Ach, Pooh Bär!

So schnell werde ich kein Stossgebet mehr gen Himmel schicken, wenn ich nicht weiss, worüber ich bloggen soll. Kaum hatte ich fertig geklönt, stellte ich mit Schrecken fest, dass der Schlüssel zur Vorratskammer weg war. Nicht einfach weg im Sinne von auf dem Fussboden liegend, sondern wirklich weg. Und niemand war Schuld; Karlsson nicht, Luise nicht, der FeuerwehrRitterRömerPirat nicht, der Zoowärter erst recht nicht. Nein, es war Winnie the Pooh, der das Ding zum Verschwinden gebracht hatte und zwar fünf Minuten bevor es Zeit war, zu kochen. Winnie the Pooh hatte das Ding offenbar in den Abfallkübel geschmissen, erzählte mir der FeuerwehrRitterRömerPirat. Er habe es genau gesehen. Dumm war bloss, dass Pooh nirgends zu finden war, denn derjenige, der gewöhnlich Pooh ist, war im Moment ein ganz anderer, nämlich Donald Duck. Und auch wenn Pooh vor dem Abendessen wieder auftauchen würde, hatte ich keine Gewähr, dass er sich noch an den Verbleib des Schlüssels erinnern würde. Man weiss ja, wie vergesslich Pooh ist.

Was also sollte ich tun? Den Abfallsack nach dem Schlüssel durchwühlen? Keine gute Idee. Ich bin eine bekennende Memme und mein Magen hatte heute schon einmal rebelliert, als ich Luises eitrige Wunde am Fuss – nicht am Auge, Gott sei Dank! – verarztet hatte. Also blieb mir nichts anderes übrig, als zu warten, bis „Meiner“ nach Hause käme, bevor ich mich weiter um den Schlüssel kümmern konnte. Und so kochte ich für einmal ohne Olivenöl, ohne Bouillon, ohne Zwiebeln und ohne getrocknete Kräuter. Also ja, ohne Zwiebeln koche ich fast immer, weil ich die Dinger hasse, aber weil es heute Fleisch gab und ich das Zeug bekanntlich nicht esse, hätte ich „Meinen“ und Karlsson gerne mit Zwiebeln überrascht. Aber ohne Schlüssel keine Zwiebeln. Und kein Öl. Und keinen Besen, um endlich den Dreckhaufen auf dem Fussboden aufzuwischen, damit ich nicht immer reintrete.

Kurz vor dem Abendessen tauchte Winnie the Pooh wieder auf. Ist mir noch gar nicht aufgefallen, wie ähnlich sich Pooh und unser Zoowärter sind…  Wie ich vermutet hatte, konnte Pooh sich beim besten Willen nicht mehr daran erinnern, ob er den Schlüssel in den Abfallsack, auf die Strasse oder auf den Baum geschmissen hatte. Nun, „Meiner“ hat das Ding dann wieder gefunden. Es lag tatsächlich im Abfallsack. Und deshalb kann ich ab morgen zusammen mit der Frau von Costa y Bravo wieder getrost sagen: Hombré! Ich koche nur mit Olivenöl.

Und wer meinen Schlusssatz nicht verstanden hat, soll gefälligst mal wieder seine Asterix-Sammlung entstauben!

Mitten im Hundertmorgenwald…

… scheinen wir seit Neuestem zu leben. Dies zumindest schliesse ich aus der Tatsache, dass Winnie the Pooh bei uns ein- und ausgeht als wäre es die selbstverständliche Sache der Welt. Mal sitzt er auf dem Sofa und schaut sich Bilderbücher an, mal sitzt er am Tisch und schmiert sich Honig auf die Pfoten, mal kommt er mit mir einkaufen oder auf Spitalbesuch zur Schwiegermama. Und nachts schläft er beim FeuerwehrRitterRömerPiraten im Bett. Ein ganz netter Kerl, dieser Winnie the Pooh. Fröhlich und freundlich, ganz wie man sich ihn vorstellt. Einzig dass er manchmal das Prinzchen plagt, befremdet mich ein wenig. So etwas hätte ich von ihm nicht erwartet. Von mir aus kann er dennoch gerne bleiben, er bereichert unsere Familie ungemein.

Nur einen Haken hat die Sache: Seit Winnie da ist, ist der Zoowärter spurlos verschwunden. Wo der Kleine bloss stecken mag?

Danke, Pooh Bär

Nein, so richtig gut ist er nicht in seinen dritten Geburtstag gestartet, der Zoowärter. Dabei eröffnet einem der dritte Geburtstag doch Welten, die bis anhin verschlossen waren. Von einem Tag auf den andern darf man den Hinweis, der einem bis anhin das Leben erschwert hat, ignorieren: „Für Kinder unter 3 Jahren nicht geeignet, da Kleinteile verschluckt werden können – Erstickungsgefahr!“ Okay, der Zoowärter hat den Hinweis auch schon vorher ignoriert. Wie soll man nicht, wenn die grossen Geschwister so tolle Spielsachen haben? Das ist so ähnlich wie bei den Teenagern, die Alkohol trinken, obschon sie noch nicht sechzehn sind. Die besorgen sich die verbotene Ware ja auch meist via ältere Freunde.

Ab heute also darf der Zoowärter völlig legal mit allem spielen, was nur für Kinder über drei Jahren geeignet ist und da sollte man doch erwarten, dass das Kind fröhlich aus dem Bett springt. Tut er aber nicht. Kaum ist er fünf Minuten wach, heult er los. Er will einen roten Farmerstengel, die Mama hat aber nur braune gekauft. (Für Nicht-Schweizer und Nicht-Migroskunden: Farmerstengel sind die Getreideriegel der Migros und ja, ich weiss, dass man Stengel heutzutage mit ä schreibt, aber dieses kleine Stück Rückständigkeit gönne ich mir.) Der Zoowärter ist am Boden zerstört. Das also ist der Geburtstag, von dem alle seit Wochen geredet haben: Ein blöder grauer Tag, der damit anfängt, dass Mama die falschen Farmerstengel gekauft hat. Und dann isst die blöde Mama die letzte Griesscreme aus den Kühlschrank weg. Und dann wird man von den grossen Geschwistern auch noch mit all dem Ramsch überhäuft, den sie nicht mehr gebrauchen können, weil sie schon lange nicht mehr drei sind. Und diese Leute behaupten, sie würden einen lieben?

Zum Glück gibt es den gelben Helden mit dem roten T-Shirt. Zuerst eilt er dem Zoowärter in Form eines Kuchens zu Hilfe, dann an den Trinkhalmen, auf den Plastikbechern und Kartontellern. Schliesslich auch noch als Schlüsselanhänger, als Gurt, auf der Tasse und als Spiel. Pooh der Bär zaubert das Strahlen zurück ins Gesicht des Zoowärters, sorgt dafür, dass der Kleine für den Rest des Tages „Pooh Bär, wir mögen dich sehr, Rumpedi bumpedi, kommt er daher…“ vor sich hin trällert und sich von seiner Familie wieder so geliebt fühlt, wie er auch geliebt wird.

Puh! Der Geburtstag ist gerettet. Danke, Pooh!

Na ja

Die vielen Komplimente gestern haben mich wohl etwas übermütig gemacht. So sehr, dass ich glaubte, beweisen zu müssen, dass noch mehr perfekte Hausfrau – oder Albtraum aller Mütter, wie andere dies nennen ;-),- in mir steckt. Und so sieht das Resultat aus:

Na ja. Es könnte schlimmer sein. Immerhin hat der Zoowärter seine Geburtstagskuchen als Winnie the Pooh erkannt. Die Farben haben es wohl verraten. Aber meine Träume, dass ich irgendwann auf der Hausfrauen-Karriereleiter steigen werde, begrabe ich wohl besser wieder. Ist wohl doch nichts für mich.

Schwiegermamas Weihnachtsfest

Die Schwiegermama wollte doch noch Weihnachten feiern mit uns und zwar auf ihre Art: Sich ins Ausverkaufs-Getümmel stürzen und den Kindern etwas kaufen, was sie dringend brauchen. Eine Winterjacke zum Beispiel. Oder einen Pullover und eine Hose. Eigentlich hätte sie schon vor Weihnachten gehen wollen, aber da haben „Meiner“ und ich nur auf den vollen Kalender geschaut und losgebrüllt vor lauter Lachen. Dann haben wir probiert, ihr die Sache auszureden, denn meistens schonen solche Einkaufstouren zwar unser Budget, nicht aber unsere Nerven und die sind bei uns meist noch knapper als das Geld. Aber Schwiegermama bestand auf ihrem Vorschlag und so haben wir ihr Traum-Weihnachtsfest eben heute nachgeholt: Morgens um halb neun die Kinder aus dem Bett gezerrt, sie schnell schnell verköstigt und in die Kleider gezwängt. Dann mit dem Zoowärter eine Ewigkeit darüber diskutiert, warum I-Ah nicht mitkommen könne und schliesslich doch nachgegeben, weil der Kleine so geheult hat. Irgendwann standen sie da, die fünf: geputzt, gestriegelt und vollkommen lustlos. Ich kann gar nicht verstehen, warum sie sich nicht aufs Kleiderkaufen freuten…

Auf dem letzten Zacken schafften wir es, den Bus zu erwischen und in die Stadt zu fahren, wo Schwiegermama bereits wartete. Dann also mal ab in die Läden. Im ersten schnappte sich der FeuerwehrRitterRömerPirat einen „Wickie“-Pyjama und damit war die Sache für ihn erledigt, mochte die Schwiegermama ihn noch so sehr anflehen, doch noch einen Pullover, eine Grosspackung Unterhosen oder ein Paar Socken auszuwählen. Luise konnte sich derweilen nicht zwischen der rosaroten und der geblümten Hose entscheiden und war überhaupt eingeschnappt, dass sie sich Hosen kaufen musste und nicht eines jener gerüschten Kleidchen. Der Zoowärter heulte, weil er  einen Winnie the Pooh haben wollte, aber nicht konnte, weil sein kleines gelbes Idol bei „C & A“ bloss Dekoration war. „Meiner“ und ich wühlten uns derweilen durch einen Haufen Baby-Bodies, um für das Prinzchen die passende Grösse zu finden, die aber leider praktisch ausverkauft war.

Irgendwie schafften wir es, fast alle Wünsche zu befriedigen und zogen danach weiter zum Warenhaus, wo Karlsson sich eine Winterjacke auswählen durfte. Während Karlsson in aller Seelenruhe Jacken anprobierte, verkrochen sich der Zoowärter und der FeuerwehrRitterRömerPirat unter die Regale und das Prinzchen, das bei Papa in der Rückentrage sass, begann, die oberen Regale leer zu räumen. Irgendwann hatte die Schwiegermama eine zündende Idee: Sie lotste den Zoowärter und den FeuerwehrRitterRömerPiraten an einen Ort, wo sie keinen Schaden anrichten konnten, nämlich in die Spielzeugabteilung! Wo ich sie beiden mit hunderttausend Versprechen, dass sie sich den singenden Winnie the Pooh und das Spiel mit den Rittern und den Lerncomputer und die Playmobil-Pyramide ganz bestimmt zum Geburtstag wünschen dürften. Während Karlsson und „Meiner“ sich weiter um die Jacke kümmerten und die Schwiegermama das ganze Treiben gleichmütig beobachtete, mutierte ich so langsam aber sicher zu einer jener Albtraum-Mütter, wie man sie in Warenhäusern so gerne sieht: „Komm sofort her, Zoowärter! Und fass mir ja nichts mehr an! Nein, Prinzchen, nicht die Dekoration herunterreissen! Hierher, FeuerwehrRitterRömerPirat, und zwar Dalli! Nein, das kaufe ich euch nicht. Das ist zu teuer. Wo bist du jetzt schon wieder, Luise? Zowääääääärter, neeeeeiiiiiiiiin!“ Irgendwann wusste ich mir nicht mehr anders zu helfen, als den Rabauken Zuckerstangen zu kaufen. Worauf der Streit losging, wer welche Farbe bekommen sollte. Worauf ausgerechnet die  Zuckerstange, die alle haben wollten, zerbrach. Worauf noch einmal eine neue Zuckerstange hermusste, weil zerbrochene Zuckerstangen bekanntlich ungeniessbar, ja, sogar giftig sind.

Irgendwann waren die Einkäufe geschafft, „Meiner“, die Kinder und ich auch. Nur Schwiegermama stand ganz entspannt daneben und meinte, das sei doch jetzt alles ganz glatt gelaufen. Ach ja, und wer hat sich eigentlich die ganze Zeit über liebevoll um I-Ah gekümmert und ihn mitgeschleppt, wenn er zwischen den Regalen liegenblieb?

Na, wer wohl?

Guten Abend, gut‘ Nacht, Teil II

Während „Meiner“ und ich die Nacht mit dem Zoowärter und dem FeuerwehrRitterRömerPiraten als wenig erholsam in Erinnerung haben, scheinen die beiden Jungs sie genossen zu haben. Anders lässt es sich nicht erklären, dass die zwei heute Nacht gegen vier Uhr wieder in unser Bett geschlüpft kamen. Ob I-Ah freiwillig wieder mitkam, ist mir nicht bekannt, aber ich nehme mal an, dass er keine andere Wahl hatte. Weil „Meiner“ und ich keine Lust hatten auf eine Wiederholung, es aber auch nicht übers Herz brachten, die zuckersüssen Kerlchen wieder nach oben zu schicken, beschlossen wir, ihnen noch eine Chance zu geben, diesmal einfach am Rande unseres Bettes. Und so kam es, dass ich schon bald dort lag, wo letzte Nacht I-Ah gelegen hatte: In der Mitte, eingekeilt zwischen „Meinem“, der mir möglichst viel Platz bieten wollte und den Kindern, die möglichst nahe bei mir sein wollten. Einfach perfekt. Vor allem für mich als Gelegenheits-Auf-dem Bauch-Schläferin. Versuch mal, dich auf den Bauch zu drehen, wenn du zu deiner Linken von zwei Jungs und einem depressiven Esel, zu deiner Rechten von einem dich beschützenden „Deinen“ bedrängt wirst.

Vergiss es!

Dann eben doch das Sofa. Wie ich es schaffte, aus diesem Bett herauszukommen, ohne einen meiner Bettgenossen platt zu treten, ist mir schleierhaft. Aber irgendwie gelang es mir, meine Kissen zu schnappen, im dunklen Treppenhaus nach oben zu schleichen, um mir die Globi-Decke des Zoowärters zu holen und danach unbeschadet den Weg zum Sofa zu finden. War gar nicht so leicht, mit all den Stillkissen, Winterstiefeln und Skijacken, die wir, – als kleine Herausforderung, weil sonst dasLeben allzu gleichförmig wird, – auf der Treppe liegen haben.

So machte ich es mir mit Globi auf dem Sofa bequem. Und konnte nicht mehr einschlafen. Denn inzwischen schwirrten mir schon die Sätze im Kopf herum, die ich hier niedergeschrieben habe. Und die musste ich erst einmal loswerden, bevor an Schlaf überhaupt zu denken war. Jetzt aber, wo das erledigt ist, ziehe ich mich wieder auf mein Sofa zurück.

Gute Nacht allerseits!

Guten Abend, gut‘ Nacht…

Hätte ich gestern Abend doch bloss auf „Meinen“ gehört! Er hatte mir nämlich vorgeschlagen, ich sollte doch für einmal auf dem Sofa nächtigen, damit ich mal wieder durchschlafen könne. Aber weil wir gestern Abend Krach gehabt hatten, – ja, auch das kommt vor bei uns, man sollte es kaum für möglich halten, – sah mir das Ganze zu sehr nach „Bleib doch bitte auf dem Sofa, dann habe ich meine Ruhe vor dir“ aus und deshalb ging ich, wie jeden Abend, brav in mein Körbchen. Wo ich einen schlafenden Zoowärter vorfand. Der schon bald nicht mehr schlafend war, weil er nämlich einen wunden Hintern hatte. Das kommt davon, wenn man, nachdem man mal sauber war, wieder zum Wickelkind wird. Nachdem aber der Zoowärter gesalbt und gewickelt war, sah es ganz danach aus, als könnte die Nacht doch noch ganz entspannend werden. „Meiner“ war nämlich so nett, den Zoowärter samt seinem geliebten I-Ah, ohne den er keinen Schritt mehr macht, auf seine Seite des Bettes zu nehmen. Was sich später als genau das Falsche herausstellte.

Denn später kam der FeuerwehrRitterRömerPirat in unser Bett gekrochen. Und weil bei „Meinem“ kein Platz mehr war, hatte ich das Vergnügen, den FeuerwehrRitterRömerPiraten unter meiner Decke zu beherbergen. Was etwa ähnlich vergnüglich sein dürfte, wie wenn man mit einem Zitteraal das Bett teilen würde. Mit einem Zitteraal, der einem immer wieder die Bettdecke zu entreissen versucht. Denn der FeuerwehrRitterRömerPirat schlägt im Schlaf nicht um sich, nein, er liegt ganz ruhig und ist dennoch stets mit irgend einem Körperteil in Bewegung. Ein eigenartiges Zittern, das einem den Schlaf raubt, einen an den Rand des Wahnsinns und an den Rand des Bettes treibt. Was zur Folge hatte, dass meine Füsse schon bald im Leeren baumelten, weil unser Bett nämlich rund ist.

Am Morgen bot sich dann folgendes Bild: Auf der rechten Seite des Bettes, fast schon auf dem Fussboden, lag „Meiner“, daneben, selig schlummernd, der Zoowärter. Auf der linken Seite das gleiche Bild mit mir und dem FeuerwehrRitterRömerPiraten. Und in der Mitte, dort, wo das Bett am bequemsten ist und wo ich eigentlich schlafen sollte, machte sich I-Ah breit. Nun, zumindest er hat wohl gut geschlafen. Und hat vielleicht ein einziges Mal in seinem Leben keinen Grund, bei seinen Freunden zu darüber zu jammern, wie schlecht es doch das Leben mit ihm meine. Wobei, so wie ich I-Ah kenne, wird er bestimmt auch an dieser Nacht etwas finden, worüber er jammern kann…