Liebe Miteltern

Können wir bitte endlich wieder ehrlich sein miteinander? Einfach damit aufhören, so zu tun, als hätten wir fehlerlosen Wesen das Leben geschenkt? Ja, sie sind toll unsere Kinder, sie versetzen uns immer wieder in Staunen mit ihren einzigartigen Fähigkeiten. Immer mal wieder geben sie uns guten Grund, stolz auf sie zu sein. Unser Herz möchte zerspringen vor lauter Liebe, wenn wir sie anschauen. Es ist ein unbezahlbares Privileg, sie beim Aufwachsen begleiten zu dürfen. 

Aber Himmel, es gibt doch auch eine andere Seite. Die Momente, in denen wir im Boden versinken könnten vor lauter Scham. Die Tage, an denen sie uns so lange reizen, bis wir platzen möchten vor lauter Wut. Die Lebensphase, in der sie so leise wie nur immer möglich sind, um das riesige, wunderbare Potential, das in ihnen schlummert, nicht aufzuwecken. 

Liebe Miteltern, mich dünkt, wir hätten offener miteinander reden können, als sie noch klein waren. Damals hinderte uns die abgrundtiefe Übermüdung daran, einander ein Theater vorzuspielen. Wir konnten gar nicht anders, als hin und wieder laut und tief zu seufzen. Heute aber, wo wir alle wieder besser schlafen, achten wir sorgsam darauf, dass nur noch das Lobenswerte nach aussen dringt. Die tiefen Seufzer aber… na ja, ich weiss gar nicht so recht, ob die bei euch noch vorkommen. Bei mir gehören sie weiterhin zum Alltag, genauso wie die Momente des puren Glücks, aber wenn ich euch so zuhöre, komme ich mir manchmal vor, als sei ich die Einzige, die unvollkommenen – und trotzdem wunderbaren – Menschen das Leben geschenkt hat.

un; prettyvenditti.jetzt

un; prettyvenditti.jetzt

6 Kommentare zu “Liebe Miteltern

  1. Gerade einen ermüdenden Streitschlichtervormittag hinter mir. Und gestern nachmittag auf der Halloweenfete waren unsere die einzigen kids, die sich geprügelt haben. Versuchte selbstredemd unsere Vollkommenheit mit geplanter Vampiraggression zu retten. War nicht sooo glaubwürdig. Unvollkommene Grüße…

  2. Ein wichtiges Thema, dass Du da ansprichst. Ich bin sogar der Meinung, dass die große Unehrlichkeit bei den heutigen Müttern schon kurz nach der Geburt beginnt (aus Unsicherheit, begründet durch die massive Überforderung durch die gesellschaftlichen Anforderungen an Mütter) und … nach Deinen Schilderungen dann wohl vermutlich auch nicht aufhört. Wie schade! Wie unwohl fühle ich mich in einer Welt, in der mir fast alle um mich herum permanent etwas vorspielen.

  3. Du sprichst mir aus dem Herzen – manchmal habe ich das Gefühl, nur ich schaue meine Kinder auch einmal mit einem kritischen Blick an. Und dann kommt sofort das schlechte Gewissen, weil ich ja diejenige sein sollte, die alles nur toll findet, was sie machen…Wenn sie mich an den Rand bringen – vor allem die eine – und ich das erzähle, dann kommen doch auch andere aus der Reserve und erzählen von ihrem Frust – immerhin. Danke für Deine ehrlichen Geschichten – das Bild der Ritterruine hätte ich aber allzu gerne gesehen 😉

  4. … anderen vorzuspielen, dass ich perfekte Kinder habe, habe ich schon lange aufgegeben. Hat mich doch gerade unsere Älteste (mittlerweile 18) oft genug an den Rand des Wahnsinns gebracht. ABER: das will keiner hören. Da schweigen die Anderen plötzlich betreten und haben auf einmal ganz wichtige andere Themen zu bequatschen oder wichtige Termine…… Manche schauen mich erstaunt an und ich merke, wie ihnen die Kinnlade runter fällt…. Manche sind mit meiner Offenheit (für die ich eine Weile brauchte, sie zu entwickeln) schlicht weg überfordert. So etwas will man nicht hören. ABER: es gehört zum Eltern sein, wie auch die schönen Seiten. Und ehrlich: egal wie alt die Kids sind, am friedlichsten sind und bleiben sie, wenn sie schlafen 😉

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