Dienstag, 13. Juli 2010

Heute nach dem Mittagessen sind wir mit dem Bus nach Brunnen gefahren. Im Bus hatte es sehr viele alte Leute, die uns böse angeschaut haben. In Brunnen haben wir mit dem Motorschiff „Schwyz“ eine Rundfahrt auf dem Urnersee gemacht. Wir haben das Rütli gesehen und ganz viele gelbe Fahnen mit einem schwarzen Stierenkopf. Mama hat gesagt, das sei der Uristier. Mama hat uns von Wilhelm Tell und Friedrich Schiller erzählt und sie hat gesagt, dass es den Wilhelm Tell nicht richtig gegeben hat und dass sie das Rütli zwar schön findet, dass sie aber all den patriotischen Kram blöd findet und da hat ein alter Mann sie ganz böse angeschaut. Auf dem Schiff war es sehr schön.

Vielleicht war es aber auch ganz anders, nämlich so: Heute Nachmittag habe ich, Diego Benaglio, Torhüter der Schweizer Nationalmannschaft, mit meiner Familie, die mich aus unerfindlichen Günden immer Zoowärter nennt, eine Schiffsrundfahrt gemacht. Unser Schiff hiess „Die grausige Marianne“ und ich  habe ganz viele Piratenschiffe und gelbe Piratenflaggen mit schwarzen Totenköpfen gesehen. Später, als wir in Brunnen auf den Bus warteten, habe ich Maria und Josef gesehen. Mama hat zwar behauptet, das wären Nonnen gewesen, aber ich bin mir ganz sicher, dass das Maria und Josef waren.

Es könnte aber auch so gewesen sein: Im Bus hatte es viel zu viele Leute und ich durfte nicht neben Papa sitzen. Auf dem Schiff, das nicht einmal ein Dampfschiff war, windete es ganz furchtbar und weil ich das irgendwann fast nicht mehr ausgehalten habe, musste ich innen sitzen und ich habe fast die ganze Fahrt verpasst. Auf der Rückfahrt im Bus hätte ich lieber neben Mama sitzen wollen, aber die sass neben dem FeuerwehrRitterRömerPiraten und erzählte ihm noch einmal von Wilhelm Tell und ich konnte nichts davon verstehen. Das ist so unfair. Immer erzählt sie den anderen Geschichten. Und dann durften wir heute nicht mal ins Schwimmbad gehen, dabei haben Mama und Papa doch versprochen, wir dürften jeden Tag baden gehen. Und dann hat Papa auch noch ganz lange mit uns geschimpft, weil wir immer motzen würden. Dabei motzt hier doch gar keiner.

Vielleicht aber hört sich die Geschichte auch so an: Heute habe ich sechsmal die Windeln nass gemacht und zweimal auf den  Fussboden gepinkelt. Mama will einfach nicht verstehen, weshalb ich mir jedes Mal die Windel ausziehe, wenn ich gepinkelt habe. Weiss die denn nicht, wie unangenehm es ist, im Nassen zu sitzen? Und dann hat sie doch allen Ernstes versucht, mich aufs Töpfchen zu setzen. Ach ja, dann habe ich auch noch ein Schiff gesehen und Enten und Spatzen und Schwäne. Und ein Eis habe ich auch gegessen. Aber das mit den Windeln war mir heute eigentlich wichtiger.

Vielleicht aber könnte man den Tag auch so zusammenfassen: Heute war ein wunderschöner Tag. Ich kann gar nicht sagen, was mir am besten gefallen hat. Es war einfach alles grossartig. Und dann habe ich mir erst noch ein Souvenir aussuchen dürfen und meine Geschwister auch.

Wie es wirklich war? Das kommt ganz darauf an,welchen Venditti man fragt. Wenn ihr mich fragen würdet, würde ich sagen, es sei eine perfekte Mischung von allem gewesen. Aber mich fragt ja keiner…..

2 Gedanken zu “Dienstag, 13. Juli 2010

  1. Merci! Sind sie nicht lieb, unsere Kinderlein, dass sie mir immer wieder neuen Schreibstoff liefern? 😉

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