Museumsbesuch in Kopenhagen

„Ich komme mir vor, als würde ich durch alle meine Bücher wandern. Es ist so schön hier. Können wir nicht jeden Tag hierher kommen?“, meint der FeuerwehrRitterRömerPirat.

„Ich halte das keine Sekunde länger aus hier drinnen. Diese Hitze und all die langweiligen Sachen. Aber das Kindermuseum ist super, vor allem, weil sie nicht immer nur Prinzessinnenkleider zum Verkleiden haben, sondern auch mal Sachen aus Indien und so. Und das Essen, einfach traumhaft…“, meint Luise.

„Die Indianer waren cool, die Griechen, die Ägypter und das Kindermuseum, aber können wir jetzt endlich raus hier? Ich will jetzt endlich meinen Veloständer wieder haben, den ich auf der Strasse gefunden habe. Und einen Wikinger-Hot Dog esse ich ganz auf gar keinen Fall“, meint das Prinzchen.

„Ich bin ein Ritter und dann hätten wir vom Schiff aus angegriffen und dann hätten wir die Burg angegriffen und dann wären wir auf das andere Schiff gegangen und dann hätten wir gekämpft und dann wäre ich…und jetzt habe ich Hunger“, meinte der Zoowärter.

„Einen tollen Shop haben die hier und die Sachen sind viel günstiger als im letzten Museum, dabei sind sie doch viel spezieller. Diese Schreibfeder hier, zum Beispiel, kostete am anderen Ort 45 Kronen und hier kostet sie nur 30“, meint Karlsson.

„Du weisst ja, ich kann mit solchen Museen überhaupt nichts anfangen, aber das hier ist wirklich super. Bei den Inuit-Kleidern hat es mir den Ärmel reingenommen und das Kindermuseum musst du dir unbedingt anschauen, so etwas hast du noch nie gesehen. Das müssten sich die Museumspädagogen in der Schweiz mal ansehen. Und das Essen kostet auch fast nichts“, meint „Meiner“.

„Wahnsinn, hier kommst du vom Hundertsten ins Tausendste! Immer, wenn du denkst, du hättest alles gesehen, kommt noch etwas, was du unbedingt sehen willst. Einfach genial, genau so müssen Museen sein. Und das alles erst noch gratis. Kann mir mal einer erklären, warum die das in der Schweiz nicht können?“, meine ich.

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Zweite Etappe

Gewöhnlich würden unsere Familienferien ja spätestens nach zwei Wochen enden, doch diesmal folgte auf den Auszug aus dem roten Smålandhaus nicht die Rückreise in die Schweiz. Wir sind lediglich etwas weiter in den Süden gereist, in ein altes Schulhaus, wie es wohl die Bullerbü-Kinder besuchten. Eine gemütliche Wohnung mit traumhafter Aussicht, umgeben von hohen Bäumen und ganz nahe beim See gelegen. Noch einmal ein wahr gewordener Traum, diesmal in einer Gegend, in der alle paar Meter ein Hinweis auf eine Glasbläserei oder eine kulturelle Veranstaltung hinweist. Und das alles bei schönstem Sommerwetter.

Ehe ihr jetzt vor Neid erblasst, denkt bitte daran, dass wir nicht nur sehr viel Gepäck, sondern auch alle unsere Macken mit nach Schweden genommen haben. Deshalb brülle ich mehrmals am Tag: „Wollt ihr wohl endlich aufhören zu streiten! Könnt ihr denn nicht einen einzigen Augenblick lang die ganze Schönheit hier geniessen?“ Meistens sollten sich Luise und „Meiner“ angesprochen fühlen…

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Zahnschaden

Natürlich haben wir es wieder falsch gemacht. Bei Prinzchens Zahnunfall Nummer 1 erklärte man uns, wir könnten getrost das Wochenende abwarten und dann am Montag zum Zahnarzt gehen. Bei den Milchzähnen könnte man ohnehin nicht viel machen und solange die Zähne nicht vollkommen schief stünden, sie es nicht dringend. „Was beim letzten Mal richtig war, wird auch jetzt nicht falsch sein“, sagte ich zu „Meinem“, als das Prinzchen wenige Tage später mit seinem Knie gegen die Zähne stiess. Aber natürlich lag ich mal wieder vollkommen daneben.

Was denn die Zahnärztin gesagt habe, wollte ich vom Prinzchen wissen, als er mit „Meinem“ wieder nach Hause kam. „Nicht mehr Trottinett fahren“, antwortete unser Jüngster betrübt und mir schwante Schlimmes. Solch drakonische Strafen spricht keiner ohne Grund aus.“Meiner“ bestätigte meine Befürchtungen: „Wir hätten sofort gehen müssen“, grummelte er, als ich ihn fragte, was denn los sei. „Wir haben viel zu lange gewartet. Die Zahnärztin hätte ihn nächste Woche gleich nochmals sehen wollen, aber weil wir weg sind, werden wir erst im August wissen, ob er seine zwei Schaufelzähne behalten kann.“ Und bis dahin soll unser Jüngster eben nicht ganz so wild sein wie gewöhnlich.

Da hätte die Frau dem Prinzchen die Zähne ja gleich rausnehmen können, denn wie wir ohne Valium und  Zwangsjacke  ausgerechnet dieses Kind vier Wochen davon abhalten sollen, zu rennen,  zu springen und  Trottinett zu fahren, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.

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Programmänderung

Weil es in unserer Wohngemeinde seit Menschengedenken nicht vorgekommen ist, dass es am Wochenende, an dem das Schulhausfest stattfindet, geregnet hat, hat man irgendwann damit aufgehört, ein Schlechtwetterprogramm vorzubereiten. Wenn die Wetterfrösche zu Beginn der Woche auf Samstag eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für Regen voraussagen, nimmt dieser Prognose keiner so richtig ernst, denn die Erfahrung zeigt, dass es an diesem bestimmten Wochenende gar nicht regnen kann. Es wird heiss sein, wie immer. Der Wetterdienst aber hält stur an seiner Prognose fest und irgendwann, am Freitagmorgen überlegen sich die Verantwortlichen, ob sie vielleicht doch allmählich eine Schlechtwettervariante präsentieren müssen. 

Diese Schlechtwettervariante sieht dann so aus: Das Rennen um den Titel des schnellsten Läufers des Jahrgangs wird abgesagt, oder vielleicht auch auf nach den Sommerferien verschoben, das weiss man jetzt noch nicht so genau, wir werden dann sehen. Die vorbereiteten Spiele finden nicht statt, die Vorführungen, für welche die Schüler geübt haben, jedoch schon und zwar im Casinosaal, ääääh, nein, vielleicht ist das Kirchgemeindehaus doch besser geeignet, dann machen wir es doch dort. Die Verpflegung, die man für hunderte von Schülern eingekauft hat, wird im Klassenverband gestaffelt eingenommen, damit kein Gedränge entsteht. Die Kindergärtner versammeln sich um 11 Uhr bei der Kirche und werden dort um 11:45 wieder entlassen. Die Viertklässler treffen sich 45 Minuten später beim Schulhaus, die Sechstklässler um 12 Uhr beim Hauswirtschaftsschulhaus. Bei den Zweitklässlern steht dort, wo stehen sollten, wann sie wo ihr Essen bekommen sollen „Siehe 2. Brief!“ und im zweiten Brief erfährt man, dass die Kinder um 11 Uhr im Schulzimmer erwartet und irgendwann – die Zeit wird nicht angegeben – beim Hauswirtschaftsschulhaus wieder entlassen werden. Gott sei Dank habe ich erst vier schulpflichtige Kinder, sonst könnte die Sache ein wenig unüberschaubar werden.

Schülerdisco und Werkausstellung finden statt und die Zweitklässler sind gebeten, ihre ausgestellten Gegenstände am Sonntagnachmittag wieder abzuholen. Die Sechstklässler sollen dies bitte erst am Montagmorgen vor Unterrichtsbeginn tun, bei den Viertklässlern weiss keiner so recht, wann der richtige Zeitpunkt zum Abholen gekommen ist. Und wir bedauernswerten Eltern sind darum gebeten, gemeinsam mit den bedauernswerten Lehrern den Überblick nicht zu verlieren, damit die bedauernswerten Kinder doch noch so etwas wie ein Fest erleben dürfen. Glaubt mir, ich bin von Herzen froh, dass die Wetterfrösche das heutige Wetter richtig vorausgesagt haben. Man stelle sich das Chaos vor, das entstanden wäre, hätte man eine Programmänderung an der Programmänderung vornehmen müssen.

Wie, ihr glaubt, ich würde mal wieder übertreiben? Dann müsst ihr es eben mit euren eigenen Augen sehen:

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Reisevorbereitungen

Nachdem das Prinzchen sich bereits vor einer Woche bei einer unsanften Landung auf dem Kiesplatz eine aufgeplatzte Oberlippe zuzog, schlug er sich heute beinahe ein paar Zähne aus, weil er seinem besten Freund zeigen wollte, wie er vom Regal, auf dem eine Spielzeugkiste steht, auf sein Bett springen kann. Oder wie er es könnte, wenn die doofe Spielzeugkiste nicht so wackelig wäre und dieses blöde Bett nicht so weit weg vom Regal stünde. Es dauerte eine ganze Weile, bis alle Blutspuren aufgewischt waren, Prinzchens Freund uns den genauen Unfallhergang geschildert hatte und die Dame von der Notaufnahme uns am Telefon versichert hatte, wir müssten nicht vorbeikommen, ein Zahnarztbesuch im Laufe der nächsten Tage würde reichen. Danach aber war es an der Zeit, einige ernste Worte an unsere Kinder zu richten. 

„Hört mal, solche Dinge liegen jetzt einfach nicht mehr drin“, sagten wir, als wir alle beim Abendessen versammelt waren. „Für die kommenden zwei Wochen herrscht absolutes Verletzungs- und Krankheitsverbot.“ Die jüngeren Kinder sahen uns mit grossen Augen an und fragten sich wohl, wie so etwas möglich sein sein soll. „Okay, wir springen höchstens noch vom Garagendach“, versprachen die Älteren. „Kommt nicht in Frage“,  sagte ich gestreng und „Meiner“ doppelte nach: „Wer springt und sich die Beine bricht, bekommt es mit mir zu tun. Wir blasen keine Ferien ab, bloss weil einer den Eindruck hat, er müsse vom Garagendach springen.“ „Aber ich habe mich doch nur vom Dach baumeln lassen und bin dann ganz sorgfältig gesprungen“, wehrte sich der FeuerwehrRitterRömerPirat. „Ich habe es nur ein einziges Mal getan. Dabei bricht man sich doch nichts“, versuchte Luise zu beschwichtigen, doch „Meiner“ und ich blieben hart. In den kommenden Wochen dulden wir weder Leichtfertigkeiten noch Knochenbrüche noch Spitalaufenthalte.

Wenn wir dann erst mal in Schweden angekommen sind, können wir wieder über solche Dinge reden, aber wir dulden es nicht, dass uns eines unserer Kinder wegen eines läppischen Adrenalinkicks dazu zwingt, die seit Langem herbeigesehnten Ferien abzublasen.

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Überstanden

Angedeutet hatte er es schon öfters, seit heute aber ist es offiziell: „Meiner“ und ich sind unfair, haben ihn immer nur an der kurzen Leine gehalten, erlauben ihm nichts, aber auch wirklich gar nichts, die jüngeren Geschwister hingegen dürfen alles, sie können tun und lassen, was sie wollen. Keine zehn Schritte darf er aus dem Haus machen, es ist ein Wunder, dass wir ihn überhaupt in die Schule gehen lassen. Unsere Behauptung, wir hätten ihn immer mal wieder dazu ermutigt, grössere Schritte zu wagen, ist eine fette Lüge. Er hätte ja schon gewollt, aber wir haben immer alles zu verhindern gewusst. Okay, er weiss auch nicht so recht, was er denn überhaupt hätte machen wollen, aber hätte er eine Idee gehabt, hätten wir ganz bestimmt nein gesagt. Wie immer, wenn er etwas will. Wenn aber die anderen fragen, sagen wir immer ja. Immer… Er schäumte vor lauter Wut und auch mir fiel es alles andere als leicht, die Fassung zu bewahren, vor allem, als er… Nein, das schreibe ich hier nicht, das ist privat und ich hätte es auch nicht geschätzt, wenn meine Mutter so etwas breitgeschlagen hätte.

So schnell, wie der grosse Zorn aufgezogen war, war er auch wieder verflogen. Bald konnten wir wieder ganz vernünftig miteinander reden und inzwischen bin ich froh, dass wir endlich unsere erste halbwegs heftige pubertätsbedingte Auseinandersetzung hatten, denn je länger sie ausbleibt, umso mehr fürchtet man sich vor ihr. Mir kommt es vor, als hätten sich die Auseinandersetzungen in der Trotzphase nach einem ganz ähnlichen Muster abgespielt, wenn auch damals mit weniger direkten Angriffen auf „Meinen“ und mich. Die Trotzphase haben wir auch irgendwie überstanden, also werden wir auch das mit den Teenagerjahren irgendwie packen. Auch wenn er uns natürlich in ein paar Jahren – teilweise zu Recht – vorwerfen wird, mit den kleinen Geschwistern seien wir viel weniger streng gewesen als mit ihm.

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Wieder mal ein paar Dinge gelernt

  • Man kann durchaus ein paar Monate damit leben, das Geschirr jedes Mal zwei Treppen hochzutragen, um den Geschirrspüler zu füllen. Man kommt sogar einige Monate ganz ohne Geschirrspüler klar, wenn der Ersatzgeschirrspüler ebenfalls seinen Geist aufgibt. Mit funktionierendem Geschirrspüler im gleichen Raum, in dem gekocht wird,  ist das Leben jedoch ganz eindeutig schöner als ohne. 
  • Auch wenn gewisse Ämter einen miesen Ruf haben, trifft man dort gelegentlich auf sehr nette Menschen. Gut, vielleicht waren die Leute nur nett, weil sie auf den ersten Blick erkannten, dass ich ihre Leistungen weder wünsche noch brauche. 
  • Auch zwei vollkommen unsportliche Menschen bringen es fertig, ein Kind miteinander zu zeugen, das beim Rennen um den Titel „Der Schnellste im Dorf“ mitmachen darf. Es sagt wohl ziemlich viel über die Unsportlichkeit des Paares aus, wenn es ganze vier Versuche braucht, bis ein solches Kind zustande kommt…
  • Musst du morgens nicht aus dem Haus, bringst du es auch weit über Dreissig noch zustande, eine Nachtschicht nach der anderen zu schieben. Wehe aber, du musst eines Morgens raus. Dann spürst du sehr schnell, was für eine Memme dein Körper geworden ist.
  • Nacktschnecken ist es vollkommen egal, ob die Pflanzen im Freiland oder im Gewächshaus wachsen. Gibt es einen Weg, wie sie ins Gewächshaus reinkommen, dann finden sie ihn, darauf kannst du Schneckenkörner nehmen.
  • Bloss weil du nach wochenlangem Regenwetter und Fronleichnams-Brücke die Nase voll hast von Kindern, die gelangweilt auf dem Sofa herumlümmeln, heisst das noch lange nicht, dass die Magen-Darm-Seuche einfühlsam genug ist, um deine Kinder bei dieser Runde zu verschonen. Und weil du die Knöpfe erst wieder zur Schule schicken kannst, wenn sie voll und ganz genesen sind, lümmeln sie eben noch ein wenig länger.
  • Mitt Buttermilch und Zitronenschale im Teig isst sogar das Prinzchen Vollkornbrot, auch dann, wenn seine Nase ihm vorgegaukelt hat, die Mama habe Butterzopf gebacken. 
  • Gummistiefel sind auch nicht mehr, was sie mal waren. Früher stand ein Paar locker zehn Geschwister hintereinander durch und leistete danach auf irgend einem Bauernhof in Rumänien noch mal zwanzig Jahre  tadellosen Dienst. Heute brauchst du in jeder Saison mindestens ein Paar pro Kind. Kaufst du teure Modelle, brauchst du zwei bis drei Paar pro Kind, denn die teuren Modelle sind nur teuer, weil irgend ein Designer viele Stunden aufgewendet hat, um einen Gummistiefel zu gestalten, der nicht wie ein Gummistiefel aussieht. Dass auch ein Gummistiefel, der nicht wie einer aussieht, bei Regenwetter dicht halten sollte, hat der Designer dabei übersehen. 

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Auf eine gute Nachbarschaft

Früher, wenn ein Kind eine Scheibe einschlug, meldete sich der Hausbesitzer bei den Eltern, die Eltern entschuldigten sich für das Vergehen ihres Kindes, bezahlten die Scheibe, verdonnerten ihr Kind zu Hausarrest und dann war die Sache gegessen. Die Erwachsenen sagten zueinander „Wir waren ja alle mal Kinder“, lachten über die Angelegenheit und später, wenn das Kind seine Strafe abgesessen hatte, lachte es auch wieder.

Heute geht das ganz anders: Das Kind schlägt eine Scheibe ein, sagt aus Angst vor der Strafe seinen Eltern nichts davon, der Vater des Kindes sieht das Loch trotzdem und schreibt dem Herrn Nachbar einen Brief, dass er sich doch bitte melden solle, weil der Herr Nachbar nicht zu Hause ist. Der Herr Nachbar meldet sich nicht, satt dessen steht drei Tage später der Polizist vor der Türe und will wissen, ob man etwas von einer eingeschlagenen Scheibe wisse, der Herr Nachbar wolle Anzeige erstatten. Die Kinder seien ja auch sonst schon negativ aufgefallen. Die Mama, die noch im Pyjama dem Polizisten gegenüber steht, wird ziemlich laut, weil sie nicht begreifen kann, weshalb der Herr Nachbar nicht den Anstand besitzt, selber vorbeizukommen, sondern einen Polizisten in Haus schickt, der die Personalien des Kindes aufnimmt. Der Polizist ist peinlich berührt, versucht die aufgebrachte Mutter zu beruhigen und meint, der Herr Nachbar sei ja auch mal Kind gewesen, er werde sich bestimmt verständnisvoll zeigen und die Anzeige zurückziehen. Die Mutter aber, die mit dem Herrn Nachbarn so ihre Erfahrungen gemacht hat, fragt sich allmählich, ob ein Nebeneinanderleben so überhaupt noch möglich ist, oder ob sie eine hohe, dicke Mauer zwischen den zwei Grundstücken bauen muss.

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Mittwochsleere

Morgen ist Mittwoch und das überfordert mich diesmal schon fast ein wenig. Gewöhnlich bedeutet Mittwoch ein Termin nach dem anderen. Augentests, Musikproben, Arzttermine, Geburtstagsparties, Elterngespräche, Besuche bei Therapeuten, Schwedischkurs, alles muss am Mittwochnachmittag Platz finden, denn dann haben sowohl „Meiner“ als auch die Kinder schulfrei. Heute aber, beim Blick auf den Familienplaner musste ich feststellen, dass morgen gerade mal ein einziger Termin ansteht. 

Ja, ich weiss, ihr glaubt jetzt, ich würde mich über die ungewohnte Leere im Kalender freuen, aber in Wahrheit fürchte ich solche Leerstellen. Nein, nicht weil ich nichts mit meiner Zeit anzufangen wüsste, im Gegenteil, ich werde wieder zu viel darin unterbringen wollen: Tomatenhäuser aufstellen, Setzlinge pflanzen, den Wäscheberg abtragen, mittagsschlafen, Kaffee trinken, Wocheneinkauf, Korrekturarbeiten, Zeit finden für jedes Familienmitglied… Einfach alles, was ich am Mittwoch gerne täte, wären da nicht jede Woche die unzähligen Termine. Weil aber ein Mittwochnachmittag gerade mal fünf Stunden dauert und ich ja nicht alleine darüber bestimme, was während dieser fünf Stunden läuft, ist der Frust programmiert. 

Vielleicht sollte ich jetzt einfach beschliessen, morgen gar nichts zu tun, denn der Alltag wird ganz bestimmt einen Weg finden, die Leere im Kalender zu füllen.

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„Meiner“

Ich glaube, ich muss da mal etwas klarstellen: Wenn ich öfters mal über „Meinen“ und seine ziemlich schrägen Einfälle berichte, ist dies nicht als Gejammer über meinen Mann, der sich einfach nicht in mein Schema pressen lässt, zu verstehen. Er ist weder mein sechstes Kind, noch mein soziales Projekt und schon gar nicht mein Gegner, ich habe nicht das Gefühl, ihn erziehen oder gar domestizieren zu müssen. 

Ja, er geht die Dinge anders an als ich und manchmal fällt er mir damit ziemlich auf die Nerven, aber ich sehe keinen Grund, ihm beibringen zu müssen, wie man „es richtig macht“. Ich bin doch nicht seine Chefin und bloss weil ich mehr zu Hause bin, heisst das noch lange nicht, dass ich ihm über die Schultern schauen und ihn korrigieren müsste. Ich sehe es übrigens auch nicht als besonders erwähnenswert an, dass er ganz selbstverständlich zu Lappen, Besen und Kochlöffel greift. Ich weiss, es gibt noch immer Frauen, die dies als äusserst bewundernswert und heldenhaft ansehen, aber er ist ja nicht bloss zu Gast hier, meine Kinder sind auch seine Kinder, meine Unordnung ist auch die Seine. Es käme keinem Menschen in den Sinn, zu mir zu sagen: „Wahnsinn, du verdienst tatsächlich Geld, damit ‚Deiner‘ nicht alleine die Familie ernähren muss. Hut ab!“ Dafür aber sagt man öfters: „Wahnsinn, ‚Deiner‘ kocht tatsächlich Abendessen. Das ist aber auch keine Selbstverständlichkeit.“

„Meiner“ und ich sind gemeinsam unterwegs, wir tragen beide unseren Teil dazu bei, den Karren zu ziehen und auch wenn wir uns nicht immer einig sind, so verspüre ich doch nicht das geringste Bedürfnis, in Frauenrunden – und im Blog –  über ihn herzuziehen, denn wenn mir etwas an ihm nicht passt, dann sage ich ihm das direkt. Ach ja, und „Meiner“ nenne ich ihn hier nicht, weil er mein Besitz wäre, sondern weil er und ich es absolut lächerlich finden, wenn Frauen ihren Partner als „Ihren“ bezeichnen. 

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