Wer ist hier eigentlich der Teenager?

Sonntagmorgen, Viertel vor acht, die Tür zu unserem Schlafzimmer wird aufgerissen.

Teenager, sehr aufgebracht: „Ihr habt versprochen, dass wir heute in die Kirche gehen und jetzt bleibt ihr wieder einfach liegen.“

Ich, sehr schlaftrunken: „Himmel, es ist Viertel vor acht, der Gottesdienst beginnt um halb zehn, also lass mich gefälligst noch etwas schlafen. Ich bin müde.“

Teenager, etwas friedlicher: „Oh, okay, dann geh‘ ich zurück ins Bett. Aber wir gehen ganz bestimmt, versprochen?“

Sonntagmorgen, 11 Uhr, der Gottesdienst ist soeben zu Ende, ich befinde mich im Landeanflug zurück auf die Erde, der Teenager kommt auf die Empore, wo ich sitze, weil wir mal wieder spät dran waren.

Teenager, hoffnungsfroh: „Mama, essen wir hier?“

Ich, bestimmt: „Nein, wir gehen nach Hause. Nach dem Fest gestern mag ich nicht schon wieder unter die Leute gehen.“

Teenager, eingeschnappt: „Nie essen wir hier. Immer können alle anderen bleiben, nur wir gehen immer gleich nach Hause. Du bist soooooo unfair.“

Ich, aufgebracht: „Nun keif mich nicht gleich so an. Du kannst ja bleiben und dann mit dem Bus nach Hause kommen.“

Teenager, bockig: „Nein, ich komme jetzt nach Hause. Du verdirbst mir immer alles…“

Ich: „Nun hab dich doch nicht so. Warum kannst du nicht mit den anderen Teenies essen und ich gehe nach Hause, um mich auszuruhen?“

Teenager, noch immer bockig: „Und dann muss ich mein Essen selber bezahlen?“

Ich, noch immer leicht entnervt: „Nein, natürlich nicht. Die sechs Franken gebe ich dir gerne. Aber müssen wir immer aus allem eine Staatsaffäre machen? Man könnte meinen, mit mir könne man nicht verhandeln. Dabei reicht es doch, wenn du mich anständig um etwas bi….“

Ach, was rede ich mir noch den Mund fusselig? Der Teenager ist längst weg, um mit den anderen essen zu gehen und ich kann mit einer anderen Teengager-Mama darüber klönen, wie elend es doch ist, dass diese Halbwüchsigen immer Streit suchen, wo man doch selber gar nicht auf Streit aus ist und nur zu gerne zum Nachgeben bereit wäre, wenn sie begründen könnten, warum sie nicht wollen, wie ich will. 

Und nein, ich habe diese Episode nicht geträumt. Es war wirklich so, dass der Teenager in die Kirche wollte und ich viel lieber liegen geblieben wäre.

Aber ich verrate nicht, welcher Teenager es war, sonst geht das Gekeife schon wieder los. 

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2 Kommentare zu “Wer ist hier eigentlich der Teenager?

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