Der weibliche Teenager während der Schulferien

Vor längerer Zeit habe ich mal beschrieben, wie der männliche Teenager seine Schulferien hinter sich bringt. Heute möchte ich darüber berichten, wie das beim weiblichen Teenager vor sich geht:

Zu sehen bekommt man den weiblichen Teenager allerfrühestens vor dem Mittagessen, manchmal auch erst gegen 14 Uhr. Wortkarg macht sie sich am Küchenschrank zu schaffen. Sind Cornflakes da, füllt sie sich eine Schale und verschwindet wieder in ihrem Zimmer. Sind keine Cornflakes da, schimpft sie lauthals auf ihre Brüder, die immer alles wegfressen und schnappt sich sonst etwas Essbares, um damit im Zimmer zu verschwinden. Da auch alle anderen spät gefrühstückt haben, beschliesst du, heute aufs Kochen zu verzichten. Ein Entscheid, den du Mitte Nachmittag bitter bereuen wirst, weil dann ein ziemlich übel gelaunter weiblicher Teenager wissen will, ob du gedenkst, heute vielleicht irgendwann eine warme Mahlzeit auf den Tisch zu bringen.

Mit einem anständigen Zvieri lässt sich der knurrende Magen und damit der ganze Teenager besänftigen und du kannst dich wieder anderen Dingen zuwenden, denn sie muss sich jetzt der Körperpflege widmen. Gegen Abend ist sie nicht nur frisch geduscht, sauber angezogen und artig frisiert, sie hat auch ganz ohne deine Ermahnungen das unter Wasser stehende Badezimmer wieder sauber gemacht. Dann verschwindet sie wieder in ihrem Zimmer, das sie erst wieder verlässt, wenn sie zum Abendessen gerufen wird. In der Regel stochert sie bloss ein wenig in ihrem Teller rum, denn das späte Frühstück und der anständige Zvieri sind noch nicht ganz verdaut. Nachdem sie ihr Geschirr weggeräumt hat, verschwindet sie wieder nach oben, bis die kleinen Brüder in ihren Betten sind.

Irgendwann, so zwischen halb neun und halb elf, kommst du auf die Idee, du könntest dir jetzt allmählich den Feierabend gönnen. Du brauchst das nicht laut zu sagen, es reicht schon aus, es nur zu denken und schon kommt der weibliche Teenager frisch und munter angetrabt. Ist der grosse Bruder zu Hause, steigt in der Küche eine laute, lustige spätabendliche Party, die erst ein Ende nimmt, wenn ein entnervter Elternteil dem lustigen Treiben mit einer Standpauke ein Ende setzt. Ist der grosse Bruder nicht zu Hause, macht sie sich eben mit dir einen netten Abend. Sie hat dir ja soooooo viel zu erzählen. Vielleicht lässt du dich sogar zu einem Film oder zu einer Runde Online-Shopping überreden. Oder du hast ein paar Tipps für sie auf Lager, wie es ihr am nächsten Tag wohl am besten gelingen könnte, endlich ihr Zimmer aufzuräumen, denn das will sie in diesen Ferien unbedingt erledigen.

Auf alle Fälle hat sie jetzt richtig Lust, Zeit mit ihrer Mama zu verbringen. An guten Tagen freust du dich über die späte Mama-Tochter-Zeit, an weniger guten Tagen siehst du dich dazu gezwungen, ihr unmissverständlich klar zu machen, dass du morgen früh wieder zu sprechen wärest, wenn sie denn wach wäre. So oder so wirst du noch bis tief in die Nacht hinein von ihr hören, denn wenn ihr Tag erst nach dem Mittagessen so richtig angefangen hat, kann man ja wohl kaum erwarten, dass er bereits vor Mitternacht wieder zu Ende ist. 

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Mangelnder Shopping-Enthusiasmus

Wenn andere Mütter mit ihren Töchtern Kleider kaufen:

„Wow! Dieser Style steht dir ja echt gut. Dazu brauchst du jetzt unbedingt noch eine passende Jacke und dann ist dein Look perfekt. Komm, ich zeige dir, wie du den Schal umbinden musst, damit dein Outfit richtig gut zur Geltung kommt. Okay, perfekt. Und jetzt dreh dich mal um, ich möchte noch sehen, wie das von hinten aussieht. Suuuuuper! Du hast deinen Look gefunden! Du musst einfach mutiger werden, zu deinem Style stehen, zur Geltung bringen, wie schön du bist. So, und jetzt probierst du noch das Kleid an. Dazu solltest du unbedingt eine schwarze, blickdichte Strumpfhose tragen. Das wird dann total heiss aussehen. Ach, und natürlich brauchst du ein Paar High Heels. Die besorgen wir auch noch gleich. Ich kann es kaum erwarten, dich darin zu sehen. Das Kleid passt dir wie angegossen. Stell dir mal vor, wie du erst aussehen wirst, wenn wir die richtigen Accessoires dazu gefunden haben. Ein Hammer-Outfit wird das…“ (Nein, das habe ich nicht erfunden. Das ist eine ziemlich wörtliche Widergabe dessen, was ich heute gehört habe.)

Wenn ich mit meiner Tochter Kleider für einen Teenie-Galaabend kaufe:

„Lass mal sehen. Sieht gut aus. Wirklich richtig schön. Wie? Du willst noch ein anderes Kleid anprobieren? Aber warum denn? Dieses hier ist doch perfekt. Na gut, dann probierst du die anderen eben auch noch an…“ Ich nicke vier weitere Kleider ab und gebe dann mein Schlussurteil bekannt: „Ja, ich finde auch, dass du das Grüne nehmen solltest. Sieht wirklich toll aus. Gut, dann brauchen wir jetzt nur noch eine passende Strumpfhose und dann können wir von hier verschwinden. Ach so, du brauchst ja noch Schuhe. Na, dann lass uns das möglichst schnell hinter uns bringen.“ Und natürlich bringe ich später, als sie beim Anprobieren der High Heels stolpert, nicht das eigentlich von mir erwartete: „Ach, mach dir keine Sorgen, mit etwas Übung schaffst du das schon und sonst buchen wir dir einen High-Heel-Kurs, damit du richtig elegant laufen lernst“ über die Lippen, sondern bloss etwas, was meine Tochter als schadenfreudiges Gelächter bezeichnen würde, was aber in Wirklichkeit natürlich allerhöchstens ein wohlwollendes Schmunzeln war. 

Nein, ich tauge wahrlich nicht als enthusiastische Shopping-Begleiterin. Dafür sage ich meiner Tochter manchmal auch dann, wenn sie vollkommen zerknittert aus dem Bett gekrochen kommt, wie hinreissend ich sie finde. (Zugegeben: Ich prüfe erst vorsichtig, ob die aktuelle Laune ein solches Kompliment erlaubt…)

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Wenn der töchterliche Ehrgeiz erwacht,…

… und gute Noten nicht nur dort gewünscht sind, wo ein Vendittti mit wenig Anstrengung auf einen grünen Zweig kommt, sondern auch dort, wo man erst einmal nur Bahnhof versteht, also zum Beispiel in Physik,…

… dann findest du dich als Mutter am Sonntagabend plötzlich nicht mehr hinter deiner Sonntagszeitung wieder, sondern am Esstisch, wo deine Tochter verzweifelt versucht, aus den Notizen schlau zu werden, die schon im Unterricht keinen Sinn ergeben haben.

Tja, und dann versuchst du eben, mit dem Wenigen, das du vor Jahren nicht begriffen hast, du aber heute halbwegs verständlich findest, ihr zu erklären, weshalb die Geschwindigkeit als zusammengesetzte physikalische Grösse bezeichnet wird und wie sie ausrechnen muss, wie weit ein Gepard in einer Stunde kommt. 

Es ist zu hoffen, dass Karlsson, der sich ebenfalls an den Erklärungsversuchen beteiligte, dabei aber für mehr Verwirrung sorgte, weil er irgend etwas von SI-Einheiten brabbelte und andauernd die Stirne runzelte, wenn die mütterlichen Ausführungen etwas anders formuliert waren als diejenigen seines Physiklehrers,

… der von Physik ähnlich wenig versteht wie seine Mutter, dessen rudimentäres Verständnis aber noch nicht verschüttet ist von ganz viel Leben, in dem die Theorie von v = s / t eine untergeordnete Rolle spielt, weil man ohnehin kaum zum Denken kommt bei diesem rasenden Alltagstempo, 

… und der es auch noch wagt, zu behaupten, er fände Physik eigentlich ganz spannend, er habe einfach noch nicht so ganz den Zugang dazu gefunden,…

… dass also dieser Karlsson begriffen hat, weshalb er im Physikunterricht gefälligst ganz gut aufpassen und viel lernen soll. Entgegen der landläufigen Meinung braucht man das Zeug eben doch irgendwann im Leben wieder. Nämlich dann, wenn man dem eigenen Nachwuchs –  der sich gerade fragt, wozu er das Zeug lernen soll, weil man das ja doch nie wieder im Leben braucht – zu guten Noten verhelfen sollte. 

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Kompliment

Das muss man sich mal vorstellen. Ich, 

… die Frau, die täglich maximal drei Minuten vor dem Spiegel steht,

… die morgens ihre knallbunten Kleider ziemlich wahllos aus dem Schrank zerrt,

… die vorzugsweise online shoppt, weil sie es in Kleiderläden keine fünf Minuten aushält, ohne nervös zu werden,

… die zwar nichts dagegen hat, sich hübsch anzuziehen, aber im Grossen und Ganzen auf Mode pfeift,

… die von ihrer Tochter immer und immer wieder zu hören bekommt, sie sei zwar ein netter Mensch, aber ihr Stil sei zum Davonlaufen, 

… ich also wurde heute von eben dieser Tochter gefragt: „Leihst du mir mal deine neue Jacke? Die ist sooooooooo schön.“

Dass ich den Tag noch erlebe, an dem ich fürchten muss, meine ausgesprochen modebewusste Tochter würde mir mein Lieblingsstück aus dem Schrank klauen, habe ich mir bisher in meinen kühnsten Träumen nicht vorstellen können. Bisher hat sie sich nur an meinen Sachen vergriffen, wenn sie beim Verkleiden möglichst lächerlich aussehen wollte.

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Geht doch…

Als Luise in der dritten Klasse zum ersten Mal Französischunterricht hatte, verflog die Freude schon nach kurzer Zeit. Weil die Kinder mit Spiel und Spass an die Sprache unserer Landsleute herangeführt werden sollten, verzichtete das Lehrmittel auf alles, was nur im Entferntesten an Büffeln erinnern könnte und so hatte unsere arme Tochter bald ein unglaubliches Wirrwarr im Kopf. Trotz grundsätzlicher Befürwortung des frühen Sprachunterrichts, begannen „Meiner“ und ich am Sinn der Französischlektionen zu zweifeln.

Beim FeuerwehrRitterRömerPiraten sah es leider nicht viel anders aus und so fing „Meiner“ an, kritische Fragen zu stellen. Er müsse dem Lehrmittel eben eine Chance geben, meinte die Lehrerin, dann werde sich der Lernerfolg schon einstellen. Wir blieben trotzdem skeptisch, denn es wollte uns nicht einleuchten, weshalb unsere Kinder zwar wussten, was „Lautmalerei“ und“Verkehrskreisel“ auf französisch heisst, jedoch nach zwei Jahren nicht sagen konnten, wie sie heissen, wo sie wohnen und was sie gerne tun. 

Beim Zoowärter sah es im ersten Jahr nicht viel anders aus. Das Kind erledigte seine Hausaufgaben mit Widerwillen, verstand kein Wort und hatte im Grunde genommen keine Ahnung, was das alles sollte. Dann bekam er eine neue Lehrerin und plötzlich kam Bewegung in die Sache. Wenn einer fragt, was das Wort „Cocktail“ bedeutet, weist er darauf hin, das müsse doch etwas mit „le coq“ zu tun haben, auf einfache Fragen weiss er eine Antwort und inzwischen sieht es gar so aus, als würde ein für die ganze Klasse verbindlicher Grundwortschatz aufgebaut. (Nein, so etwas ist leider nicht mehr selbstverständlich. Macht ja keinen Spass, Vokabeln zu büffeln.) Und weil er jetzt zu verstehen beginnt, was das alles soll, kommt allmählich die Freude an der Sprache auf. 

Sieht ganz danach aus, als könne man auch mit schlechten Lehrmitteln guten Frühfranzösich-Unterricht machen. 

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Woran sich zeigt, dass die Kinder gross werden

Neben meinem Bett stapeln sich wieder Bücher. Richtige Bücher. Also Lektüre, deren Inhalt man durchaus mal in ein angeregtes Gespräch einfliessen lassen darf, ohne dabei zu erröten. Nicht mehr dieser oberflächliche Kram, mit dem ich mich während der Kleinkinderjahre über Wasser gehalten habe, weil ich fürchtete, ich würde das Lesen am Ende noch verlernen. Ich fürchte mich vor dem Tag, an dem ich meine Bücherregale ausmisten muss, weil ich dann die ganzen Peinlichkeiten noch einmal in die Hand nehmen muss, um sie im Altpapier zu entsorgen. (Jawohl, so schlecht waren die Bücher, dass ich, die ich gewöhnlich keine Bücher wegschmeisse, genau dies tun werde, ohne mit einer Wimper zu zucken.)

An heissen Tagen spazieren wir nicht mehr mit sehnsüchtigem Blick der Aare entlang und malen uns aus, wie erfrischend es doch wäre, sich im Fluss treiben zu lassen. Stattdessen lassen wir keine Gelegenheit aus, mit allen Kindern, die gerade Zeit und Lust haben, in den Kanal zu steigen. Mal mit allen fünf, mal nur mit dem FeuerwehrRitterRömerPiraten, mal mit den drei Jüngsten, mal mit den zwei Ältesten, aber stets äusserst zufrieden, weil wir jetzt tun können, was noch vor einem Jahr nahezu unvorstellbar gewesen wäre.

Familienausflüge werden wieder bezahlbar, weil Karlsson und Luise kein Interesse mehr haben an Zoo, Zirkus & Co. Nur mit den drei Jüngsten im Schlepptau sind wir wieder ganz und gar familientickettauglich. Und weil diese Besuche nach einer langen Dürreperiode von „Das ist alles viel zu teuer und ausserdem sind wir viel zu müde, um sonntags noch auszufliegen“ stattfinden, sind das Prinzchen, der Zoowärter und der FeuerwehrRitterRömerPirat ungemein begeisterungsfähig. Auch „Meinem“ und mir hat die Pause gut getan. Wir seufzen jetzt nicht mehr: „Schon wieder Zirkus…“, sondern sind dankbar, dass wir für ein paar Stunden in eine ganz und gar kindliche Welt ohne Pubertätsdramen abtauchen dürfen. 

Auch der Menüplan verändert sich, wenn auch erst schrittchenweise. Das Prinzchen und der FeuerwehrRitterRömerPirat verharren zwar stur in ihrer „Was der Bauer nicht kennt…“-Haltung, aber dem Rest der Familie kann ich Auberginen und Pilze vorsetzen, ohne sie bis zur Unkenntlichkeit verarbeiten zu müssen. Als der FeuerwehrRitterRömerPirat neulich meinte, er könne die Kürbissaison kaum erwarten, wusste ich, dass auch sein Lieblingsessen nicht für immer und ewig Pasta mit Ketchup bleiben wird.

Ach ja, natürlich singe ich abends auch keine Schlaflieder mehr, eine Veränderung die mir, im Gegensatz zu den oben genannten, ganz und gar nicht willkommen ist.

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Gerätechaos

Eine Sache, die wir nicht beachtet haben, als wir den Entscheid fällten, mehr als die durchschnittlichen 1.54 Kinder zu bekommen:

Zu jedem Kind kommt früher oder später ein Handy

zu jedem Handy kommt eine Nummer

zu jeder Nummer ein Anbieter

zu jedem Anbieter ein unüberschaubares Angebot an günstigen und weniger günstigen Abos und Prepaid-Deals.

Wenn du dich da mal durchgekämpft hast, fängt es erst richtig an mit dem Chaos, denn natürlich gibt es da noch

…unterschiedliche Betriebssysteme und somit dauernde Unklarheit, welchem Familienmitglied man Zugang zu welchen heruntergeladenen Inhalten verschaffen kann.

…E-Mail-Adressen, die im modernen Teenager-Alltag nur noch äusserst selten gebraucht werden, was dazu führt, dass immer im entscheidenden Moment das passende Passwort fehlt, weshalb plötzlich wieder Mamas Erinnerungsvermögen gefragt ist. (Als ob Mamas Gehirn ein Computer wäre, der solche Sachen stets abrufbereit hat. Und als ob Teenager ihren Eltern ihre Passwörter bekannt geben würden. Aber Mütter können selbstverständlich auch ins Verborgene sehen.)

…Ladekabel, die immer entweder unauffindbar, inkompatibel oder defekt sind.

…Akkus, die meist dann leer sind, wenn eigentlich ein anderer ganz dringend das einzige auffindbare, kompatible und intakte Ladekabel bräuchte, um den eigenen leeren Akku aufzuladen.

…den Wunsch nach einer Hülle, die nicht nur hübsch und unverwüstlich ist, sondern auch Schutz vor jedem nur denkbaren Missgeschick bietet, eine Hülle also, die es so nicht gibt, weshalb die Suche danach auch dann nicht zu Ende ist, wenn das Handy von einer halbwegs tauglichen Hülle umhüllt ist.

Darüber, welche Fragen der Zugang zu den grenzenlosen Weiten des Internets mit sich bringt, wollen wir gar nicht erst zu reden anfangen.

Und auch nicht darüber, dass ich bereits jetzt, wo erst drei von fünf mobil telefonieren, komplett den Überblick über die in unserer Familie versammelten Gerätschaften verloren habe. 

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Stundenplanwunder? – Brauche ich nicht mehr

Vor mir liegen – wie jedes Jahr um diese Zeit – die Stundenpläne meiner Kinder und wie jedes Jahr dauert es eine Weile, bis ich durchblicke, wer wann Unterricht hat, wer möglicherweise nur alle zwei Wochen an einem bestimmten Nachmittag antraben muss und wann ich meine Arbeitstage einplanen soll. Es ist noch gar nicht so lange her, dass ich inständig hoffte, wenigstens einen Tag pro Woche zu bekommen, an dem nachmittags alle fünf Kinder aus dem Haus sind und ich von Morgen bis Abend durcharbeiten kann. So unwahrscheinlich war das Eintreten dieser glücklichen Fügung, dass ich sie „Stundenplanwunder“ nannte. 

Wie sich herausstellt, kann ich in Zukunft auf das Stundenplanwunder pfeifen, denn das kommende Schuljahr sieht folgendermassen aus:

Montagnachmittag: Alle in der Schule, ausser Prinzchen und ich (Der junge Herr zeigt derzeit herzlich wenig Interesse an mir, also wird er vermutlich andauernd zu Grossmama abhauen.)

Dienstagnachmittag: Alle in der Schule, ausser Luise und ich (Aber Luise zählt nicht so richtig, denn die will an ihrem einzigen schulfreien Nachmittag wohl kaum mit mir abhängen, folglich wird Dienstag einer meiner Arbeitstage sein.)

Mittwochnachmittag: Alle schulfrei, ausser Luise 

Donnerstagnachmittag: Alle in der Schule, ausser Zoowärter, Prinzchen und ich

Freitagnachmittag: Alle in der Schule, ausser „Meiner“ und ich (Wobei „Meiner“ freitags immer so viel um die Ohren hat, dass dies wohl mein zweiter Arbeitstag wird.)

Höchste Zeit also, sentimental zu werden und bei jeder Gelegenheit zu seufzen: „Ich sehe sie ja kaum noch, meine Kinder. Ach, wie fühlt sich das leer an…“

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Jugendfestvorabend

Falls das Wetter morgen mitspielt, sollte also das Prinzchen im weissen T-Shirt um zwanzig nach neun im unteren Schulhaus sein, der Zoowärter im roten T-Shirt um neun im oberen Schulhaus, der FeuerwehrRitterRömerPirat im blauen T-Shirt um zehn nach neun ebenfalls im oberen Schulhaus, Karlsson und Luise mit den Kleidern, die sie in der Schule bereit gemacht haben, bei der Turnhalle und zwar keine Minute später als elf nach neun.

Oder waren es Karlsson und Luise, die im weissen T-Shirt um fünf nach neun im unteren Schulhaus sein müssen, der FeuerwehrRitterRömerPirat, der in den Kleidern, die er in der Schule bereit gemacht hat, um halb zehn bei der Turnhalle, der Zoowärter und das Prinzchen, die im schwarzen T-Shirt um zehn vor neun beim oberen Schulhaus erscheinen müssen?

Vielleicht aber liege ich auch gänzlich falsch und es ist so, dass sie alle zusammen um zwanzig nach neun beim oberen Schulhaus sein müssen, das Prinzchen in Blau, der Zoowärter in Grün, der FeuerwehrRitterRömerPirat in Violett, Luise in Gelb und Karlsson in Schwarz. Und natürlich dürfen sie ihre Papageien, die sie gebastelt haben, nicht vergessen. Oder waren es die Lollipops? Oder die Feuerwehrautos? Ach nein, die können es nicht sein, die sind nämlich in der Schule. 

Irgendwie so muss es sein, aber ich denke, es ist wohl besser, wenn ich jetzt aufhöre zu schreiben, um noch einmal ganz genau all die Zettel, die wir bekommen haben, zu studieren. Nicht dass ich morgen das Prinzchen in meiner geblümten Bluse zum Bahnhof schicke, den Zoowäter in den Matrjoschka-Shorts, die „Meiner“ neulich geschenkt bekommen hat, zur Tankstelle, den FeuerwehrRitterRömerPirat im Bademantel zum Feuerwehrmagazin, Luise in eine Tagesdecke eingehüllt zum Kirchgemeindehaus und Karlsson in Badehosen zum Waldhaus.

So ein Jugendfest ist doch immer wieder eine intellektuelle Herausforderung.

 

Ach, da fällt mir ein: Das Prinzchen muss ein schwarzes T-Shirt tragen, das weiss ich mit Sicherheit, ohne vorher die Elternbriefe zu studieren. Eine herzensgute Person ist nämlich vor ein paar Wochen eigens in fünf verschiedene Geschäfte gerannt, um für ihn eines ohne Aufdruck aufzuspüren. 

Nachtkerze

 

 

 

Tochter geht vor

In letzter Zeit immer wieder:

„Ich muss nur noch…“

„Gleich, sobald ich fertig bin…“

„Ja, natürlich wäre das schön, aber erst mal muss ich…“

„Noch ganz kurz dies. Und dann noch kurz das. Und dann noch…“

„Gleich, habe ich gesagt. Aber das hier ist dringend…“

Immer im Haus, aber nie richtig anwesend. Anspannung, Ungeduld, gereizte Worte. Darum heute früh der spontane Entscheid:

„Pfeif auf deine Pflichten! Luise hat zwei Stunden schulfrei, also bist du jetzt einfach mal Mama. Der Rest kann warten.“

Nur ein gemeinsames Frühstück, ein bisschen Hausaufgaben, ein bisschen quatschen und natürlich einen klitzekleinen Wunsch erfüllt und der Tag war für beide besser, als er gewesen wäre, wenn ich den Pflichten den Vortritt gelassen hätte.

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