Klamauk in der Ruhezone

Wenn ich mich alle Schaltjahre einmal in eine kinderfreien Zone begebe, werde ich innert Sekunden zum Kinderfeind. Man sollte es nicht für möglich halten, dass ich, die ich dafür plädiere, dass Kinder jeden hintersten Winkel dieses heruntergewirtschafteten Planeten beleben, mich je über kleine Menschen aufregen könnte. Aber ich kann es. Zum Beispiel, wenn man mir verspricht, dass in der Sauna nur Personen über fünfzehn Jahren Zutritt haben. Dann will ich dort keine Personen unter fünfzehn Jahren sehen, so gerne ich sie an allen anderen Orten auch sehen mag. Und erst recht will ich sie nicht hören. Und schon gar nicht herumschreien, lachen und blödeln hören. Dann will ich einfach meine Ruhe haben.

Noch mehr als herumblödelnde Kinder in der Sauna nerven mich die Mamas, die dies ihren Sprösslingen erlauben, die nicht einmal einschreiten, wennn es in der Ruhezone wirklich unerträglich laut wird. Brauchen die denn nie eine Verschnaufpause von ihren Kindern? Ist es denn wirklich zuviel verlangt, dass man sich an diese eine simple Regel hält? Ich schleppe ja meinen Nachwuchs auch nicht mit in die Sauna. Auch nicht dann, wenn sie mich auf Knien darum anflehen. Mütter müssten doch wissen, dass andere Mütter zuweilen ganz froh sind um einige Momente der Ruhe. Warum gönnen sie die einem dann nicht? Vielleicht deshalb, weil sie selber die Sauna auch nicht als einen Ort der Entspannung sehen.  Sondern als einen Ort, an dem man mit der Busenfreundin den neusten Tratsch austauscht.

Und jetzt ist fertig gejammert. Der Rest meines Geburtstags ist nämlich äusserst angenehm verlaufen.

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Kinderprogramm

Vielleicht sind hier doch nicht alle so nett. Ich zumindest finde es nicht besonders nett, wenn der Vergnügungs- und Kletterpark geschlossen ist und bis zum Tag unserer Abreise geschlossen bleiben wird, obschon auf dem Werbeprospekt steht, er sei bis zum 4. November täglich geöffnet. Ich finde es auch nicht nett, dass die Schlittschuhbahn ebenfalls den ganzen Oktober geschlossen ist, das Schwimmbad erst nachmittags um vier öffnet und die Minigolfanlage jeweils von acht Uhr abends bis zwei Uhr morgens offen ist. Nicht gerade die Tageszeit, zu der wir mit unseren Kindern unterwegs sind. Und ich finde es erst recht nicht nett, dass unsere Kinder im Café zurechtgewiesen werden, sie dürften die Spatzen nicht füttern, während der ältere Herr am Nebentisch dies ungestraft tun darf. Okay, wie bekommen dafür einen Schleckstengel geschenkt und der ältere Herr nicht, aber ob es nett war, Kindern Schleckstengel zu schenken, zeigt sich jeweils erst, wenn der Zahnarzt später auch keine Löcher in den Gebissen der Kinder findet.

Eigentlich weiss doch jeder, dass ein ansprechendes Kinderprogramm  das A und O eines gelungenen Ferientages ist. Weil dies heute aber partout nicht klappen will, müssen wir eben zum Erwachsenenprogramm übergehen: Tee und Törtchen in einer romantischen Konditorei. Sehr gemütlich. Bis Luise ihren Durst unter dem Tisch zu stillen beginnt. Das Personal soll ja nicht sehen, dass wir eine angefangene Limonadenflasche vom Mittagessen ins Lokal geschmuggelt haben. Dummerweise bemerkt der Zoowärter, dass er auch durstig ist, will aber nicht verstehen, dass er heute nur unter dem Tisch trinken darf. Wo es doch sonst immer heisst, er dürfe nicht unter dem Tisch essen und trinken. Da verstehe einer diese Eltern! Natürlich gibt es ein Geschrei, in welches alsbald das Prinzchen einstimmt, weil er hundemüde ist und ausserdem eine volle Windel hat. Gäste und Personal atmen hörbar auf, als wir das Lokal fluchtartig verlassen.

Das also war die erste Hälfte meines 35. Geburtstags. Bleibt zu hoffen, dass die zweite Hälfte besser wird. Immerhin ist es schon hart genug, dass ich mich jetzt endgültig nicht mehr jung nennen darf. Aber um diesen Schmerz zu lindern habe ich von „Meinem“ heute Morgen eine Mini-Weiterbildung und eine Flasche Tonic-Water geschenkt bekommen und das tröstet über Vieles hinweg…

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Weit weg vom Alltag?

Eigentlich reist man ja in die Ferien, um mal wieder Ruhe zu haben vor allem, was im Alltag so lästig ist: Rechungen im Briefkasten, Vertreterbesuche, Versicherungsanträge, Werbeanrufe. Meistens gelingt das tadellos, man taucht ein in eine andere Welt, leistet sich Dinge, auf die man zu Hause verzichtet, vergisst den Alltagsstress. Herrliche Ruhe vor dem Telefon! Nicht so, wenn man mit Hapimag Ferien macht. Da läutet nämlich schon an Tag 3 das Telefon. Während des Abendessens! Ob wir nicht auch Hapimag-Aktien kaufen möchten? Oder zumindest an einer Präsentation teilnehmen möchten? Mit einer Engelsgeduld wimmelt „Meiner“ den Telefonverkäufer ab, erklärt ihm, dass er als fünffacher Vater und Primarlehrer wohl nicht ganz zur Zielgruppe von Hapimag gehört.

Wie wir überhaupt zu Ferien mit Hapimag gekommen sind? Nun, das war ein Geschenk, das letztes Jahr bei der Heizölbestellung inbegriffen war. Für einmal bescherte uns die Heizöllieferung mehr als bloss ein schlechtes Gewissen, dass wir unsere Ölheizung noch immer nicht gegen ein umweltfreundlicheres Modell eingetauscht haben. Dass wir als Gegenleistung für das Geschenk auch in den Ferien Werbeanrufe würden abwimmeln müssen, hat uns natürlich keiner gesagt. Wir hätten gedacht, die würden dann erst zu Hause wieder versuchen, uns Ferienaktien aufzuschwatzen. Dabei ist doch sonnenklar, dass wir nicht die Zielgruppe von Hapimag sind. Kaum bläst Karlsson auf dem Balkon stolz in seine Tröte, steht auch schon der Nachbar auf der Matte. Pöbel wie wir hat hier definitiv nichts verloren.

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Expertenrunde

Kaum sind der Zoowärter und ich wieder zu Hause, bekommen wir die Meinungen von Experten zu hören. Das was vorgefallen sei, sei  alles gar nicht weiter schlimm, sagt eine Bekannte zu „Meinem“ am Telefon, nachdem „Meiner“ sich wegen der durchwachten Nacht geweigert hatte, all ihrem Gequassel zuzuhören. Sie habe als Kind genau das Gleiche erlebt und deshalb müsse er sich überhaupt keine Sorgen machen, sagt sie und quasselt weiter über Dinge, die für uns momentan gar nicht weiter schlimm sind.

Die nächste Expertin meldet sich ein paar Stunden später. Auch sie hat irgend einen Ratschlag für uns parat, den ich Gott sei Dank vergessen habe, weil ich zu müde bin, um in meinem Gehirn Unwichtiges zu speichern. Schliesslich meldet sich dann auch noch die Schwiegermutter zu Wort, selbsternannte Expertin in sämtlichen Gesundheitsfragen. Die weiterführenden Untersuchungen seien komplett unnötig, versichert sie. Eine Epilepsie könne man ausschliessen. Aber gegen Schweinegrippe müssten wir den Kleinen impfen. Das sei der Grund, weshalb er gestern diesen Zusammenbruch erlitten habe.

Zum Glück gibt es auch noch Leute, die einfach so anrufen, um zu fragen, wie es dem Zoowärter gehe, die Verständnis haben, dass man nach so einem Erlebnis leicht erschüttert und ziemlich durcheinander ist. Das sind eindeutig meine Lieblingsexperten…

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Das geht mich alles gar nichts an

Früher hatte ich immer gedacht, zu Hause zu arbeiten sei eine unglaublich mühsame Sache. Ich stellte mir vor, dass es ein Ding der Unmöglichkeit sei, den Alltag hinter der geschlossenen Bürotür zu lassen und sich voll und ganz der Arbeit zu widmen, die da ansteht. Unmöglich ist dies auch heute noch, zumindest solange „Meiner“ nicht zu Hause ist. Schwingt aber „Meiner“ das Zepter, wird der Heimarbeitsplatz zum Besten, den man sich nur vorstellen kann.

Karsslon schreit mal wieder? Luise und der FeuerwehrRitterRömerPirat zanken sich um ein Bilderbuch? Der Zoowärter hat das Töpfchen neben dem WC ausgeleert? Das Prinzchen will nicht schlafen? Das, was mich sonst zum Wahnsinn treibt, lässt mich völlig kalt, wenn „Meiner“ Hausmann ist. Geht mich alles gar nichts an, ich muss die Probleme ja nicht lösen. Sollen die mal schauen, wie sie selber zurecht kommen. Ich kann dann morgen wieder Streit schlichten, herumliegende Socken in den Wäschekorb befördern, Telefonwerbung abwimmeln, Speisereste entsorgen, den Geschirrspüler ausräumen, Tränen trocknen, aufgeschlagene Knie verarzten, Bilderbücher erzählen. Würde ich ausser Hause arbeiten, müsste es ja auch ohne mich gehen, also geht es auch, wenn ich zwar  physisch anwesend, in Gedanken aber irgendwo bin. Und ich komme in den Genuss all der kleinen und grossen Dramen, ohne mich darüber aufregen zu müssen. Ja, zuweilen inspirieren sie mich gar in meiner Arbeit.

Ob ich bei all dem Chaos überhaupt arbeiten kann? Aber klar doch. Ausblenden zu können ist das Erste, was man als Mutter lernen muss, sonst dreht man früher oder später durch. Würde ich auswärts arbeiten, bekäme ich von all dem Trubel nichts mit. Ich würde also auch nicht so deutlich den Kontrast erleben zwischen dem  konzentrierten Arbeiten am Bürotisch und dem Hexenkessel, in dem ich mich normalerweise bewege.

Ist es nicht schön, wie ich mich jetzt mit ein paar überzeugenden Argumenten darüber hinweggetröstet habe, dass ich noch immer keine bezahlte Arbeit gefunden habe und wohl in naher Zukunft auch keine finden werde? Es sei denn, ich würde putzen gehen.  Aber ich kann ja nicht auswärts tun, was ich zu Hause um alles in der Welt meide.

Ach und überhaupt: Bei welchem Job wird man denn so umsorgt, wie hier? In regelmässigen Abständen kommt „Meiner“ ins Büro, fragt, ob ich etwas brauche und bringt mir das Gewünschte, egal ob Tee, Latte Macchiato oder eine Duftkerze. Ich glaube, an dieses Leben könnte ich mich gewöhnen, obschon ich zurzeit noch gratis arbeite…

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Das ist ganz schön hart

Neun Jahre lang habe ich geglaubt, ich würde ein anstrengendes Leben führen. Wenig Schlaf, viel Arbeit, quengelnde Kinder, Wäscheberge, Wocheneinkäufe, die man mit dem Sattelschlepper nach Hause fahren muss, endloses Putzen und was sonst noch alles dazu gehört. Seit heute Abend aber weiss ich, dass andere Frauen viel mehr zu tragen haben.

Weil ich zu faul war, meinen Hintern vom Sofa zu schwingen, als „Meiner“ mal wieder „Glanz und Gloria“ geschaut hat, weiss ich jetzt endlich, dass die Miss Schweiz-Finalistinnen ein viel härteres Los gezogen haben als wir Hausfrauen alle miteinander. Die armen Frauen müssen nämlich den ganzen Tag in High Heels herumstöckeln und das ist wirklich anstrengend und „total hart“, wie die Finalistinnen einhellig bestätigen. So hart, dass einige dieser Frauen vor laufender Kamera in Tränen ausbrechen, auch wenn sie sich geschworen haben, dies erst im Hotelzimmer zu tun. Sie halten es einfach nicht mehr aus, die Armen. Das Leben ist so unfair!

Seitdem ich das gesehen habe, schäme ich mich natürlich zutiefst, dass ich jemals gejammert habe über meinen Knochenjob. Aber damals habe ich eben noch nicht gewusst, wie hart es andere Frauen trifft. Und das Gemeinste am Ganzen ist: Währenddem ich mich aus vollkommen freien Stücken für das anstrengende Leben mit fünf Kindern habe entscheiden dürfen, sind die armen Miss Schweiz-Finalistinnen allesamt erbarmungswürdige Opfer. Denn welche junge Frau meldet sich schon freiwillig zu einer solchen Wahl an? Die werden ja immer alle zwangsangemeldet von überambitionierten Müttern, missgünstigen Freundinnen und Verlobten, die sich aus dem Staub machen, kaum hat man das Krönchen und all die Lasten, die es mit sich bringt.

Ich glaube, ich werde heute Abend eine Kerze anzünden für all die armen Finalistinnen. Vielleicht werde ich auch noch ein bisschen weinen. Und sollte mir morgen die Arbeit mal wieder zu schwer werden, denke ich einfach an die armen Missen auf ihren High Heels und schon wird es mir wieder besser gehen. Und zum Büssen für all mein bisheriges Jammern über meine Arbeit werde ich in Zukunft meinen Job in High Heels verrichten. Damit ich wenigstens eine leise Ahnung davon bekomme, was andere Frauen durchstehen müssen.

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Halt endlich die Klappe, Papa Moll!

Uns Eltern bleibt einfach nichts erspart. Als ob Jörg Schneiders Räuber Hotzenplotz, Pingu und die katzfalschen Gesänge von „Paddingtons Englisch-Lieder“ nicht genug wären! Jetzt foltert man uns auch noch mit Papa Moll. Wie der Kerl zu uns ins Haus gekommen ist? Durch die Schulbibliothek. Da schützt du deine Kinder in den ersten Lebensjahren vor allen erdenklichen schlechten Einflüssen, dann kommen sie in die Schule und schon bringen sie Papa Moll nach Hause.

Wer noch nie Papa Moll hat hören müssen, weiss nicht, was das bedeutet. Allein schon die schrille Stimme von Mama Moll ist eine wahre Zumutung: Eine Mischung aus der FDP-Fraktionspräsidentin Gabi Huber und mir, wenn ich kreische, weil das Prinzchen eine Schnecke in den Mund nehmen will. Und das Schlimmste daran ist, dass sich diese penetrante Stimme nach zehnmal Hören so sehr in den Gehörgängen festgesetzt hat, dass ich jedesmal, wenn ich den Mund aufmache Mama Moll zu hören glaube und deshalb lieber gar nichts mehr sage.

Und dann diese dämlichen Dialoge!

Mama Moll: „Papi bisch sicher, dass d Türe abgschlosse häsch?“

Papa Moll: „Ja, Mami, ganz sicher.“

Mama Moll: „Ganz sicher?“

Papa Moll: „Ich glaub scho Mami. Aber ich gang lieber namal hei go luege.“

Mama Moll: „Nei Papi, es wird scho alles i de Ornig sii.“

Hä? Hat sie ihrem Papi nicht eben erst unterstellt, er habe die Tür nicht abgeschlossen? Und überhaupt: Warum nennen die einander Mami und Papi? Das ist ja noch schlimmer, als wenn man den Ehepartner „Meiner“ nennt!

Das Allerschlimmste an dieser Sache ist allerdings etwas, worauf ich bis anhin immer besonders stolz gewesen war: Kalsonns brillantes Gedächtnis. Schweigt nämlich ausnahmsweise der CD-Player für eine Viertelstunde, rezitiert Karlsson fehlerfrei den ganzen Mist auswendig. Und er lässt nichts weg, nicht einmal den dämlichen Akzent des bekloppten italienischen Zollbeamten, der sich von Eveli und Fritzli um die Finger wickeln lässt, weil „mir Italiener liebe i Bambini“.

Offenbar weiss Papa Moll noch nicht, dass die Italiener die niedrigste Geburtenrate Europas haben.

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Ach, Frau Hutter…

Ach, Frau Hutter, wann lernen Sie endlich, den Mund nicht so voll zu nehmen! Schon bevor Ihr erstes Kind gezeugt war, haben Sie reichlich selbstbewusst in die Welt hinausposaunt, wie Frau Mutter zu sein habe. Während andere Frauen weiser werden, wenn sie ihr erstes Kind im Bauch haben, machen Sie fröhlich weiter. Mit Genuss weisen Sie auf Ihre Schwester hin, die heute mit Leib und Seele Mutter ist, obschon Sie dies nie erwartet hätten. „Seit sie Mutter ist, hat sich etwas geändert in ihrem Gedankengut“, sagen Sie und denken nicht daran, dass Ihnen das Gleiche passieren könnte, einfach in entgegengesetzter Richtung.

Es ist nämlich nicht nur so, dass Frauen, die ganz auf die Karriere fixiert waren, plötzlich in ihrer Rolle als Mutter völlig aufgehen. Das Umgekehrte passiert ebenso häufig: Frauen, die geglaubt hatten, ihre Erfüllung in der Mutterschaft zu finden, gleiten in eine Depression ab, weil die Realität so ganz anders ist als ihre Träume. Wie Frau als Mutter fühlt, handelt, denkt, weiss sie erst, wenn sie Mutter ist. Erst dann wird sie wissen, wie für sie und ihr Kind das Leben am besten funktioniert. Und je lauter eine Frau ihre Meinung herausposaunt hat, umso schmerzhafter ist es für sie, sich und anderen  eingestehen zu müssen, dass die Dinge anders sind, als sie erwartet hatte. Man könnte auch sagen, je hochmütiger das Geschwätz, umso tiefer der Fall.

Deshalb ein Rat von einer Mutter, die mehrmals ihre Meinung hat ändern müssen, auch wenn sie den Mund nicht halb so voll genommen hat wie Sie: Halten Sie endlich die Klappe! Bringen Sie Ihr Kind auf die Welt und schauen Sie dann, ob Sie tatsächlich nie wieder den Drang haben, Politik zu machen (was ich von Herzen hoffe), ob Fremdbetreuung wirklich nur schlechte Seiten hat, ob das Hausfrauendasein ebenso erfüllend ist wie die Mutterschaft, ob Mütter tatsächlich besser geeignet sind für diesen Job als Väter. Und dann, wenn Sie weiser geworden sind, dürfen Sie von mir aus wieder reden. Aber bitte nicht vorher!

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Hausfrauenträume

Das Bild von der selbstreinigenden Toilette, das neulich bei „10 vor 10“ gezeigt wurde,  will mir einfach nicht mehr aus dem Kopf. Okay, selbstreinigende Toilettenkabinen gibt es schon länger, aber früher hat mich das ziemlich kalt gelassen. Jetzt aber weckt diese Einrichtung bis anhin unbekannte Sehnsüchte. Wäre es nicht schön, denke ich, wenn man den ganzen Haushalt so einrichten könnte? Mal schnell aufräumen, alle Türen schliessen, das Ganze reinigt sich von selbst und ich könnte mich Wichtigerem widmen. Wäre doch grossartig, nicht wahr? Obschon ich mir nicht sicher bin, ob bei uns alles sauber würde. Die Leimlache, mit der heute der Zoowärter und der FeuerwehrRitterRömerPirat ihr Kunstwerk auf dem Küchenboden befestigt haben, müsste ich wohl immer noch selber wegputzen.

Übrigens ist mir der oben genannte „10 vor 10“-Bericht aus einem weiteren Grund in Erinnerung geblieben: Wie da mit ernsten Mienen von „Wildpinklern“ und Leuten, „die auswärts pinkeln“ geredet wurde, ist einfach unvergesslich. Zwei wunderbare Ausdücke, die ich unbedingt in mein Vokabular aufnehmen muss! Wenn der FeuerwehrRitterRömerPirat wiedermal zu faul sein wird, das nächstgelegene WC aufzusuchen, werde ich ihn ermahnen können: „Mein lieber Sohn, weisst du denn nicht, dass Wildpinkeln in der Schweiz strengstens verboten ist?“

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Arme kleine Gäste

Verwöhnt hat er sie, alle zusammen. Hat mit ihnen gebastelt, gemalt, schöne Zvieriteller gestaltet, Witze gemacht und gesungen. Und dann, als sämtliche Freundinnen und Freunde unserer Kinder wussten, dass es bei Vendittis donnerstags am schönsten ist, weil dann der lustige Papa zu Hause ist, hat „Meiner“ seinen Stundenplan geändert. Jetzt ist er am Dienstagnachmittag zu Hause, wenn es keiner weiss und folglich auch keine Kinder Schlange stehen, um bei uns zu spielen.

Unsere Donnerstagsgäste werden dann jeweils herb enttäuscht. Die bärbeissige Mama ist zu Hause, dieser Drachen, der immer zuerst die Küche aufräumen will, bevor er mit den Kindern spielt, der immer dann nein sagt, wenn die Dinge so richtig lustig werden, der sagt, der Kühlschrank sei leer, es gebe bloss Darvida zum Zvieri, und zwar ohne Butter und Salz, weil das Prinzchen gerade gefüttert werden müsse. Einige versuchen, dennoch ein wenig Spass zu haben, fragen schüchtern, ob sie vielleicht ausnahmsweise auch mal mit mir malen dürften. Oder vielleicht einen Kuchen backen.

Meistens bin ich weise genug, nein zu sagen. Denn mit mir machen solche Sachen einfach keinen Spass, ich bin viel zu ungeduldig. Ich lulle die Kinder dann jeweils mit einer Geschichte ein, erzähle mir den Mund fusselig, bis sie vergessen haben, dass sie eigentlich hätten malen wollen und mit glänzenden Augen an meinen Lippen hängen und noch mehr Geschichten hören wollen. Manchmal aber meine ich, mir selber etwas beweisen zu müssen und den Gästen zu zeigen, dass meine Kindern nicht eine ganz so böse Mama haben, die immer nein sagt. Dann nehme ich die Teigschüssel hervor, oder die Bastelscheren oder, wenn ich ganz viele Nerven zu haben glaube, sogar die Acrylfarben.

Solche Nachmittage enden stets mit den gleichen Desaster: Die Wohnung versinkt im Chaos, ich sage noch hundertmal öfter nein als an gewöhnlichen Tagen und die Gäste sind froh, wenn sie wieder nach Hause gehen können. Wird Zeit, dass ich die Welt mal wissen lasse, dass der lustige Papa jetzt dienstags zu Hause ist und nicht mehr donnerstags.

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