Fremdbasteln

Basteln war noch nie was für mich. Zu klebrig, zu kompliziert, zu handwerklich. Für einen Kopfmenschen wie mich viel zu anstrengend. Daran hat sich auch mit der Geburt unserer Kinder nichts geändert. Wenn andere Mamas mit ihren Kindern Fensterbilder machen, backe ich lieber Kuchen mit ihnen, das Geld, das andere Mamas für Bastelmaterial ausgeben, investiere ich lieber in Kinderbücher. Aus meiner Sicht ist  das völlig in Ordnung so, aber natürlich sehen das die Kinder etwas anders. Sie möchten doch auch so gerne mal mit einer Bastelarbeit, die aussieht, als hätte sie ein Profi gemacht, auftrumpfen. Natürlich habe ich versucht, ihnen das zu bieten, leider aber bin ich grandios gescheitert. Ich habe nämlich feststellen müssen, dass die perfekten Kinderbastelarbeiten meist nur darum perfekt sind, weil Mama das Meiste daran gemacht hat. Und wenn bei uns die Mama das Meiste gemacht hat, sieht  die Arbeit danach aus, als hätte sie ein sehr unbegabtes Kind geschaffen.

So ist das bei uns und deswegen habe ich mich dazu entschieden, dass wir nur noch  fremdbasteln. Zweimal im Jahr – vor Ostern und im Advent – gehen wir zu diesem Bastelanlass, bei dem die Kinder mit dem perfekten Material und unter kompetenter Anleitung ihre Bastelwut, – ähm, Pardon, ich meine natürlich Kreativität – ausleben können. Ich klebe derweil ein paar vorgefertigte Teile zusammen, die mein Werk aussehen lassen, als hätte da ein durchschnittlich begabtes Kind gebastelt, quatsche dazu mit anderen Müttern und antworte auf jede Frage meiner Kinder mit: „Frag die Kursleiterin. Die versteht etwas von der Sache.“ Am Ende des Kurses bezahlen wir, was die Kinder geschaffen haben, ich helfe beim Aufräumen, die Kinder schleppen ihre perfekten Kunstwerke nach Hause und alle sind glücklich.

Alle? Nein, einer stänkert jedes Mal, die Kinder hätten wieder so viel Zeug angeschleppt, dass für seine Bilder kein Platz mehr sei. Und ausserdem gehe das ganz schön ins Geld bei so vielen Kindern. Doch ich habe ihm vorgerechnet: Zweimal im Jahr 50 Franken, fünf überglückliche Kinder und unzählige geschonte mütterliche Nerven. Billiger kommen wir nirgends zum Basteln. Kommt dazu, dass die Kinder nach ihrem Bastelexzess jeweils für eine Weile genug haben und ganz froh sind, wenn sie mal wieder Kuchen backen und Geschichten hören dürfen.

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