Perspektive

Du kannst die unbezahlten Rechnungen sehen und dich darüber aufregen, dass das Geld oft nur für die Pflichten, nicht aber für die Wünsche reicht. Du könntest dich aber auch darüber freuen, dass genügend Geld hereinkommt, damit du alles bezahlen kannst, was bezahlt werden muss.

Du kannst dich darüber ärgern, dass „Deiner“ seine Macken in all den Jahren noch immer nicht abgelegt hat. Du könntst  aber auch dankbar sein dafür, dass du mit einem Menschen unterwegs bist, der dir so sehr vertraut, dass er sogar den Mut hat, dir auf die Nerven zu fallen.

Du kannst darüber jammern, dass deine Kinder ihren Frust immer zu Hause auslassen, sich auswärts aber stets von der besten Seite präsentieren. Du könntest dich aber auch darüber freuen, dass keine „Frau Venditti, Ihr Kind hat heute in der Wut eine Fensterscheibe eingeschlagen“-Anrufe kommen.

Du kannst dich darüber aufregen, dass die Kinder den Fisch nicht aufgegessen haben. Du könntest aber auch froh sein, dass du dadurch beim Katzenfutter sparen kannst.

Du kannst dich selber bemitleiden, weil diesen Sommer keine Ferien drinliegen. Du könntest aber auch zufrieden sein, weil dir in diesem Jahr kein anderer die Heidelbeeren wegisst, die immer dann reif sind, wenn du gewöhnlich verreist.

Du kannst die Leute beneiden, die ein beschauliches, wohlgeordnetes und ausgeglichenes Leben führen. Du könntest aber auch dankbar sein dafür, dass bei dir bestimmt nie Langeweile aufkommt.

Du kannst alles noch ein wenig schwärzer sehen, als es in Wirklichkeit ist. Du könntest aber auch versuchen, die Welt hin und wieder durch die Brille deiner Kinder zu sehen und zu staunen, wie viel Schönes du dadurch entdeckst.

Harte Zeiten

Mamas erste ungenügende Note: Ende fünfte Klasse, Mathematik. Reaktion des Kindes: Tränen, eine erste Ahnung, dass eine Schullaufbahn auch ihre Tiefpunkte haben könnte. Reaktidereinst Mamas Mama: Keine Ahnung. War wohl nicht allzu beunruhigt, da sie beim siebten Kind schon an allerhand gewöhnt war.

Karlssons erste ungenügende Note: Anfang fünfte Klasse, Mathematik. Reaktion des Kindes: Frust, Ausblenden der Tatsache, dass der Lehrer am gleichen Tag eine seiner Prüfungen mit der Bestnote bewertet hatte. Reaktion der Mutter: „Kopf hoch, sowas kann vorkommen. Der Papa übt dann heute Abend noch mit dir. Und Schau mal, wie gut du in Deutsch abgeschnitten hast.“

Luises erste ungenügende Note: Dritte Klasse, Mathematik. Reaktion des Kindes: „Ich bin dumm!“ Reaktion der Mama: „Du bist ganz bestimmt nicht dumm. Lass uns herausfinden, wo das Problem lag und dann läuft’s beim nächsten Mal besser.“

Erste ungenügende Note des FeuerwehrRitterRömerPiraten: Erste Klasse, Mathematik. Reaktion des Kindes: Niedergeschlagenheit. Reaktion der Mama: Rasende Wut, weil die Kinder gerade mal zehn Minuten Zeit hatten für mehr als hundert Rechnungen. Obendrein eine grosse Traurigkeit, weil es auch für Erstklässler keine Schonzeit mehr gibt.

Zoowärters erste ungenügende Note: Gott sei Dank machen die im Kindergarten – noch? – keine Noten!

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Nun übertreibt mal nicht

Diese Woche koche ich Österreichisch. Dazu gibt es keinen bestimmten Grund, ausser vielleicht den, dass ich seit einiger Zeit dem Menüplan unter ein bestimmtes Thema stelle  um mir die mühselige Rezeptsuche zu erleichtern und mir diesmal einfach nichts Besseres eingefallen ist. Zur Abwechslung mal Marillenknödel, Zillertaler Krapfen & Co.  War gar nicht so einfach, diesen Menüplan zu erstellen, man kann ja nicht alle Tage Mehlspeisen essen. Oder Wiener Schnitzel.

Wobei das mit den Schnitzeln eine ziemlich komplizierte Angelegneheit ist. Was mir als Vegetarierin aus der Schweiz als ganz banales Stück Kalbfleisch in Panade erscheint, ist bei unseren Nachbarn offenbar Staatsreligon Nummer zwei. Das merkt man schon bei der Auswahl des Rezepts.  Mache ich das „Echte Wiener Schnitzel“,  das „Original Wiener Schnitzel“ oder „Wiener Schmitzel – das Original“? Jedem Rezept kann ich entnehmen, dass aus der Sache nur etwas werden kann, wenn man die Anweisungen sklavisch befolgt. Offen gestanden sind von blossem Auge kaum Unterschiede erkennbar, aber was weiss ich denn schon?

Eigentlich könnte mir das mit der Perfektion ja egal sein, denn ich habe nicht im Sinn, von dem Zeug auch zu essen. Aber als auf Transparenz bedachter Mensch will ich keinen Etikettenschwindel begehen und den Kindern etwas auftischen, was den Namen nicht verdient. Ausserdem fürchte ich mich davor, dass plötzlich ein Österreicher in meiner Küche steht – keine Ahnung, woher der kommen soll – und mir eins auf die Finger gibt, weil ich mich nicht genauestens an die Vorschriften gehalten habe.  Oh nein, ich bin nicht vollends durchgedreht, nur leicht eingeschüchtert ob all der Kommentare zu den Rezepten: „Die Panade unter gar keinen Umständen andrücken!“, „Ohne Schweineschmalz wird das gar nichts!“, „Ha! Das soll das Originalrezept sein? Und wo bleibt das Öl, mit dem das Ei vermischt wird?“, „Ihr spinnt ja wohl! Das Salz gehört nie direkt aufs Fleisch.“ So ähnlich geht das endlos weiter und am Ende könnte man meinen, ein Wiener Schnitzel könne nur derjenige zubereiten, der a) in Wien zur Welt gekommen ist, der b) seinen Stammbaum lückenlos bis zur ersten Wiener Türkenbelagerung zurückverfolgen kann und der c) eine Oma hat, die ihn vom ersten Atemzug an mit perfekt gebratenen Schnitzeln vollgestopft hat.

Keine Chance also, das ich die Sache richtig hinkriege. Darum habe ich einfach so getan, als würde ich ganz gewöhnliche panierte Schnitzel zubereiten und man sagt mir, sie seien gar nicht so schlecht gewesen. Aber glaubt bloss nicht, ich würde an dieser Stelle verraten, nach welcher Methode ich vorgegangen bin. Sonst wimmelt es hier schon bald von sehr vielen Kommentaren über die alleinseligmachende  Methode, ein Wiener Schnitzel zuzubereiten.

 

Pessimistisch?

Nach einem Tag im Bett mit Sonntagspresse von vorne bis hinten und von hinten nach vorne, nach zu vielen Folgen von „Little Britain“ und nach der Lektüre eines Buches, das zu Recht so ziemlich alles in Frage stellt, was heute schief läuft, möchte ich gerne die folgende Frage beantwortet haben: Geht die Welt tatsächlich vor die Hunde oder sind es nur die Gliederschmerzen, die mich alles so pessimistisch sehen lassen?

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Dinge, auf die ich nach zu wenig Schlaf verzichten kann

  • Eine Anruferin, die zur Mittagszeit „Meinen“ ans Telefon verlangt, mir partout nicht sagen will, was sie um diese Zeit von ihm will und ich kann sie nicht anraunzen, weil die Gefahr besteht, dass sie die Mutter eines Schülers ist. Sie war von der Deutschen Klassenlotterie…
  • „Meiner“, der mir alles Kleingeld aus dem Portemonnaie raubt, ohne mir etwas davon zu sagen, was dazu führt, dass ich an der Bushaltestelle erkennen muss, dass ich mir kein Billett lösen kann, worauf ich mit schlechtem Gewissen mit dem Auto in die Stadt fahren muss. Nein, ich hätte keinen späteren Bus nehmen können, denn ich war zum Kaffeeklatsch verabredet und wichtige Angelegenheiten lassen sich nicht aufschieben.
  • Die Marschmusik, die abends um halb neun, wenn Prinzchen und Zoowärter schon fast eingeschlafen sind, durchs Quartier zieht. Ja, ich weiss, die müssen üben und wir haben bald auch einen Trompeter in der Familie, der vielleicht eines Tages mitmarschieren will, aber geht das nicht zu einer anderen Zeit? Am Ende bin ich wieder die böse Mama, die herumbrüllt, weil die Kleinen auf dem Balkon herumhüpfen, anstatt zu schlafen.
  • Wenn mir Luise abends um halb zehn verkündet, dass sie vergessen hat, die Nomen auf dem Arbeitsblatt zu markieren und nun verlangt, dass ich ihr bei der Aufgabe helfe, weil sie zu müde zum Nachdenken ist.
  • Abendnachrichten, die so deprimierend sind, dass man gar nicht hinsehen mag.
  • Ein Nahezu-Familienkrach, weil das Prinzchen eine einsame Erdbeere unter dem Sofa gefunden und nicht geteilt hat.
  • Zoff unter vier Brüdern, weil jeder für sich in Anspruch nimmt, der echte Karlsson vom Dach zu sein. Warum bin ich bloss auf die hirnverbrannte Idee gekommen, das Buch unseren drei Jüngsten zu erzählen?

Okay, ich wäre auch mit mehr Schlaf das eine oder andere Mal laut geworden, aber so…

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Von wem hat er das bloss?

Gut, ich geb’s ja zu: Die Sauerei im Haus war so gross, dass die Kinder wohl geradezu erleichtert waren, dass wir sie heute dazu verknurrten, uns eine Stunde lang beim Aufräumen zu helfen. Was nach dieser Stunde noch nicht erledigt sei, würden wir Eltern dann selber machen, versprachen wir. Nein, wir wollten damit nicht unsere Kinder schonen, sondern unsere Nerven, denn gewöhnlich ist das ewige „Nun macht schon! Nur noch staubsaugen, Wäsche aufhängen, Altglas entsorgen, Spielsachen einräumen, Fenster putzen, Geschirr verräumen und Fussboden fegen, dann sind wir fast fertig…“ anstrengender als die Arbeit an sich. Darum die Zeitlimite.

Für einmal also verlief die Aufräumerei friedlich und ziemlich zackig. An gewissen Stellen konnte man nach einer Stunde bereits den Fussboden wieder sehen. Dann die grosse Überraschung: „Darf ich bitte noch ein wenig weitermachen?“, wollte Karlsson wissen, nachdem sich seine Geschwister im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Staub gemacht hatten. Nun ja, ein solch einmaliges Angebot sollte man nicht ausschlagen und so erlaubten wir unserem Ältesten ausnahmsweise, etwas mehr Hausarbeit als vorgeschrieben zu erledigen. Und so legte sich Karlsson mit Möbelpolitur, Fensterputzmittel, Mopp und Putzeimer ins Zeug als ginge es darum, einen Pokal zu gewinnen.

Zwei Stunden später, als „Meiner“ und ich reif für eine Pause waren, stand Karlsson im Wohnzimmer, putzte Fenster und schnauzte Luise an, die es gewagt hatte, drei Schritte über den noch feuchten Fussboden zu gehen. In mir stieg eine leise Furcht auf, als ich diese Szene beobachtete. Ob die mir damals im Spital das falsche Baby mitgegeben haben? Ich meine, ich motze ja auch, wenn mir jemand Fussabdrücke auf dem frisch geputzten Fussboden macht, aber freiwillig Fenster putzen? Von mir hat er das bestimmt nicht.

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Heute

– 4 Rucksäcke für 4 x Spiel- und Sporttag gepackt und dabei berücksichtigt, dass jeder ein anderes Programm hat: 2 x mit Bräteln, wobei aber nur einer eine Wurst mitnehmen will, die andere sich aber dem obligaten Cervelat verweigert, 1 x ohne Bräteln, dafür mit Schwimmbad, 1 x zwar mit Wurst, aber diese wird von der Schule spendiert, 1 x mit Wanderschuhen, 2 x im Sportdress, 1 x mit geschlossenen Schuhen und langen Hosen, 2 x mit Zeckenspray, 2 x ohne dafür alle mit ausdrücklicher Erlaubnis der Lehrerschaft mit vielen Süssigkeiten im Rucksack.
– 1 Kind zum falschen Treffpunkt geschickt, Kind mit geliehenem Auto zum richtigen Treffpunkt gekarrt und böse Blicke von der Lehrerin geerntet. Dummerweise wurde ausgerechnet dieses Kind vom grossen Bruder zu spät abgeholt, so dass es am Nachmittag auch noch ein böses Telefon von der Lehrerin gab. Nach vielen Jahren vorbildlichen Verhaltens habe ich es geschafft, meinen guten Ruf im Schulhaus an einem einzigen Tag zu ruinieren.
– 1 Kind nach dem Ausflug vorübergehend vermisst, da es sich zu Hause ins Bett legte und einschlief, anstatt in den Hort zu kommen.
– Am Morgen vier gesunde Kinder losgeschickt, am Nachmittag zwei kranke und zwei gesunde Kinder in Empfang genommen.
– Ein Prinzchen glücklich gemacht, weil meine Mutterliebe es nicht zuliess, dass er als Einziger den Tag ohne Chips, Wurst und Süssigkeiten überstehen muss. Abends dann trotzdem Tränen, weil die Müdigkeit nach dem Krippentag so gross war, dass der Cervelat nicht mehr in Angriff genommen werden konnte.
– Zum Feierabend mit den Kindern „Im Dutzend billiger“ geschaut und gedacht, dass es in Sachen Chaos durchaus noch Steigerungsmöglichkeiten gibt.
– Die Bemerkung „Ich wünschte, wir wären auch zwölf Kinder“ geflissentlich überhört. Nun mal nicht übertreiben…

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Hoch lebe die Bürokratie!

Wie gut, dass die Bürokratie im deutschsprachigen Europa läuft wie geschmiert. Worüber sollte ich denn sonst bloggen? Als wir im Februar in Österreich waren, war „Meiner“ eines Morgens mit dem Auto zu schnell unterwegs. Nicht viel zu schnell, aber schnell genug, um eine Busse von 35€ zu kassieren. Ach was, es war keine Busse, sondern eine „Strafverfügung“ für eine „Verwaltungsübertretung“, die wir per Post zugestellt bekamen. „Meiner“ – in solchen Dingen ganz Südländer – schmiss den Brief ins Altpapier, obschon es darin hiess, dass „im Falle der Uneinbringlichkeit der Geldstrafe an deren Stelle die Ersatzfreiheitsstrafe“ tritt. Weniger gewunden würde man wohl von 12 Stunden Gefängnis reden.

Die Österreicher liessen sich diese Gleichgültigkeit natürlich nicht bieten und beauftragten die Kantonspolizei Solothurn, uns den Brief beim zweiten Mal persönlich zu übergeben. „Meiner“ wurde brieflich dazu aufgefordert, an einem bestimmten Datum in Olten zu erscheinen, um die „Strafverfügung“ aus dem Nachbarland abzuholen. Zu dumm, dass wir gerade unser verlängertes Wochenende genossen, als wir eigentlich in Olten hätten antraben müssen. „Meiner“ war aber immerhin freundlich genug, die Polizisten über unsere Abwesenheit zu informieren und hoch und heilig zu versprechen, dass er den Brief nach dem Auffahrtswochenende abholen würde.

Nun ist es aber leider so, dass „Meiner“ den ganzen Montag keine Zeit hatte, nach Olten zu fahren und auch heute früh vor der Arbeit hätte er es nicht geschafft, wenn er denn daran gedacht hätte. Irgendwann zwischen Schichtbeginn und Znünipause platzte den Polizisten offenbar der Kragen und so schickten sie einen Beamten los, um dem renitenten Herrn Venditti den Brief persönlich zu überreichen.

Zum Glück stand Frau Venditti nicht mehr unter der Dusche, als der Beamte an die Tür klopfte. Und zum Glück schaut Frau Venditti keine Krimis, sonst wäre sie wohl vor Schreck in Ohnmacht gefallen, als sie den Polizisten in voller Montur vor der Türe stehen sah. So aber konnte sie dem Beamten ganz ruhig sagen, dass er ihr Leid tue, wenn er seine Arbeitszeit damit verbringen müsse, 35€-Bussen aus Österreich zu überbringen, anstatt Verbrecher zu jagen.

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Ertappt

Momentan lese ich ein äusserst sozialkritisches Buch, in welchem unter anderem hart mit den Supermärkten ins Gericht gegangen wird, die lieber Lebensmittel für die Mülltonne produzieren, als den Konsumenten drei Sekunden vor Ladenschluss ein leeres Brotregal zuzumuten. Das Buch ist packend geschrieben und bringt mit treffenden Worten auf den Punkt, was ich für richtig halte, aber nicht zu formulieren vermag, weil mir in solchen Dingen die Gedanken wirr durch den Kopf schwirren und sich dagegen sträuben, sich von mir in Thesen, Grundsätze und Leitgedanken fassen zu lassen. Gut also, dass es Menschen gibt, die das Talent besitzen, solche Dinge so zu formulieren, dass ich nach jedem zweiten Satz seufze „Genau so ist es doch!“ oder „Wie Recht sie hat. Warum sehen das bloss nicht alle ein?“ Endlich jemand, der den Menschen klipp und klar sagt, dass es absoluter Unsinn ist, zu jeder Tageszeit das volle Sortiment zu erwarten.

Ja, und dann schickte heute „Meiner“ den FeuerwehrRitterRömerPiraten zwanzig Minuten vor Ladenschluss in die Bäckerei um Brot zu holen. Unser Sohn kam mit einer einzigen Baguette zurück. Auf der Verpackung klebte eine Botschaft der Bäckerin:

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Und was sagte Mama Venditti, als sie den Zettel sah? „Himmel nochmal, soll das eine Bäckerei sein? Wenn die so weitermachen, kaufen wir nicht mehr bei denen ein.“ Tja, und jetzt ist es mir ein wenig peinlich, dass ich mich mal wieder dabei ertappt habe, wie ich mich für eine Wasserpredigt begeistere und Wein trinken will, wann immer mir gerade danach steht.

Ertappt

Momentan lese ich ein äusserst sozialkritisches Buch, in welchem unter anderem hart mit den Supermärkten ins Gericht gegangen wird, die lieber Lebensmittel für die Mülltonne produzieren, als den Konsumenten drei Sekunden vor Ladenschluss ein leeres Brotregal zuzumuten. Das Buch ist packend geschrieben und bringt mit treffenden Worten auf den Punkt, was ich für richtig halte, aber nicht zu formulieren vermag, weil mir in solchen Dingen die Gedanken wirr durch den Kopf schwirren und sich dagegen sträuben, sich von mir in Thesen, Grundsätze und Leitgedanken fassen zu lassen. Gut also, dass es Menschen gibt, die das Talent besitzen, solche Dinge so zu formulieren, dass ich nach jedem zweiten Satz seufze „Genau so ist es doch!“ oder „Wie Recht sie hat. Warum sehen das bloss nicht alle ein?“ Endlich jemand, der den Menschen klipp und klar sagt, dass es absoluter Unsinn ist, zu jeder Tageszeit das volle Sortiment zu erwarten.

Ja, und dann schickte heute „Meiner“ den FeuerwehrRitterRömerPiraten zwanzig Minuten vor Ladenschluss in die Bäckerei um Brot zu holen. Unser Sohn kam mit einer einzigen Baguette zurück. Auf der Verpackung klebte eine Botschaft der Bäckerin:

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Und was sagte Mama Venditti, als sie den Zettel sah? „Himmel nochmal, soll das eine Bäckerei sein? Wenn die so weitermachen, kaufen wir nicht mehr bei denen ein.“ Tja, und jetzt ist es mir ein wenig peinlich, dass ich mich mal wieder dabei ertappt habe, wie ich Wasser predige und Wein trinken will, wann immer mir gerade danach steht.