Arme kleine Jungs!

Vor drei, vier Monaten noch galt der Zoowärter als drolliges kleines Kerlchen, das sich so charmant verhaspelte beim Reden und das mit seinem schelmischen Lächeln jeden für sich einnehmen konnte. Wo immer er hinkam bekam man zu hören, wie süss der Kleine doch sei, wie liebenswert, wie einmalig.

Dann aber passierte etwas: Der Zoowärter entdeckte den Kämpfer in sich und schwupps, war es vorbei mit drollig. Ein Junge, der bedrohlich Holzkellen schwingt und dazu brüllt, als ei er ein wild gewordener Löwe, geht nicht mehr als herzig durch. Ein Junge, der mal Ritter, mal böser Römer, mal angriffslustiger Wikinger ist, passt nicht ins Schema von „ach, wie süss!“. Wenn dann hin und wieder noch sein Kampfesgeist mit ihm durchgeht und er vergisst, dass die Putzfrau weder sein Feind noch die Holzkelle eine Waffe ist, dann ist fertig lustig. Dann muss man als Mama aufpassen, dass das eben noch kleine süsse Kerlchen als unmöglicher, schwer erziehbarer Bengel beschimpft wird. Das charmante Verhaspeln und das schelmische Lächeln sind zwar noch immer da, aber keiner nimmt es mehr wahr.

Wäre der Zoowärter mein erster Junge, ich wäre jetzt am Boden zerstört. Weil ich aber die gleiche Entwicklung schon bei Karlsson und beim FeuerwehrRitterRömerPiraten durchgemacht habe, bin ich einfach nur traurig. Denn warum, so frage ich mich, applaudiert man kräftig, wenn ein Mädchen die Tänzerin, die Reiterin oder die Coiffeuse in sich entdeckt, wenn aber ein Junge den Kämpfer in sich entdeckt, wendet man sich angewidert von ihm ab? Arme kleine Jungs! Ihnen bleibt so wenig Zeit, in der sie gehätschelt werden.

4 Gedanken zu “Arme kleine Jungs!

  1. Nein, ich denke, ich meine genau das, was du verstanden hast. Als Mutter von vier Söhnen würde man wohl rasch an die Grenzen stossen, wenn man ihnen die kämpferische Seite wegerziehen wollte. Ich versuche, meine Söhne zu nehmen, wie sie sind und sie zu lehren, wofür es sich zu kämpfen lohnt und wo sie lernen müssen, einen anderen Weg zu finden. Nicht ganz einfach, aber hoffentlich kriegen wir’s dennoch hin.

  2. Da stimme ich voll zu!
    Ich war nur etwas – hm ich sag mal – überrascht, das eine Frau so etwas sagt.

    Ich habe (leider) den Eindruck gewonnen, dass zwar nicht alle, aber doch eher mehr Frauen diese kämpferische Seite lieber wegerziehen wollen, als einen gesunden Umgang damit zu ermöglichen. Und das klingt bei Dir ja nun nicht so.
    Aber vielleicht lese ich auch etwas zwischen den Zeilen, was da so gar nicht steht, bzw. meinst Du ja etwas anderes. 🙂

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