Kleine Absurditäten

Gibt es etwas Beschaulicheres als Ferien in einem Österreichischen Kaff? Die kulturellen Unterschiede zur Schweiz sind so minim, dass man sich nicht gross auf die Reise vorbereiten muss. So kann man sich vor Ort eingehend mit den kleinen Absurditäten befassen.

Da betreibt zum Beispiel eine gewisse Maria ein kleines Café im Ort. Tja, und diese Maria hat ein ernsthaftes Problem mit Apostrophen. Die Frau sollte dringend einen Germanisten aufsuchen, doch das wagt ihr wohl keiner zu sagen. Ihr Lokal heisst „Maria’s s’Café“ und während der Sommermonate sind bei Maria „Milchshak’s“ der Renner.
Auch der Spitalalltag bietet für uns Schweizer einiges an Absurditäten. Ärzte sind hier noch echte Autoritäten. Nur sie haben die Berechtigung, Infusionen zu stecken. Als unserem Sohn bereits der zweite Schlauch herausgefallen ist, muss ein Neuer her. Die erste Ärztin versucht ohne Erfolg, eine passende Stelle für den Einstich zu finden. Sie holt eine andere Ärztin. Diese stochert ohne Erfolg in Arm des inzwischen etwas panischen Kindes herum. Also muss eine weitere Ärztin her. Als auch diese nichts ausrichten kann, murmelt sie: „Mal schauen, ob ich einen Oberarzt erreichen kann“. Wie bitte? Soll jetzt noch einer auf unser Kind losgelassen werden? Bei uns hätte man wohl schon längst eine Hebamme geholt, weil die angeblich am besten Infusionen stecken können. Und hier soll ein Oberarzt her, der bis jetzt das Kind kaum eines Blickes gewürdigt hat. Doch zum Glück hat der Mann viel zu tun und so steht ein paar Miunten später eine Ärztin mit einem Löffel da. Das Kind darf die Medikamente ab sofort schlucken. Was den Oberarzt nicht daran hindert, am nächsten Morgen bei der Visite zu verkünden, heute bekäme der Junge seine letzte Infusion. Dass der Bub schon längst keinen Schlauch mehr im Arm hat, bemerkt er nicht. Wie auch, wo doch der Arzt den Jungen auch heute keines Blickes würdigt?
Nicht bloss absurd sondern geradezu erschreckend ist die Gewohnheit gewisser Österreicher, die Leute mit einem fröhlichen „Heil!“ zu verabschieden. Mag sein, dass die Leute hier nicht automatisch an Hitler denken, wenn sie diesen Gruss hören. Aber es hat doch ziemlich viele Touristen hier in der Gegend. Und da sind wir wohl nicht die einzigen, die zusammenzucken, wenn uns einer beim Verlassen eines Geschäftes ein überschwengliches „Heil!“ hinterherschickt.

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