Post-it-Tage

Es ist mal wieder Post-it-Zeit. Jene wunderbare Zeit im Jahr, in der die ganze Wohnung vollgepflastert ist mit orangefarbenen Post-it-Notizen, damit man vor lauter ausserordentlichen Terminen das Alltagsgeschäft nicht vergisst. Schuljaresende. Mehr müsste man dazu eigentlich gar nicht sagen. Um aber jenen, die noch nicht in der Mühle des Schulsystems stecken, einen Vorgeschmack  darauf zu geben, was auf sie wartet, wollen wir hier ein wenig ins Detail gehen. Die anderen sind gebeten, hier nicht mehr weiterzulesen. Sonst bringen sie ihre eigenen Termine mit Vendittis Terminen durcheinander und geraten in Stress, weil sie meinen, sie müssten auch noch das Datum von Luises Kindergarten-Abschlussfeier im Kopf behalten.

Die Post-it-Tage beginnen spätestens Ende Mai. Es fängt ganz harmlos an mit des Zoowärters Besuchsmorgen in der Spielgruppe. Da die Spielgruppenleiterin Mutter ist, weiss sie eben ganz genau, dass man solche Termine am besten frühzeitig organisiert. Sonst begleiten  die gestressten mehrfachen Mütter plötzlich ihren Teenager zum Schnuppern in die Spielgruppe und schicken ihren Zweijährigen in die Schnupperlehre beim Elektriker.

Nach dem Schnuppermorgen geht es dann so richtig los. Musikschulkonzert für die Geigenschüler mit zusätzlichen Proben, damit es nicht zu langweilig wird, Musikschulkonzert für die Musikgrundschüler und die Geigenschüler, zusätzliche Geigenproben für die Theateraufführung, Kindergartenreise, Schulausflug, Kindergartenausflug (zweimal mit Wurstbräteln, einmal ohne, immer mit reichlich Zeckenspray), Schnuppermorgen im Kindergarten mit dem FeuerwehrRitterRömerPiraten, Schnuppermorgen bei den neuen Lehrerinnen für Karlsson und Luise (hier zählt nicht die physische Anwesenheit der Mama, sondern die moralische Unterstützung) Infoabend mit der Schulleitung, Elternabend, Abschiedsgeschenke-Basteln für die diversen Lehrerinnen (je nach Organisationstalent der Initiantin chaotisch oder perfekt gemanagt ), Einordnen der provisorischen Stundenpläne, Telefonlisten und Klassenlisten für das kommende Schuljahr (wobei man höllisch aufpassen muss, dass man nicht die Liste mit den Finalisten für den „Schnellsten Schönenwerder“ für die Telefonliste hält, was eine panische Suchaktion irgendwann im Herbst nach sich ziehen würde), Abschlussfeiern in Spielgruppe, Kindergarten und Schule, Schulhausfest, vorgezogene Geburtstagsparty für den FeuerwehrRitterRömerPiraten, Nervenzusammenbruch.

Nein, ganz so schlimm ist es natürlich nicht. Aber es ist auch nicht gerade hilfreich, dass „Meiner“ ebenfalls Teil des Schulsystems ist. Mit seinen Projektwochen, Stundenplansitzungen, Zirkusvorführungen und Elterngesprächen, die alle auch noch vor Schuljahresende stattfinden müssen, verbaut er mir so manchen Termin. Und plötzlich stehe ich da ohne Babysitter, wenn ich doch eigentlich mit Luise zum  Augenarzt müsste. Und Augenarzttermine hinterfragt man nicht. Die nimmt man, wie man sie bekommt und wäre es um elf Uhr abends. Ist aber auch zu dumm, dass Luise  ausgerechnet in der Post-it-Zeit ihr Auge verletzen musste. Karlsson hat letztes Jahr seinen geplatzten Blinddarm wenigstens auf die Sommerferien  verlegt. Aber Karlsson steckt ja auch schon länger im System. So lange, dass auch er damit beginnt, die Wände mit Post-its vollzupflastern.

Damit uns in diesem stetigen Alltagstrott des immer Gleichen nicht zu langweilig wird, haben wir uns für diesen Sommer einen ganz besonderen Kick ausgedacht. Wir erweitern unseren Wohnraum um ein Stockwerk. So können wir das unendliche Warten zwischen zwei Terminen mit dem Ausmisten der Zimmer und dem Packen von Schachteln verkürzen. Weshalb wir mehr Wohnraum brauchen? Nun, so langsam geht uns der Platz für die Post-its aus. Deshalb müssen wir an die Zukunft denken. Immerhin stehen wir ja erst am Anfang. Das Prinzchen, zum Beispiel, hat noch fast gar keine Termine.

Ach ja, und weil das alles doch ein bisschen langweilig ist, hat „Meiner“ neulich unseren Globi-Familienplaner (der einzige, der genügend Spalten hat, darum Globi) für ein paar Tage in den Malkeller verschleppt. Post-it- Tage ohne Unterstützung des Familienplaners, das Höchste der Gefühle!

Ein Gedanke zu “Post-it-Tage

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