Renovationsbedürftig

Es gibt wohl in jedem Leben untrügliche Zeichen, die einem sagen, dass eine gründliche Lebensrenovation angesagt ist. Bei mir sind es die folgenden:

1. Ich seufze und das Prinzchen fragt: „Mama, bist du heute gesund oder krank?“ Ganz klar, sogar unser Jüngster hat mitgekriegt, dass ich dieses Jahr überdurchschnittlich oft krank im Bett liege.

2. Ein Tag ohne Mittagsschlaf mag gerade noch drin liegen, aber zwei Tage ohne Mittagsschlaf sind unerträglich.

3. Würde mich keiner wecken, der Mittagsschlaf würde zu „Du meine Güte, ich habe doch tatsächlich den ganzen Tag und die halbe Nacht verpennt!“

4. Ich stelle sorgfältig einen Menüplan zusammen, kaufe mit Freuden frische Lebensmittel ein und verliere dann, wenn es Zeit wäre, das Essen vorzubereiten, die Lust am Kochen. Dann gibt’s schon wieder Pasta mit Tomatensauce und das eingekaufte Gemüse landet in einer spätabendlichen Einmach-Orgie im Glas.

5. Freizeit treibt mich in den Wahnsinn, weil da so viele Möglichkeiten wären, aber nur so wenig Energie.

6. Luises Mathematikaufgaben machen mich noch nervöser als gewöhnlich.

7. Das Gefühl, sämtliche Rechnungen bezahlt zu haben, beflügelt mich so ungemein, dass ich in Versuchung gerate, die Rechnungen für den kommenden Monat auch noch zu begleichen.

Spätestens an diesem Punkt gibt es keinen Zweifel mehr, dass es so nicht weitergehen kann. Dies zumindest habe ich inzwischen verstanden. Alles andere ist zurzeit ein grosses Fragezeichen.

 

Zehn Dinge, die dir heutzutage keiner mehr verzeiht

1. Du kommst zu spät, weil du dich verfahren hast. „Was um Himmels Willen ist bloss passiert? Ist Ihr GPS ausgestiegen? Wie? Sie haben kein GPS?“

2. Du erziehst dein Kind einsprachig, obschon du es zweisprachig hättest erziehen können.

3. Du gibst einem Bettler einen Zweifränkler, obschon er dir nicht die nötigen Dokumente vorlegen kann, die belegen, dass er alles Menschenmögliche unternommen hat, um aus eigener Kraft wieder zu einem voll funktionstüchtigen Mitglied der Gesellschaft zu werden.

4. Du lässt dir ganze zwei Stunden Zeit, um eine Mail zu beantworten.

5. Du wagst es, offen dazu zu stehen, dass dir Grammatik etwas bedeutet.

6. Du rennst nicht zum Therapeuten, obschon dein Kind nun schon zum dritten Mal in diesem Jahr das Bett genässt hat.

7. Du erdreistest dich, über eine Idee laut nachzudenken, bevor du dazu ein zwölfseitiges Konzept, einen umfangreichen Businessplan und eine ansprechende Power Point Präsentation erarbeitet hast.

8. Du mutest deinem Haustier zu, dass es Dinge, die seine Artgenossen während Jahrtausenden ohne menschliche Hilfe getan haben, weiterhin selber tut, obschon es heutzutage doch so viele interessante Möglichkeiten gäbe, das Tier vom Menschen abhängiger zu machen.

9. Du vertrittst allen Ernstes die Meinung, dass auch Menschen, die nicht in der Schweiz geboren worden sind, das Recht haben, sich nach einem besseren Leben zu sehnen. Ja, du wagst es gar, daran zu erinnern, dass vor gar nicht allzu langer Zeit Wirtschaftsflüchtlinge aus unserem Land ausgezogen sind, um andernorts ihr Glück zu suchen.

10. Die grösste aller Sünden: Du bist nicht erreichbar, weil du das Haus ohne funktionstüchtiges Handy verlassen hast.

 

Fotoromanzo

Nach einem himmeltraurigen Regensamstag voller Missgeschicke zum Tagesabschluss eine herzerwärmende Foto-Lovestory:

Die Hauptdarsteller:

Bio-Milch und vegetarisches Lab &  

Dass die zwei zusammenkommen mussten, war natürlich schon von Anbeginn klar, doch wie so oft in der Liebe, ging es auch hier nicht ohne einige hitzige Phasen…

 

… Zerreissproben…

 

…  und schmerzhafte Veränderungsprozesse.

 

Schliesslich aber fanden die beiden zueinander…

 

und am Ende vermählten sie sich zu einer zart schmelzenden Burrata:

 

Und wenn sie „Meiner“ inzwischen nicht verspeist hat, schwelgen sie noch immer in ihrer himmlischen Zweisamkeit.

 

Möbelhaus

Es gab eine Zeit, da liebte ich es, mit „Meinem“ durch die Möbelhäuser zu ziehen, mir alles ganz genau anzuschauen, Preise zu vergleichen und vor allem natürlich einzukaufen. Schwierig war bloss, dass die Kinder nicht mitspielten. Mal waren sie noch zu klein für das Kinderparadies, mal wollten sie sich nicht abgeben lassen, mal wollten sie, aber durften nicht mehr, weil sie schon zu gross waren, mal mussten sie mit in die Möbelausstellung, weil sie mitbestimmen wollten, in welchem Bett sie in Zukunft schlafen würden. Als dann eines Tages der Zoowärter vor lauter Anstrengung mitten im Möbelgeschäft einen Fieberkrampf bekam und mit der Ambulanz ins Spital gefahren werden musste, dämmerte uns endlich, dass unsere Kinder nicht möbelhaustauglich sind. Von daher ging nur noch entweder „Meiner“ oder ich, wenn wir überhaupt Kinder mitnahmen, dann jene, die entweder schon gross genug zum Mithelfen oder noch klein genug, um den Einkauf zu verschlafen waren.

Diese Zeiten sind nun vorbei. Inzwischen können wir problemlos am Samstag ins Möbelhaus fahren. Karlsson, Luise und der FeuerwehrRitterRömerPirat sind in der Jungschar, der Zoowärter und das Prinzchen gehen liebend gerne ins Kinderparadies, weil sie dort noch kaum je waren. Und so können „Meiner“ und ich vollkommen unbeschwert durch die Ausstellung gehen.

Zu dumm, dass wir inzwischen gar keine Lust mehr auf Möbelkauf haben. Zu viele Leute, die nur zum Spass einkaufen gehen und nicht, weil sie ganz dringend einen Tisch brauchen, an dem fünf immer grösser werdende Kinder Platz finden. Zu viel Lärm, zu viele schreiende Kinder, die keine Lust darauf haben, von ihren Eltern durch den Laden geschleppt zu werden. Zu viel Billigware, bei der man nicht dran denken darf, unter welchen Bedingungen sie wohl entstanden ist. Zu genervt, dass schon wieder etwas Neues her muss, weil man einfach keine Qualität mehr geliefert bekommt und zwar unabhängig davon, ob etwas billig oder teuer ist. Zu angewidert von der ewig gleichen Massenware.

Der Möbelkauf hat für uns seinen Reiz verloren. Ausgerechnet jetzt, wo unsere Kinder allmählich auf den Geschmack kommen. Luise zumindest war ziemlich enttäuscht, als sie erfuhr, dass sie nicht mitkommen kann.

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Ich bleibe draussen – oder so

Wie ist das eigentlich mit den Katzen? Darf man die auch mit in ein Geschäft nehmen? Bei den Hunden ist das ja eindeutig geregelt. Wenn es erlaubt ist, steht nichts, wenn es verboten ist, hat es ein Verbotsschild und einen Haken, an dem der Hund angeleint werden kann.

Ob für Katzen das gleiche gilt? Ich hätte es zu gerne gewusst, heute Morgen, als das Prinzchen und ich am Bankschalter standen und plötzlich von draussen her ein klägliches Miauen hörten. So kläglich miaut nur einer, das war mir sofort klar und deswegen war ich keineswegs erstaunt, als ich Kater Leone vor der automatischen Türe stehen sah. Einen äusserst verzweifelten Kater Leone, denn wenn er mich sieht und doch nicht zu mir gelangen kann, dann dreht der Arme fast durch.

Seitdem er mich an seinem ersten Tag bei uns zu seiner Mama erkoren hat, jammert er wie ein kleines Kind, wenn ich mich zu weit von ihm entferne. Nun gut, er darf natürlich gehen, wie ihm beliebt, er ist ja ein Kater. Ich aber soll gefälligst bleiben, wo ich bin, jederzeit verfügbar für traute Zweisamkeit auf Mamas Kopfkissen. Wenn ich nicht bin, wo ich seiner Meinung nach sein sollte – haben Katzen überhaupt eine Meinung? -, dann sucht er mich eben. Im Garten, im Büro, an der Bushaltestelle, bei Nachbars oder eben in der örtlichen Filiale einer sehr verrufenen Schweizer Bank.

Gewöhnlich lasse ich mich von ihm finden, aber heute liess ihn dann draussen warten, obschon es mir fast das Herz zerriss, als er so kläglich nach mir rief. Weil ich aber nicht den Verdacht erwecken wollte, Kater Leone sei mein Komplize bei einem auf unschuldig getrimmten Banküberfall – „Kaltblütige Mama im rosa Kleidchen mit herzigem Kleinkind und anhänglichem Kater übertölpelt unbescholtene Bankangestellte“ -, unterdrückte ich meinen Katzenmutter-Instinkt. Ich glaube, Kater Leone war ziemlich eingeschnappt. Erst ein heftiges Gewitter am sehr späten Abend konnte ihn dazu bewegen, heim zu Mama zu kommen.

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Wer braucht denn schon Hitzeferien?

Wenn der FeuerwehrRitterRömerPirat abends um halb acht fragt, ob er ins Bett gehen dürfe, das Prinzchen den lieben langen Tag in Gummistiefeln und Velohelm herumrennt, der Zoowärter nicht heult, wenn es keinen Blumenkohl mehr hat, Luise ein ganzes Kapitel der „Unendlichen Geschichte“ hört, ohne ein einziges Mal aufzuspringen, „Meiner“ auf dem Sofa einschläft, bevor die Wohnung blitzblank ist, Karlsson ohne Hausaufgaben von der Schule nach Hause kommt und ich dreimal am Herd stehe und darauf warte, bis das Wasser siedet, ohne zu bemerken, dass die Herdplatte ausgeschaltet ist, dann sind dies untrügliche Anzeichen, dass Hitzeferien angesagt wären. Nur macht man sowas heutzutage natürlich nicht mehr. Wo kämen wir denn hin, wenn wir uns von der Natur vorschreiben liessen, wann wir den Fuss vom Gaspedal nehmen sollen?

Arme Katzen

Wenn es wahr ist, was die Werbung verspricht….

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… dann kann ich unsere Katzen nur noch bemitleiden.

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Aber doch nicht jetzt

Liebe Katholiken, nehmt mir es bitte nicht übel, wenn ich mit einer kleinen Frage an euch herantrete: Würde es euch vielleicht etwas ausmachen, eure Heilige Jungfrau in Zukunft nicht mehr am 15. August in den Himmel auffahren zu lassen? Glaubt mir, ich respektiere es, dass euch dieser Tag heilig ist, auch wenn ich Maria etwas weniger verklärt sehe als ihr. Aber müsst ihr sie ausgerechnet am 15. August feiern?

Dieser Tag ist denkbar ungeeignet für einen Feiertag. Kaum hat die Schule angefangen, haben unsere Kinder wieder frei und ich weiss beim besten Willen nicht, wie ich die Wohnung nach fünf Wochen ohne Putzfrau auf Vordermann bringen soll, wenn schon wieder alle den halben Tag im Pyjama herumlungern und mich anflehen, endlich ins Schwimmbad zu kommen. Und nächstes Jahr wird’s noch mühsamer, weil der 15. ein Donnerstag sein wird und dann machen die bestimmt gleich wieder ein verlängertes Wochenende draus. Wer braucht denn so kurz nach den Ferien so viel Erholung? Nun ja, wir Mütter vielleicht, die wir fünf Wochen lang für Unterhaltung gesorgt haben. Wie aber sollen wir uns erholen, wenn schon wieder alle unterhalten werden wollen?

Gut, man könnte vielleicht auch anregen, dass die Schule die Sommerferien so legt, dass Mariä Himmelfahrt in die schulfreie Zeit fällt. Das Problem ist nur, dass sich die Schule ziemlich schwer tut mit solch einschneidenden Veränderungen. Ihr aber, meine lieben Katholiken, seid bestimmt flexibel genug, euren Feiertag in Zukunft an einem günstigeren Datum zu begehen. Am liebsten irgendwann zwischen September und März, wenn weit und breit kein Feiertag in Sicht ist, der als kleine Verschnaufpause taugt. (Nein, Weihnachten zählt nicht, denn da kann von verschnaufen nicht die Rede sein.)

Hinder em Huus und vorem Huus – Ein Loblied auf die Beschaulichkeit

Zuweilen gerate ich bekanntlich in Gefahr, meinen Familienalltag durch die rosarote Brille zu betrachten. Hier ausnahmsweise mal ein vollkommen realistischer Beitrag über einen ganz gewöhnlichen, heissen Dienstagnachmittag im August:

13:30 Uhr: Luise und Karlsson sind in der Schule, das Prinzchen hat sich mit seinem Kakao zurückgezogen, der Zoowärter und der FeuerwehrRitterRömerPirat spielen friedlich. Also beste Voraussetzungen, um mich ans Einmachen der Tomaten zu machen. Schnell einen grossen Topf Wasser aufsetzen, die Tomaten kreuzweise einritzen und blanchieren. Wenn das so weitergeht, kann ich in zwanzig Minuten mit Einfüllen und Sterilisieren anfangen.
13:40 Uhr: Der Zoowärter will einen Freund einladen, das Prinzchen schreit im Garten nach seinem besten Freund, der gegenüber wohnt, der FeuerwehrRitterRömerPirat fragt mich alle zehn Sekunden, wann denn endlich seine erste Trompetenstunde anfange.
14:00 Uhr: Das Wasser siedet, die Tomaten sind aber noch nicht fertig eingeritzt, der Zoowärter lädt seinen Freund auf 14:30 Uhr ein, der FeuerwehrRitterRömerPirat will immer noch wissen, wann die Trompetenstunde beginnt, das Prinzchen hat seinen Freund noch nicht gefunden und jetzt will auch der Zoowärter wissen, wann sein Freund endlich kommen werde.
14:30 Uhr: Prinzchens Freund ist endlich aufgetaucht, Zoowärters Freund kommt mit Mama und kleinem Bruder, was ich schamlos für einen ausgedehnten Schwatz neben dem Tomatenschälen – die Dinger sind jetzt endlich soweit – ausnütze. Der FeuerwehrRitterRömerPirat fühlt sich vernachlässigt und fängt an, die anderen zu nerven.
15:15 Uhr: Karlsson kommt nach Hause und will singen und zwar nicht wie üblich schön und rein, sondern laut und falsch.
15:25 Uhr: Die Mama von Zoowärters Freund bietet sich an, auf die Kinder aufzupassen, währenddem ich den FeuerwehrRitterRömerPiraten – endlich! – zur Trompetenstunde fahre. Das Prinzchen heult, weil ich ihn nicht mitnehme. Auf dem Weg fällt mir ein, dass ich noch das Geld für das Notenheft hätte mitbringen sollen. Na dann, machen wir eben gleich beim ersten Mal einen schlechten Eindruck. Das können wir also abhaken.
15:35 Uhr: Die Mama von Zoowärters Freund geht nach Hause. Weil alle so nett und friedlich miteinander spielen, lade ich den kleinen Bruder zum Bleiben ein. Stand der anwesenden Kinder zu diesem Zeitpunkt: 3 Vendittis, 1 bester Freund für das Prinzchen, 1 bester Freund für den Zoowärter, ein kleiner Bruder des besten Freundes. Kein Problem, wo sie doch alle so nett zueinander sind.
15:40 Uhr: Eine Fehde zwischen den Kindergartenjungs und den Vorschulkindern bricht aus. Die Grossen jagen die Kleinen ums Haus, mal sind alle hinten, mal vorne und ich bin nie dort, wo es gerade brennt. Die Nachbarn von gegenüber kommen vollkommen übernächtigt aus den Ferien zurück, kurzer Austausch über das Wetter hier und in Bosnien, über die lange Fahrt und die Hochzeit der Tochter. Von gegenüber ruft die Grossmutter von Prinzchens Freund. Prinzchens Freund stellt auf stur und bittet mich, mit seiner Grossmama zu verhandeln, damit er länger bleiben kann. Gar nicht so einfach, wo sie kein Deutsch spricht und ich kein Marokkanisches Arabisch.
16:00 Uhr: Luise kommt nach Hause, berichtet mir über Zoff in der Schule. Wenige Augenblicke später kommt der FeuerwehrRitterRömerPirat mit seiner neuen Trompete. Er spielt „Oh Tannenbaum“, alles auf einem Ton und sehr laut. Die Nachbarn eilen ans Fenster, stellen mit Entsetzen fest, dass Vendittis jetzt auch noch eine Trompete haben. Eine andere Nachbarin kommt auf dem Velo vorbei, bleibt auf einen Schwatz, auf dem Gartentisch klingelt das Telefon und ich bin nicht schnell genug. Karlsson informiert mich, dass er nach der Geigenstunde gleich ins Schwimmbad und danach zu den Pontonieren gehen wird, dann ist er weg, dafür kommt der beste Freund des FeuerwehrRitterRömerPiraten überraschend zu Besuch. Luise telefoniert derweilen mit der besten Freundin. Leider kann sie heute nicht mehr vorbeikommen.
17:00 Uhr: Meine Mutter möchte mit dem Auto in die Garage fahren, zuerst müssen aber alle Traktoren, Trottinetts, Bälle und Kinder aus dem Weg. Dazwischen muss noch der Schwatz mit der Nachbarin beendet werden. Das Prinzchen heult, weil wir seine Baustelle zerstören, die Grossmama von gegenüber möchte den Enkel abholen, aber dieser weigert sich und beisst ihr in die Hand.
17:15 Uhr : Plötzlich ist alles still. Die ganze Horde ist im Spielzimmer meiner Mutter verschwunden, einzig Luise, der kleine Bruder des besten Freundes und ich sind noch im Garten. Wir versuchen herauszufinden, ob der Kleine aufs WC muss, oder ob er Hunger hat. Luise bringt ihn schliesslich dazu, aufs WC zu gehen. Währenddem er sitzt, sehe ich draussen die Grossmama, die verzweifelt ihren Enkel sucht. Weil ich ihr nicht erklären kann, wo er ist, locke ich den Jungen aus dem Spielzimmer und schleppe ihn auf den Balkon, wo ich ihn so hoch wie möglich halte, damit die Grossmama ihn sehen kann. Sie sieht ihn nicht, die Bäume tragen zu viel Laub. Zoowärters Freund und Bruder werden abgeholt, kurzer Schwatz mit den Eltern, dann schnell hinters Haus, damit ich der verzweifelten Grossmama beweisen kann, dass ihr Enkel nicht entführt worden ist. Da jetzt auch der Vater des Jungen zu Hause ist, können wir eine Zeit vereinbaren, wann er nach Hause muss. Ich zeige den Jungen auf der Uhr, wann er gehen muss, er zeigt mir, wann er gehen will, nämlich etwa drei Stunden später.
17:30 Uhr: Zurück im Spielzimmer meiner Mutter. Alles ist friedlich, der FeuerwehrRitterRömerPirat spielt wieder „Oh Tannenbaum“, inzwischen schon auf zwei Tönen und so laut, dass meine Mutter und ich nicht reden können. Wir bitten ihn, etwas leiser zu sein, er ist verständlicherweise eingeschnappt, ich kann mich aber nicht darum kümmern, weil ich jetzt Prinzchens Freund davon überzeugen muss, dass er nach Hause muss.
17:50 Uhr: Allmählich kehrt Ruhe ein, es sind nur noch ein bester Freund und vier Vendittis zu betreuen, Karlsson ist noch nicht zurück. Der beste Freund des FeuerwehrRitterRömerPiraten, der gewöhnlich ganz gut Deutsch spricht, versteht uns plötzlich nicht mehr, als wir ihn fragen, wann er denn nach Hause müsse. Also isst er bei uns Tomatensuppe – zum Einmachen bin ich nicht mehr gekommen – und ich hoffe mal, dass das so in Ordnung ist. Zu Hause anrufen möchte er nämlich nicht und da ich leider keine der neun Nationalsprachen Eritreas spreche, kann ich es nicht für ihn erledigen.

Nach diesem beschaulichen Tag habe ich nur noch einen Wunsch: So schnell als möglich die verschiedenen Sprachen Afrikas zu lernen, damit ich weiss, wann ich welches Kind wieder zu Hause abliefern muss. Die internationale Atmosphäre im Spielzimmer möchte ich nämlich auf gar keinen Fall mehr missen.

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DIY-Romantik

So, wie es aussieht, wird es dieses Jahr nichts mehr aus lauen Sommerabenden zu zweit, schon gar nicht auswärts. Die Gründe dafür sind vielfältig: Kinder, die wegen der Wärme den Schlaf nicht finden, abendliche Gewitter, ausgerechnet dann, wenn mal etwas früher Ruhe einkehren würde, Termine, die sich einfach so in die zu kurzen Sommermonate geschlichen haben und Käfer, die mich nun schon zum zweiten Mal innert weniger Wochen heimgesucht haben und mich dazu zwingen, den ganzen Tag im Dämmerzustand auf dem Sofa zu verbringen.

Nein, so habe ich mir den Sommer nicht vorgestellt. Was also tun? Mich grün und blau ärgern? Im Selbstmitleid versinken? Das bringt ja doch nichts, Alternativen müssen her. Eine davon wäre, das iPad schnappen, im Garten die Liegestühle aufstellen, die „Meiner“ neulich im Brockenhaus erstanden hat und einen Film reinziehen. Wenn wir nicht zum Open Air-Kino können, muss das Open Air-Kino eben zu uns kommen. Jetzt muss ich nur noch „Meinen“ dazu bringen, mein Krankenlager nach draussen zu transportieren und der romantische Abend ist zumindest halbwegs gerettet…

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