Die Putzfrau und ich

Ja, ich weiss, man nennt das heutzutage nicht mehr Putzfrau. Aber Hausfrauen nennt man heute auch nicht mehr Hausfrauen und dennoch werden wir noch immer nicht für voll genommen, genauso wenig wie die Putzfrauen. Also können wir die alten Begriffe getrost weiter verwenden, solange man mit Euphemismen die Geringschätzung zu kaschieren sucht. Merkt ihr’s? Ich habe mal wieder einen akuten Anfall von Hausfrauenfrust. Dabei hatte ich fest damit gerechnet, dass heute Vieles besser sein würde. Nein, natürlich nicht vollkommen besser. Ich bin doch kein Phantast, der glaubt, mit dem neuen Jahr werde alles besser. An meinem Vollpensum als Hausfrau hat sich ja nichts geändert. Aber zumindest hatte ich damit gerechnet, dass meine Putzfrau heute wieder aus den Ferien zurück ist.

Ist sie aber nicht. Und deshalb hätte ich heute selber putzen müssen. Was aber nicht möglich war. Weil das Prinzchen immer dann auf den Arm genommen werden wollte, wenn ich gerade den Besen zur Hand nehmen wollte. Weil der Zoowärter heute hundertmal die Geschichte von Felix hören wollte. Weil ich eine volle Stunde mit einem Kerl von Sunrise am Draht hing, weil er versuchte, unsere Internet-Verbindungsprobleme zu lösen und irgendwann entnervt aufgeben musste, weil er sich „mit Mac leider nicht so gut“ auskennt. Hätte mich ja gleich am Anfang fragen können, ob ich einen PC oder einen Mac habe. Ja, und dann gab es noch tausend andere Hindernisse, die sich in den Weg stellten, so dass unsere Wohnung mal wieder einem Rattenloch gleicht.

Und so wird mir einmal mehr bewusst, dass ich ohne Putzfrau nicht mehr leben könnte. Klar, ich breche nicht mehr in Tränen aus, wenn sie mal nicht kommt. Das ist mir vor einem Jahr, als ich kräftemässig am Tiefpunkt war, durchaus mal passiert. Aber auch wenn ich heute nicht mehr heule vor lauter Sehnsucht  nach ihr, so weiss ich doch sehr zu schätzen, dass es da einen Menschen gibt, der bereitwillig unseren ganzen Dreck beseitigt und dennoch die Achtung vor uns nicht verloren hat. Nein, ich meine jetzt nicht Achtung im Sinne von Unterwürfigkeit, sondern Achtung im Sinn von: sie redet noch mit mir, auch wenn unter unserem Bett so wahnsinnig viel Staub liegt. Sie nimmt meine Kinder auf den Arm, auch wenn sie fast immer eine laufende Nase oder klebrige Finger haben. Sie übernimmt meine Kochrezepte, auch wenn sie sieht, dass meine Küche versinkt im Chaos. Kurz: Sie nimmt mich, wie ich bin, mit all meinen Schwächen und Stärken. Ich vergöttere diese Frau!

Dabei hatte ich mich anfangs so sehr gesträubt dagegen, eine Putzfrau anzustellen. Das Ganze roch mir zu sehr nach Überheblichkeit. Nach Menschen, die glauben, etwas Besseres zu sein und sich deswegen die Finger nicht schmutzig machen wollen Doch irgendwann musste ich mir eingestehen, dass ich schlicht zu unbegabt bin, um den Haushalt zu schmeissen. Dass da ein Experte ran muss; jemand, der weiss, wie man einen Besen in die Hand nimmt und nicht schreiend zusammenbricht, wenn der Boden mal wieder so übersät ist mit Spielzeug, dass man ihn nicht mehr sehen kann. Ein Profi eben, nicht so ein schäbiger Möchtegern wie ich. Wobei ich ja nicht einmal ein Möchtegern bin, weil ein Möchtegern ja gerne möchte. Und das möchte ich nicht…

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