Nicht Discounter-tauglich

Die Discounter und ich, wir haben das Heu nicht auf der gleichen Bühne. Okay, gegen die Preise hätte mein Budget nichts einzuwenden, wäre da nicht meine Überzeugung, dass es da mit der Gerechtigkeit nicht weit her sein kann. Auch Sortimment  und Präsentation sagen mir nicht zu und so kommt es, dass ich im gewöhnlichen Leben einen weiten Bogen um Aldi, Lidl & Co. mache. Hier in den Ferien  bleibt mir aber keine andere Wahl, denn etwas anderes als Discount habe ich noch nicht getroffen. Und so kam es, dass ich heute Morgen bei Aldi – Pardon, ich meine natürlich  Hofer – einen Besuch abstattete.

Das erste Problem hatte ich bereits vor dem Laden. Da stand der Verkäufer einer Arbeitslosenzeitung verloren in der Kälte und wurde seine Ware nicht los. Gewöhnlich ist für  mich klar, dass die Zeitung gekauft wird, aber vor  einem Discounter? Hat das nicht einen schalen Beigeschmack von Ablasshandel? Ich beschloss, die Frage erst nach dem Einkauf zu klären und kramte meine Einkaufsliste hervor.

Und dann ging der Horror los. Zuerst einmal geriet  ich einem alten Ehepaar ins Gehege. Die zwei waren offenbar deutlich geübter  als ich im Durchkämmen der unübersichtlichen Warenauslage und so griffen sie immer exakt in dem Moment dazwischen, als ich endlich die ökologisch akzeptablen Karotten oder Äpfel  erspäht hatte. Eine Weile lang lieferten  wir uns einen zermürbenden Kampf um den vordersten Platz am Regal, dann bogen sie glücklicherweise in Richtung Kühltruhe ab.

Die zwei war ich also los, aber einfacher wurde das Einkaufen nicht. Warum müssen diese Ladeneinrichter immer das Wichtige & Gesunde mit  dem Überflüssigen & Ungesunden mischen? Nun gut, ich weiss natürlich schon, weshalb die das tun, aber wie soll ich da innert nützlicher Frist einen Einkauf erledigen, wenn ich mich durch Regale voller Chips und Schokoladenriegel kämpfen muss, bevor ich endlich bei den Freilandeiern lande? Und warum schreiben die ihre Preise so hoch oben an? Denken die nicht an uns Kurzgewachsenen?

Nach unendlicher Sucherei und unter grossem Ellbogeneinsatz – täusche ich mich, oder sind Discounter-Kunden ungeduldiger? – war meine Einkaufsliste endlich abgearbeitet. Es folgte der Kampf mit dem Tempo der Kassierin. Wenn du Glück hast, steht vor dir ein Kunde, der ein Problem hat, wodurch du die Zeit gewinnst, um deine Ware aufs Band zu legen. Steht keiner mit Problem vor dir, musst du aufpassen, dass die Lebensmittel, die du kaufen willst, nicht zerdrückt werden, wenn die Kassierin sie dir aus der Hand reisst. Wie um Himmels Willen stellt die Frau es an, dir mit der einen Hand die Ware aus der Hand zu reissen, mit der anderen die Artikel über den Scanner zu ziehen und mit dem Ellbogen das Gescannte auf  die zu kurz geratene Ablagefläche zu schieben? Und  was, bitte sehr, ist mein Part in diesem irren Tanz? Mir scheint, ich bin immer im Weg, ganz egal, was ich tue.

Ziemlich verschwitzt war ich, als die Ware endlich zurück im Wagen und bezahlt war. Jetzt nur noch der verzweifelte Versuch, all das Zeug  so schnell als möglich in die Einkaufstaschen zu schmeissen, bevor mich jemand unter  Knurren und Zähnefletschen von meinem Platz  am Einpacktisch vertrieb. Endlich draussen, war für mich  klar, dass ich dem armen Kerl, der noch immer fröstelnd im Eingang stand, die Zeitung abkaufen würde. Nicht, um mich von meinem arbeitsrechtlich und ökologisch unkorrekten Einkauf reinzuwaschen, sondern damit ich  eine anständige Lektüre hätte, wenn ich  mich für den Rest des Tages bei Tee und Waffeln von diesem Horror-Einkauf erholen würde.

Well behaved

Die Voraussetzungen waren nicht gerade ideal für eine friedliche Zugfahrt zu dritt: Vierzig Minuten Verspätung und dies noch vor der Abfahrt, der spärliche Proviant bereits aufgegessen, bevor wir die Grenze nach Österreich überquert hatten, das Zugabteil überheizt, rund um uns herum kindelose Menschen, mehrheitlich Amerikaner. „Das kann ja heiter werden“, seufzte ich leise genug, damit meine beiden Jüngsten nicht mitbekommen konnten, was ich auf dieser Fahrt von ihnen erwartete.

Nun ja, es wurde dann auch mehr oder weniger heiter. Die Kleinen kletterten auf die Armlehnen, mussten immer dann aufs WC, wenn der Zug gerade in einem Bahnhof stand, schnitten Grimassen und brachten damit leider nicht  alle Sitznachbarn zum Lachen, sondern einige humorlosere Exemplare auch dazu, sich im überfüllten Zug einen neuen Sitzplatz zu suchen. Nun ja, ich selber fand, dass die beiden die Fahrt ziemlich gut meisterten,  aber ich bin abgehärtet.

Gegen  Ende der Fahrt, als meine Nerven trotz realtiver Friedlichkeit ziemlich strapaziert waren und ich mich ernsthaft um das Wohlergehen meiner Mitreisenden sorgte, wandte sich plötzlich einer der Amerikaner im vorderen Abteil an mich: „Your boys are  so well behaved. You should see my daughter’s sons when  they have  to be quiet for so long“, bemerkte er bewundernd. Zuerst war mir die Sache ziemlich peinlich, denn immerhin machte  der Mann seine  eigenen Enkel schlecht, um damit meine zappeligen Jungs aufs Podest zu heben. Dann aber dämmerte mir, dass die zwei sich tatsächlich ziemlich gut geschlagen hatten: 5 Stunden in einem überfüllten Zug, einizig mit einem 15-teiligen Puzzle, einem Lego-Katalog, zwei Armlehnen und drei Stofftieren als Spielzeug ausgestattet, 4 heisse Würstchen mit Ketchup und  zwei Flaschen „Almdudler“ als Notration und alles, was ich hin und wieder sagen musste war „Prinzchen, ich bitte dich!“ und „Ach, Zoowärter, das ist doch nicht so schlimm. Deswegen musst du doch nicht weinen.“

Ganz eindeutig eine der besseren Zugfahrten mit unseren Kindern. Das Problem lag wohl eher bei mir, denn so ganz ohne Lesestoff und iPad – die Katzen haben das Kabel durchgebissen und ein Neues habe ich noch nicht gekauft – wurde ich ganz schön ungeduldig auf dieser öden Zugfahrt. Vor allem als ich sah, dass die Amis vor mir „Trivial Pursuit“ auf dem iPad spielten und ich so gerne mitgespielt hätte…

Kuchendesaster

Wie viele Stunden meines Lebens habe ich damit vergeudet, den perfekten Geburtstagskuchen herbeizuzaubern? Ich weiss es nicht, aber es waren sehr viele und der Erfolg blieb bescheiden, obschon ich eine leidenschaftliche Kuchenbäckerin bin. Es ging schon an Karlssons erstem Geburtstag in die Hose. Nach stundenlangem Suchen in den zahlreichen Rezeptbüchern meiner Sammlung entschied ich mich für eine Puddingtorte mit Apfelmus, eine wirklich delikate Kombination. Und was tat mein kleiner Junge? Er berührte den Kuchen mit dem Zeigefinger, begann lauthals zu schreien und weigerte sich, auch nur einen einzigen Bissen von seiner allerersten Torte zu probieren. Nun ja, heute liebt er genau diesen Kuchen besonders, aber das tröstet mich nicht über meine damalige Enttäuschung hinweg.

Danach ging es im ähnlichen Stil weiter. Mal klebte der Kuchen an der Form, obschon ich diese perfekt vorbereitet hatte und so gab es anstelle eines Dinosauriers nur eine Ansammlung von Fossilien. Ein anderes Mal verfing sich die Folie, mit der ich die Form ausgekleidet hatte, in der Masse für die Eistorte und so konnte man keinen Bissen geniessen, ohne sich danach die Folienfetzen zwischen den Zähnen herausziehen zu müssen. Dann wieder war der Bienenkorb nicht als Bienenkorb erkennbar und ich musste ihn in aller Eile zum grünen Hügel mit Petterson und Findus, die ich zum Glück noch in irgend einem Küchenschrank fand, umfunktionieren.

Natürlich sind mir nicht sämtliche Geburtstagstorten missraten. So viel Pech kann gar nicht sein, immerhin backe ich doch ziemlich viele davon. Aber auch wenn mir ein Meisterwerk gelungen war, blieb mir der Erfolg verwehrt. Es genügte, dass eines der eingeladenen Kinder fragte: „Hat es in diesem Kuchen Kokosraspel drin?“ und schon ass keiner mehr einen Bissen, weil ich mir die Freiheit herausgenommen habe, dem Teig noch etwas anderes als Mehl, Eier, Butter,  Zucker  und – natürlich – Smarties beizufügen. Einmal wollte eine kleine Rotznase wissen,  ob es in dem Kuchen Zucker hätte und als ich bejahte,  glaubte er doch tatsächlich,  er könne mir weismachen,  dass er keinen Zucker mag. Ein Kind,  das keinen Zucker mag? Für wie doof hielt der mich eigentlich? Aber was soll’s,  auch von diesem Kuchen blieb sehr viel mehr als nur Krümel übrig.

Ja und heute,  als wir mit einer Kinderschar des Zoowärters Geburtstag nachfeierten,  landete ich einen Volltreffer und zwar einen,  der mich in eine tiefe Sinnkrise stürzt. Da hatte ich keine Zeit und „Meiner“ keine Lust zum Kuchenbacken und so blieb mir nichts anderes übrig,  als Schwiegermamas Weihnachts-Panettone in Scheiben zu schneiden,  so dass daraus vier Sterne wurden. Dann noch Schlagrahm,  bunte Zuckerstreusel und Puderzucker drauf und fertig waren die Schneesterne. Ziemlich billig  für mich,  die ich viel Wert auf Selbstgebackenes lege. Doch was geschah? Die Kinder futterten Kuchen bis ihnen die Schlagsahne aus den Ohren kam,  verlangten ein Stück nach dem anderen und ich heimste Lob ein,  als hätte ich gerade die Erfindung des Jahrhunderts gemacht.  

Tja, uns jetzt ist mein Selbstbewusstsein mal wieder im Keller. Alles was es in diesen Tagen dazu dazu braucht, sind ein Panettone, Schlagrahm und ein paar Streusel. 

Kindersorgen – Mamasorgen

Luise fiebert vor sich hin und sorgt sich. Ob sie die Hausaufgaben noch vor den Ferien schafft. Wo ihr Zahlenbuch hingekomen ist. Ob sie bei der nächsten Prüfung eine sechs schafft (Ja, ihr lieben Deutschen, bei uns wollen die Kinder Sechsen schreiben, weil eine Eins eine Katastrophe wäre). Und schliesslich sorgt sie sich, ob sie am Freitag wieder gesund ist, damit sie den Film in der Schule nicht verpasst.

Armes kleines Mädchen, sorgt sich um die Schule,  wo sie doch nur gesund werden sollte. Ich mache das ja ganz anders, wenn ich krank bin. Ich ziehe mir seichte Schnulzen rein, lese den Spiegel, blogge ein paar  Kleinigkeiten und verschwende keinen Gedanken an meinen Alltag. Und dazwischen  döse ich ein, träume von der unerledigten Arbeit auf meinem Schreibtisch, von der gähnenden Leere auf dem Konto, von dem Schmutz auf dem Küchenfussboden, von verstopften Strassen, die mich daran hindern, rechtzeitig an mein Ziel zu kommen und davon, dass wir die Kindergeburtstagsparty des Zoowärters vergessen. Aber das zählt nicht als Sorgen. Ist ja alles nur ein Traum. Nicht wahr?

Einige Fragen

Trotz langjähriger Mutterschaft gibt es da einige Fragen, auf die ich noch immer keine Antworten gefunden habe. Da ich mir nun lange genug erfolglos den Kopf zerbrochen habe, stelle ich diese Fragen der Leserschaft:

Nun bitte ich euch, diese Fragen mit äusserster Sorgfalt zu beantworten, denn in Zukunft werde ich mich bei der Erziehung unserer Kinder strikte an die Resultate dieser Umfrage halten.

Wieder mal eingeschlossen

Warum müssen mir solche Dinge immer am Sonntag passieren? Da komme ich frisch gestärkt aus dem Gottesdienst, freue mich auf den Besuch bei guten Freunden und dann streikt der Ticketautomat in der Tiefgarage, obschon ich die Parkgebühr von zwei Franken gleich zweimal bezahle. Was nicht weiter schlimm wäre, wenn auch die Barriere ihren Dienst versagen und oben bleiben würde. Tut sie aber nicht und darum bleibt mir nichts anderes übrig, als den Hilfeknopf zu drücken.

„Bitte bewahren Sie Ruhe, Ihr Anruf wird weitergeleitet“, redet man mir gut zu und zwar so oft, dass ich schon leicht aggressiv bin, als sich endlich eine Frauenstimme meldet. Ich schildere ihr mein Problem, worauf sie wissen will, wie ich heisse. Ich weiß ja nicht so recht, was mein Name zur Sache tut, aber ich nenne ihn dennoch brav. „Ihre Autonumner, bitte?“, fragt die Frau, nachdem sie endlich begriffen hat, dass man Venditti mit v und zwei t schreibt. Wozu braucht die meine Autonummer, wo ich doch nur das Parkhaus verlassen will? Leicht genervt schicke ich Karlsson los um nachzusehen, wie die Nummer lautet. Ja, ich weiss, die Autonummer sollte man auswendig kennen, aber die Speicherplätze in meinem Gehirn sind bereits durch Codes, Passwörter und Telefonnummern besetzt.

Und eine dieser Telefonnummern will die Frau jetzt wissen, nämlich meine eigene. Was, bitte sehr, soll das nun wieder? Will sie etwa, dass wir zu Fuss nach Hause gehen und dort darauf warten, bis sie uns Bescheid gibt, dass die Barriere wieder offen ist? „An welcher Kasse stehen Sie denn? An der Kasse 1?“, will die Frau jetzt wissen. Ich suche verzweifelt nach einer Nummer,finde aber keine, was ich der Frau mitteile. „Da steht nur ‚Ausgang Bahnhof‘. Etwas anderes sehe ich hier nicht“, erkläre ich. „Ja, sind sie denn im Parterre?“, kommt die entnervte Frage zurück. Was soll ich jetzt bloß antworten? Je nach Standpunkt könnte man unseren Standort als erste Etage, Parterre oder erstes Untergeschoss bezeichnen. So genau lässt sich das leider nicht erkennen und so muss ich bei dieser Quizfrage passen. Was meine Gesprächspartnerin so sehr erzürnt, dass sie die Befragung abbricht und unvermittelt zur Lösung meines Problems schreitet: „Gut, wir werden sehen, was wir tun können wegen der zwei Franken, die Sie zuviel bezahlt haben.“ „Die zwei Franken zuviel sind mir ziemlich egal“, gebe ich zurück und ich muss gestehen, dass ich nicht mehr ganz nach „Ich war soeben im Gottesdienst und bin so unglaublich glücklich“ klang. „Ich will ja bloss aus diesem blöden Parkhaus raus, verstehen sie?“ Die Frau versteht wohl nicht, denn die Verbindung bricht sofort ab.

Also noch einmal drücken, noch einmal „Bitte bewahren Sie Ruhe, bla, bla, bla“, dann meldet sich endlich ein Mann, der verspricht, in drei Minuten bei uns zu sein. Nun, es sind dann gute zehn Minuten, aber immerhin ist der Herr, der uns aus dem Parkhaus befreit, sehr freundlich.

Und jetzt müsste ich wohl ein Gesuch schreiben, um meine zwei Franken, die ich zuviel bezahlt habe, wieder zurückzubekommen. Aber vielleicht lasse ich das lieber, sonst brauchen die noch meine IBAN-Nummer, die Adresse meiner Bank und das Geburtsdatum meiner Mutter, oder so.

Weshalb tun wir uns das bloss an? Vierter und letzter Teil

Nach nur gerade drei Wochen sind wir wieder voll und ganz mit der Aussenwelt verbunden. Das Telefon schellt wieder wie in alten Zeiten, der Fernseher verfügt über noch mehr Sender, die uns nicht interessieren und – am Allerwichtigsten – wir haben wieder Internet im Haus. Das bedeutet, dass beautifulvenditti nun wieder in Farbe daherkommt. Nach unzähligen Minuten in der Warteschleife und stundenlangem Kopfzerbrechen, weshalb meine Mutter auf einmal unter unserem Namen telefoniert,  wir dafür „keine Anrufsberechtigung unter diesem Anschluss“ hatten,  komme ich zum Schluss, dass es heutzutage wohl einfacher ist, den Ehepartner loszuwerden, als die Telefongesellschaft zu wechseln. Nicht, dass ich diese These beweisen möchte. Ich werde „Meinen“ behalten, auch wenn es im Alltag hin und wieder zu Störungen in der Leitung kommt.

Mein geliebtes Leben

Ich hätte da mal eine kleine Bitte an dich und zwar wünsche ich mir, dass du mir mal eine Verschnaufpause gewährst. Nein, ich meine jetzt nicht ein paar Tage im Ländli oder eine Woche Erholungsferien mit der ganzen Familie. Das alles ist ja ganz nett, aber was hilft es denn, wenn ich, kaum zu Hause angekommen, wieder im selben Schlamassel stecke?

Nein, was ich mir wünsche ist, dass das Karussell mal wieder etwas langsamer dreht. Zum Beispiel, indem das ewige Gezanke in den frühen Morgenstunden aufhört. Ich träume davon, dass wir sieben Vendittis unsere Tage friedlicher beginnen können, denn so allmählich bin ich des ewigen Kämpfens um jede Bagatelle müde.

Ich wünsche mir, dass die Arbeitszeit reicht, um zu erledigen, was getan werden muss. Dass die Pendenzenliste kürzer und nicht stetig länger wird.

Ich wünsche mir mein altes Gedächtnis zurück, denn um so oft am Tag gestehen zu müssen „Mist, das habe ich vergessen!“ bin ich eindeutig noch zu jung.

Ich wünsche mir, dass die Legosteine und Playmobil-Helme, die meinen Weg vom Bad ins Schlafzimmer zum Büsserweg machen, sich von selbst in die Spielkiste begeben.

Ich wünsche mir, dass die nächste Tortenplatte, die ich erstehe, länger als zwei Wochen ganz bleibt.

Ich wünsche mir, dass ich wieder Zeit und Nerven habe, einen Menüplan zu machen. Und vor allem, dass ich mich dann auch an den Plan zu halten, anstatt immer mal wieder Brot und Käse aufzutischen, währenddem die Schwarzwurzeln, auf die wir uns alle so gefreut haben, in der Vorratskammer vergammeln.

Ich wünsche mir, dass das Prinzchen endlich damit aufhört, das Duschgel gleich flaschenweise in die Badewanne zu schütten. Und überhaupt, wenn wir schon beim Baden sind, mein liebes Leben: Könntest du nicht bitte dafür sorgen, dass unsere Söhne endlich begreifen, dass das Wasser in die Wanne gehört und nicht daneben?

Ich wünsche mir, dass ich endlich wieder wie eine ganz normale Frau – eine mit Kindern, Job etc. – unterwegs sein darf und nicht wie ein aufgescheuchtes Huhn, das sich den Mantel falsch zugeknöpft hat.

Ich wünsche mir, dass meine Energie am Ende des Tages für mehr reicht als nur für einige Levels „My kingdom for the Princess“. Die ich übrigens nicht mal in meinem eigenen Namen spiele, sondern im Namen der Kinder, die es trotz aller Anstrengungen nicht schaffen, das Schloss zu erweitern.

Dies alles und noch ein paar Dinge mehr wünsche ich mir, mein geliebtes Leben. Glaubst du, du kriegst das vor meiner Pensionierung hin, oder soll ich mir da erst mal keine Hoffnungen machen?

Warum tun wir uns das an? – Teil III

Nun sind wir also bereits eine Woche ohne Telefon und Internetanschluss. Ein Ende ist noch nicht in Sicht. Im Gegenteil: Inzwischen geht auch bei meiner Mutter, die bei uns im Haus wohnt, das Telefon nicht mehr. Ihr Anschluss läuft über die Swisscom, die Rechnungen erhält sie von econophone, wenn sie einen Anruf tätigen will, heisst es „Willkommen bei Sunrise – Bienvenu chez Sunrise – Benvenuti da Sunrise“ und wenn man auf die Testnummer anruft, um herauszufinden, welche Gesellschaft den Bock geschossen hat, landet man bei der Ansage von Tele4you. Alles ziemlich verwirrend und natürlich will keiner einen Fehler gemacht haben. Aber immerhin weiss ich nun, welcher Anbieter den nettesten Kundendienst hat, wo sie nicht die geringste Ahnung haben und wo man am längsten in der Warteschleife hängt. Wer sich darum kümmern wird, dass meine Mutter wieder telefonieren kann, haben wir allerdings noch nicht herausgefunden.

Dafür aber wissen wir seit heute, dass unser Internetanschluss frühestens am kommenden Freitag installiert wird, dass wir die neue Telefonnummer, die sie uns zugeteilt haben, behalten können und dass man uns irgendwann einen Techniker ins Haus schicken wird. Das ist doch immerhin schon mehr als vor zwei Tagen.

Und die Zeit ohne Telefon hat ja durchaus auch ihre VorteDur. Keine lästigen Werbeanrufe beim Mittagessen, keine Möglichkeit, von der Lehrerin zu erfahren, dass der FeuerwehrRitterRömerPirat schon wieder zu spät zur Schule gekommen ist, keine geschäftlichen Telefonate ausserhalb der Arbeitszeit. Das Allerbeste aber ist, dass die Nachbarn vorbeikommen müssen, wenn sie etwas von einem wissen wollen. Und wo sie schon mal da sind, kann man doch gleich ganz spontan einen netten Filmabend veranstalten.

Nun gut, irgendwann möchte ich dann schon gerne wieder telefonieren können. Ich weiss ja nicht, ob der ewige Junggeselle in unserem Quartier den gleichen Filmgeschmack hat wie wir. Was also müssten wir tun, wenn plötzlich er vor unserer Haustüre stünde, weil wir telefonisch nicht erreichbar sind?

Nehmt diesem Kind den Wecker weg!

Jeden Mittwoch muss Luise früh raus. Um zwanzig nach sieben fängt die Schule an, was „Meiner“ und ich regelmäßig vergessen. So ist es schon mehrmals vorgekommen, dass Luise nur gerade ein paar Minuten Zeit hatte, um sich für die Schule bereit zu machen. Damit sich dies ändert, hat die Grossmama Luise einen Wecker geschenkt.

Heute früh, es war wohl gegen halb sechs, kam das Ding zum ersten Mal zum Einsatz. Wenige Momente später stand das Kind in unserem Schlafzimmer. „Mama, Papa! Ihr müsst aufstehen, sonst komme ich zu spät zur Schule.“ Ein Blick auf die Uhr zeigte uns, dass unsere Tochter mal wieder übertreibt. „Geh zurück ins Bett. Es ist noch viel zu früh“, murmelte ich und versuchte, wieder einzuschlafen. Zehn Minuten später wieder Luise: „Wann steht ihr endlich auf? Ich komme ganz bestimmt zu spät.“ Nach weiteren fünf Minuten dann „Mama, kannst du mir einen Pferdeschwanz binden?“ „Nein, kann ich nicht, es ist noch nicht mal sechs Uhr und ich weigere mich, die Augen aufzumachen. Wenn du unbedingt wach sein willst, kannst du etwas lesen, aber sei bitte still, mir brummt der Schädel“, war meine ziemlich unfreundliche Antwort. „Aber Mama, ich komme doch zu spät zur Schule. Der Wecker hat schon längst geklingelt. Und Grossmama hat gesagt…“ „Ja, meine liebe Luise, ich weiss, dass dir Grossmama gesagt hat, du sollst den Wecker stellen, damit du nicht zu spät kommst, aber sie hat dir nicht gesagt, du solltest ihn mitten in der Nacht stellen.“ „Aber Mama, du weisst doch, dass ich einen Eintag bekomme, wenn ich nicht rechtzeitig bin…“

Ja, mein Kind, ich weiß es, aber du weisst auch, dass deine morgenmuffelige Mama das Bett erst dann verlässt, wenn es sich wirklich nicht mehr länger vermeiden lässt. Und was ist schlimmer, eine unausgeschlafene, übel gelaunte Mama, oder ein Eintrag im schulischen Sündenregister?