Blockade

Bevor ich mein Problem schildere, muss ich Folgendes klarstellen: Ich fische nicht nach Komplimenten. Ich will auch nicht, dass mir meine Leser Honig um den Mund schmieren. Und schon gar nicht will ich jammern. Nein, ich will einfach nur kurz darüber berichten, wie es kommt, dass ich plötzlich daran zweifle, ob ich überhaupt schreiben kann.

Für jemanden, der leidenschaftlich gerne schreibt, gibt es wohl keine grössere Bestätigung als ein unterschriebener Buchvertrag. Okay, vielleicht gibt einem ein Bestseller noch mehr das Gefühl auf dem richtigen Weg zu sein, aber davon wage ich nun wirklich nicht zu träumen. Dafür bin ich, trotz aller Naivität, zu realistisch. Aber eben, kaum war der Vertrag unterschrieben, hatte ich dieses unbeschreibliche Hochgefühl. Immerhin hatte ich die Bestätigung in der Tasche, dass man meine Arbeit für gut genug befunden hatte. Und so war für mich klar: Jetzt lege ich los. Gebt mir ein wenig freie Zeit und ich schreibe, was das Zeug hält. Ich war so richtig euphorisch. Und rannte gegen eine Wand.

Eine Wand mit Namen Schreibblockade. Es ist nicht bloss so, dass mir die Worte fehlen. Nein, schon meine Ideen finde ich allesamt banal und doof. Ideen, die ich eben noch unbedingt hatte zu Papier bringen wollen. Alles, was ich schreibe, erscheint mir nur noch sinnlos. Liest sich nicht flüssig genug. Bringt die Sache nicht so auf den Punkt, wie ich mir dies wünsche. Zuweilen muss ich mich gar zum Bloggen zwingen, weil ich auf einmal all mein Geschreibsel unerträglich finde und mit überkritischem Blick betrachte. Lese ich meine Texte, sehe ich nur noch lauter Mängel.

Vielleicht ist schreiben ähnlich wie Kinderkriegen: Nach einer Geburt muss man sich erst mal sehr lange erholen, bevor man sich überhaupt vorstellen kann, je wieder schwanger zu werden. Ich hoffe bloss, dass die Abstände zwischen zwei Projekten nicht so gross werden wie zwischen zwei Geburten. Wobei, wenn man fünf Kinder in acht Jahren geboren hat, kann man wohl kaum von zu grossen Abstände reden…

4 Gedanken zu “Blockade

  1. Merci! Ich glaube, nachdem ich gestern darüber geschrieben habe, hat es die Schreibblockade mit der Angst zu tun bekommen und jetzt scheint sie auf dem Rückzug zu sein.

  2. Als Jammern habe ich das jetzt gar nicht empfunden. Ich drücke dir jedenfalls die Daumen, dass die Schreibblockade sich schnell wieder davonmacht.

  3. Nun, bei deinen Texten werde ich auch öfters mal neidisch, weil du die Dinge so schreibst, wie nur du sie schreiben kannst. Der Buchvertrag kommt bestimmt noch…
    Ich will auch auf keinen Fall jammern, denn ich weiss, dass ich unglaublich viel Glück hatte. Ich hätte nur nie damit gerechnet, dass sich meine Euphorie in eine Schreibblockade verwandelt.

  4. Interessant. Dabei liess mich gerade der Text von gestern („Eingewickelt“) wieder mal blass vor Neid werden.
    Aber dieses Gefühl – was tu‘ ich hier eigentlich?! – kenne ich natürlich nur zu gut. Und ich habe keinen Buchvertrag!!! 😦

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