Sie lieben sich halt doch…

Manchmal, wenn sie einander so hemmungslos anschreien, beschleichen mich leise Zweifel, ob unsere Kinder einander überhaupt lieben, doch dann erleben wir wieder diese Sternstunden, die mir beweisen, dass sie ohne einander nicht sein möchten. Einige Beispiele gefällig?

Ein spiegelglatter Badesee in Südschweden, die grossen drei Venditti-Kinder sind im Wasser, die zwei kleineren spielen im Sand, „Meiner“ und ich geniessen die Stille. Luise, die am Ende eines langen Steges im Wasser planscht, verliert den Boden unter den Füssen, winkt und ruft um Hilfe. So schnell ich es in meinem entspannten Zustand fertigbringe, renne ich ihr auf dem Steg entgegen. Plötzlich werde ich von hinten unsanft zur Seite geschubst: „Aus dem Weg, Mama“, befiehlt das Prinzchen. „Ich muss Luise helfen, sie ertrinkt sonst.“ Keine Ahnung, wie der kleine Nichtschwimmer seiner Schwester das Leben gerettet hätte, wäre es nötig gewesen, aber ich weiss, dass er alles getan hätte für sie, die ihm im Alltag immer mal gehörig auf die Nerven fällt.

Das Prinzchen liegt mit hohem Fieber im Bett, schreit vor lauter Kopfschmerzen, kann kaum mehr den Kopf nach vorne neigen und allmählich werde ich ziemlich unruhig. Sind da etwa die zwei Zecken im Spiel, die vor zwei oder drei Wochen zugebissen haben? Karlsson kommt händeringend ins Kinderzimmer. „Mama, du musst unbedingt die Kinderärztin anrufen. Das musst du mir versprechen.“ Wenig später tue ich eben dies, als ich das Telefon aufgehängt habe, will Karlsson wissen, wann ich denn endlich gehen könne. „Erst um halb fünf?“, fragt er entsetzt, als ich ihm die Zeit nenne. Als wir gegen sechs Uhr mit einem fieberfreien Prinzchen und einer Entwarnung der Kinderärztin zu Hause wieder eintreffen, wartet Karlsson bereits am Fenster. „Was hat er? Ist es ganz bestimmt nichts Schlimmes? Gehst du morgen noch einmal zur Kontrolle mit ihm?“ Die Sorge unseres Ältesten treibt mir beinahe die Tränen der Rührung in die Augen, auch wenn ich nur zu gut weiss, dass das Prinzchen schon bald wieder „dieser doofe kleine Bruder, der immer alles kaputt machen muss“ sein wird.

Luise liegt laut schluchzend auf dem Bett. Der Abschied von drei Kätzchen in nur zwei Tagen hat sie ganz furchtbar mitgenommen und sie weiss nicht, ob sie je wieder fröhlich sein wird. Der FeuerwehrRitterRömerPirat – Luises ärgster Widersacher in fast allen Lebenslagen – steht ganz verloren im Nebenzimmer. „Luise darf nicht so sehr weinen“, sagt er beinahe schüchtern zu mir. Und ich weiss, dass er für einmal nicht über seine Schwester, die ihn mit ihrer emotionalen Art zur Weissglut treiben kann, beklagen will. Er meint auch nicht, sie solle zu heulen aufhören, weil er sonst auch damit anfangen wird. Nein, sie tut ihm einfach nur Leid, denn er weiss ebenso gut wie wir anderen, dass keine so sehr an den Tieren hängt wie Luise und dass darum ihr Trennungsschmerz um ein Vielfaches grösser sein muss als sein eigener. Und auch der ist nicht klein, auch wenn der FeuerwehrRitterRömerPirat sich so etwas kaum anmerken lässt…

Und der Zoowärter? Den mögen eigentlich alle immer, denn der ist eine durch und durch friedliche Natur. Nur wenn die anderen nicht wollen, dass er Karlsson vom Dach ist, dann mögen sie ihn nicht, denn dann brüllt er so laut, dass man sein eigenes Gezanke nicht mehr verstehen kann.

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