Hurra! Wir werden reich!

„Meiner“ und ich haben beschlossen, eine neue Einnahmequelle zu erschliessen. Wer uns anstarrt, weil wir mit fünf Kindern unterwegs sind, zahlt. Und zwar ab sofort.  Bis Ende Jahr gilt für alle der gleiche Einführungspreis: Fünf Franken für fünf Minuten starren. Nächstes Jahr werden wir dann abgestufte Preise verlangen, je nachdem, wer auf welche Weise starrt. Hier die Preisliste, gültig ab 1. 1. 2010:

Menschen, die nur hin und wieder einen verstohlene Blick riskieren, bezahlen 50 Rappen pro Blick.

Menschen, die uns anschauen und dabei freundlich lachen bezahlen 2 Franken pro fünf Minuten, für eine nette Bemerkung gibt’s einen Franken Rabatt.

Menschen, die mit dem Finger auf uns zeigen bezahlen 10 Franken für jeden Fingerzeig.

Menschen, die uns unentwegt und mit gehässigem Blick anstarren, bezahlen 15 Franken pro fünf Minuten.

Menschen, die uns unentwegt und mit gehässigem Blick anstarren und dazu auch noch giftige Bemerkungen fallen lassen, wenn eines unserer Kinder einen Pieps von sich gibt, bezahlen 25 Franken pro Bemerkung, zuzüglich zu den 15 Franken .

Man unterstelle mir wegen der hohen Preise in den zwei letzten Kategorien bitte keine Seniorenfeindlichkeit. Die älteren Damen und Herren, die noch immer glauben, wer mehr als zwei Kinder habe, wisse nicht, dass es die Pille gibt, sind selber Schuld, dass wir sie zur Kasse bitten müssen. Mit ihrer Gehässigkeit haben sie uns schon so manchen Ausflug versaut, dass wir Schadenersatz verlangen müssen.

Wenn wir uns jetzt auch noch dazu aufraffen können, uns täglich mit unserer Rasselbande unters Volk zu mischen, dann gehören finanzielle Engpässe der Vergangenheit an. Wird zwar anstrengend, ständig unterwegs zu sein, aber Geld verdienen war noch nie einfach.

Der perfekte Vormittag

Angefangen hat der Tag damit, dass „Meiner“ und ich ausnahmsweise nicht von lautstarkem Streiten geweckt wurden, sondern von vier zuckersüssen Kinderlein mit einem Tablett voller Tassen und Schälchen. Tee und Schokoladenjoghurt im Bett. Dazu ein Prinzchen, dass freudestrahlend in die Händchen klatscht, weil er sich mitfreut.  Gibt es ein schöneres Aufwachen? Für mich nicht.

Weiter ging der Morgen damit, dass ich mich ganz alleine auf den Weg in die Stadt machte. Mein Vorwand war, dass ich ein paar letzte Weihnachtsgeschenke besorgen musste. Aber der wahre Grund war natürlich, dass ich meine Büchergutscheine loswerden wollte, die nach drei Wochen des Herumliegens schon beinahe schimmlig wurden. Danach würde ich mich mit anregender Lektüre in ein Café zurückzuziehen. Um die leidigen Einkäufe so rasch als möglich hinter mich zu bringen, liess ich mir für meine Nichte ein verbilligtes aber noch immer sündhaft teures Calvin Klein-Schminkset aufschwatzen, besorgte zwei drei andere Geschenke und dann zog ich mich mit meiner neueste Errungenschaft – „In search of the English Eccentric“ von Henry Hemming, – ins Starbucks zurück. Ja, ich weiss, links wählende umweltbewusste Frauen haben bei Starbucks nichts verloren. Aber wo sonst bekomme ich einen Kaffee, der mit einem Berg von Schlagsahne und Lebkuchenaroma derart verfremdet ist, dass man das Getränk nicht mehr als Kaffe erkennt und der ausserdem so horrend teuer ist, dass man einfach glauben muss, man tue sich selber etwas unglaublich Gutes damit? Und wo sonst hat man während der Mittagszeit in der Vorweihnachtszeit Ruhe vor gestressten Last-Minute-Geschenkeeinkäufern und Geschäftsleuten, die sich darüber aufregen, dass man ihnen den letzten Platz im Selbstbedienungsrestaurant weggeschnappt hat?

So habe ich mich eben im verwerflichsten Café der Stadt in meine vergnügliche Lektüre gestürzt, zuckerigen Kaffee geschlürft und das Leben in vollen Zügen genossen. Jetzt bleibt mir noch exakt eine Stunde des seligen Nichtstuns, bevor „Meiner“ seinen perfekten Nachmittag antritt und in die Sauna abrauscht. Mal schauen, ob die zweite Tageshälfte für mich ebenso gemütlich wird wie die erste…

Wenn Vendittis müde sind,….

…. hat jeder seine eigene Methode, damit umzugehen. Karlsson zum Beispiel brüllt dann bei jeder Gelegenheit los. „Karlsson, würdest du bitte das Licht ausmachen?“, fragt man und Karlsson heult: „Immer seid ihr so gemein zu mir!“ „Karlsson, hast du deine Hausaufgaben schon gemacht?“ Der Junge bricht zusammen und schluchzt herzerweichend. Wenn Karlsson müde ist, kann jeder Satz genau der Falsche gewesen sein. Der Satz, der ihn dazu bringt, die Fassung zu verlieren, loszuheulen und die Tür zu knallen. Woher er das wohl hat?

Eine müde Luise ist das pure Gegenteil eines müden Karlssons. Eine müde Luise sitzt den ganzen Tag mit glasigem Blick in einer Ecke, den Nuckelfinger im Mund, das Schmusehäschen ans Ohr gedrückt und gibt keinen Ton von sich. Würde sie nicht zwischendurch den FeuerwehrRitterRömerPiraten verhauen, der sie beim Luftlöcherstarren stört, man könnte glauben, Luise hätte sich in den Winterschlaf begeben.

Je weniger man von Luise hört, umso mehr hört man vom FeuerwehrRitterRömerPiraten. Er verleiht seiner Müdigkeit durch Verweigerung Ausdruck. Egal, ob er bei Luises Ballettvorführung still sitzen, beim Schuhe kaufen nicht unter das Regal kriechen, beim Mittagessen nicht mit der Gabel in der Hand herumrennen dafür aber beim Krippenspiel mitsingen soll, er tut, als gehe ihn alles nichts an. Wenn er nicht will, dann will er eben nicht und dann soll ihn die Mama gefälligst in Ruhe lassen mit ihren blöden Anweisungen. Die Mama,-  und nur die Mama, nicht etwa der Papa, – soll ihn jetzt einfach nur hätscheln und streicheln, denn er ist sooooooo müde, dass er gar nichts anderes mehr ertragen kann.

Der Zoowärter übersteht seine Müdigkeit, indem er sich mit dem Stofftier, dass ihm momentan am meisten ans Herz gewachsen ist, aufs Sofa setzt und Pingu-Kassetten hört. Mit dem Schmusetuch im Mund und einem ähnlich leerem Blick wie Luise. Wenn er aber seinen aktuellen Schützling nicht finden kann, brüllt er los und zwar sehr laut und sehr lange. Nach Bedarf auch eine geschlagene halbe Stunde. Gestern und heute führt der „kleine Herr Kokosnuss“ die Top-Ten der beliebtesten Kuscheltiere an. Und wie es der Name sagt, ist der Affe Herr Kokosnuss klein, sehr klein. So klein, dass er schwer auffindbar ist,  weshalb das Gebrüll seinetwegen fast endlos ist.

Auch „Meiner“ und ich haben unsere Methoden, mit der Müdigkeit umzugehen. Wir ziehen es vor, uns einen Film reinzuziehen und so zu tun, als gebe es nichts aufzuräumen und zu erledigen in unserem Haushalt. Wir tun einfach so, als gehe uns das alles gar nichts an. Was zur Folge hat, dass der kleine Herr Kokosnuss im Chaos noch öfters verloren geht als üblich, Luise und der FeuerwehrRitterRömerPirat sich noch häufiger in die Haare geraten, weil kein Platz mehr da ist, um einander aus dem Weg zu gehen, Karlsson noch öfter die Türe knallt, weil wir ihn hin und wieder dazu auffordern, etwas wegzuräumen. Und weil wir alle zusammen gegen Ende der Adventszeit so schrecklich müde sind, ist das Leben bei Vendittis nicht gerade gemütlich im Moment.

Ach ja, wie geht denn überhaupt das Prinzchen mit alldem um? Wie bekämpft er seine Müdigkeit? Na, wie wohl? Mit schlafen natürlich.

Kein Mann von der Stange

Eigentlich bin ich ja selber Schuld, dass ich keinen jener Männer von der Stange genommen habe. Einen Mann, wie es ihn hoffentlich nicht mehr allzu häufig gibt. Einen, der am Sonntag nie, aber auch gar nie, einen Ausflug machen will, weil am Fernsehen gerade so etwas Tolles läuft. Einen, der findet, Windelnwechseln sei Frauensache. Einen, dessen Beitrag zu jeder Diskussion sich auf ein missmutiges Grunzen beschränkt. Einen Mann eben, der jedem männlichen Klischee entspricht.

Nein, ich bin wirklich froh, mit einem Mann verheiratet zu sein, der schon Pink getragen hat, bevor es Mode war. Mit einem, der noch lieber Schnulzen schaut als ich. Mit einem, der nachts klaglos hundertmal aufsteht und nicht sagt, er müsse ja am nächsten Morgen wieder zur Arbeit gehen, während ich mir zu Hause einen gemütlichen Tag machen könne. Mit einem, der, wenn er Zeit hat, die Wohnung liebevoll dekoriert mit Roststücken, die er unterwegs gefunden hat, mit einem knallblau bemalten Plastikhirsch, mit Koteletts aus Plastik und Ähnlichem. Mit einem, der mitten im Gespräch einen glasigen Blick bekommt, weil er gerade wieder eine Idee hat.

Ja, so ist „Meiner“ und ich liebe ihn dafür. Aber manchmal fällt er mir dennoch auf die Nerven mit seiner überbordenden Kreativität. Zum Beispiel, wenn am Samstagmorgen die ganze Wohnung stinkt, weil er mal wieder Plastiktüten, Eierschachteln und Luftballons im Ofen schmelzen muss, um zu testen, was dann passiert. Wenn er deswegen gerade absolut keine Zeit hat, mir unter die Arme zu greifen, wenn seine vier badenden Söhne die Wohnung unter Wasser setzen. Klar ist es rührend, wenn der FeuerwehrRitterRömerPirat voller Bewunderung sagt: „Mama, der Papa hat immer so gute Ideen.“ Klar ist es grossartig, wenn ihm dann die Kinder an den Fersen kleben, weil sie unbedingt wissen wollen, was als Nächstes passiert und ich dabei in Ruhe bloggen kann. Klar freut es mich, dass sie alle paar Sekunden in „Ahhhhh“ und „Ohhhh“-Rufe ausbrechen, weil das Resultat so beeindruckend ist.

Aber muss er denn unbedingt ungerührt dabei zusehen, wie das Prinzchen sich selber und den ganzen Tisch mit Joghurt vollschmiert? Wobei, wenn ich mich recht entsinne, war ich es, die zugeschaut und danach die ganze Chose fotografiert hat. Denn inzwischen hat er mich angesteckt mit seiner ewigen Suche nach guten Bildern. Die übrigens nicht nur hier für mehr Farbe sorgen, sondern von denen er noch viel mehr in seinem Blog zur Schau stellt.

Gratwanderung

Die folgenden Sätze aus einem Kommentar von gestern wollen mir nicht aus dem Kopf gehen: „Ich liebe Eure Probleme. Ihr wisst nicht, wie gut ihr es habt! …“ Die Aussage stammt von einer Person, die nicht alleine sein möchte. Nehme ich ihr die Aussage übel? Nicht im Geringsten. Denn diese Aussage treibt mich dazu, mir einmal mehr darüber klar zu werden, wie viel mir meine Familie bedeutet. Und wie sehr sie mich dennoch tatgäglich fast in den Wahnsinn treibt…

Nehmen wir heute Nacht, zum Beispiel. Da kommt, irgendwann zwischen vier und fünf Uhr morgens, Luise in unser Bett geschlichen. Wie sie sich so an mich kuschelt, wird mir zum hunderttausendsten Mal bewusst, wie schön es ist, ihre Mutter zu sein. Wie sie so daliegt und in heiligem Ernst  „c – d- e – f – g – a – h – c“ vor sich hin flüstert, um jede Sekunde des Wachseins zum Lernen zu nutzen. Wie sie etwas später mit verzücktem Gesicht von „Erdbeerli“, „Zwergli“ und „Blüemli“ zu schwärmen beginnt. Einfach hinreissend! Doch das ändert nichts an der Tatsache, dass sie mir jedesmal, wenn ich fast wieder eingeschlafen bin, mit einer unbedachten Bewegung die Decke von der Schulter reisst, worauf ich wieder hellwach bin. Es ändert auch nichts daran, dass sie mir zwei wertvolle Stunden Schlaf raubt. Zwei Stunden, die mir im aufreibenden Alltag fehlen werden. Zwei Stunden, die ich nicht einfach werde nachholen können, wenn mir gerade danach ist. Zwei Stunden, die zusammen mit unzähligen anderen auf dem wachsenden Berg meines Schlafmankos landen werden.

Oder nehmen wir „Meinen“. Es vergeht wohl kein Tag, an dem ich nicht dankbar wäre dafür, dass ich mit ihm das Leben teile. Aber ändert es etwas daran, dass er mich in den Wahnsinn treibt, wenn er meinen bis in die letzte Sekunde geplanten Alltag durcheinander bringt? Kleines Beispiel gefällig? Gestern hatten der FeuerwehrRitterRömerPirat, Luise und Karlsson ihre letzte Schwimmstunde in diesem Jahr. Und zwar im Nachbarort. Zur gleichen Zeit hatte Luise ihre erste ausserordentliche Ballettprobe. Bei uns im Dorf. Eine echte Herausforderung, das alles irgendwie zu schaffen. Aber natürlich findet die Mama einen Weg. Sie heckt einen wasserdichten Plan aus, – die Details erspare ich meinen Lesern. Ich will ja niemanden verwirren, – sorgt dafür, dass jeder zur rechten Zeit am rechten Ort ist. Oder genauer gesagt: Am rechten Ort wäre, wenn da nicht „Meiner“, mit der ehrbaren Absicht zu helfen, alles durcheinander bringen würde, indem er ein kleines, aber entscheidendes Detail ändert.

Ich glaube, ich weiss, wie gut ich es habe mit meiner grossen Familie. Ich weiss, dass ich ein Geschenk von unfassbarem Wert bekommen habe und ich wünsche mir nie, aber wirklich gar nie, dass ich dieses Geschenk nicht bekommen hätte. Aber ich weiss auch, dass kein Job der Welt so kräftezehrend, so aufreibend ist wie der, für eine Familie zu sorgen. Wer eine Familie hat, weiss genau, was ich meine, wenn ich sage, dass ich meine Familie über alles liebe, dass ich sie aber gleichzeitig mehrmals täglich auf den Mond wünsche. Nicht für immer. Nur für diese kleinen Momente, in denen sie mich zum Wahnsinn treiben. Nur, um mal kurz zwischendurch die leeren Batterien wieder aufladen zu können, die verpassten Schlafstunden nachholen zu dürfen.

Nebenbei gesagt: Singles, die sich eine Familie wünschen, könnten hier unglaublich viel helfen. Ihr dürftet bei uns das Familienleben geniessen, während wir dank eurer Hilfe für ein paar kurze Momente Singles sein dürften. Dann müssten wir uns unsere Familie nicht immer mal wieder auf den Mond wünschen. Können wir ins Geschäft kommen?

Das Majestix-Syndrom

„Ich fühl mich so müde …. nur noch müde…“

Und „Meinem“ geht’s nicht anders. Und die Adventszeit fängt morgen erst richtig an…

Wann endlich wird der Winterschlaf für Eltern eingeführt?

Generation Ikea wird erwachsen

Bei  Menschen meiner Generation, die seit vielen Jahren in fester Partnerschaft leben, machen sich so langsam die ersten Abnützungserscheinungen bemerkbar. Nein, ich rede nicht von der grossen Scheidungswelle zwischen dreissig und vierzig. Die haben die Einen schon hinter sich, die anderen hoffentlich nicht vor sich. Ich rede auch nicht von den ersten Gebrechen, die man nicht mehr ganz so leicht los wird. Ist es nicht schrecklich, dass wir so langsam zu verstehen beginnen, weshalb unsere Eltern sonntags lieber einen Mittagsschlaf hielten, als mit uns in den Zoo zu gehen?

Ich rede auch nicht vom zerbrochenen Porzellan. Die Teller, die man damals so sorgfältig ausgesucht hatte, sind bei den meisten Paaren schon längst nicht mehr. Und die, die man danach etwas weniger sorgfältig ausgesucht hatte, sind auch schon in die Brüche gegangen. Und die, die man danach im Sonderangebot erstanden hat, weil man sonst aus Papptellern hätte essen müssen, werden auch immer weniger. Je nach Temperament des Paares, Anzahl Kinder, Ungeschicktheit dieser Kinder und noch grösserer Ungeschicktheit der Eltern sind die meisten Paare unserer Generation inzwischen wohl bei Service Nummer 3 angelangt. „Meiner“ und ich sind bereits bei Nummer 4, aber da wir inzwischen etwas ruhiger geworden sind, fliegen auch die Teller nicht mehr so heftig, so dass echte Chancen bestehen, dass dieses Service ein paar Jahre halten dürfte.

Aber eigentlich wollte ich von etwas anderem reden: Von den Möbeln. Wie oft ist man sich damals, als man die erste gemeinsame Wohnung bezog, in den Haaren gelegen, weil man nicht einfach das Erstbeste kaufen wollte. Das Ding sollte ja für die Ewigkeit halten. Und jetzt, schlappe zehn Jahre später, geben die Möbel den Geist auf. Bei den einen sind es die Regale in der Küche, die nach Jahren des Dienstes einfach so zusammenbrechen. Bei anderen will plötzlich das Sofa nicht mehr. Und bei „Meinem“ und mir macht so langsam das Ehebett nicht mehr mit. Nun, lieber das Bett als die Ehe, aber eigentlich hatten wir gedacht, wir würden uns dann zur Pensionierung ein Neues leisten. Doch Generation Ikea muss sich wohl damit abfinden, dass nichts mehr für die Ewigkeit gedacht ist. Haben sich darum unsere Eltern damals diese hässlichen braunen Wohnwände angeschafft? Nun, meine Gott sei Dank nicht. Aber dafür mussten sie auch alle Jahre wieder in die Ikea fahren, um zu ersetzen, was den ganzen Trubel der Grossfamilie nicht länger ertragen konnte. Das war eben der Preis, den man fürs Modernsein bezahlte, damals, vor zwanzig, dreissig Jahren.

Und nun sind wir dran mit Zahlen. Wie sollen wir die nächsten Anschaffungen bloss wieder an unserem Budget vobeischmuggeln?

Da fällt mir ein: Ich habe da noch so einen Gutschein vom letzen Geburtstag…. Ikea, wir kommen!

Soooooo unfair!

Nein, „Meinen“ trifft wahrlich keine Schuld. Und er tut mir auch schrecklich leid, wie er so daliegt, vor sich hindämmernd, mit heisser Stirn und fieberglänzenden Augen. Natürlich tut er mir leid, natürlich möchte ich ihm helfen, natürlich kann ich es fast nicht mit ansehen, wie schlecht es ihm geht. Was wäre das denn für eine Liebe, wenn es mir egal wäre, dass es  „Meinen“ jetzt auch noch schweinemässig erwischt hat? „Meiner“ kann wahrlich nichts dafür, dass es ihm nie passieren wird, dass er, wenn er krank ist, mit fünf kranken Kindern alleine zu Hause sein muss.

Und dennoch platze ich fast vor Wut. Es ist doch einfach eine himmleschreiende Ungerechtigkeit, dass er seine Krankheit in aller Ruhe auskurieren kann, währenddem ich mein Therapieschreiben und  meine Stunden im warmen Bett auf die frühen Morgen- und die späten Abendstunden verschieben musste. Papas dürfen krank sein. Mamas nicht. Papas werden gepflegt, wenn sie krank sind. Mamas nicht. Natürlich hätte „Meiner“ mich liebevoll umsorgt, wenn er denn gekonnt hätte. Wenn ich diesmal nicht mitten in der Woche krank geworden wäre. Klar hat „Meiner“ getan, was er konnte, meine Mutter übrigens auch. Aber damit ich in aller Ruhe hätte gesund werden können, hätte es eben mehr gebraucht.

Und deshalb bin ich heute so wütend. Wütend auf unser System, das noch immer darauf ausgerichtet ist, dass nur derjenige, der einer bezahlten Arbeit nachgeht, krank sein darf. Wütend, dass Papas auf dem Papier zwar das Recht haben, der Arbeit fern zu bleiben, wenn die Familie krank ist. Dass sie aber kaum den Mut aufbringen werden, diese freien Tage auch zu beziehen, weil das ja keiner sonst tut. Wütend, dass man immer noch seine Grippe auf das Wochenende verlegen muss, wenn man als Mama nicht alleine den ganzen Mist meistern will. Und dann, wenn das Schlimmste überstanden ist, die Wäscheberge bezwingen muss, die sich in der Zwischenzeit angehäuft haben, die Unordnung beseitigen muss, welche die ganze Wohnung überzieht. Und und und.

Ja, und dann bin ich auch stinksauer auf mich selber und auch auf „Meinen“, wenn auch nicht darum, weil er krank ist: Wie nur konnten wir je so dumm sein, diese hirnrissige Arbeitsteilung zu leben? Wie nur konnten wir es zulassen, dass ich so leicht auf dem  beruflichen Abstellgleis gelandet bin? Hätten wir die Arbeit besser aufgeteilt, dann könnte jeder mal in Ruhe krank sein, währenddem der andere den Laden schmeisst.

Wie habe ich es doch satt, eine Vollzeithausfrau zu sein!

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So also läuft das, ….

…. wenn eine Grossmama die Autorität der Eltern untergräbt. Ich hatte heute das Privileg, live dabei zu sein. Und da keine mir bekannten Personen involviert waren, konnte ich heimlich, still und leise meine Schlüsse ziehen.

Enkel, ca. 5 Jahre alt: Letzte Woche hatte ich Ausschlag. Meine Mama hat gefragt, ob ich Bonbons gegessen hätte.

Nonna: Nickt, lächelt, sagt nicht viel.

Enkel: Mama hat gefragt, ob Nonna mir Bonbons gegeben hätte.

Nonna, gibt sich entrüstet: Ich gebe dir doch nie Bonbons!

Enkel: Mama hat gesagt, ich hätte Ausschlag, weil Nonna mir Bonbons gegeben hat.

Nonna, hämisch grinsend: Von mir bekommst du nie Bonbons. Verstehst du, nie!

Enkel: Aber Mama hat gesagt…

Nonna unterbricht ihn: Nein, ich gebe dir nie Bonbons. Sag das der Mama.

Die Nonna grinst mir schelmisch zu, und sagt mir damit, dass sie sehr wohl diejenige ist, die dafür sorgt, dass der Junge regelmässig Ausschlag bekommt. Ich grinse nicht zurück. Wie könnte ich auch? Dafür bin ich schon viel zu lange Schwiegertochter…

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Happy Birthday, mein Prinzchen!

Heute also ist der grosse Tag. Da liegt er, der kleine Geburtstagsprinz, eng umschlungen mit seinem Geburtstagsbären, und hat keine Ahnung davon, welch wichtiger Meilenstein dieser Tag für seine Eltern ist. Wie hatten wir uns davor gefürchtet, noch einmal Eltern zu werden. Wie habe ich geheult damals, als ich ungläubig auf den positiven Schwangerschaftstest starrte. Nicht, weil ich mich nicht auf das Kind freute. Kinder hätte ich noch unzählige haben können. Aber ich hatte keine Ahnung, wie ich das schaffen sollte, wie wir alle das schaffen sollten. Eine erschöpfte Mama, ein erschöpfter Papa, vier kleine Kinder, finanzielle Engpässe, aufgeschobene Träume  und noch einmal ein Baby. Kann das gut gehen?

Es kann! Das Prinzchen ist die grösste Überraschung, die uns in unserem Leben geschenkt wurde. Ein perfekter kleiner Mensch, der uns alle im Sturm erobert hat, der uns gezeigt hat, dass ein Kind nie falsch ist, auch dann nicht, wenn es zu einem schwierigen Zeitpunkt geboren wurde. Der uns gezeigt hat, dass man Vieles schaffen kann, wenn man den Mut hat, zu seinen Schwächen zu stehen, Hilfe anzunehmen und sich trotz aller Widrigkeiten zu freuen an dem neuen Leben. Und deshalb ist heute ein ganz besonderer erster Geburtstag. Wir sind so dankbar, dass du zu uns gehörst, kleiner Prinz!

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