Ewiggestrig

Irgendwie hinke ich einfach meiner Zeit hintendrein. Nicht unbedingt im technischen Bereich, denn dort bin ich mehr oder weniger auf dem Stand, auf dem fast vierzigjährige Nicht-Nerds derzeit sind. In Sachen Mode mache ich zwar nicht jeden Trend mit, meine Garderobe unterscheidet sich aber nicht gross von derjenigen der anderen links-grün-kulturell-etc. Angehauchten. Auch in den Dingen, mit denen ich meine Tage fülle – Familie, Arbeit, Haushalt, Garten, Haustiere, Medienkonsum – unterscheide ich mich wenig von meinen gleichaltrigen Zeitgenossen. Ich gehöre also nicht zu den Ewiggestrigen und doch gelingt es mir einfach nicht mehr, mit dem Lauf der Zeit mitzuhalten.

Als im vergangenen Herbst die Blätter zu fallen begannen, war ich innerlich gerade in der Badesaison angekommen, als die ersten Weihnachtsdekorationen in den Läden auftauchten, wähnte ich mich im Hochsommer, als es Zeit wurde, den Samichlaus-Besuch zu organisieren, war mir eher nach Tomatenernte zumute. Weder saisonales Backen noch das Singen von Weihnachtsliedern halfen, ich blieb irgendwo im Spätherbst stecken und seither bin ich nicht viel weiter gekommen. Okay, inzwischen habe ich begriffen, dass ein neues Jahr begonnen hat, aber in meinem Kopf ist noch immer Januar. Daran vermag weder das frühlingshafte Wetter noch der Beginn der Gartensaison etwas zu ändern.

Der Kalender sagt, dass demnächst die Steuererklärung fällig ist, ich aber staune wie ein kleines Kind, wenn mir meine Auftraggeber „schon so früh“ die dafür erforderlichen Lohnausweise zukommen lassen. Die Kinder bringen Anmeldezettel für Instrumental- und Religionsunterricht für das nächste Schuljahr nach Hause, währenddem ich noch immer jedem, der es hören will, erzähle, der Zoowärter sei eben erst in die Schule gekommen und das Prinzchen in den Kindergarten. Noch erkläre ich dem Prinzchen, er müsse sich noch etwas gedulden, bis der Frühling wirklich da sei, dabei müsste ich mich schon längst auf den astronomischen Frühlingsbeginn und damit auf Luises Geburtstag vorbereiten.

Wenn das so weitergeht, verpasse ich noch meinen eigenen runden Geburtstag im Herbst. Wobei, vielleicht ist ja gerade dies der Grund für meine Rückständigkeit: Ich habe schlicht und einfach keine Lust, alt zu werden. 

img_1288

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s