Verwöhnt

Angefangen hat damit schon Karlsson. Kaum war das Kind einen Monat alt, schlief es zwölf Stunden am Stück, nach sechs Monaten ass es alles, was wir ihm vorsetzten und war fast rund um die Uhr zufrieden. Luise war dann zwar zeitweise etwas anstrengender, doch im Grossen und Ganzen bemühten sich alle unsere fünf Kinder nach Kräften darum, ihre Eltern zu verwöhnen.

Ja und jetzt, wo sie vollkommen verweichlichte Eltern haben, müssen sie ausbaden, was sie angerichtet haben. Das Prinzchen, für gewöhnlich das friedlichste Kind auf Erden, wird schon gar nicht mehr fertig mit uns, so verzogen sind wir. Zur Zeit hält er nämlich Ramadan. Wir haben ihm schon zig Mal gesagt, dass wir Christen sind und dass auch die Muslime momentan nicht am Fasten sind. Das hindert ihn aber nicht daran, tagsüber fast sämtliche Nahrung abzulehnen und nachts zu schlemmen.

Uns verwöhnte Eltern werfen schon zweimal Aufstehen um ihm das Fläschchen zu geben aus der Bahn. Doch jetzt, wo das Kind auch noch am Zahnen ist, wissen wir uns schon gar nicht mehr zu helfen. Dass der Junge Zahnschmerzen, eine volle Windel und einen wunden Po haben könnte, kommt uns erst in den Sinn, nachdem wir ihn an den Rand eines Nervenzusammenbruch gehätschelt haben. Wir streicheln, küssen, knuddeln und trösten und merken nicht, dass das arme Kind eine frische Windel, ein Zäpfchen und ein bisschen Salbe haben will. Das, was durch kurze Nächte gestählte Eltern als Erstes abchecken, fällt uns verweichlichten Memmen erst ein, nachdem wir völlig entnervt und ratlos auf das brüllende Kind starren.

Ja ja, so kommt es eben, wenn man den Eltern nicht  täglich mit aller Konsequenz die Grenzen ihrer Bequemlichkeit aufzeigt.

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