Die Sache mit dem Idealismus

Menschen, die ähnlich ticken wie ich – links, christlich und durch und durch idealistisch -, tun eine Sache nie nur um des Geldes Willen, zumindest ein Anflug von einem höheren Sinn muss da einfach sein. „Es geht mir nicht ums Geld“, sagen wir sofort, wenn jemand fragt, ob wir für das, was wir tun, auch bezahlt werden. Weil es uns nicht ums Geld geht, warten wir geduldig, bis der Empfänger unserer Dienstleistung sich bequemt, den im Vornherein vereinbaren Preis – den wir natürlich so tief wie möglich angesetzt haben, weil es uns nicht ums Geld geht – zu bezahlen. Falls wir uns dann doch dazu gezwungen sehen, den anderen daran zu erinnern, dass die gute Tat, die wir geleistet haben, etwas kostet, dann fühlen wir uns richtig schlecht und geldgierig. Am Ende könnte man noch glauben, wir hätten nur den schnöden Mammon im Sinn, dabei verfolgen wir doch ein viel höheres Ziel: Eine bessere Welt.

Menschen wie ich brauchen sehr, sehr lange, um zu erkennen, dass sich das, was auf unseren Tisch kommen soll und auch all der andere Krempel, der zum Leben auf dieser Welt – deren Rettung uns noch immer nicht gelungen ist – gehört, einzig und allein mit Geld bezahlen lässt. Klar mögen wir dieses Geld nicht,  viel lieber wäre es uns, alle Menschen würden sich so sehr lieb haben, dass sie einander alles aus lauter Güte schenken. Leider aber bewegt sich die Menschheit in eine etwas andere Richtung und der Krempel, der zum Leben gehört, verschlingt immer mehr Geld, obschon man nicht mehr bekommt. 

Seitdem ich das endlich begriffen habe, fällt es mir leichter, mit einer Haltung, die sich wie Nachdruck anfühlt (normale Menschen würden es wohl schüchternes Nachhaken nennen), das Geld einzufordern, das uns laut Vertrag zusteht, zumindest solange derjenige, der uns etwas schuldig ist, kein armer Kerl ist, der ganz dringend unserer Hilfe bedarf. Inzwischen bin ich sogar soweit, insgeheim kein Verständnis mehr für „Oh, das habe ich vergessen. Mache es gleich nächste Woche“ mehr aufzubringen. 

Nein, es darf auf keinen Fall nur ums Geld gehen, aber puren Idealismus akzeptieren sie nicht mal im Brockenhaus als Zahlungsmittel.

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