Evaluiert

Evaluieren (Definition Duden): sach- und fachgerecht beurteilen, bewerten

Evaluieren (Definition Eltern, die zum Schulevaluationsgespräch eingeladen werden): Endlich mal den Kropf leeren und den ganzen Frust rauslassen, der sich über die Jahre angestaut hat.

Ich hätte ja wissen müssen, dass es in dieser Elternrunde nicht besonders sach- und fachgerecht zugehen würde. Wenn man die Eltern dazu einlädt, ihre Meinung zu äussern, melden sich wohl vorwiegend diejenigen, die ihrem Ärger Luft machen möchten. Ein Stück weit kann ich es auch verstehen. Zuweilen fühlt man sich einfach so machtlos und es gibt ja auch wirklich Pädagogen, die ganz dringend über einen Berufswechsel nachdenken sollten. Und auch dort, wo die Dinge gut laufen, gäbe es die eine oder andere Sache, die man verbessern könnte. 

Aber wenn man manchen Eltern zuhört, könnte man glauben, ihr Nachwuchs werde Tag für Tag in einem finsteren Verlies von sadistischen Folterknechten geschunden und gepeinigt. Und zwischendurch, wenn die armen Geschöpfe ein wenig Freigang haben, fallen sie übereinander her wie die Häftlinge in einem überfüllten Gefängnis. 

Oh ja, auch ich bin nicht immer glücklich mit unserer Schule und die eine oder andere Leidensgeschichte geht mir wirklich nahe, aber wenn man von manchen Müttern fast schon feindselig angeschaut wird, bloss weil man laut und deutlich sagt, dass es da auch ein paar Lehrpersonen gibt, die ihren Job richtig gut machen, dann frage ich mich, ob das Problem wirklich nur bei der Schule liegt.

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Tochter geht vor

In letzter Zeit immer wieder:

„Ich muss nur noch…“

„Gleich, sobald ich fertig bin…“

„Ja, natürlich wäre das schön, aber erst mal muss ich…“

„Noch ganz kurz dies. Und dann noch kurz das. Und dann noch…“

„Gleich, habe ich gesagt. Aber das hier ist dringend…“

Immer im Haus, aber nie richtig anwesend. Anspannung, Ungeduld, gereizte Worte. Darum heute früh der spontane Entscheid:

„Pfeif auf deine Pflichten! Luise hat zwei Stunden schulfrei, also bist du jetzt einfach mal Mama. Der Rest kann warten.“

Nur ein gemeinsames Frühstück, ein bisschen Hausaufgaben, ein bisschen quatschen und natürlich einen klitzekleinen Wunsch erfüllt und der Tag war für beide besser, als er gewesen wäre, wenn ich den Pflichten den Vortritt gelassen hätte.

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Überdruss

Verschwörungstheorie

Ein öder Beitrag, der mir nur vorgeschlagen wird, weil ich für eine Zeitungskolumne etwas Ödes gegoogelt habe

Drei dicht aufeinanderfolgende, mit kitschigen Bildern hinterlegte Sinnsprüche, die einander im Grundsatz widersprechen, was eigentlich erstaunt, da sie von der gleichen Person im Abstand von wenigen Sekunden geteilt worden sind

Schon wieder eine Verschwörungstheorie

Ein Bild von einer kitschigen Torte

Noch eine Verschwörungstheorie

Die Geburtsanzeige eines mir wildfremden Babys, die ich nur zu sehen bekomme, weil eine sehr weit entfernte Bekannte, mit der ich befreundet bin, die glücklichen Eltern kennt 

Ein spannender Artikel, den ich unbedingt mal lesen will, wenn ich Zeit habe

Ein neuer Rekord, der irgend ein Freund bei irgend einem Game erreicht hat

Eine Serie von Testergebnissen, welche eine mir fremde Person, die sich offenbar gerade ein wenig langweilt, gepostet hat und die nun ein Freund, der sich vielleicht auch gerade ein wenig langweilt, kommentiert hat

Werbung für ein Buch, das ich – wie die doch eigentlich wissen müssten – bereits bestellt habe

Ein Beitrag zur nächsten Abstimmung, leider aus der falschen politischen Ecke, darum nicht zu like

Sportresultate, die irgend einer, der sich für sowas interessiert, mit allen teilen will, was einer meiner Freunde toll findet

Verwackeltes Video eines Babys, das irgendwo am anderen Ende der Welt lebt und anscheinend so viel toller ist als alle anderen Babys auf diesem Planeten, weshalb wir ihm jetzt alle dabei zusehen sollen, wie es seinen Brei löffelt

Ein spannendes Bild, das mir einen kleinen Einblick in den Alltag eines lieben Menschen verschafft

Fingernägel

Verschwörungstheorie

Fingernägel

Werbung

Fingernägel

Wettbewerb

Fingernägel

Eine mir fremde Familie auf einem Familienausflug an einem mir fremden Ort, gelikt von einer mir fast fremden Person

Fingernägel

Das Bild einer griechischen Landschildkröte, die irgendwo in Norddeutschland vermisst wird

Fingernägel

Spannende Analyse zu einem Thema, das mich brennend interessiert

Fingern… Ach, ihr wisst schon. So geht das nun schon seit Wochen und Monaten und allmählich frage ich mich, ob ein Leben mit Facebook wirklich so viel besser ist.

(Aber dann steige ich trotzdem nicht aus, weil irgend jemand, den ich wirklich mag, etwas wirklich Grossartiges postet, das ich auf gar keinen Fall hätte verpassen wollen. Und überhaupt: Wo würde ich dann meinen eigenen, weltbewegenden Kram verbreiten?)

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Womit man sich als unerfahrene Mutter so tröstet…

Wenn der Dreijährige sich dauerhaft im Nein-Modus befindet: „Ja, er ist ein totaler Sturkopf, seine Trotzanfälle wollen kein Ende nehmen. Aber es hat ja auch sein Gutes, wenn ein Kind einen starken Willen hat. Später lässt er sich bestimmt nicht so leicht mit der Masse treiben und geht seinen eigenen Weg.“

Eine Weisheit, die sich ein paar Jahre später tatsächlich als wahr herausstellt. Bloss hat Mama nicht damit gerechnet, dass dieser starke Wille sich nicht nur gegen den Willen der Masse stellt, sondern weiterhin auch ganz gerne mit ihrem starken Willen konkurriert. 

*

Wenn die Knöpfe weder Zucchini, noch Auberginen noch Tomaten essen wollen: „Irgendwann wird sich ihr Geschmacksempfinden ändern und dann werde ich wieder alles kochen können, was ich mag.“

Auch diese Weisheit bewahrheitet sich, wenn der kindliche Geschmack erwachsen wird. Manch ein Heranwachsender wird gar von tiefer Reue gepackt, dass er diese Delikatessen über Jahre verschmäht hat und so klagt er mitten im tiefsten Winter: „Wann kochst du endlich wieder mal Ratatouille?“ und er wird dein salopp hingeworfenes „Wenn das Zeug wieder Saison hat“ mit ausdauerndem Schmollen quittieren.

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Wenn täglich schon im Morgengrauen Tagwache ist: „Eines Tages werden sie nicht vor Mittag aus dem Bett gekrochen kommen.“

Wenn man von gewissen Ausnahmen absieht, ist das tatsächlich so, aber das gilt leider auch für Tage, an denen man ein volles Programm hat und ganz gerne vor dem Mittagessen aus dem Haus käme.

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Wenn das Kind Nacht für Nacht ins Elternbett schlüpft, weil es sich vor Monstern fürchtet: „Irgendwann wird es wissen, dass es keine Monster gibt und dann werden wir alle ruhiger schlafen.“

Nun gut, die meisten Kinder hören tatsächlich eines Tages auf, an Monster zu glauben. Leider erfahren sie aber wenig später, dass es auf diesem Planeten Menschen gibt, die schlimmer sind als das schlimmste Monster, das je unter ihrem Bett gelauert hat und dann tauchen Ängste auf, die sich nicht mit einem „Na gut, dann schläfst du eben bei uns“ vertreiben lassen.

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Wenn Globi, Chasperli, Pingu oder sonst eine Nervensäge in der Endlosschlaufe läuft: „Der Tag wird kommen, an dem sie das Zeug nicht mehr lustig finden und dann herrscht Ruhe.“

Stimmt, der Tag, an dem sie das Zeug nicht mehr lustig finden, kommt tatsächlich, aber Ruhe herrscht deshalb noch lange nicht, denn dann tritt Youtube mit seinen zahllosen hirnverbrannten Videos, die genau auf den pubertären Humor zugeschnitten sind, in ihr Leben. Und wenn das seinen Reiz verloren hat, entsinnen sie sich plötzlich wieder der Helden ihrer Kindheit und brüllen unter schallendem Gelächter pausenlos: „De Groll i siinere Hööli isch en dumme Löööli“ und damit ist Globi wieder zurück im Rennen. 

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Wenn man es allmählich satt hat, jeden Tag für die Meute am Herd zu stehen: „Wenn wir sie nur fleissig mithelfen lassen, werden sie sich schon bald selber etwas kochen können.“

Eine Weisheit, die sich erstaunlich früh bewahrheitet, worüber man sich von Herzen freuen darf. Man sollte allerdings bedenken, dass die Meinungen, wann eine Küche nach dem Kochen als „sauber und aufgeräumt“ zu bezeichnen ist, sehr weit auseinandergehen.

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Drachenkampf

Morgen früh muss die Abschlussarbeit abgegeben sein und heute Abend, als er – ohnehin nicht ganz fit – den letzten Schliff vornehmen will, ist plötzlich alles, was er in den vergangenen Tagen noch ergänzt hat, verschwunden. Er ist verärgert, fügt alles noch einmal neu ein, speichert brav jeden einzelnen Schritt ab, ist mit allem fertig – und bekommt eine Fehlermeldung. Wieder alles weg, noch einmal alles einfügen, immer wieder zwischenspeichern – und wieder die Fehlermeldung. Er kratzt seinen letzten Rest an Geduld zusammen, lässt sich dank meiner Überredungskunst davon abhalten, den ganzen Kram, an dem er monatelang gearbeitet hat, zu löschen und fügt noch einmal alles ein. Abschnitt für Abschnitt kämpft er sich zum Ziel, jede Seite, die korrekt ist, wird sofort ausgedruckt, damit nichts mehr schiefgehen kann. Die Nerven liegen blank, aber er wird es schaffen.

Was soll eine Mutter bloss dazu sagen? Na, was wohl? „Tief durchatmen, mein Sohn. Du wirst den Computer bezwingen, koste es, was es wolle. Am Ende wirst du als Sieger dastehen, auch wenn es Mitternacht wird, bis du den Kerl niedergerungen hast. Aber lass dir eins gesagt sein: So wird es jetzt jedes Mal laufen, wenn du einen wichtigen Abgabetermin hast. Der Computer kann deine Anspannung riechen. Frag bloss nicht wie, aber er kann es. Er wird mit aller Macht verhindern wollen, dass du deine Deadline einhalten kannst. Und glaub bloss nicht, du würdest mit der Zeit den Dreh raushaben, wie du das verhindern kannst, denn er wird dir jedes Mal einen anderen Felsbrocken in den Weg legen, an dem deine Arbeit fast zerschellt. Nicht verzweifeln, mein Junge, so ist das Leben, aber genau so, wie wir es noch jedes Mal auf den letzten Drücker geschafft haben, wirst auch du es schaffen. Als Zeichen deines Heldenmutes wirst du morgen einen blassen Teint und schwarze Augenringe tragen und jeder wird wissen, dass du einer von denen bist, die den Drachen unserer Zeit zu bezwingen wissen.“

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Kettenreaktion

 

Aggressiver Mitschüler bringt Zoowärter zum Heulen.

Heulender Zoowärter findet zu Hause keine Mama vor, der er sein Herz ausschütten könnte.

Nicht mehr heulender, aber innerlich noch immer aufgewühlter und verletzter Zoowärter geht mit Prinzchen spielen.

Prinzchen verhält sich gegenüber dem nicht mehr heulenden, aber weiterhin aufgewühlten und zutiefst verletzten Zoowärter gegenüber unfair.

Nicht mehr heulender, aber weiterhin aufgewühlter und zutiefst verletzter Zoowärter mag sich nicht zur Wehr setzen, was ihn noch tiefer verletzt.

Nicht mehr heulender, aber noch tiefer verletzter und aufgewühlter Zoowärter sitzt beim Abendessen neben dem Prinzchen, dessen unfaires Verhalten weder vergeben noch vergessen ist. 

Prinzchen hebt sein Glas zum Trinken an, was beim nicht mehr heulenden, aber noch immer tief verletzten und aufgewühlten Zoowärter den Eindruck erweckt, der kleine, für sein unfaires Verhalten bekannte Bruder, strecke ihm die Zunge raus.

Nicht mehr heulender, aber zutiefst verletzter und aufgewühlter Zoowärter sieht seine Chance gekommen, um dem kleinen Bruder die Unfairness heimzuzahlen und schlägt mit der Faust gegen das Glas.

Heulendes Prinzchen reibt sich das schmerzende Nasenbein, nicht mehr heulender und vordergründig auch nicht mehr zutiefst verletzter und aufgewühlter Zoowärter grinst für den Bruchteil einer Sekunde triumphierend, was den Zorn seiner Mutter, die von der ganzen Geschichte nur den Schlag gegen das Glas mitbekommen hat, hervorruft. 

Mütterliches Donnerwetter bricht über den natürlich bald schon wieder heulenden, noch tiefer verletzten und aufgewühlten Zoowärter herein. 

Ahnungsloser Nachbar klingelt ausgerechnet in diesem Moment an der Tür und bekommt eine sehr aufgebrachte Mama Venditti zu Gesicht.

Ahnungsloser Nachbar macht, dass er so schnell als möglich wieder aus diesem Irrenhaus verschwinden kann, sehr aufgebrachte Mama zitiert den wieder heulenden, jetzt abgrundtief verletzten und vor lauter Aufgewühltsein zitternden Zoowärter herbei, um ihm so richtig die Leviten zu lesen.

Heulender, jetzt abgrundtief verletzter und vor lauter Aufgewühltsein zitternder Zoowärter erklärt schluchzend, dass an allem nur der aggressive Mitschüler schuld ist, der nicht nur heute, sondern seit Wochen schon für Zoff auf dem Pausenhof sorgt.

Nicht mehr so aufgebrachte Mama Venditti entschuldigt sich beim Zoowärter für ihr Donnerwetter, nicht mehr heulender, jetzt auch nicht mehr ganz so verletzter und nur noch leicht zitternder Zoowärter entschuldigt sich beim Prinzchen für den brutalen Schlag gegen das Glas, auch nicht mehr heulendes aber noch immer vom Schmerz gezeichnetes Prinzchen entschuldigt sich beim Zoowärter für seine Unfairness.

Müsste sich eigentlich nur noch der aggressive Mitschüler, der die ganze Chose ins Rollen gebracht hat, beim Zoowärter entschuldigen, aber diese Entschuldigung zu bekommen, könnte etwas schwieriger werden. 

(Und mit dem Nachbarn müssen wir vielleicht ein Warnsignal vereinbaren, damit er weiss, wann er an unserer Türe klingeln kann, ohne von einem Familienkrach überrollt zu werden.)

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Teenager-Sorten

Bis jetzt haben wir zwei Sorten Teenager im Hause.

Die eine Sorte geht voll auf Konfrontation. Nicht böswillig oder mit dem Ziel, Regeln zu brechen, sondern eher aus einem übermässigen Drang, gross sein zu wollen. Meist ist sich dieser Teenager nicht bewusst, dass die Türen, die er einrennen will, eigentlich offen stünden und so kommt es hin und wieder zu einem Knall, weil irgendwo, weit hinter der offenen Tür, halt doch eine Wand steht, gegen die man prallt, wenn man mit voller Geschwindigkeit angestürmt kommt. Eine Wand, die da heisst: „Eigentlich hätten wir ja nichts dagegen, aber so geht das nicht. Schon gar nicht in diesem Ton.“ Nicht selten kommt es vor, dass ein auf diese Weise erstrittener Wunsch seinen Reiz verliert, sobald er theoretisch gewährt wäre und so sitzen Eltern und Teenager bald wieder in seliger Eintracht beieinander. 

Die zweite Sorte hält wenig von Auseinandersetzungen und darum wird jeder Wunsch mit vielen nachvollziehbaren Begründungen vorgebracht. Es sieht ganz danach aus, als würde an diesen Begründungen so lange im stillen Kämmerlein gefeilt, bis es keine Lücke mehr gibt, durch die ein elterliches Nein schlüpfen könnte. So richtig streiten muss man sich auf diese Weise natürlich nicht, allerdings merken die Eltern oft erst spät, dass sie um den Finger gewickelt worden sind. Eine Wand gibt es allerdings auch hier, aber die macht vor allem der Glucke zu schaffen, die gelegentlich mit mir durchbrennen will. „Ich kann das wirklich alleine, du brauchst dich nicht weiter darum zu kümmern“, heisst diese Wand und sie steht so bestimmt im Raum, dass die Glucke, die dagegen angerannt ist, sich beleidigt die Beule an der Stirne reibt, während ich hämisch grinsend bemerke: „Hab‘ dir doch gesagt, dass du nicht mehr gefragt bist.“

Man darf gespannt sein, wie sich die dritte Sorte entwickelt. 

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Du erkennst, dass du dem Garten hoffnungslos verfallen bist…

…wenn der Dickmaulrüssler dich bis in deine Träume verfolgt und du schweissgebadet aufwachst, weil du glaubst, den Zeitpunkt zum Ausbringen der Nematoden, die ihn bekämpfen sollen, verpasst zu haben.

…wenn das Wort „Frauenschuh“ eine ganz neue Bedeutung für dich erlangt und es dir nichts ausmacht, dass ein einzelnes Exemplar davon fast gleich viel kostet wie ein Paar von den Dingern, die wirklich für die Füsse sind.

…wenn du dir ganz fest vornimmst, einen grossen Bogen um das Gartencenter zu machen, eine leise innere Stimme dir aber unablässig zuflüstert, du müsstest unbedingt noch mehr römische Kamille und Kugeldisteln haben. 

…wenn du nicht in der Lage bist, dieser inneren Stimme zu widerstehen und du deshalb erst eine halbe Ewigkeit später mit einem Einkaufswagen voller Blumen wieder aus dem Reich deiner Träume auftauchst.

…wenn du in deinem Kaufrausch ausgerechnet die römische Kamille und die Kugeldisteln vergessen hast, was natürlich eine fiese Finte deiner inneren Stimme war, die dich so bald als möglich wieder zum Besuch eines Gartencenters drängen will.

…wenn du beim Anblick der im Balkonkistchen blühenden Löwenmäulchen mehrmals täglich in Verzückung gerätst und deiner Familie mit deinem andauernden „Sieh dir das an. Sind sie nicht himmlisch, die lieben Kleinen?“ auf den Geist gehst. 

…wenn du drei verschiedene Wetter-Apps zu Rate ziehst, um herauszufinden, ob deine Tomatensetzlinge über Nacht Wetterschutz benötigen.

…wenn Smalltalk übers Wetter zur Qual wird, weil du nicht mehr in der Lage bist, dich in der Weise über Regen aufzuregen, wie man es hierzulande erwartet. 

…wenn du dich freust wie ein kleines Kind, weil das Gratis-Saatset, welches das Prinzchen beim Einkauf bekommen hat, genau die Samen enthält, die deinem Garten zu seinem Glück noch gefehlt haben. 

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Nur der Feinschliff fehlt noch

Eigentlich wäre er dazu ausersehen gewesen, ein richtiger süditalienischer Macho zu werden, doch zum Bedauern seiner Verwandtschaft liessen ihn Fussball und schnelle Autos kalt, lautes Prahlen war auch nicht sein Ding und nachdem er im frühen Kindesalter Farbstifte und Papier für sich entdeckte, ging es nur noch bergab mit ihm.

Mit sechzehn färbte er sich die Haare in verschiedenen Rottönen.

Mit siebzehn schleppte er eine Schweizerin an.

Mit knapp zwanzig entschied er sich, Primarlehrer zu werden, anstatt einen Beruf zu wählen, bei dem man den ganzen Tag wichtigtuerisch in Anzug und Krawatte herumstolzieren konnte.

Mit einundzwanzig trat er aus der katholischen Kirche aus.

Mit vierundzwanzig reiste er im Sommer lieber nach England als nach Italien.

Mit vierunddreissig war er Vater von fünf Kindern, obschon seine Mama ihm geraten hatte, nach zwei damit aufzuhören.

Und was für ein Vater er war. Einer, der sich nicht genierte, nachts aufzustehen, seinem Nachwuchs die Windeln zu wechseln und bei den Hausaufgaben zu helfen. Einer der seine Männlichkeit nicht in Frage gestellt sah, wenn er im Kochtopf rührte oder mit dem Staubsauger durch die Wohnung wetzte.

Für seine Verwandtschaft blieb er ein Rätsel, auch wenn sich mit der Zeit eine gewisse Bewunderung bemerkbar machte, denn auch in Süditalien sind Machos inzwischen nicht mehr so gefragt. 

Für seine Frau ist er ein Glücksfall, denn sie kann sich darauf verlassen, dass er, wenn sie ausser Hause ist, den Karren zieht. Anders als sie zwar, aber ganz bestimmt nicht schlechter. (In den meisten Fällen sogar besser, wenn man mal von den ewigen Streitereien mit seiner einzigen Tochter absieht.) Inzwischen spielt es eigentlich keine Rolle mehr, ob sie oder er zu Hause ist.

Na ja, es spielt fast keine Rolle mehr. Er muss nur noch lernen, wie die richtige Antwort lautet, wenn sie nach einem langen Arbeitstag nach Hause kommt und fragt, ob die Kinder am nächsten Tag Sporttag haben.

Seine Antwort: „Sporttag? Keine Ahnung. Die Kinder haben nichts davon gesagt.“ Und das natürlich um eine Zeit, als nachfragen bei den Knöpfen nicht mehr möglich ist, weil alle schon tief und fest schlafen. (Proviant kaufen ginge übrigens auch nicht mehr, da nicht mal mehr Tankstellenshops offen sind.)

Die richtige Antwort hätte gelautet: „Nein, der Sporttag findet morgen nicht statt. Ich hatte es ja schon geahnt, denn die Wetterprognose ist wirklich mies. Und meine Vermutung hat sich mit dem Elternbrief, den die Kinder nach Hause gebracht haben, bestätigt. Was eigentlich schade ist, denn selbstverständlich habe ich bereits den ganzen Proviant für den morgigen Tag eingekauft.“

So müsste das eigentlich laufen, aber wenn man bedenkt, dass er eigentlich dazu ausersehen gewesen wäre, ein südländischer Macho zu werden, wollen wir mal grosszügig über diesen Schnitzer hinwegsehen.

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Zeitmaschine

Es gibt sie noch, die Tage, an denen andauernd einer heult, weil der andere so unglaublich fies und hinterhältig zu ihm war. Wobei der andere natürlich eine komplett andere Version der Ereignisse präsentiert, weshalb am Ende beide heulen.

Die Tage, an denen einer permanent eingeschnappt ist, weil jedes Wort, das aus deinem Munde kommt, aus irgend einem Grund das Falsche war.

Die Tage, an denen du während des Abendessens nur ganz kurz ans Telefon musst und wenn du wieder zurück kommst, ist einer tropfnass, einem anderen stehen die Tränen in den Augen und die Dritte rennt schreiend aus dem Zimmer. 

Die Tage, an denen du den Abwasch lieber ohne die Hilfe des Kindes, das eigentlich Küchendienst hätte, hinter dich bringst, weil es schon wieder einen der neuen Teller ruiniert hat und du nicht noch weitere Scherben ertragen kannst. 

Die Tage, an denen immer einer genau dann das Weite sucht, wenn er auf gar keinen Fall weg sein dürfte, so dass du zwischen dem Anbraten und dem Wenden der Pancakes jeweils laut nach ihm rufend auf dem Balkon stehst und dich vor dem ganzen Quartier als diejenige zu erkennen gibst, die mal wieder gar nichts im Griff hat. 

Die Tage, an denen plötzlich einer auf die Idee kommt, irgend einen Kram aus Leim, Stärkemehl, Abwaschmittel, Puderzucker und Luftballons zu fabrizieren, was natürlich tüchtig in die Hose geht, aber das wollte man dir natürlich nicht glauben, weil es bei der Basteltante auf youtube ja auch funktioniert hat.

Die Tage, an denen du alle paar Minuten sehnsuchtsvoll zur Küchenuhr schaust und dich fragst, wann dieser irre Reigen, den deine Kinder und dein PMS miteinander tanzen, endlich ein Ende finden wird.

Die Tage, an denen der Seifenspender, den du gestern frisch aufgefüllt hast und der heute schon wieder zu zwei Dritteln leer ist, der berüchtigte Tropfen ist, der das Fass zum Überlaufen bringt, so dass du an die Decke gehst wie schon lange nicht mehr. 

Die Tage, an denen du dich fühlst, als hätte dir dein Leben einen miesen Streich gespielt und dich mit einer Zeitmaschine zurück katapultiert in eine Lebensphase, in der sie alle noch klein und ohne Vernunft waren. Doch wenn du in die Runde blickst, siehst du lauter Menschen, die gross genug wären, um solchen Mist bleiben zu lassen und die auch schon mehrfach bewiesen haben, wie gut sie das können, wenn sie denn wollen.

Du musst also annehmen, dass sie nur mal wieder testen wollen, ob deine Nerven immer noch so leicht nachgeben, wenn sie lange genug darauf herumturnen.

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