Mein Geständnis

Wer mich kennt oder wer regelmässig hier vorbeiliest, der weiss, wie sehr ich Hausarbeit liebe. So sehr, dass ich sie an eine Putzfrau delegiert habe. So sehr, dass ich, wenn die Putzfrau in den Ferien weilt, oder wenn jemand unter der Woche etwas verschüttet, ganz dringend aufs WC muss, bevor man mir den Putzlappen in die Hand drücken kann. So sehr auch, dass ich mich inzwischen damit abgefunden habe, dass fast jeder, der unsere Wohnung betritt, vom dringenden Bedürfnis gepackt wird, ein wenig beim Aufräumen behilflich zu sein, auch wenn mir dies furchtbar peinlich ist. Man sieht also, meine Begeisterung für Hausarbeit kennt keine Grenzen.

Und doch habe ich heute, als ich mit dem Staubsauger durch die Wohnung düste – die Putzfrau weilt gerade sehr sehr lange in den Ferien, so lange, dass ich den Dreck nicht liegen lassen kann, bis sie wieder zurück kommt -, bemerkt, dass Hausarbeit erträglich sein kann. Also, natürlich nur, wenn die Bedingungen stimmen. Und die Bedingungen wären

a) Alle Kinder sind aus dem Haus, weil man sonst gleich wieder von Vorne anfängt, kaum ist man fertig geworden.
b) Das Chaos ist so schlimm, dass selbst ich mich nicht mehr wohl fühle darin.
c) Das Chaos ist so schlimm, dass der Vorher-Nachher-Effekt so grossartig ist, dass selbst eine wenig ambitionierte Hausfrau, wie ich eine bin, sich am Ende anerkennend auf die Schulter klopft.
d) Das Chaos ist so schlimm, dass selbst der Zoowärter, wenn er nach dem Spielen wieder reinkommt merkt, dass da etwas anders geworden ist, nämlich dass es plötzlich wieder so sauber ist, dass man jeden seiner Fingerabdrücke auf dem Salontisch erkennen kann, wo sie doch vorhin im Gewirr der vielen Fingerabdrücke einfach verschwunden waren.
e) Ich will gerade ein paar Kilos loswerden und mache rein zufällig bei einem Abnehm-Programm mit, bei dem sich Putzen als Fitness abbuchen lässt. Denn es gibt nur eine Sache, die ich
noch mehr liebe als Hausarbeit und diese Sache nennt sich S-P-O-R-T.
f) In meinem Kopf schwirren gerade so viele Gedanken herum, dass ich sie zuerst wieder ordnen muss, bevor ich mich wieder an den Schreibtisch setzen kann.

Sind alle diese Bedingungen erfüllt, dann steht einer fröhlichen Putzaktion eigentlich nichts mehr im Wege und es macht mir nichts aus, für einmal den Job der Putzfrau zu machen. Wer jetzt denkt, er könne „Meinem“ melden, es gebe da durchaus noch Sparpotential in unserem Haushaltsbudget – „Meiner“ führt sich derzeit geradezu bürgerlich auf in seiner Sparwut -, der irrt gewaltig. Denn die Tage, an denen alle oben genannten Bedingungen erfüllt sind, sind äusserst rar. Und wenn nicht alle erfüllt sind, dann rühre ich keinen Putzlappen an.

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