Wir sind doch keine Hobbygärtner

Hobbygärtner nennen sie uns etwas verächtlich und sie liegen damit ja nicht vollkommen falsch. Wir sind keine Profis, werden es nie sein und wollen es auch nicht sein. Dennoch stört mich die Bezeichnung „Hobbygärtner“, denn wir machen uns die Finger ja nicht bloss schmutzig, weil uns sonst langweilig wäre. Wenn wir in der Erde buddeln, verfolgen wir weitaus höhere Ziele.

Wir wollen, dass unsere Kinder miterleben, wie aus winzigen Samen etwas Grossartiges wird, sei es nun essbar oder „nur“ schön. Wir wollen die Gewissheit, alles in unserer Macht stehende getan zu haben, um Nahrungsmittel auf unsere Teller zu bringen, von denen wir wissen, woher sie kommen und wie sie aufgewachsen sind. Unsere Gärten sollen ein Festbankett für Schmetterlinge, Bienen, Hummeln und anderes Getier sein, unser Gemüse soll sich ernähren von dem, was auf dem Komposthaufen verrottet ist. Unsere Bäume sollen nicht nur Obst tragen, sondern auch unseren Kindern als Klettergerüst dienen – wenn die Zweige nicht gerade voller Blüten oder voller Obst sind. Wir wollen Gemüsesorten ziehen, die man nicht in jedem Laden kaufen kann und die Schnecken halten wir lieber mit Blumen – oder notfalls mit Salz – von diesem Gemüse fern. Wir wollen Gärten, in denen man nicht lange still sitzen kann, weil es immer etwas zu beobachten gibt, vielleicht auch etwas zu jäten oder zu ernten. Wir wollen nicht perfekte Schönheit, sondern buntes, abwechslungsreiches Leben.

Wie? Das klingt euch alles etwas zu idyllisch? Das kann ich leider nicht verhindern. Wir sind nämlich keine Hobbygärtner, sondern Garten-Idealisten.

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7 Kommentare zu “Wir sind doch keine Hobbygärtner

  1. Genau SO soll es sein. Unsere Himbeeren, Stachelbeeren, Johannisbeeren & co finden erst gar nicht den Weg in unsere Küche. Sie werden direkt am Busch verzehrt, noch leicht warm von der Sonne. Das war übrigens für mich als Kind schon leckerste Erlebnis im Sommer. Schön, wenn man so etwas weitergeben kann.

  2. Du hast das wieder einmal wunderbar auf den Punkt gebracht.
    Ich freue mich, wenn die Kinder und ihre Freunde wie Heuschreckenschwärme über die reifen Beeren herfallen.
    Auch wenns dann weniger Ernte gibt, es ist wunderbar sich sonnenwarmes direkt in den Mund zu stecken.
    Es sind meine Kindheitserrinnerungen, die nun zu ihren werden.
    Lg Carmen

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