Intelligenzbestien beim Einkauf

Sie sind zu dritt unterwegs. Mama, Papa und Baby. Der Zufall will es, dass sie kurz nach uns die Kasse erreichen, was sie aber nicht daran hindert, sich vorzudrängen. Ich nehme es hin, denn wer mit einem Baby unterwegs ist, hat Vorrang. Immer. Auch dann, wenn das Baby zufrieden auf einer halben Baguette kaut, während sich unsere Fünf nach einem anstrengenden Homeschooling-Tag aufführen wie eine Horde ausgehungerter Vandalen.

Nun, wie auch immer, warten müssen wir alle, denn vorne an der Kasse hat einer ein Problem mit der Karte. Zeit also, um den Inhalt des Einkaufswagens zu überprüfen. Wir, um festzustellen, ob wir etwas vergessen haben, sie, um auszumustern, was sie nicht benötigten. Eine Familienpackung tiefgekühlte Hamburger wird als überzählig erkannt und muss den Einkaufswagen verlassen. Nun ist es aber leider so, dass es zum Tiefkühler, wo die Hamburger sich gerne aufhalten, wenn sie nicht gekauft werden, mindestens zwanzig, vielleicht gar dreissig Schritte wären und wenn man schon so lange durch den Laden gelatscht ist, mag man sich sowas nicht mehr antun, das muss man verstehen. Also werden die Hamburger ins Kaugummiregal neben der Kasse ausgesetzt. So ein kleines bisschen Luftveränderung tut doch jedem gut, auch einem Tiefkühlhamburger. 

Einkaufen macht aber nicht nur müde, sondern auch hungrig und die Chips sehen ja so verlockend aus. Also wird die Packung aufgerissen. Nein, nicht vom Kind, das ist noch viel zu klein, um selber eine Tüte aufzureissen. Mama und Papa sind es, die sich mit Chips vollstopfen, währenddem sie ihre Artikel aufs Band legen. Als alles – ausser den Hamburgern – auf dem Band ist, kommt ganz zum Schluss die offene Chipspackung.  Aber wie immer, wenn man sich mal mutig den gängigen Konventionen  widersetzt hat, sitzt da vorne an der Kasse so ein engstirniger Mensch, der davon ausgeht, dass sämtliche Verpackungen, die auf dem Band liegen, unversehrt sind. (Man sollte ja wirklich meinen, inzwischen sei die Menschheit in dieser Hinsicht offener geworden, aber diese Ewiggestrigen halten unbeirrt an solchen alten Zöpfen fest.) Ja, und dann gibt das natürlich eine Riesensauerei, ungehalten schauen Mama und Papa dabei zu, wie die ungeschickte Kassiererin ihren Arbeitsplatz von Chips befreit. Na ja, immerhin hat sie genügend Anstand, sich für das Missgeschick zu entschuldigen.

Wenig später, als endlich wir an der Reihe sind mit Bezahlen, beobachte ich aus den Augenwinkeln, wie Mama und Papa ihren Einkaufszettel ganz genau studieren, um zu überprüfen, ob die Chips auch ordnungsgemäss storniert worden sind. Recht haben sie. Wäre ja wirklich die Höhe, wenn sie das Zeug auch noch bezahlen müssten, wo sie doch nicht mal alles aufessen konnten.  

orange; prettyvenditti.jetzt

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Nichts, einfach nichts

Kein Frühstück im Bett, nicht ein einziges selbst gebasteltes Etwas, das man mit Tränen der Rührung in Empfang nehmen könnte, keine holprigen Gedichte, ja, nicht mal ein Blümchen, das irgend einer in letzter Sekunde im Garten gepflückt hat. Einfach nichts – Muttertag gestrichen. Aber was soll’s? Kein Schwein feiert heute in Frankreich Muttertag, also reibt dir auch keiner unter die Nase, welch grossen Dinge du von diesem Sonntag eigentlich erwarten müsstest, wenn du Kinder geboren hast. Folglich fühlst du dich auch nicht wie der letzte Depp, wenn die Deinen partout nich einsehen wollen, weshalb sie dich für eine Sache feiern sollten, zu der sie nicht das Geringste zu sagen hatten. Herrlich entspannt ist das, so ein Muttertag, den man getrost ignorieren kann. 

Wehe aber, meine Lieben tragen mich in drei Wochen nicht auf Händen. Dann nämlich feiern die Franzosen ihre Mütter und ich bin mir ziemlich sicher, dass sich auch die hiesigen Werbefritzen die eine oder andere Sache einfallen lassen, um einer Mutter das Gefühl zu vermitteln, sie sei ganz furchtbar ungeliebt und vernachlässigt, wenn sie den 31. Mai ganz ohne überteuerte, industriell gefertigte Liebesbeweise überstehen muss. 

  

Lunch Break 

Eigentlich hätte es ja nur ein kurzes Mittagessen werden sollen, eine kleine Pause für Karlsson und mich, die wir den Samstag mit Arbeiten und Büffeln verbrachten, währenddem der Rest der Familie sich in Arles dem süssen Nichtstun hingab. Kurze Mittagessen aber gibt es in Frankreich nicht. Hast du dich mal am Tisch niedergelassen, verliert alles andere seine Wichtigkeit, einzig das Essen zählt noch, auch dann, wenn man sich die Vospeise teilt und beim Dessert kneift. So sassen wir dann, mein Ältester und ich, in lauter vernünftige Gespräche vertieft, die Küche des Südens geniessend. Fast fühlte es sich an, als wären wir zwei Erwachsene, die tun, was man in Frankreich eben so tut über Mittag. 

Gut, dass Karlsson wenig später, als die Geschwister zurück und alle im Pool waren, sich wieder aufführte, wie ein wahrer Teenager, sonst wäre ich glatt wehmütig geworden. 

  

A votre service

Heute Abend ausnahmsweise mal auswärts, gemeinsam mit unseren Gästen (deren Gäste wir sein durften) und einem Prachtstück von einem Kellner. Schon auf dem Trottoir nahm er uns in Empfang. Ob wir diejenigen seien, die für neun Personen reserviert hätten? Dann sollten wir ihm doch bitte ins Haus folgen, die Chefin habe ihn angewiesen, uns drinnen zu platzieren, falls wir mit Verspätung aufkreuzen würden und das sei ja der Fall. Nein, bitte nicht hier lang, sondern dort, es habe hier Menschen, die am Essen seien, da könnten wir nicht einfach so durchmarschieren. Wenig später dann die Bestellung, ellenlang natürlich, bei neun Personen. Als zum Schluss „Meiner“ an der Reihe war, wurde es unserem Kellner zu bunt. Ob er das jetzt wirklich auch noch haben wolle, fragte er „Meinen“. Wir hätten doch schon so viel bestellt, irgend einer müsse das alles ja auch noch essen. Trotz dieser Standpauke hielt „Meiner“ an seiner Bestellung fest, so dass dem guten Mann schliesslich nichts anderes übrig blieb, als der Küche zu melden, er habe die Irren vom Tisch beim Fenster zwar gewarnt, aber die wünschten tatsächlich, all das zu speisen, was er sich notiert habe. Nun gut, das Essen war eher üppig, aber unser Stolz hinderte uns natürlich daran, allzu viele Reste übrig zu lassen. Einzig der FeuerwehrRitterRömerPirat schaffte seine Riesenpizza beim besten Willen nicht, aber der war entschuldigt, litt er doch so an entsetzlichem Sodbrennen, dass er erst wieder mitmachen mochte, als einige von uns noch ein Dessert wünschten. Diesmal hinderte uns unser Kellner nicht daran, mehr zu bestellen, als unserer schlanken Linie gut tut, aber als jemand den „Dessert du Jour“ wünschte, musste er doch noch einmal eingreifen. Das sollten wir nun wirklich besser bleiben lassen, meinte er, denn das Zeug koste satte fünfzehn Euro, dabei bekäme man doch fast das gleiche, wenn man für läppische fünf Euro eine Panna Cotta bestelle. Um unserem Tischdiener zu beweisen, dass wir nicht gänzlich immun sind gegen seine erzieherischen Bemühungen, leisteten wir ihm diesmal Folge und so gingen wir am Ende des Abends doch noch halbwegs versöhnt auseinander. 

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Heimweh?

Und wie steht’s eigentlich mit dem Heimweh? Na ja, so hin und wieder läuft schon mal eins der Kinder mit etwas niedergeschlagenem Blick rum und will wissen, wie lange es denn noch gehe, bis man die Freunde wieder sehe. Hin und wieder der eigene Wunsch, in der Stadt ein bekanntes Gesicht zu sehen, ein paar Worte mit jemandem zu wechseln, vielleicht auch ein Tässchen Tee zu trinken. Nachts kommen die Katzen in die Träume geschlichen – nicht nur in die Träume der Kinder – und hat tagsüber mal ein Büsi das Pech, uns über den Weg zu laufen, sieht es sich von sieben irren Vendittis verfolgt, die ganz dringend mal wieder weiches Fell spüren und zartes Schnurren hören wollen. Gelegentlich auch Unterhaltungen darüber, was man zu Hause anders machen könnte oder was man als erstes tun wird, wenn wir wieder dort sind, wo wir eigentlich hingehören. Und doch manchmal auch eine gewisse innere Distanz zu dem, was wir Heimat nennen. Die Frage, ob man manche Dinge nicht einfach darum als besser empfindet, weil man es von Kind an so kennt. 

Heimweh? Nicht wirklich, aber allmählich so ein Bewusstsein, dass man hier nicht ewig bleiben wird, auch nicht ewig bleiben will.

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Ganz schön (intensiv)

„Und, wie ist das jetzt so, wenn ihr so viel Zeit miteinander verbringt? Schön, nicht wahr?“, so lauten die Fragen von Freunden. Schön? Aber ja, natürlich. Wenn Teenager ganz offen mit Mama und Papa über die wichtigen Fragen des Lebens reden, weil hier keiner ist, vor dem sie cool sein müssen. Wenn bisher unbekannte Fähigkeiten als Licht kommen, die zu Hause, im Alltag, nicht gefragt sind. Wenn Geschwister einander Mut machen, gemeinsam etwas zu wagen. Wenn alte Spiele hervorgekramt und neue Ideen ausgeheckt werden. Wenn einer, der sonst heikel ist, plötzlich Neues kostet und merkt, dass er schmeckt. Wenn sie uns ohne jeglichen Vorwurf den Spiegel vorhalten, manchmal auch über unsere Macken lachen. Dann ist es tatsächlich schön. Wunderschön.

Und ganz schön intensiv. Denn wenn sie dich mal haben, so voll und ganz für sich, dann geniessen sie dich. Auch dann, wenn du mal einen Moment lang alleine sein möchtest. Auch dann, wenn es deiner Meinung nach längst Zeit für Feierabend wäre. Auch dann, wenn du mal ein wenig deinen eigenen Gedanken nachhängen möchtest.

Für einmal ist das ganz in Ordnung so, denn du weisst, dass diese kurzen Wochen eine einmalige Chance sind, ihnen nahe zu sein. Der Stundenplan und die Freunde werden rasch genug wieder die Macht an sich reissen, wenn das hier vorbei ist.  

Eichelhäher

Wann habe ich zum letzen Mal einen Eichelhäher gesehen? Das muss mindestens 22 Jahre her sein. Still sass er damals da, mit glasigen Augen und liess sich seelenruhig von zwanzig eher weniger interessierten Gymnasiasten beobachten. Nun gut, er konnte gar nicht anders, als seelenruhig zu sein, denn der Kerl war mausetot und ausgestopft, aber immerhin war er ein Prachtexemplar. 

Meine vorletzte Begegnung mit einem dieser Vögel liegt noch weiter zurück, schätzungsweise 35 Jahre. Damals teilten wir uns sogar eine Zeit lang ein Zimmer. Er sass auf dem Fenstersims und beobachtete, was meine Geschwister und ich den lieben langen Tag alles anstellten. Oder er hätte zumindest beobachtet, wenn er nicht ebenfalls Glasaugen im Kopf und Füllmaterial im Leib gehabt hätte. Irgendwann flog er dennoch davon, ich vermute, in eine Abfallmulde, nachdem er genügend Kinderzimmerstaub angesammelt hatte. 

Hier also kreuzen sich unsere Wege wieder, aber hier ist er nicht still und glotzäugig, sondern ausgesprochen lebendig. Frühmorgens fliegt er jeweils zwischen den Bäumen hin und her und posiert gelegentlich auf dem Kirschbaum, damit wir seine blauen Federn bewundern können. Weltbewegend? Wohl kaum. Für gewisse Menschen aus dem Schweizer Mittelland, die schon dankbar sein müssen, wenn sie hin und wieder eine Blaumeise oder einen Spatzen zu Gesicht bekommen, aber doch immerhin denkwürdig genug, dass sie sich dazu gedrängt fühlen, einen Blogpost darüber zu schreiben. 

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Theoretisch

Schon als kleines Kind sah ich mir immer und immer wieder einen Bildband zum Thema an. Mehr oder weniger heimlich, weil ich irgendwie ahnte, dass die schrecklichen Bilder nicht für Kinderaugen vorgesehen waren.

Seit ich lesen kann, habe ich immer wieder Bücher darüber gelesen, lese auch heute noch. Biographien, Erlebnisberichte, wissenschaftliche Abhandlungen, Fiktion, auch ein paar Werke, die hitzige Debatten unter Historikern ausgelöst haben.

Am Gymnasium habe ich mal eine Arbeit darüber geschrieben. Auf italienisch, zu einem Aspekt, der nach Meinung des Geschichtslehrers gar keiner war. Eine Meinung, die sich nach ausgiebiger Lektüre als falsch herausstellte, was für mich trotz des traurigen Themas ein Glück war, denn sonst hätte ich noch einmal von vorne anfangen müssen mit meiner Arbeit – die allererste übrigens, die ich am Computer verfasst habe. 

Die Vorlesungen an der Uni waren immer bis auf den allerletzten Platz besetzt, wenn es um diese elenden Jahre der Menschheitsgeschichte ging und als eine, die zur Uni pendelte, musste ich immer sehr früh aufstehen, damit ich mich auch noch irgendwo in die vollen Reihen quetschen konnte. 

Die Artikel zum Thema sind der Hauptgrund, warum ich mir ein vollkommen überteuertes „Spiegel“-Abo auf dem iPad leiste. 

Kein Zweifel, ich weiss ziemlich viel über diese Zeit und doch musste ich heute im Kalender nachschauen, weshalb der 8. Mai in Frankreich ein Feiertag ist. Vermutlich, weil ich aus einem Land stamme, in dem man sich so leicht einreden kann, das Schreckliche, das vor 70 Jahren Gott sei Dank zu Ende gegangen ist, habe sich auf irgend einem fremden Stern abgespielt und darum habe dieser Tag für uns keine allzu grosse Bedeutung. 

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Balsam

Wenn der Kellner im Restaurant findet, wir seien so eine nette Familie,…

Wenn er jedem einzelnen Kind seine Aufmerksamkeit schenkt, obschon wir nur Pizza, Wasser und ein kleines bisschen Dessert bestellen,…

Wenn sein Kollege beim Abschied bemerkt, „Meiner“ sehe aus wie Abramowitsch, sei aber mit seinen vielen Kindern viel reicher als der,…

Wenn der Verkäufer am Glacestsand das Eis zum halben Preis gibt, weil er findet, uns eine Freude zu bereiten bereite ihm auch Freude,…

Wenn die Vermieterin sagt, morgen gehe sie zur Polizei, weil es ihr jetzt reiche mit dieser elenden Nachbarin, die unsere Kinder andauernd anschreit,…

Wenn Sie uns dann auch noch bittet, doch so wie geplant hier zu bleiben, weil unsere Kinder vollkommen in Ordnung seien und auch kein Wort mehr von der Treppe sagt,…

Wenn das alles an einem Tag geschieht, den ich so gegen vier Uhr nachmittags für verloren erklärt hatte,…

…dann ist das Balsam auf meine Seele, die in den letzten zwei Tagen Rotz und Wasser geheult hat, weil sie das Gefühl hatte, die Franzosen hätten uns kein bisschen lieb.    

 

So war das gemeint

Okay, mag sein, dass „Massregelungen“ ein etwas starkes Wort war. Vielleicht hätte ich eher sagen müssen, wir fühlten uns gegängelt, mal sanfter, mal gröber. 

Die sanfte Tour läuft so ab:

Ich gehe mit Luise zum Gemüsehändler, bezahle meine Ware, will einen Teil Luise in die Hände drücken, einen Teil selber tragen, weil es bis zum Auto nur ein paar Schritte sind. Ob ich eine Tasche haben möchte, fragt die Frau an der Kasse. Nein danke, möchte ich nicht. Meine Tochter kann beim Tragen helfen und… weiter komme ich nicht. Ohne Tasche gehe das nicht, unterbricht mich die Verkäuferin. Doch, wirklich, kein Problem, es sind nur ein paar Schritte bis zum… Ach, was rede ich mir den Mund fusselig? Die Bananen sind bereits in einem dieser unmöglichen Plastikbeutel verschwunden, den ich eben nicht hätte haben wollen. 

Oder so:

Es ist heiss, alle Vendittis sind müde und durstig, also suchen wir uns ein nettes Strassencafé aus und schieben ein paar Tische zusammen, damit alle Platz finden. Der Keller findet das grundsätzlich gut, nur müssen in seiner Vorstellung die Tische ein paar Zentimeter weiter links stehen. Keine Ahnung warum, der Durchgang für ihn wird dadurch nicht breiter. Aber es muss so sein, also müssen alle Vendittis noch einmal aufstehen und schieben, bis der Kellner zufrieden ist, dann erst dürfen wir unsere Getränke bestellen.

Die sanfte Tour ist natürlich nicht so schlimm, auch wenn sie ganz schön nerven kann, wenn man ihr mehrmals täglich ausgesetzt ist. Mühsamer wird es, wenn ein erzieherischer Unterton dazu kommt. Zum Beispiel so:

„Meiner“ ist mit vier Kindern am See, er sitzt am Ufer, die Kinder klettern ein wenig auf den nahen Felsen. Eine Gruppe von Spaziergängern kommt vorbei und weist „Meinen“ darauf hin, dass sie das Schuhwerk unserer Kinder zum Klettern vollkommen ungeeignet finden, obschon sie selber nicht viel mehr Profil auf den Sohlen haben. Eine zweite Gruppe stänkert, er sei aber etwas gar weit entfernt von seinen Kindern, eine dritte Gruppe will wissen, ob er denn keine Angst um seine Brut hätte. (Nein, hat er nicht, denn er weiss ziemlich genau, was er ihnen zutrauen kann und was nicht.)

Nun, auch damit kann man leben. Richtig mühsam wird es, wenn man sich in den vier Wänden, die man gemietet hat, nicht mehr frei fühlt. Zum Beispiel darum:

Wie wir bei unserer Ankunft erfahren durften, wohnen wir Wand an Wand mit unserem Vermieter. (Nein, davon war in den Reiseunterlagen nichts zu lesen, sonst hätten wir das Haus nicht gemietet.) Ebenfalls bei unserer Ankunft erfuhren wir, dass wir bitteschön auf der Treppe, die in den oberen Stock führt, etwas leise sein sollen. „Kein Problem“, sagten wir und gaben uns alle erdenkliche Mühe. Zwei Wochen lang ging das gut, dann meinte der Vermieter, das mit der Treppe störe halt schon ein wenig, ob wir nicht vielleicht noch etwas leiser sein könnten. „Na ja, wir werden’s versuchen“, murmelten wir in bestem Wissen, dass ein Mensch des Fliegens mächtig sein müsste, um auf diesen andauernd knarrenden Stufen unhörbar zu sein. Wo er schon dabei sei, meinte der Vermieter, möchte er uns noch bitten, die Türen etwas leiser zu schliessen, das störe auch. Natürlich versprachen wir, unser Bestes zu tun, aber irgendwie wurmte uns die Sache doch. Weder die knarrende Treppe noch die hellhörige Bauweise des Hauses sind unsere Schuld und hätten wir davon gewusst, wären wir nicht hier. 

Spätestens in diesem Fall wünschte ich mir innig, man würde hier auch mal über eine Sache hinwegsehen – so wie ich zum Beispiel darüber hinwegsehe, dass der Hund des Vermieters andauernd zu uns in den Garten kommt -, weil man ja nicht für den Rest des Lebens nebeneinander wohnen wird. Aber so läuft das hier offenbar nicht. Im Gegenteil, unsere liebenswerte Nachbarin steht inzwischen schon zeternd da, wenn bei uns drüben an einem sonnigen Nachmittag fünf Minuten lang mittlere Spielplatzlaustärke herrscht. 

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