Und wieder einmal sagt das Leben, dass es jetzt reicht mit Rasen auf der Überholspur. Alles, was es dazu braucht, ist eine winzige, stark entzündete Dellwarze am Bein des Zoowärters und schon weisst du, dass es zwecklos ist, die Tage im Voraus zu planen. Heute also eine Nacht im Spital mit einem überglücklichen Zoowärter, der nun endlich auch mitreden kann, wenn die Grossen von ihren Krankenhaus-Abenteuern berichten. Morgen dann der verzweifelte Versuch, das Familienleben vom Spitalzimmer aus zu managen, aber auch der Genuss, dass das Leben hier drinnen für unsereinen weit beschaulicher ist als draussen. (Ich habe wohl am Wochenende ein bisschen zu laut geseufzt, dass ich gerne mal wieder dabei zusehen möchte, wie andere für mich die Arbeit machen.) Obendrein natürlich das bange Hoffen, dass alles ohne Komplikationen verheilt, gemischt mit der Dankbarkeit, dass wir gerade noch rechtzeitig erkannt haben, dass unser Kind medizinische Hilfe braucht.
Archiv des Autors: Tamar
Sans complexe
Vor einiger Zeit habe ich mir die perfekte Unterwäsche gekauft, perfekter Sitz, schön, bequem und im Preis so stark reduziert, dass mir für einmal das Geld für Kleidung, die kaum einer je zu sehen bekommt, nicht zu schade war. Bis heute Morgen war ich äusserst zufrieden mit meinem Kauf. Dann aber las ich, was auf dem Elast geschrieben steht und schon fing es in meinem Kopf zu rotieren an: „Sans complexe“ steht da nämlich ganz dezent Ton in Ton eingewebt.
Ich soll also bitte sehr keine Komplexe haben, wenn ich diese Unterwäsche trage. Oh ja, ich weiss, man will mich mit dieser Aufforderung dazu ermutigen, meinen Körper so zu akzeptieren wie er ist. Aber natürlich löst das in mir genau das Gegenteil aus. „Ach so, die finden, dass Frauen wie ich von Komplexen geplagt sein könnten. Na, dann wird wohl was dran sein. Lass mich mal sehen, was müsste denn alles anders sein an mir, damit man mir nicht gut zureden müsste…“ Und schon befinde ich mich mitten im schönsten Gejammer über alles, was nicht so ist, wie es dem gängigen Schönheitsideal entspricht. Also auf dem besten Weg, mir einen netten kleinen Komplex zuzulegen.
Das läuft bei mir immer so. „Kann ich so aus dem Haus gehen?“, frage ich „Meinen“ jeweils, wenn ich einen wichtigen Termin vor mir habe. „Aber natürlich kannst du das“, gibt er meist zur Antwort. „Es passt alles perfekt zusammen, du siehst richtig gut aus. Willst du dir nicht noch eine Blume ins Haar stecken oder eine Halskette tragen?“ Ich weiss nicht, was andere Frauen in einem solchen Moment hören, ich weiss nur, was ich höre, nämlich: „Nun ja, wie eine Vogelscheuche siehst du nicht gerade aus, aber offen gestanden würde ich mich schämen, so aus dem Haus zu gehen. Vielleicht kannst du ja mit ein paar netten Accessoires die schlimmsten Mängel kaschieren, aber ich denke, in einem Kartoffelsack würdest du besser aussehen als in dem Fetzen, für den du dich entschieden hast.“ Und schon reisse ich mir verzweifelt die Kleider vom Leib und stimme ein Wehklagen über meinen leeren Kleiderschrank und meinen vollen Vorratsschrank, der mich immer wieder zum Naschen verleitet, an. Schlimmer kann die Sache nur noch werden, wenn „Meiner“ dann bemerkt, ich hätte immerhin fünf Kinder geboren und da sei es doch ganz normal, dass der Körper sich verändert. Dreimal raten, was ich bei dieser Bemerkung zwischen die Zeilen hinein interpretiere…
So funktioniere ich und deswegen wäre ich äusserst dankbar gewesen, wenn der Designer meiner Unterwäsche dieses blöde „Sans complexe“ weggelassen hätte.
Gesangsentzug
Seit Jahren schon singe ich das Prinzchen in Schlaf und irgendwann hat der Zoowärter festgestellt, dass er Schlaflieder der Gutenachtgeschichte vorzieht und so singe ich eben für beide. Und geniesse es, denn das allabendliche Singen beruhigt nicht nur unsere zwei Jüngsten, sondern auch mich. Nach zwei bis drei Liedern bin ich so entspannt, dass ich den Zoff mit den Kindern, den Stress bei der Arbeit und den Schmutz in der Küche mit ganz anderen Augen sehen kann. Hin und wieder geschieht es gar, dass den zwei Strolchen beim Singen die Augen zufallen und dann ist mein Glück perfekt. Gibt es einen schöneren Anblick, als ein friedlich schlafendes Kind? Für mich nicht und darum graut mir vor dem Abend, an dem Zoowärter und Prinzchen ohne meinen Gesang einschlafen wollen. Wem soll ich dann noch singen?
Nun scheint der Zoowärter gespürt zu haben, dass das gemeinsame Singen für mich ebenso wichtig ist wie für ihn und seinen kleinen Bruder. Beinahe zur gleichen Zeit hat er ausserdem erkannt, dass seine Mama zuweilen ein sehr unfaires, stures Weib ist, das einfach nicht ja sagen will zu einem zweiten Eis, einer weiteren Fahrt auf dem Karussell oder zu einem kurzen Film. Da nützen weder trotzen noch schreien und so fährt der Zoowärter eben das härteste Geschütz auf, das er zur Verfügung hat: „Wenn du nicht ja sagst, dann darfst du am Abend nie mehr bei mir aufs Bett sitzen und Lieder singen!“
Ich gebe trotzdem nicht nach, denn ich weiss sehr genau, dass er am Abend wieder betteln wird, ich möchte ihm „nur noch ein einziges Mal und dann schlafe ich“ das Lied vom Nilpferd singen.
Bloss wie lange noch, das ist die Frage, die mich quält, wenn er mir wieder mit Gesangsentzug droht.
Es bereitet mir Bauchweh…
…wenn mir die Kinder erzählen, dass Deutsche Mitschüler fertiggemacht werden, weil sie sich wünschen, dass Deutschland Europameister wird. Wie das wohl morgen auf dem Pausenplatz zugehen wird?
…wenn viele meiner Landsleute mehr Mitgefühl aufbringen für ein Schlagersternchen, das sitzengelassen wurde, als für Asylsuchende, die nach dem Willen des Nationalrates mit nur noch acht Franken am Tag auskommen sollen.
…wenn immer öfter Unsägliches laut ausgesprochen und in Leserbriefen veröffentlicht wird. Was man vor zehn Jahren noch nicht zu denken gewagt hätte, äussert man heute ohne zu erröten und mit grosser Lust an der Provokation.
…wenn viele Schweizer nur noch darauf bedacht sind, eine dicke Butterschicht auf dem eigenen Brot zu haben und dabei nicht bemerken, dass längst nicht mehr jeder in Europa überhaupt Brot hat.
…wenn ich sogar von Pensionierten schräg angesehen werde, weil ich kein GPS besitze. Darf man sich denn heute nicht mehr verfahren?
…wenn die Strassen voller Baustellen sind. Nicht, weil deswegen der Verkehr stockt, sondern weil daran ganz klar sichtbar wird, wo die Prioritäten liegen. Nämlich ganz bestimmt nicht im Umweltschutz.
…wenn ich Tag für Tag neue Dinge entdecke, die mir Bauchweh bereiten.
Wie soll ich ihm das bloss beibringen?
Als Spanien vor vier Jahren Deutschland schlug und Europameister wurde, brach er in Tränen aus. Er konnte es einfach nicht ertragen, dass seine Lieblingsmannschaft den Pokal nicht bekam. Inzwischen ist er doppelt so alt wie damals und nimmt den Fussball noch viel ernster. Deutschland interessiert ihn zwar nicht mehr, aber dass seine Lieblingsmannschaft einfach siegen muss, steht für ihn nicht zur Debatte.
Zu dumm nur, dass seine Lieblingsmannschaft heute Abend ausgeschieden ist. Und einmal mehr werde ich diejenige sein, die ihm die schlechte Nachricht überbringen muss. Ihm zuliebe habe ich mir das Spiel bis zum bitteren Ende angeschaut. Damit ich ihm zumindest sagen kann, dass „seine“ Portugiesen erst in allerletzter Sekunde das Nachsehen hatten. Vielleicht wird ihn das ein wenig über sein Leid hinwegtrösten, aber er wird es auch so noch schwer genug nehmen. Und ich ahne, dass wie in alten Zeiten die Überbringerin der schlechten Nachricht für den Inhalt verantwortlich gemacht und bestraft wird. Köpfen lassen kann er mich nicht, aber er könnte zum Beispiel in der Enttäuschung ein Glas zerschlagen. Oder sich in seiner Trauer weigern, zur Schule zu gehen. Oder seine Geschwister vermöbeln, weil er gerade keinen Spanier in Griffweite hat.
Ich weiss nicht, wie seine Reaktion ausfallen wird, aber einfach wird es nicht. Und darum graut mir vor dem Moment, in dem ich dem FeuerwehrRitterRömerPiraten eröffnen muss, dass er einmal mehr mit der falschen Mannschaft gefiebert hat.
Wer spinnt denn da?
In einem Anflug von Übermut habe ich vor einiger Zeit beschlossen, endlich meinen überschüssigen Kilos den Kampf anzusagen – man könnte natürlich auch sagen, dass es pure Verzweiflung war, weil ich mein eigenes Spiegelbild nicht mehr erkannte. Wie auch immer, mein Spiegelbild versetzte mir einen kräftigen Tritt in den Hintern und seither führe ich artig Tagebuch über meine tägliche Lebensmittelzufuhr. Ich lasse das Cornet links liegen und nehme stattdessen das Sorbet, gebe mir grosse Mühe, keinen Nachschlag zu schöpfen, die Chips hat „Meiner“ auf dem gestrigen Abendspaziergang ganz alleine verzehrt und ich renne mit viel mehr Schwung als gewöhnlich die Treppe hoch. Ich habe gar allen Ernstes daran gedacht, mich demnächst auf den Hometrainer zu schwingen und allein dieser Gedanke hat bestimmt ein ganzes Kilo Hüftspeck zum Schmelzen gebracht.
Das alles zeigt erste Erfolge: Die Kleider sitzen nicht mehr ganz so eng, die Fingerringe ebenfalls und im Spiegel meine ich eine alte Bekannte zu erkennen, wenn ich ganz genau hinsehe. Also ziemlich ermutigend, wenn nicht die Sache mit der Waage wäre. Die weigert sich nämlich standhaft, meinen Erfolg zu würdigen. Zuerst einmal bewegte sich der Zeiger gar nicht und nun seit einiger Zeit von Woche zu Woche um einen oder zwei Striche weiter – nur leider in die falsche Richtung. Nein, es kann nicht an der berühmten „Zunahme der Muskelmasse“ liegen, denn exzessiven Sport habe ich nicht betrieben. Es kann aber auch nicht sein, dass ich zugenommen habe, denn sonst würden die Kleider ja nicht weiter, sondern enger sitzen.
Es gibt nur eine Erklärung für das, was hier geschieht: Die Waage muss kaputt sein. Für dieses Problem gibt es eine simple Lösung, ich weiss. Nur fürchte ich mich davor, eine neue Waage zu kaufen. Was aber, wenn sie den gleichen Tick hat wie die Alte? Dann müsste ich mir am Ende eingestehen, dass nicht die Waage kaputt war, sondern meine Wahrnehmung.
Neue Freiheiten
Abends, wenn die Jüngsten schlafen, wenn es in der oberen Etage allmählich stiller wird und es draussen noch hell ist, dann packt uns dieser unbändige Freiheitsdrang. So viele Dinge, die man anstellen könnte. Ein zweites Eis essen, obschon offiziell nur eines pro Tag erlaubt ist. Einen Kaffee mit Sahnehäubchen trinken. Vielleicht einen Film schauen, der erst ab zwölf Jahren freigegeben ist. Oder gar an einem Glas Kamillenwein nippen.
Wenn die Kinder erst mal wegschauen, sind die Möglichkeiten nahezu unbegrenzt und heute haben wir mal etwas ganz Grosses gewagt: Einen Abendspaziergang. Natürlich haben wir zuerst die Kinder, die noch wach waren, um Erlaubnis gefragt – notfalls wäre ja noch die Grossmama im Haus-, dann aber haben wir so richtig die Sau rausgelassen. Wir überquerten die Strasse zehn Meter neben dem Fussgängerstreifen, besorgten an der Tankstelle Chips und „Meiner“ rief den Schwänen im Park eine wüste Beleidigung zu, weil er diese Tiere aus mir vollkommen unverständlichen Gründen nicht ausstehen kann. Am Ende – und jetzt haltet euch bitte fest – wagten wir es gar, Händchen zu halten. Wenn das unsere Kinder gesehen hätten. Die hätten sich sofort dazwischen gedrängt.
Wie so oft, wenn man die ganz grosse Freiheit geniesst, vergassen „Meiner“ und ich die Zeit und so kamen wir nicht wie vorgesehen nach dreissig Minuten nach Hause, sondern erst nach sechzig. Und so, wie einen früher eine erboste Mutter in Empfang nahm, wenn man mal über die Stränge gehauen hatte, so stand heute Karlsson an der Tür und hielt uns eine Standpauke. So richtig frei ist man eben nie in diesem Leben.
Auf zur zweiten Runde
Das Prinzchen ist noch nie mit einer Seilbahn auf einen Berg gefahren, der Zoowärter schon, aber er kann sich nicht mehr daran erinnern. Familienhotels, Restaurantbesuche, spontane Ausflüge ins Wellness-Bad, das alles kennen sie nicht, denn mit fünf Kindern gehen solche Dinge ganz schön ins Geld. Die Schlösser und Burgen in der Region kennen sie nur vom Hörensagen, im Zirkus waren sie noch nie und ein Zoobesuch ist noch ein Attraktion, weil sie so selten dort waren. Sie wissen nur ansatzweise, woher die kleinen Kinder kommen, weil sie keine Erklärung brauchten, weshalb Mamas Bauch plötzlich so rund ist. Die grossen Fragen des Lebens bekommen sie oft von den grossen Geschwistern beantwortet und das klingt dann so: „Ja, wisst ihr denn nicht, dass euch der Storch gebracht hat? Mama und Papa mögen euch zwar etwas anderes erzählt haben, aber das stimmt nicht. Wir waren dabei, es war alles ganz anders…“
Keine Frage, unsere zwei Jüngsten wachsen anders auf als unsere drei älteren Kinder. Für gewisse Dinge sind wir Eltern zu bequem geworden, einiges erklären wir nicht mehr, weil wir unbewusst denken, was die Grossen wissen, wüssten auch die Kleinen, anderes haben wir schon so oft getan, dass uns gar nicht mehr auffällt, dass die beiden Jüngsten noch nie dabei waren und manchmal wissen wir schlicht nicht, woher wir das Geld nehmen sollten, wollten wir allen Kindern das bieten, was wir uns noch leisten konnten, als unsere Familie noch kleiner war.
Wir machen das nicht bewusst so, es geschieht wohl einfach, wenn man mehrere Kinder hat. Dennoch haben wir uns fest vorgenommen, dass wir in diesem Sommer, wenn die drei Grossen im Ferienlager sind, einige der Lücken schliessen wollen. Wir müssen dem Zoowärter und dem Prinzchen nur noch einbleuen, dass sie ihren grossen Geschwistern nichts davon erzählen. Bekommen die drei nämlich Wind von der Sache, dann wird der Protest gross sein. „Mit uns habt ihr sowas nie gemacht. Wir mussten immer nur aufräumen!“, werden sie jammern. Denn natürlich haben sie schon längst vergessen, was wir alles mit ihnen unternommen haben. Sie waren ja noch so klein damals…
Tu das nicht wieder!
Ja, Luise, du kannst ganz toll klettern. Du bist auch unglaublich mutig, viel mutiger, als die meisten von uns. Hindernisse siehst du als Herausforderung und du bist auch durchaus dazu bereit, Unannehmlichkeiten auf dich zu nehmen, wenn du etwas erreichen willst. Tolle Eigenschaften, mein Kind. Aber musst du sie ausgerechnet unter Beweis stellen, indem du an der Dachrinne zu unserem Balkon im zweiten Stock hochkletterst, weil wir uns mal wieder ausgeschlossen haben?
Klar, du wolltest nur, dass wir alle endlich aufs WC und ins Bett gehen können, aber konntest du dir nicht denken, dass mir das Herz fast stillstehen würde, wenn ich dich da oben klettern sehe? Ich darf mir ja gar nicht ausdenken, was geschehen wäre, wenn du den Halt verloren hättest. Und das mit den Kletterstunden kannst du dir für die nächsten Jahre abschminken. Ich glaube, da warten wir lieber, bis deine Vernunft gleich gross ist wie dein Können.
Noch etwas anderes beunruhigt mich an dieser ganzen Geschichte: Bis heute Abend hatte ich mich in der illusorischen Sicherheit gewiegt, dass wir dereinst, wenn du grösser und für Jungs interessanter bist, vor nächtlichen Besuchern, die durchs Fenster klettern, verschont bleiben würden. Noch etwas, worüber ich mir Sorgen machen kann…
Fussballgespräch
Karlsson: „Ihr könnt das Spiel ohne mich schauen. Ich spiele nebenan ein Computerspiel.“
FeuerwehrRitterRömerPirat: „Warum tragen die Portugiesen heute weiss?“
Luise: „Weil sie doof sind. Die Tschechen müssen siegen.“
Karlsson (aus dem Nebenraum): „Weiss geht gar nicht. Ich schicke denen mal einen Schneider vorbei, damit die anständige Kleider bekommen. Keinen Stil haben sie, diese Fussballer…“
FeuerwehrRitterRömerPirat: „Los, Ronaldo, schiess ein Tor!“
Luise: „Immer dieser blöde Ronaldo. Mama, findest du Ronaldo cool?“
Mama: „Nein, nicht mein Typ, zu schleimig.“
Luise: „Finde ich auch.“
Mama: „Habt ihr dieses fiese Foul gesehen? Können die denn nicht anständig sein miteinander?“
Karlsson (aus dem Nebenraum): „Was haben sie gemacht?“
FeuerwehrRitterRömerPirat: „Der Tscheche hat den Portugiesen gefoult.“
Luise: „Nein, der Portugiese den Tschechen.“
FeuerwehrRitterRömerPirat: „Sooooo fies! Hast du das gesehen, Mama?“
Karlsson (aus dem Nebenraum): „Was haben sie gemacht?“
Mama: „Die Portugiesen haben ins Tor getroffen, aber es zählt nicht. Frag mich bloss nicht, weshalb…“
Karlsson (aus dem Nebenraum): „Fussball ist doof.“
FeuerwehrRitterRömerPirat: „Fussball ist toll. Mama, schau!“
Karlsson (aus dem Nebenraum): „Was haben sie gemacht?“
Luise: „Die blöden Portugiesen hätten fast ein Tor geschossen, aber die Tschechen sind besser. Mama, bist du für die Portugiesen oder für die Tschechen?“
Mama: „Ich weiss nicht so recht. Wohl eher für die Portugiesen, damit der FeuerwehrRitterRömerPirat nicht traurig ist.“
Luise: „Nein, weil dir Ronaldo gefällt.“
Mama: „Ich bitte dich, der könnte ja mein Sohn sein.“
Karlsson (aus dem Nebenzimmer): „Ja, wenn du mit elf das erste Kind bekommen hättest. Was haben sie gemacht?“
Mama: „Hör mal, Karlsson, wenn du wissen willst, was sie machen, dann setz dich zu uns. Wir wollen dir nicht immer alles erklären.“
Karlsson: „Nein, Fussball ist doof. Warum schreist du, Luise? Was haben sie gemacht?“
Luise: „Die blöden Portugiesen hätten fast ein Tor geschossen.“
FeuerwehrRitterRömerPirat: „Hopp, Portugal! Mama, warum trägt der Tschechen-Goalie einen Helm?“
Mama: „Reich mir mal das iPad, ich schaue bei Wikipedia nach. Hmm, lass mich mal sehen. Der Kerl hat Jahrgang 82. Das sind ja alles noch Kinder. 1982 war ich in der zweiten Klasse…“
FeuerwehrRitterRömerPirat: „Aber warum trägt der Goalie einen Helm?“
Mama: „Ach so, ja. Der hatte mal einen … Habt ihr das gesehen? So unfair!“
Karlsson (aus dem Nebenzimmer): „Was haben sie gemacht?“
Mama, Luise und FeuerwehrRitterRömerPirat: „Wenn du wissen willst, was sie machen, dann komm zu uns…“
Karlsson: „Fussball ist doof. Wo kann ich mich hinsetzen?“
FeuerwehrRitterRömerPirat: „Haben wir Popcorn?“
Mama: „Nein, haben wir nicht. Iss einen Pfirsich.“
Karlsson: „Vor vierzig Jahren hätte man sich dieses Spiel in schwarz-weiss angesehen….“
Mama: „Ja, daran kann ich mich noch erinnern, damals, als meine Eltern während der WM jeweils einen Fernseher mieteten…“
FeuerwehrRitterRömerPirat: „Tor! Portugal wird gewinnen!“
Mama: „Super!“
Luise: „Mama, bist du wirklich für Portugal?“
Mama: „Nein, aber die haben sich doch Mühe gegeben.“
Luise: „Wäre es möglich, dass die Tschechen jetzt noch fünf Tore schiessen? Oder werden die Portugiesen jetzt Weltmeister?“
FeuerwehrRitterRömerPirat:“Die Tschechen schiessen bestimmt kein Tor mehr. Die Portugiesen sind besser und Ronaldo ist der Beste!“
Luise: „Immer dieser blöde Ronaldo… Aber sag jetzt, Mama, werden die Portugiesen jetzt Weltmeister?“
Mama: „Luise, das hier ist nicht die WM, das ist die EM. Bei der EM gibt es keinen Weltmeister.“
Karlsson: „Alles vollkommen stillos. Mama, darf ich nach dem Spiel noch Geige üben?“
Mama: „Ganz bestimmt nicht mehr. Es reicht schon, dass ihr so lange aufbleiben durftet. Nach dem Abpfiff verschwindet ihr augenblicklich in euren Zimmern.“
Karlsson: „Nie darf ich Geige üben. Fussball schauen, das geht, aber Geige üben…“
Mama: „Na hör mal, der FeuerwehrRitterRömerPirat ist der Einzige in der Familie, der sich für Sport begeistert. Er darf doch auch mal seinen Spass haben.“
FeuerwehrRitterRömerPirat: „Hä, schon fertig? Haben die Portugiesen jetzt gewonnen?“
Mama: „Ja haben sie.“
Luise: „Nein, haben sie nicht. Diese doofen Portugiesen.“
Karlsson: „Fussball ist doof. Nein, Mama, noch nicht ausschalten, ich will schauen, ob sie am Ende wirklich ihre hässlichen T-Shirts tauschen.“





