Hätte ich die blöde Zeitung doch heute früh ins Altpapier geschmissen! Dann müsste ich mir jetzt nicht den Kopf darüber zerbrechen, ob es mit der Bildung endgültig bergab geht. Aber weil ich Sonntagszeitungen allein schon wegen ihrer Dicke liebe, habe ich mir die „NZZ am Sonntag“ aufgespart, bis ich endlich Zeit finde, sie zu lesen. Zwischen Essen kochen, Kinder chauffieren, Windeln wechseln und Telefonwerbung abwimmeln schaffte ich heute so einige Artikel, bis ich am späten Nachmittag beim Kulturbund angelangt war. Und wen muss ich da sehen, auf Seite 53 unten? Papa Moll!
Papa Moll in der „NZZ am Sonntag“? Gehörte der nicht eher in die „Schweizer Familie“? Es bleibt aber nicht beim Bild. Und ich bekomme auch keine spöttische Kritik am langweiligsten Papa der Schweiz zu lesen. Nein, ich muss Sätze lesen wie diese hier: „Moll bleibt Moll, und Frau und Kinder und Dackel Tschips haben ihre Rollen. Aber was am Rand der Streiche, in den Kulissen und teils auch in der Handlung an Fakten transportiert wird, das überrascht.“
Nun, mich überrascht eher, dass Oberbünzli Moll der NZZ Kulturredaktion solche Zeilen Wert ist. Wie, frage ich, wie soll ich da meinen Kindern gegenüber noch rechtfertigen können, dass es in unserer Hausbibliothek bei dem einen Papa Moll-Band bleiben wird, den ich in der Eile vor der Abreise nach Chamonix auf Druck des FeuerwehrRitterRömerPiraten gekauft habe?
Ich weiss nicht mehr ein noch aus. Soll ich mein „NZZ am Sonntag“-Abo künden? Muss ich meine Meinung über Papa Moll revidieren, dem Kerl noch eine Chance geben? Oder soll ich ganz einfach tun, als hätte ich die Zeilen nie gelesen? Ich glaube, ich wähle die letzte Variante. Denn auch für mich bleibt der Moll, was er schon immer war: Ein unerträglicher Bünzli. Und sei die „NZZ am Sonntag“ noch so positiv überrascht von ihm.

