Danke, Pooh Bär

Nein, so richtig gut ist er nicht in seinen dritten Geburtstag gestartet, der Zoowärter. Dabei eröffnet einem der dritte Geburtstag doch Welten, die bis anhin verschlossen waren. Von einem Tag auf den andern darf man den Hinweis, der einem bis anhin das Leben erschwert hat, ignorieren: „Für Kinder unter 3 Jahren nicht geeignet, da Kleinteile verschluckt werden können – Erstickungsgefahr!“ Okay, der Zoowärter hat den Hinweis auch schon vorher ignoriert. Wie soll man nicht, wenn die grossen Geschwister so tolle Spielsachen haben? Das ist so ähnlich wie bei den Teenagern, die Alkohol trinken, obschon sie noch nicht sechzehn sind. Die besorgen sich die verbotene Ware ja auch meist via ältere Freunde.

Ab heute also darf der Zoowärter völlig legal mit allem spielen, was nur für Kinder über drei Jahren geeignet ist und da sollte man doch erwarten, dass das Kind fröhlich aus dem Bett springt. Tut er aber nicht. Kaum ist er fünf Minuten wach, heult er los. Er will einen roten Farmerstengel, die Mama hat aber nur braune gekauft. (Für Nicht-Schweizer und Nicht-Migroskunden: Farmerstengel sind die Getreideriegel der Migros und ja, ich weiss, dass man Stengel heutzutage mit ä schreibt, aber dieses kleine Stück Rückständigkeit gönne ich mir.) Der Zoowärter ist am Boden zerstört. Das also ist der Geburtstag, von dem alle seit Wochen geredet haben: Ein blöder grauer Tag, der damit anfängt, dass Mama die falschen Farmerstengel gekauft hat. Und dann isst die blöde Mama die letzte Griesscreme aus den Kühlschrank weg. Und dann wird man von den grossen Geschwistern auch noch mit all dem Ramsch überhäuft, den sie nicht mehr gebrauchen können, weil sie schon lange nicht mehr drei sind. Und diese Leute behaupten, sie würden einen lieben?

Zum Glück gibt es den gelben Helden mit dem roten T-Shirt. Zuerst eilt er dem Zoowärter in Form eines Kuchens zu Hilfe, dann an den Trinkhalmen, auf den Plastikbechern und Kartontellern. Schliesslich auch noch als Schlüsselanhänger, als Gurt, auf der Tasse und als Spiel. Pooh der Bär zaubert das Strahlen zurück ins Gesicht des Zoowärters, sorgt dafür, dass der Kleine für den Rest des Tages „Pooh Bär, wir mögen dich sehr, Rumpedi bumpedi, kommt er daher…“ vor sich hin trällert und sich von seiner Familie wieder so geliebt fühlt, wie er auch geliebt wird.

Puh! Der Geburtstag ist gerettet. Danke, Pooh!

2 Gedanken zu “Danke, Pooh Bär

  1. Ja, Pooh ist wohl tatsächlich ein Held. Wenn ich ihn auch im Original lieber mag als in der doch ziemlich dümmlichen Version von Walt Disney.

  2. Ich bringe es auch nur mit geschlossenen Augen fertig …Moment … „Stängel“ … zu schreiben. Schüttelfriergrusel – puh!
    Und Winnie the Pooh war für mich immer schon ein Held, weil: In der Schwäche liegt doch die wahre Stärke.

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