Welten

Noch nicht ganz wach aber auch nicht mehr schlafend mit Kater Leone auf dem Rücken im Bett liegen und sich wünschen, der Tag möge noch nicht beginnen.

Treppe rauf um Kinder zu wecken, drei Treppen runter um frische Wäsche zu holen, zwei Treppen hoch, um mir von Luise anzuhören, dass ich mich immer nur um die anderen kümmere und nie um sie, Treppe hoch um dem FeuerwehrRitterRömerPiraten mitzuteilen, dass es jetzt wirklich ernst gilt mit Aufstehen, etwas trinken, drei Treppen runter, um noch mehr frische Wäsche zu holen, zwei Treppen hoch, um das Prinzchen zu wecken, „Ach, Kindchen, du bist doch nicht etwa krank?“, Stirne befühlen, Symptome abfragen und feststellen, dass das Kindchen gesund ist, aber wohl doch besser bei mir bleibt, weil die Augen so verdächtig glänzen und der Husten etwas zu heftig ist.

Taschen packen, damit die Kinder für das elternfreie und die Eltern für das kinderfreie Wochenende bereit sind, Grossmama informieren, dass am Abend drei Kinder bei ihr schlafen und nicht nur eines, Prinzchen mit Bilderbüchern ausrüsten und ab ins Auto, um rechtzeitig zum Interviewtermin in der Nähe von Zürich zu erscheinen, zum Glück für einmal ohne Irrwege, Staus und Pannen.

Interview, kurzer Schwatz und Kaffee mit Freundin und zurück ins Auto, auch diese Fahrt ohne Irrwege und Pannen, dafür mit Stau, dazwischen endlich ein trockenes Brötchen, schnell beim Mittagstisch vorbeischauen, um die Kinder daran zu erinnern, dass die Tiere gefüttert werden müssen und um alle noch einmal zu umarmen, Kinder sind peinlich berührt, weil die Mama so ein Theater macht.

„Meinen“ abholen, Sandwich verdrücken und ab ins kinderfreie Wochenende mit Freunden, unterwegs drei Zwischenstopps, um ein Samsung irgendetwas für Karlssons Geburtstag aufzutreiben, aber die haben überall nur Samsung whatever, kurzer Krach mit „Meinem“: „Warum hast du das Ding nicht gleich gekauft gestern? Wie? Du wolltest es zuerst mit mir besprechen? Aber du weisst doch, dass es das Samsung irgendetwas sein muss. Jetzt kommen wir zu spät in den Schwarzwald, weil du immer…“ Ein elender Drängler, der mich von der Überholspur vertreiben will, versöhnt uns wieder. Ist doch immer gut, einen gemeinsamen Gegner zu haben…

Ankunft im Hotel. „Dürfen wir Ihnen Ihr Gepäck abnehmen? Wirklich nicht? Ist es nicht zu schwer? Können wir Ihren Wagen für sie parken? Wenn Sie einen Wunsch haben, melden Sie sich einfach…“ Kuchen, Tee, warmes Badewasser, Sauna, unzensierte Gespräche mit Freunden, ausgedehntes Abendessen, Stille.

Damit wir unser Alltagsgeschäft nicht ganz verlernen an diesem perfekten Ort, schmeisst „Meiner“ im Ruheraum der Sauna ein Glas Smoothie um, in schönster Eintracht wischen wir die Sauerei auf, ehe uns das aufmerksame Personal dabei erwischt, wie wir einfach nur wir selbst sind.

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