Nein, das wächst sich nicht aus

Als die Coiffeuse dem Prinzchen neulich einen Vokuhila schnitt, war ich zuerst einmal stumm vor Schreck. Darum sagte ich ja auch nichts Weiter als „Besten Dank“, als sie mir mein Kind übergab, das plötzlich Jon Bon Jovi erschreckend ähnlich sah. Als ich mit Jon…äh…ich meine natürlich mit dem Prinzchen nach Hause kam, war „Meiner“ ähnlich schockiert wie ich einige Augenblicke zuvor. „Warum hast du dich nicht dagegen gewehrt?“, fragte er mich vorwurfsvoll. „Ach, das ist doch kein Problem“, versuchte ich ihn zu beruhigen. „Das wächst sich bestimmt schnell aus. Beim Prinzchen spriessen die Haare ja wie Unkraut…“ 

Ich war mal wieder zu optimistisch. Prinzchens Haare sprossen zwar  tatsächlich so schnell wie immer. Inzwischen wehen sie ihm schon wieder um den Kopf, wenn er rennt. Nur das mit dem Herauswachsen wollte nicht so recht klappen. Ein Vokuhila, das musste ich leider erkennen, wächst sich nicht heraus, er wird bloss schlimmer. Inzwischen sieht das Prinzchen nicht mehr aus wie Jon Bon Jovi, sondern wie einer dieser schrecklichen Typen von Europe. Ja, genau die mit „The final Countdown“…

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Undankbare Doris

Da durchforste ich monatelang das Internet nach einer geeigneten Volière. Als ich endlich eine finde, telefoniert sich „Meiner“ die Finger wund, um einen Termin mit dem Verkäufer zu vereinbaren. Wir mieten zu angeblich günstigen Konditionen, die sich dann als doch nicht so günstig herausstellen, einen Lieferwagen und karren das Ding durch die halbe Schweiz. Wir zwingen die Wachteln zum Umziehen, bauen unter grosser Mühe die Elemente zusammen und schrauben heute mit klammen Fingern das Dachgitter fest. „Meiner“ muss dazu durchs Gebüsch turnen als wäre er auf einem Abenteuer-Ausflug. Ich klaube heruntergefallene Schrauben und Muttern aus dem Dreck, „Meiner“ schleppt Äste herbei und Luise fängt für Karlsson die beiden Nymphensittiche ein, um sie in ihr neues Domizil zu bringen.

Und was tut Nymphensittich-Dame Doris? Dankt sie uns für die ganze Mühe, die wir ihretwegen auf uns genommen haben? Pfeift sie uns eine besonders schöne Melodie? Legt sie vor later Freude ein Ei? Nichts dergleichen. Das undankbare Tier wartet den Moment ab, in dem das Prinzchen, der Karlsson beim Füttern hilft, die Tür der Volière loslässt und weg ist sie, zuerst auf dem Zaun, dann auf dem Dach und schliesslich hoch oben in Nachbars Tanne. Glaubt mir, sollte es Nymphensittich Loris gelingen, seine Partnerin mit seinen verzweifelten Rufen zurück zu locken, bekommt die undankbare Doris etwas von mir zu hören.

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Arbeitsferien

Mit viel Gemotze und Gelächter, einigen kleinen Schrunden, heftigem Muskelkater, einigem Improvisationstalent, Schaufeln, Putzeimern, einer Spielzeugschubkarre und anderen äusserst geeigneten Werkzeugen haben wir in den vergangenen Tagen Bäume geschnitten, das Schaukelgerüst abgerissen, den morschen Holzschopf zertrümmert, einen Gartenteich gegraben, eine Volière (halbwegs) zusammengebaut, Gartenbeete geräumt, ein Hochbeet aufgebaut, gejätet, Löcher zugeschüttet, Kompost umgeschichtet und die Wachtelkäfige verschoben. Noch gilt es zu schaufeln, zu pflanzen, zu schrauben und die Nyphensittiche im Büro einzufangen, um sie zu ihrem neuen Glück zu zwingen. Einige Dinge kann ich jedoch bereits jetzt voraussagen:

Wir werden sehr viele Worte brauchen, um Karlsson und Luise zur Arbeit motivieren zu können.
Der FeuerwehrRitterRömerPirat wird weiterhin viel Lob einheimsen, weil er wie ein Vergifteter arbeitet.
Der Zoowärter wird noch eine Weile brauchen, um zu erkennen, wann wir spielen und wann wir arbeiten.
Das Prinzchen wird trotz seiner Begeisterung fürs Schaufeln nie ein Bauarbeiter, weil die Männer auf dem Bau fluchen und er nicht.
Am Ende der Woche werde ich meine Flip Flops entsorgen müssen, weil ihnen die Gartenarbeit nicht so gut bekommt.
„Meiner“ wird mich davon abhalten wollen, ein weiteres Blumenbeet anzulegen.
Die Sache den Enten wird noch für einige Diskussionen sorgen.
Nächstes Jahr pflanze ich Schwarzwurzeln.
Die Erinnerungen, die jedes Familienmitglied an diese Ferien behält, werden sehr unterschiedlich sein. Trotzdem wage ich zu behaupten, dass es uns allen mehr Spass macht, als wir erwartet hätten.

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Zwei Reaktionen

Unser ehemaliges Au-Pair lebt seit einiger Zeit in Konstanz und da sie noch immer einen festen Platz in unseren Herzen hat, fuhren wir gestern über die Grenze, um sie zu besuchen. Natürlich war uns bewusst, dass wir damit Gefahr liefen, im gleichen Topf zu landen wie die Horden von Schweizern, die in Deutschland die Geschäfte stürmen, als herrschte in unseren Ladenregalen gähnende Leere, doch damit muss man leben können. (Nebenbei bemerkt: Ist meinen Landsleuten eigentlich bewusst, dass sie mit ihren Ausfuhrscheinen die Deutschen ebenso nerven, wie die Deutschen uns, wenn sie uns mit einem gekünstelten „Grüzi“ begrüssen?) Nun, ich weiss nicht, ob wir in diesem Topf gelandet sind, dafür weiss ich, dass man ganz unterschiedlich darauf reagieren kann, wenn Vendittis ein Geschäft mit ihrem Besuch beglücken. 

Zuerst war da mal dieses Teegeschäft – ziemlich esoterisch, aber wunderschön und einladend. Obschon „Meiner“ versuchte, unsere Horde draussen zu behalten, stürmten sie alle den Laden, als bekäme man dort für jeden Einkauf zehnfache Minimania-Säcklein geschenkt. Als die Verkäuferinnen sahen, wie das Prinzchen fröhlich um die Regale kurvte, reagierten sie blitzschnell: „Lass mich überlegen, was machen wir mit dir“, sagte die eine zum Prinzchen. „Möchtest du gerne ein Gläschen Tee probieren?“ Das Prinzchen wollte natürlich, die anderen wollten auch und bald schlürften fünf kleine bis mittelgrosse Vendittis wertvollen Grüntee aus hübschen Gläschen. „Mama, den musst du kaufen“, sagten sie zu mir und verliessen dann ohne weitere Umstände den Laden, um mich in Ruhe stöbern zu lasen. Als ich bezahlte, meinte die Verkäuferin: „Auf dieses Prinzchen müssen Sie achtgeben. Der ist ein ganz besonderes Kind, ein Luftwesen, so frei und wild. Gehen Sie viel in die Natur mit ihm, das braucht er. 
Diese Reaktion berührte mich zutiefst, denn auch wenn ich nicht glaube, dass das Prinzchen ein Luftwesen ist, so weiss ich es doch sehr zu schätzen, wenn jemand den kleinen, wilden Bengel in sein Herz schliesst, obschon er doch gar nicht in einen feinen Teeladen passt. 

Eine Stunde später betraten wir eine Pizzeria, um unsere Kinder zu füttern, bevor sie zu quengeln anfingen. Ich hätte zwar lieber Indisch oder Griechisch gegessen, aber um die Gefahr zu bannen, dass unsere Söhne vor lauter Hunger den Kellner angreifen, sagte ich zum erstbesten Lokal ja. Es sah ja auch ganz nett aus. Als wir über die Schwelle gingen, stöhnte eine Frau, die auf ihr Essen wartete, laut vernehmlich auf, was mich ziemlich ärgerte, um des lieben Friedens Willen jedoch ignorierte. Wir setzten uns und „Meiner“ bestellte Mineralwasser für alle. (Erstes Stirnerunzeln des Kellners). Das Wasser kam und wir gaben unsere Bestellung auf. Karlsson verzichtete ganz vernünftig auf eine Vorspeise, um sich dafür Ravioli mit Crevetten und Trüffelöl zu gönnen. Er bekam „Ravioli Primavera“ und als wir freundlich darauf hinwiesen, das hätten wir aber nicht bestellt, antwortete der Kellner gehässig, er sei sich zu 100% sicher, dass ich Primavera gesagt habe. Habe ich nicht und das sagte ich ihm auch, aber er wusste es besser und der enttäuschte Karlsson musste sich mit Primavera zufrieden geben – und danach Luises halbe Pizza verschlingen, die sie nicht essen mochte. Von da an kreiste der Kellner wie ein Aasgeier um unseren Tisch, um uns die Teller zu entreissen, kaum hatten wir den letzten Bissen in den Mund gestopft. Unser ehemaliges Au-Pair hatte noch ziemlich viele letzte Bissen vor sich, als er ihr den Teller wegnehmen wollte, was sie aber nicht zuliess. Er gab ihr deutlich zu spüren, dass er den Teller lieber jetzt schon genommen hätte, denn diese lästigen Vendittis mit ihrer Brut – die sich übrigens ganz anständig aufführte – sollten jetzt endlich aus seiner Pizzeria verschwinden. Das taten wir dann auch bald einmal, aber erst, nachdem „Meiner“ ganz untypisch darauf beharrt hatte, 96.40 zu bezahlen und nicht 100, wie der Kellner gehofft – und offensichtlich auch erwartet – hatte. 

Die Versuchung ist natürlich gross, nur den kinderhassenden Kellner in Erinnerung zu behalten, aber ich habe beschlossen, auch die kinderliebende Verkäuferin aus dem Teeladen nicht zu vergessen und darum soll das Prinzchen heute den ganzen Tag draussen spielen. An der frischen Luft, wie es sich für ein Luftwesen gehört…

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Gesprächskultur

Schon öfters habe ich mich gefragt, wie sich ein Abendessen im Hause Venditti für einen anhören würde, der sich von uns unbemerkt ins Esszimmer schleicht und sich unter dem Esstisch versteckt. Ja, ich weiss, völlig absurd, aber mit solchen Gedankenspielereien schlage ich mich schon seit frühester Kindheit herum und mich dünkt, es werde mit zunehmendem Alter nicht besser. Selten nur geschieht es, dass ich ganz unerwartet eine Antwort auf eine meiner unsinnigen Fragen bekomme und dann erfüllt mich eine tiefe Zufriedenheit, die ich unbedingt mit jemandem teilen muss. 

Heute also bekam ich eine Antwort auf die Frage, wie einer, der unter unserem Tisch sitzt und lauscht, sich fühlen muss. Die Antwort verdanke ich keinem Geringeren als dem lieben Herrn Berlusconi. Okay, ich weiss, jetzt denkt ihr, ich sei vollkommen durchgedreht. Was, bitte schön, soll der Herr Berlusconi mit unserer Gesprächskultur bei Tisch zu tun haben? Nun, wie man heute auf allen Kanälen sehen und hören konnte, kassierte der Herr Berlusconi heute eine tüchtige Ohrfeige. Diese Ohrfeige war so laut vernehmbar, dass „Meiner“, der nach dem Abendessen erschöpft auf dem Sofa zusammengesunken war, aus dem Tiefschlaf gerissen wurde. Weil es „Meinen“ so sehr beglückte, einen niedergeschlagenen Berlusconi zu sehen, reichte ihm die Berichterstattung am Schweizer Fernsehen nicht, weshalb er zum Italienischen Sender wechselte, wo gerade eine Diskussionssendung zum Thema lief.

Anfangs versuchte ich noch, dem Gespräch zu folgen, was auch ganz gut ging, solange die Diskussionsteilnehmer noch nicht richtig in Fahrt waren. Dann aber gerieten eine aus dem Ei gepellte Dame und ein nicht ganz aus dem Ei gepellter Herr aneinander und weil die zwei sich nicht einigen konnten, wer Recht hatte, versuchte ein Herr im weit aufgeknöpften Hemd zu schlichten. Dabei wartete aber keiner darauf, bis der andere seinen Satz beendet hatte. Jeder redete unbeirrt weiter,  keiner hörte dem anderen zu und weil es so viel Spass machte, endlich einmal auszureden, mischten sich bald auch die anderen Gesprächsteilnehmer ein. Es herrschte ein Geschnatter wie an einem Ententeich. „Komplett durchgedreht, diese Italiener“, sagte ich zu „Meinem“. Dann aber hielt ich ganz schnell den Mund, denn mir dämmerte, dass einer, der unter unserem Esstisch sässe, genau dies über uns denken würde. 

Nun gut, immerhin brüllt bei uns ab und zu einer „Etwas mehr Ruhe bitte!“ 

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Motivationsgeschwätz

„Bloss kein Theater jetzt! Die paar Stunden Gartenarbeit werden euch kaum schaden. Ja, ich weiss, ihr habt Ferien, aber wir haben euch immerhin ausschlafen lassen. Und am Samstag machen wir einen Ausflug. Nein, ihr braucht keine Belohnung für euren Einsatz, wir sind eine Familie und da hilft man einander eben. Es macht doch Spass, hier an der frischen Luft zu sein. Die Bewegung wird euch gut tun. Jetzt motzt doch nicht die ganze Zeit. Was glaubt ihr denn, wie es war, als ich in eurem Alter war? Die ganzen Herbstferien Holz spalten, von Morgen früh bis abends, keine Freizeit und mein Vater war schlecht gelaunt. Die ganze Familie, auch diejenigen, die nicht mehr zu Hause wohnten. Warum wir Holz spalten mussten? Na, wie denkt ihr, haben wir den ganzen Winter das Haus geheizt? Mit Holz natürlich. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie kalt es frühmorgens im Haus war. An die Arbeit jetzt, wir machen das ja auch für eure Haustiere und für das Gemüse, das ihr nächsten Sommer wieder essen werdet. Schluss jetzt mit Trödeln, wir haben noch einen ganzen Berg Arbeit vor uns und ohne eure Hilfe schaffen wir das nicht bis Ende der Ferien…“

Je mehr Teenager-Mama ich werde, umso unsympathischer werde ich mir selbst mit meinem Motivationsgeschwätz…

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Zwei Stecken unter dem Esstisch

Wie oft habe ich schon gesagt, dass Stecken draussen bleiben müssen?

Wie oft habe ich mich schon gebückt, um sie trotz aller Ermahnungen unter Betten, Esstischen, Kloschüsseln, Regalen, Stühlen hervor zu angeln?

Wie oft habe ich in der Wut einen zerbrochen und aus dem Fenster geschmissen, nachdem ich brutal darüber gestolpert war?

Wie oft habe ich Streit geschlichtet, weil nur ein einziger Stecken aus dem ganzen grossen Wald den Ansprüchen meiner Söhne genügen konnte?

Wie oft bin ich dazwischen gesprungen, ehe sie mit den Dingern aufeinander einschlagen konnten?

Wie oft habe ich schon Tränen getrocknet, weil einer des anderen Stecken gestohlen, kaputt gemacht oder zweckentfremdet hatte?

Wie viele sind schon auf der Strecke liegen geblieben, weil ich mich weigerte, meinen Söhnen das gesammelte Holz nach Hause zu schleppen?

Wie oft habe ich mir schon Vorwürfe anhören müssen, weil ich einen dieser magischen Stecken für ein ganz gewöhnliches Stück Holz gehalten hatte?

Wie viele durch Stecken zugefügte Wunden habe ich verarztet?

Wie viele davon hat „Meiner“ zu Fotoobjekten zweckentfremdet und dadurch für lautes Protestgeheul gesorgt?

Wie lange wird es noch dauern, bis ich wehmütig an die Stecken zurückdenke, weil sie plötzlich keiner mehr anschleppt?

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Wiedersehen

Meinem Jüngsten stricke ich derzeit eine Decke in allen Neontönen des Farbspektrums, weil er die grelle Wolle so unglaublich schön findet.

Einer meiner Söhne trägt seit dem heutigen Coiffeurbesuch einen Vokuhila. Na ja, immerhin nicht mit Stolz.

Ein sehr lieber Mensch aus meinem engeren Umfeld trug neulich eine jener schrecklichen Stone – oder Acid? – Washed Jeans, wie man sie in den Achtzigern trug. Am selben Tag ging vor mir eine Frau, die eine ähnliche Scheusslichkeit spazieren führte, diesmal in der etwas weiter geschnittenen Version mit breitem Gummizug oben und unten. Dazu pastellfarbene Stoffschuhe…

Meine Tochter findet diese abscheulichen, mit Nieten oder Fransen besetzten Stiefelchen nicht so hässlich, wie ich es von ihr erwarten würde.

Allmählich fürchte ich mich vor dem Tag, an dem meine Kinder dauergewellt, in Stretch Jeans und mit Fledermausärmel-Pulli vor mir stehen.

Kein Zweifel, auch unserer Generation bleibt es nicht erspart, mit ansehen zu müssen, wie die eigenen Kinder exakt die gleichen Geschmacksverirrungen durchmachen wie ihre Eltern.

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Heute investiert

75 Minuten und 110 Blumenzwiebeln in einen bunteren Frühling. 

6,5 Minuten in die botanische Erziehung des Prinzchens und seines besten Freundes. („Zuerst mit dem Ende des Kochlöffels ein Loch in die feuchte Erde graben…Nein, noch etwas tiefer…noch etwas tiefer…Halt! So tief nun auch wieder nicht…jetzt die Blumenzwiebel rein, zudecken und das nächste Loch graben. Nein, nicht hier, hier habe ich schon eine gesetzt….Ihr mögt nicht mehr? Die hier noch, dann seid ihr fertig. Bringt den Kochlöffel wieder nach oben, den brauche ich noch. Nein, das machst du. Ja, ich weiss, du hast Rückenschmerzen von der harten Arbeit, aber glaub mir, das habe ich auch und mein Rücken ist bedeutend älter als deiner….“)

125 Gedanken und drei Gesprächsminuten mit „Meinem“ in eine verbesserte Nutzung des Gewächshauses. 

18 Gedanken in die Optimierung der Melonengrösse. Nicht, dass ich es übertreiben möchte, aber ich habe das Gefühl, dass für eine ausgereifte Tigermelone auch etwas mehr als 5 Zentimeter Durchmesser drinliegen.

39.80 Fr. in ein Verbessertes Raumklima und damit unendlich viel in das Wohlbefinden unserer Gäste, die den Geruch unserer Katzen durchaus noch wahrnehmen, wenn sie die Wohnung betreten.

Eine mit Curry-Blumenkohl belegte Piadina in die Liebesbeziehung zwischen dem Zoowärter und dem genannten Gemüse.

2 Stunden in das Anlegen eines Pfirsich-Wintervorrats. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an unseren Nachbarn, der seinen Pfirsich-Überfluss mit uns teilt. Ja, wir haben auch anständige Nachbarn, nicht nur solche, die immer gleich die Polizei rufen.

2 Kilo zukünftiger Essiggurken in das Glück meines Mannes. Und meiner Kinder, falls „Meiner“ etwas für sie übrig lässt.

Je einmal ausschlafen und einmal Mittagsschlaf in die Bekämpfung meiner Dauermüdigkeit.

30 Minuten in ein glücklicheres Leben unserer Wachteln.

Viel Arbeit, ein bisschen Shopping und noch mehr Abwechslung in die Verhinderung meiner üblichen samstäglichen Misere. 

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So geht das nicht, „Meiner“

Mein lieber „Meiner“

Glaub mir, ich schätze es ungemein, mit einem Mann verheiratet zu sein, der ohne grosse Komplikationen von heute auf morgen meine Rolle übernehmen könnte. Ich gebe unumwunden zu, dass du eindeutig begabter bist als ich, wenn es um die praktischen Seiten des Familienalltags geht. Ja, ich ertappe mich zuweilen dabei, wie ich mit dir prahle, wenn ich mit Frauen ins Gespräch komme, die ihr Leben mit einem Mann teilen, der nicht mal Spaghetti kochen kann. Oh ja, solche Männer gibt es noch immer, auch wenn wir beide das nicht für wahr halten möchten.
Jetzt, wo ich dir all diese lieben Dinge gesagt habe, möchte ich mit einer Bitte an dich herantreten. Nun ja, eigentlich ist es ein Befehl, aber da wir zwei einander nichts zu befehlen haben, tue ich eben so, als wäre es eine Bitte.

Also: Bitte, mein allerliebster „Meiner“, lass gefälligst im Zukunft deine Finger von Kinderarzt- und Coiffeurterminen. Ich kann ja verstehen, dass es dir nach deinem schlimmen Zeckenerlebnis wichtig ist, unsere Kinder gegen das FSME-Virus impfen zu lassen, ich sehe es dir sogar für einmal nach, dass dich meine Meinung zu dieser Impfung nicht im Geringsten interessiert hat. Aber kannst du mir bitte erklären, welcher Teufel dich geritten hat, als du – so ganz ohne Vorkenntnisse in Sachen Terminvereinbarung mit Kinderärzten – einen Termin für alle fünf Kinder vereinbart hast? Und dies an einem Donnerstagnachmittag, an dem jeder ein anderes Programm hat, so dass wir die Kinder gestaffelt hinkarren müssen. Dann notierst du dir auch noch eine falsche Zeit, so dass ich der Praxisassistentin peinlich berührt erklären muss, ich wüsste nicht, weshalb du mit den restlichen Kindern zu spät seist, aber ich müsse jetzt ganz dringend nach Hause gehen, da der Zoowärter seine Freundin und ihre kleine Schwester eingeladen hat. Und dann arrangierst du auch noch ohne mein Wissen, dass Zoowärters Gäste etwas später kommen. Du musstest das lange Gesicht unseres Sohnes ja nicht sehen, als die Mädchen nicht wie erwartet um vier bei uns aufkreuzten.

Okay, es kann ja mal etwas schief gehen. Ich habe auch nicht immer alles im Griff. Aber wie, um Himmels Willen, bist du auf die Idee gekommen, unsere vier Söhne auch noch zum Coiffeur anzumelden? Zwei heute, zwei morgen und morgen ausgerechnet denjenigen, der zuerst zur Schule und dann zum Standortgespräch mit der Therapeutin muss? Ja, ich weiss, die Coiffeuse ist schnell, aber ich bin es nicht, wenn ich im Feierabendverkehr in die Stadt fahren und dann rechtzeitig wieder zurück sein muss, weil abends noch Laternenumzug ist.

Nein, mein liebster „Meiner“, so geht das wirklich nicht, also lass mich das mit den Terminen in Zukunft wieder selber machen. Mag sein, dass die Kinder ihre Zeckenimpfung etwas später bekommen und ihre Haare etwas länger wachsen lassen müssen, ehe ich endlich zum Telefon greife, aber immerhin richte ich nicht solch ein heilloses Chaos an.

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