dran ist und nein, wenn Nein an der Reihe ist. Eine, die nicht nach jeder Geschwindigkeitsbusse wieder erneut zu sehr aufs Gaspedal drückt. Eine, die nicht nur weiss, dass es Zwischenstufen gibt zwischen den zwei Extremen Feuereifer und abgelöscht.

Ob ich je soweit sein werde?

(Frei)zeitmanagement

Meine erste Reaktion war ziemlich ablehnend, als „Meiner“ neulich vorschlug, dass wir jeweils am Sonntag die wichtigsten Aufgaben und Termine der Woche planen. Das Wichtigste, damit meinte er nicht alleine die unzähligen Elterngespräche, die er jeweils ausserhalb der Schulzeit führt oder die zahlreichen Termine, die ich ausserhalb der regulären Arbeitszeiten einplane, nein, er wollte auch Zeiten festlegen, wann wir mit den Kindern Wäsche falten und versorgen, wann wir uns mit unserem Kontostand und den zu bezahlenden Rechnungen befassen und – für mich am schwierigsten zu akzeptieren – wann jeder von uns ein paar Stunden ganz für sich alleine hat. „Warum um Himmels Willen willst du denn jetzt auch noch unseren Alltag durchplanen? Sind wir denn nicht bereits genug eingespannt mit Stundenplänen, ausserschulischen Aktivitäten der Kinder, Arztbesuchen und all dem elenden Kram?“, protestierte ich. Aber klar seien wir das, entgegnete „Meiner“ und genau darum wolle er unseren Alltag besser strukturieren denn „wenn wir immer und überall spontan sind, dann reagieren wir am Ende nur noch auf das, was an uns herangetragen wird und dann sind wir gefangen in unserer Spontaneität.“

Ich weiss nicht, ob mich der Inhalt seiner Aussage überzeugt hat, oder ob ich einfach nur baff war, dass der Mann, der allem theoretischen Geschwätz abgeneigt ist, mir auf einmal einen Sachverhalt so sec und unumstösslich darlegte, dass mir keine Gegenargumente einfielen. Gewöhnlich bin ich diejenige, die ihn mit knapp gehaltenen, aus meiner Sicht absolut logischen Argumenten derart nerve, dass er sich beeilt, mir Recht zu geben, bevor ich ihn mit einer einschläfernden Predigt über die Richtigkeit meiner Überlegungen langweile. Diesmal waren die Rollen vertauscht und mir blieb nichts anderes übrig, als bei dem Spiel mitzumachen, obschon mir nicht so ganz wohl war dabei. Wie bereits angetönt, hatte ich meine grössten Bedenken bei der Freizeit, die wir ab sofort fest einplanen sollten.

Warum ausgerechnet bei der Freizeit? Müsste denn eine fünffache Mama, die obendrein noch Teilzeit arbeitet, beim Gedanken an fest eingeplante Freizeit nicht glänzende Augen kriegen? Nun, das war einmal so, vor langer Zeit, als ich mir noch Illusionen machte. „Morgen Nachmittag nehme ich mir zwei Stunden frei und dann lege ich mich mit einem dicken Schmöker in die Badewanne, komme was wolle“, nahm ich mir jeweils vor. Natürlich kam tatsächlich, was wollte. Die Kinder kotzten, eine in Tränen aufgelöste Freundin brauchte Beistand, „Meiner“ wurde bei der Arbeit aufgehalten und verspätete sich, ich musste eine Stellvertretung übernehmen – damals unterrichtete ich noch -, ein Vertreter schneite herein und liess sich nicht abwimmeln oder vielleicht packte mich auch nur das schlechte Gewissen, weil ich mit einem Ohr mitbekam, wie „Meiner“ versuchte, allen Kindern gleichzeitig gerecht zu werden. Es blieb beim Träumen von Badewanne und Schmöker und die Realität des Alltags behielt mich weiterhin fest im Griff. Die ersten drei oder viermal, als mir so etwas passierte, war ich bitter enttäuscht, später dann nahm ich die resignierte Haltung ein, dass es eben kein Recht auf Freizeit und Erholung gibt, auch wenn in der Erklärung der Menschenrechte genau dies festgeschrieben ist. Mag ja sein, dass einem die Freizeit hin und wieder ganz unvermittelt in den Schoss fällt, aber planen lässt sie sich nicht, sagte ich mir. 

Ob das inzwischen anders ist? Ich bezweifle es, auch wenn ich heute Abend, als wir uns nun zum ersten Mal hinsetzten, um die wichtigsten Fixpunkte der kommenden Woche festzulegen, nichts dagegen unternahm, als „Meiner“ für den Mittwochnachmittag ein paar Stunden Zeit für mich ganz alleine einplante. Nun ja, ein wenig muckte ich natürlich schon auf, als er vorschlug, dass ich erst nach dem Abendessen wieder erscheinen sollte. „Das kann ich den armen Kindern doch nicht zumuten“, wehrte ich ab und so werde ich nun am Mittwoch um 19 Uhr wieder bei Mann und Kindern erwartet. „Meiner“ wollte sogar noch weiter gehen in der Planung und fragte, was ich denn vorhätte, ob ich lieber zu Hause bleiben und schreiben oder in den Wald gehen wolle, aber diese Frage beantwortete ich nicht. Wo bliebe denn die Spontaneität, wenn wir auch noch die geplante Freizeit verplanten? Obschon, wenn ich höre, wie das Prinzchen im Nebenzimmer vor sich hin fiebert und wenn Luise sehe, die gerade über Schwindel und Übelkeit klagend auf dem Fussboden liegt, dann scheint mir, dass meine „Freizeit“ von Mittwochnachmittag bereits bis auf die letzte Minute verplant ist.

Trainingsprogramm zum Schuljahresanfang

6:30 Uhr: Sich unter Ächzen und Stöhnen aus dem Bett zwängen, dem Prinzchen eine Milch wärmen und sich zurück ins Bett begeben.

6:45 Uhr: Sich unter Ächzen und Stöhnen aus dem Bett zwängen, ganz langsam und vorsichtig die Treppe hochsteigen, Orientierungslauf, um herauszufinden, welches Kind in welchem Bett den Schlaf gefunden hat, Weckruf und dann die Kinder mit sanftem Druck aus dem Bett holen, was zuweilen nur unter Körpereinsatz – „Mama, ziehst du mich bitte hoch, mein Körper ist so schlapp, ich schaffe das nicht alleine.“ – gelingt.

6:55 Uhr: Startschuss zum Stafettenlauf zwischen Herd und Küchentisch: Wer bringt schneller mehr Kakaotassen auf den Tisch, ohne etwas zu verschütten? „Meiner“ ist meistens Sieger, aber er schummelt, denn er wärmt die Milch in der Mikrowelle und nicht auf der Herdplatte.

7:25 Uhr: Startschuss zum Treppenrennen: Mama hetzt drei Treppen hoch, um Kleider für die Kleinsten zu suchen, die Kinder hetzen zwei Treppen hoch, dann wieder eine runter und wieder drei hoch, wozu weiss keiner so genau, aber das alles wirkt sehr geschäftig und am Ende hetzen doch wieder Mama und Papa gemeinsam hoch und runter, um Schuhe, Schulhefte, Zahnbürsten, etc. herbeizuschaffen.

Irgendwann zwischen 7:25 und 7:50 Uhr: Ein verzweifelter Versuch, mal kurz zu duschen. Meist gelingt es, manchmal nicht.

7:55 Uhr: Der Endspurt für die Schulkinder beginnt. Schulsäcke stemmen, Kinder anfeuern „Ja, Luise, du schaffst das. Nur noch diesen einen Zahn bürsten und dann kannst du losziehen! Jawohl, Karlsson, nur noch einmal die Treppe hoch und die Schuhe holen, dann bist du bereit! Bravo, der FeuerwehrRitterRömerPirat hat’s als Erster geschafft! Bitte um einen kräftigen Applaus für den FeuerwehrRitterRömerPiraten!“

8:00 Uhr: Endspurt für die Vorschulkinder. Tief bücken, um beim Anziehen der Schuhe zu helfen, weit in die Höhe strecken, um die eigenen Schuhe, die man vor Luise in Sicherheit hat bringen müssen, aus dem Regal zu holen und wieder tief bücken, um das Prinzchen hochzuheben, der „nicht laufen kann“.

8:10 Uhr: In raschem Schritt zum Kindergarten. Wer ist schneller, der Zeiger der Uhr oder Mama Venditti mit Prinzchen auf dem Arm und verträumtem Zoowärter im Schlepptau? Der Uhrzeiger gewinnt fast immer und die Kindergärtnerin fragt besorgt nach, ob Mama Venditti wohl auch mitgekriegt hat, dass der Kindergarten in diesem Schuljahr bereits um Viertel nach acht beginnt und nicht wie früher um halb neun. Ja, Mama Venditti hat das mitgekriegt, aber ihre Kinder scheren sich einen Dreck darum, wo der Uhrzeiger steht, Hauptsache, sie können noch schnell der Nacktschnecke guten Tag sagen und die hohe Mauer beim Kirchgemeindehaus erklimmen. Genau so, wie es eigentlich sein müsste, wenn man denn noch Zeit hätte, Kind zu sein.

8:20 Uhr: Heftiges Winken, um sich vom Zoowärter zu verabschieden.

8:21 Uhr: Prinzchen hochheben, der noch immer „nicht laufen kann“ und ab zur Arbeit.

8:30 bis 11:30 Uhr: Verschnaufpause für den Körper, jetzt ist der Kopf dran.

11:35 Uhr: Zum Kindergarten rennen – diesmal ohne Prinzchen auf dem Arm – und den Zoowärter abholen.

11:45 Uhr: Den Zoowärter und die anderen Kinder, die sich uns auf dem Heimweg angeschlossen haben, zu Hause abladen. Überprüfen, ob wirklich nur eigene Kinder ins Haus gehen und falls Fremde darunter sind, dafür sorgen, dass diese zu Hause anrufen, um zu melden, dass sie bei uns gelandet sind. Zurück ins Büro rennen, um die Arbeit abzuschliessen und das Prinzchen abzuholen.

12:15 Uhr: Mit dem Prinzchen auf dem Arm nach Hause hetzen, wo „Meiner“ hoffentlich schon Zeit gefunden hat, das Essen fertig zu machen, das einer von uns beiden im Morgengrauen oder am Vorabend halbwegs vorbereitet hat..

12:55 Uhr: Kurze Verschnaufpause auf dem Sofa, zumindest, wenn niemand anruft und damit den Wettlauf „Wer ist zuerst beim Telefon?“ in Gang setzt.

13:15 Uhr: Der Endspurt für die Schulkinder beginnt. Schulsäcke stemmen, Kinder anfeuern „Ja, Luise, du schaffst das. Nur noch diesen einen Zahn bürsten und dann kannst du losziehen! Jawohl, Karlsson, nur noch einmal die Treppe hoch und die Schuhe holen, dann bist du bereit! Bravo, der FeuerwehrRitterRömerPirat ist als erster bereit! Bitte um einen kräftigen Applaus für den FeuerwehrRitterRömerPiraten!“

13:15 bis 18:00 Uhr: Das Nachmittagsprogramm ist weniger straff organisiert. Es beinhaltet wahlweise „Noch schnell ins Büro rennen und dort eine oder zwei Stunden arbeiten“ oder „Mit zwei oder drei Kindern im Schlepptau – das Prinzchen natürlich wieder auf dem Arm – zum Arzttermin hetzen“ oder „Nur mal rasch in die Migros gehen, um Milch und Obst zu kaufen – natürlich wieder mit Kindern auf dem Arm und im Schlepptau“ oder „Kommt, wir begleiten Karlsson zur Geigenstunde. Ich muss doch die neue Lehrerin auch mal treffen. Ja, Prinzchen, ich nehme dich auf die Schultern und ihr anderen lauft schön brav mit. Nein, die Geigenstunde ist nicht mehr im Schulhaus gleich um die Ecke, sondern im anderen. Ja, genau, Luise, in dem Schulhaus, zu dem man immer so weit laufen muss…“. Hin und wieder, wenn nur die Kleinen und ich zu Hause sind, sieht das Nachmittagsprogramm auch so aus: „Kommt mal aufs Sofa, ihr zwei,  ich erzähle euch eine Geschichte“ und wenig später schlafen wir drei kreuz und quer übereinander tief und fest, bis die Grossen nach Hause kommen und eine Motivationsspritze für die Hausaufgaben brauchen.

18:00 bis 21:00 Uhr: Allmählich wird das Tempo gedrosselt, alle schalten einen Gang tiefer. Nun ja, zumindest, wenn kein Elternabend auf dem Programm steht. Falls doch, dauert das Trainingsprogramm eben noch ein wenig länger: Kinder in Rekordzeit füttern, ins Bett bringen und dann, pünktlich um fünf vor sieben, los zum Schulhaus. Wann endlich teilt jemand der lieben Lehrerschaft mit, dass ein Elternabend um sieben Uhr uns Eltern daran hindert, unseren Kindern einen pädagogisch wertvollen Tagesabschluss mit Ritualen, Gutenachtgeschichten und „Ich hab‘ dich lieb“ zu bieten? Und die Strafe tragen natürlich wieder wir Eltern, denn wenn wir um halb neun nach Hause gehetzt kommen, sind bestimmt alle noch wach, weil sie doch ohne Rituale, Gutenachtgeschichten und „Ich hab‘ dich lieb“ nicht einschlafen konnten.

 

 

Kein Feierabend in Sicht

Das Unvermeidliche ist eingetroffen: Kaum haben unsere Kleinsten damit aufgehört, unsere Nacht zum Tag zu machen, fangen unsere Grössten damit an, den Tag bis in die späten Abendstunden zu verlängern. Konnte man bis vor wenigen Monaten noch damit rechnen, dass es ab acht Uhr ruhiger und ab neun Uhr fast ganz still wird, so ist heute frühestens um halb elf endgültig Feierabend. Ihr erfahrenen Mütter, die ihr das Ganze schon hinter euch habt und die ihr schon immer gepredigt habt, dass es mit grossen Kindern nicht leichter, sondern anders wird, dürft jetzt wieder aufhören, hämisch hinter den Seiten eures Romans, den ihr euch zum Feierabend gönnen könnt, hervor zu grinsen. Ich habe ja nie behauptet, ihr hättet nicht Recht mit eurer Aussage, aber ein wenig Gejammer müsst ihr mir nun einfach durchgehen lassen. Bei uns geht das eine ja nahtlos in das andere über, von den durchwachten Nächten zu den nicht enden wollenden Tagen. Wer weniger Kinder hat, der bekommt zwischen den zwei Phasen immerhin eine kleine Verschnaufpause, während der die Kinder schön artig um acht ins Bett gehen und durchschlafen bis morgens um sieben. 

Wäre ich ein Mensch, der die Dinge hin nimmt, wie sie nun mal sind, so würde ich mich jetzt in mein Schicksal fügen und durchbeissen. Aber erstens passt das mit „die Dinge nehmen, wie sie sind“ nicht so recht zu meinem Wesen und zweitens fühle ich mich nach nahezu elf Jahren Mutterschaft körperlich derart ausgelaugt, dass ich mir einen Massnahmenkatalog erarbeitet habe, der mir dabei helfen soll, die neue Lebensphase mit meinen grösser werdenden Kindern zu überstehen, ohne noch näher an den Rand des Nervenzusammenbruchs zu geraten:

1. Lerne so rasch als möglich, dich nicht als faule Schlampe zu fühlen, wenn du dir morgens oder nachmittags – je nachdem, wie es der Teilzeitjob und die Stundenpläne der Kinder zulassen – eine ausgiebige Auszeit gönnst. Du bist keine faule Schlampe, du ziehst lediglich den Feierabend vor, den dir deine Kinder nicht mehr gönnen wollen.

2. Finde einen Weg, wie „Deiner“ und du die Zeit zu zweit, die ihr bisher abends hattet, am Morgen oder am Nachmittag – wieder abhängig von (Teilzeit)Jobs und Stundenplänen – haben könnt. Glaube nur ja nicht, dass es einfach wird, diesen Weg zu finden, aber wer hat denn je behauptet, es sei einfach, eine Familie zu haben?

3. Wenn deine Kinder nicht schlafen wollen, sollen sie eben arbeiten. Warum sollst du die Einzige sein, die zu später Stunde noch Wäsche aufhängt und Geschirr spült? Spätestens nach drei abendlichen Arbeitseinsätzen werden deine Kinder erkennen, dass Mamas und Papas Feierabendprogramm gar nicht so unterhaltsam ist, wie sie sich das immer vorgestellt hatten, als sie noch kleiner waren und sich darüber aufregten,  dass die Eltern noch ihren Spass haben durften, während sie bereits im Bett liegen mussten. Wenn sie arbeiten müssen, werden deine Kinder von allein wieder früher schlafen gehen  oder zumindest so tun, als ob sie schlafen würden. Aber dir ist ja eigentlich auch egal, ob sie schlafen oder bloss so tun als ob, Hauptsache, du kannst nach einem anstrengenden Tag endlich die Füsse hochlegen und lesen.

4. Sorge dafür, dass du nur noch mit den Menschen ehrenamtlich zusammenarbeitest, mit denen du dich auch privat gut verstehst. Dadurch erreichst du, dass abendliche Sitzungen Spass machen. Wenn ihr wirklich diszipliniert seid, dann schafft ihr es locker, die Traktanden innerhalb von fünfzehn Minuten abzuhaken, um danach einen gemütlichen Abend unter Freunden zu haben. Warum man dazu einen Sitzungstermin braucht? Dafür gibt es zwei Gründe: Erstens sind ehrenamtlich tätige Menschen meist so vielbeschäftigt, dass sie sich ungemein faul und egoistisch fühlten, würden sie sich einfach so einen netten Abend ganz und gar ohne Arbeit leisten. Und zweitens wollen deine noch wachen Kinder garantiert nicht mitkommen, wenn du ihnen sagst, du müsstest zu einer Sitzung gehen. Würdest du ihnen nämlich sagen, dass du dich mit einer Freundin zum Kaffee triffst würden sie garantiert zetermordio schreien, weil du mit ihnen nie so etwas machst und weil du immer nur im Restaurant sitzt und Kaffee trinkst.

5. Finde dich damit ab, dass das, was du jetzt erlebst, erst der Anfang ist. Noch ein paar Jahre und du wirst an den endlosen Tag ohne Feierabend auch noch eine halbe durchwachte Nacht anhängen, weil du nicht zu Bett gehen magst, solange deine Kinder noch nicht zu Hause sind. Aber das ist ja nicht das Ende. Noch ein paar Jährchen mehr, und deine Kinder werden mit schwarzen Schatten unter den Augen an deinem Tisch sitzen und fragen: „Mama, waren wir auch mal so schlimm? Ich möchte nur noch schlafen, schlafen, schlafen…“

Und das würde ich jetzt auch tun, wenn ich nicht noch die Küche aufräumen müsste.

Durchgeknallt oder Mutterliebe?

Okay, ich weiss, ich hätte cool bleiben sollen, als die Freundin anrief, weil sie Karlsson nach der Orchesterprobe nicht finden und somit auch nicht nach Hause bringen konnte. Ich hätte nachdenken müssen, mir überlegen, wie Karlsson gewöhnlich reagiert, wenn etwas nicht so läuft wie erwartet, hätte mich in seine Gedankenwelt versetzen müssen. Nun ja, immerhin war ich sicher, dass er nicht den Bus genommen hatte, denn Karlsson hatte kein Geld dabei und Schwarzfahren käme ihm nicht im Traum in den Sinn. Ihm, der sich weigert, eine Strasse ohne Fussgängerstreifen zu überqueren. Soweit konnte ich also noch klar denken, aber natürlich blieb ich dennoch alles andere als cool. Nun ja, nach dem ersten Anruf der Freundin schon, aber als sie zehn Minuten später Bescheid gab, sie hätte unseren Ältesten noch immer nicht finden können, wurde ich so langsam panisch. Karlsson alleine zur Feierabendzeit in der Stadt – diese Vorstellung war zu viel für meine zuweilen etwas zu lebhafte Fantasie und so heulte ich beim dritten Anruf der Freundin nur noch hilflos ins Telefon. Was sollte ich bloss tun? Der Zoowärter sass in der Badewanne, das Prinzchen war bereits im Bett und „Meiner“ war beim Elterngespräch, kein Auto im Haus und kein Vertrauen in die Selbständigkeit unseres Sohnes, dafür umso mehr schreckliche Vorstellungen, was dem Kind alles zustossen könnte.

Hätte ich doch bloss auf den Zoowärter gehört. Als der nämlich merkte, dass ich nicht bloss so tat, als würde ich heulen, meinte er ganz ruhig „Karlsson ist nichts passiert, du brauchst keine Angst zu haben“. Aber welche Mama ist denn so klug, in solchen Momenten auf ihren vierjährigen Sohn zu hören? Mag ja sein, dass es solche Mamas gibt, ich gehöre auf alle Fälle nicht dazu und so rief ich schliesslich „Meinen“ an, damit er sich sofort auf die Suche nach unserem Sohn machte. Nun ja, vollkommen unvernünftig war das wohl nicht, denn immerhin hätte er bereits vor 45 Minuten auftauchen müssen. Aber vielleicht war es dann doch ein wenig übertrieben, dass ich danach auch noch meine Mutter auf den Plan rief, die sich gemeinsam mit Luise und dem FeuerwehrRitterRömerPiraten auf die Suche machte.

Während nun alle nur erdenklichen Leute auf der Suche nach dem verlorenen Sohn  waren – die Freundin hatte inzwischen eine Freundin alarmiert und eine weitere Freundin hätte sich ebenfalls auf die Socken gemacht, wenn ich sie darum gebeten hätte -, tigerte ich durch die Wohnung und hatte nichts Weiteres zu tun, als all die Gespenster, die wohl in fast allen mütterlichen Gehirnwindungen schlummern, aufzuwecken und durch meinen Kopf spuken zu lassen. „Ruf ins Spital an!“, heulte das eine Gespenst „vielleicht ist er unters Auto gekommen.“ „Nein, die Polizei musst du alarmieren“, widersprach das andere. „Ach, so ein Quatsch!“, brauste das dritte auf „Das Kind fürchtet sich bestimmt vor dem neuen Schuljahr und hat sich irgendwo im Wald verkrochen.“

Ich weiss nicht, was ich getan hätte, wenn das Geheul dieser Gespenster nicht plötzlich durch Schritte im Treppenhaus unterbrochen worden wären. Vielleicht hätte ich tatsächlich die Polizei alarmiert. Doch die Schritte, die ich hörte, gehörten ganz eindeutig zu Karlsson und da kam er  tatsächlich die Treppe hoch gehumpelt, vollkommen zufrieden und ziemlich hungrig. Er hätte unsere Freundin nirgendwo finden können und deshalb sei er eben zu Fuss nach Hause gekommen, viereinhalb Kilometer, mit heftigen Wachstumsschmerzen im Knie, mit der Geige auf dem Rücken und im Kopf die Angst, dass „Meiner“ und ich bestimmt schimpfen würden, weil er so spät nach Hause kam.

Okay, vermutlich habe ich die Situation mal wieder nicht besonders bravourös gemeistert, aber zumindest wissen die Kinder nun, wie sehr ich heulen muss, wenn ich mich um sie sorge. Ich hoffe doch sehr, dass sie dies als Zeichen von Mutterliebe deuten und nicht als Zeichen dass ihre Mama so langsam aber sicher den Verstand verliert…

Wundersame Verwandlungen

Meine Befürchtungen, dass meine Schlaflieder mit dem Prinzchen-Auszug nicht mehr gefragt wären, haben sich nicht bewahrheitet. Im Gegenteil, heute hat mich das Prinzchen ausdrücklich zum Singen in die obere Etage eingeladen und weil dort auch der Zoowärter einzuschlafen versuchte, wünschten bald einmal zwei kleine Jungs eine Serenade, wodurch ich in den Genuss von zwei wundersamen Veränderungen kam, anstatt nur einer, wie an gewöhnlichen Abenden. An den Anblick, wie aus einem sehr lebhaften Prinzchen, der tagsüber eher einem Gummiball als einem Kind gleicht, ein sanft schlafender kleiner Engel wird, habe ich mich schon gewöhnt. Wie aber innert wenigen Minuten aus dem tagsüber so kämpferischen Zoowärter ein verträumtes kleines Kind mit butterweichem Herzen wird, habe ich schon lange nicht mehr erlebt. Einfach unglaublich, was ein paar Schlaflieder und einige Umarmungen bewirken können.

Und noch eine Verwandlung erlebte ich: Während des Singens spürte ich, wie aus einer ungeduldigen, grummligen Rabenmutter, die ihre miese Laune nur unter grösster Anstrengung halbwegs in den Griff bekommen konnte, eine ziemlich ausgeglichene, entspannte Mama Venditti wurde, die ihren beiden Kleinsten aus vollem Herzen sagen konnte, wie sehr sie sie liebt, bevor ihnen die Augen zufielen. Auch solche Verwandlungen kommen vor und von allen drei ist dies die wundersamste, zumindest an Tagen wie heute, an denen ich schon aus der Haut fahre, wenn eine harmlose Stubenfliege durch die Küche summt oder wenn ein noch harmloserer „Meiner“ mich darum bittet, ihm mal schnell den Stil-Bund der „NZZ am Sonntag“ zu reichen.

Ich bin noch nicht soweit

Jetzt wollen sie also tatsächlich, dass das Prinzchen aus dem Elternschlafzimmer auszieht. Alle wollen das, am meisten aber „Meiner“ und Luise. „Meiner“, weil er findet, dass wir unser Zimmer endlich wieder für uns haben sollten, Luise, weil sie seit jenem Tag, an dem sie sich damit abgefunden hat, dass das Prinzchen kein Mädchen ist, sehnsüchtig auf den Tag wartet, an dem der Jüngste in ihr Zimmer umzieht. Karlsson, der FeuerwehrRiterRömerPirat und der Zoowärter sind zwar nicht ganz so versessen auf den Umzug, aber auch sie finden, es wäre langsam Zeit, vor allem, weil sie sich erhoffen, dass er sehr bald einmal verkünden wird, dass er nicht mehr bei Luise schlafen will, sondern bei einem seiner grossen Brüder. Ja, und auch das Prinzchen hat in den vergangenen Wochen hin und wieder angedeutet, dass er abends ganz gerne oben bei seinen grossen Geschwistern sein möchte.

Was soll also ich da noch ausrichten können? Zumal Luise heute Tatsachen geschaffen hat, indem sie das Prinzchen-Bett ganz alleine aus dem Elternschlafzimmer gehievt hat. „Meiner“ hat ihr dann auf der Treppe bereitwillig geholfen. Danach ging alles ganz schnell: Luise wechselte ihrem kleinen Bruder die Windel, brachte ihn zu Bett und sang ihm Schlaflieder, welche durch lautes Geheul des Zoowärters, der möchte, dass das Prinzchen mit ihm das Zimmer teilt, begleitet wurden. Und ich, was sollte ich jetzt tun? Keiner mehr da, der meine Schlaflieder hören will, kein gemütliches Feierabendritual mit meinem Jüngsten, der mir noch ein wenig von den zahlreichen Abenteuern des Tages erzählt. Wie ich da so etwas verloren in der Küche stand und nicht so recht wusste, was ich mit der gewonnenen Zeit anfangen sollte, fühlte ich mich auf einmal ziemlich leer. Bis jetzt war da stets noch ein Kleineres gewesen, wenn ein Kind allmählich weniger Mama und mehr grosse Geschwister wünschte. Jetzt aber folgt niemand, so langsam muss ich mich wohl damit abfinden, dass die Kleinkindertage in unserem Hause gezählt sind und so sehr ich mir zuweilen etwas mehr Ruhe und Ordnung wünschte, es fällt mir dennoch sehr schwer, dass schon bald einmal Schluss sein wird damit. 

Ob das Prinzchen gespürt hat, wie ich mich fühle? Oder ist er am Ende auch noch nicht bereit, auf die schönen Momente am Abend zu verzichten? Ich weiss nicht, welches von beidem der Grund war, Tatsache ist, dass er, kaum war Luise eingeschlafen, zu „Meinem“ und mir aufs Sofa gekrochen kam, wo er sich eine ausgiebige Kuschelrunde gegönnt hat. Danke, mein Prinzchen, dass ich noch ein wenig länger Kleinkind-Mama sein darf.

Was wäre wenn…?

Mir scheint, wir leben uns allmählich auseinander, die Schule und ich. Während ich mir vor sechs Jahren, als Karlsson in den Kindergarten kam, noch sehnlichst wünschte, dass das Kind dort den ganzen Vormittag betreut würde, habe ich heute ernsthafte Bedenken, ob der Zoowärter damit zurechtkommen wird, wenn er ab nächster Woche jeden Tag von Viertel nach acht bis zwanzig vor zwölf im Kindergarten sein wird. Als Karlsson vor vier Jahren eingeschult wurde, war ich noch der Meinung, dass er ruhig etwas mehr gefordert werden dürfte. Knappe zwei Jahre später, als Luise mit einem entzündeten Blinddarm im Untersuchungszimmer des Kinderspitals sass und sich sorgte, ob die Lehrerin mit ihr schimpfen würde, weil sie keine Zeit hatte, die Hausaufgaben zu machen, sah ich das schon ein wenig anders. Schulstress in der zweiten Klasse schon? Das darf doch nicht wahr sein. Wenn der FeuerwehrRitterRömerPirat nächste Woche eingeschult wird, wird er jede zweite Woche an drei Nachmittagen Unterricht haben. Nur noch zwei freie Nachmittage, um unbeschwert Kind zu sein, als Siebenjähriger schon. Mir wird mulmig dabei und wenn ich erst bedenke, dass Luise in der Dritten ebenfalls nur noch zwei freie Nachmittage hat, davon einer zur Hälfte belegt mit Querflötenstunde und Therapie, dann wird mir Angst und bang. Ja, ich weiss, das Kind wird sich auswärts zusammenreissen, wird auf die Zähne beissen und überall ihr Bestes geben, dafür aber wird sie zu Hause umso mehr Dampf ablassen, bei jeder Gelegenheit aus der Haut fahren und der freien Zeit, die sie nun nicht mehr hat, nachtrauern.

Je länger ich Mutter bin, umso mehr zweifle ich daran, dass Kinder derart gefordert werden müssen. Ja, Bildung ist wichtig, der Wissensdurst der Kinder will gestillt werden, aber je länger je mehr bekomme ich den Eindruck, dass sich bei derart vollen Stundenplänen gar kein richtiger Wissensdurst mehr entwickeln kann. Wie viel Wissen haben unsere Kinder während dieser einen Woche in Prag in sich aufgesogen, einfach so, weil sie mehr über das erfahren wollten, was sie sahen. Mit wie vielen neuen Pflanzennamen und Gedanken über unseren Umgang mit der Natur kehren sie jeweils von einem Ausflug in den Wald zurück. Wie viel lernen sie, wenn sie selber zum Kochbuch greifen und einfach mal drauflos kochen. Der Lehrplan sieht ja gewöhnlich vor, dass man all das in der Theorie gründlich lernt und am Ende, falls das Budget es erlaubt und man im Stundenplan noch eine Lücke findet, geht man auf eine Exkursion, um sich das Ganze noch in Echt anzuschauen. Ja, ich weiss, die Lehrer würden das oftmals auch gerne umgekehrt machen, aber sie haben meist auch nicht den Spielraum dazu.

Was wäre, wenn es genau umgekehrt wäre? Wenn man zuerst erleben würde, anschauen, ausprobieren, erfahren und dann, wenn man sich auch wirklich etwas unter der Sache vorstellen kann, würde man sich hinter die Theorie machen, die man ja wohl auch kennen muss, wenn man eine höhere Schulbildung anstrebt und vielleicht einmal etwas selber erforschen will? Müsste man dann die Kinder morgens auch mit Mühe und Not davon überzeugen, sich endlich auf den Weg zu machen? Hätte man dann auch diese aufreibenden Diskussionen über Sinn und Unsinn von Hausaufgaben? Gäbe es gleich viele Schulversager? Weniger? Oder mehr?

Ich weiss es nicht und  mir ist klar, dass auch ich die Schule nicht neu erfinden werde, aber heute, wo ich mich ein wenig vor dem neuen Schuljahr fürchte, wünschte ich mir, die Schule wäre ein kleines bisschen mehr so, wie ich mir sie erträume. Und ich gebe offen zu, dass hinter diesem Wunsch sehr viel Egoismus steckt, denn kaum etwas strengt mich in meinem Alltag als Mutter mehr an als die ewige Antreiberei, die mir je länger je schwerer fällt, weil ich immer weniger dahinter stehen kann.

 

Erfolgsbilanz

Wohl in keinem anderen Lebensbereich wird die Freude über den klitzekleinsten Erfolg sogleich wieder durch den nächsten Misserfolg zunichte gemacht wie im Familienleben. Du glaubst, du hättest eine Situation ausnahmsweise mal bravourös gemeistert, doch kaum drehst du dich um, siehst du, dass es dafür an einem anderen Ort bereits wieder brennt. Abends hast du dann das Gefühl, der Tag sei eine Aneinanderreihung unzähliger kleiner Missgeschicke und Misserfolge gewesen. Die Lichtblicke dazwischen hast du schon längst vergessen. Damit dies heute nicht der Fall ist, hier eine kleine Erfolgsbilanz aus dem Hause Venditti:

  • Karlsson hat beim Zwischendurcheinkauf gebettelt, ich möchte doch wieder einmal Salat kaufen, er hätte so grosse Lust darauf. Als ich bloss einen in den Wagen legte, protestierte er lautstark und verlangte nach einem zweiten. Schokolade, Chips und andere vollwertige Nahrungsmittel hingegen hat er ausnahmsweise keines Blickes gewürdigt.
  • Das Prinzchen hat nur einen der beiden Frischhefe-Würfel zerkrümelt und auf der Matratze des Ehebetts verteilt. Der andere Würfel ist ganz geblieben. Nun ja, wenn ich es recht bedenke, ist das vielleicht nicht unbedingt ein Erfolg, sondern viel eher ein glücklicher Zufall, weil das Prinzchen durch etwas anderes, das ihn spannender dünkte, abgelenkt wurde.
  • Luise hat heute fast nie gezickt, was vielleicht daran lag, dass sie den ganzen Nachmittag weg war.
  • Das Prinzchen schlief heute Abend ohne sein Nuschi ein und ersparte mir damit eine lange, nervenaufreibende Suchaktion.
  • Der FeuerwehrRitterRömerPirat und der Zoowärter haben sich nicht ein einziges Mal verhauen.
  • Der Zoowärter hat sich ganz alleine angezogen, ohne zu protestieren, das könne er noch nicht und er sei noch viel zu klein und wenn man viereinhalb sei, müsse man sich noch nicht selber anziehen, auch wenn man nächste Woche in den Kindergarten komme.
  • Das Prinzchen verlangte nach einer zweiten Portion Orecchiette mit Bohnen und sagte nicht bereits vor dem ersten Bissen „Hani nöd gern!“
  • Luise hat ihre Schuhe ins Regal gestellt. 
  • Der FeuerwehrRitterRömerPirat war bereits angezogen, als ich zum Mittagessen nach Hause kam und so, wie es aussah, hat ihn niemand dazu zwingen müssen.
  • Das Prinzchen hat nicht auf den Boden gepinkelt, als er ohne Windel unterwegs war, sondern hat das Katzengeschirr, das wir uns schon mal angeschafft haben, als Töpfchen verwendet.
Und schliesslich noch der unglaublichste aller Erfolge:
  • „Meiner“ und ich konnten uns heute nach dem Mittagessen kurz hinlegen, weil gerade niemand sein Holzschwert geflickt haben, oder die Schürze des Dirndls gebunden haben, oder die Geschichte vom kleinen Maulwurf uns seiner blauen Hose vorgelesen haben wollte.
Eine ganz beachtliche Erfolgsbilanz, nicht wahr? Wie? Ihr findet, das seien alles nur Bagatellen? Da muss ich euch leider widersprechen. Nehmen wir das Beispiel von Luises Schuhen. Wenn ihr wüsstet, wie oft wir das Kind schon darauf aufmerksam gemacht haben, dass ihre Schuhe ins Regal gehören, dann wüsstet ihr, dass das heutige Ereignis so denkwürdig ist, dass es eigentlich gebührend gefeiert werden müsste. Leider hatten wir keine Zeit dazu, denn ausnahmsweise kamen heute die Kinder nicht ein einziges Mal aus ihren Betten gekrochen und wenn mich nicht alles täuscht, herrschte spätestens um Viertel nach neun absolute Ruhe in den Kinderzimmern. Auch das ein Erfolgserlebnis, wobei man hier nie so ganz sicher sein kann. Vielleicht erfahren wir auch morgen früh, dass die Kinder gar nicht geschlafen, sondern die halbe Nacht Gespenster gejagt haben. Was bekanntlich so leise vor sich gehen muss, dass nicht nur die Eltern, sondern auch die Gespenster nichts davon merken.