Window-Shopping

Endlich weiss ich, was mich in diesen Tagen fast zur Verzweiflung bringt. Es ist meine Projektlosigkeit, die mir die Lebensfreude raubt. So viele Möglichkeiten und so wenig Energie. Ich fühle mich wie ein London-Tourist, der bis auf ein paar Pfund alles für kitschige Royals-Souvenirs ausgegeben hat und nun mit sehnsüchtigen Blicken vor den Schaufenstern von Selfridges steht.

„Wow, beeindruckend, dieser Käser-Lehrgang! Den nähme ich sofort. Wenn der bloss nicht so zeitintensiv wäre. Aber vielleicht dieser Fünftageworkshop? Ist zwar nicht die ganz grosse Sache, aber mit etwas gutem Willen würde ich es vielleicht hinkriegen? Mist, da steht, dass man zuerst einen Basiskurs in Milchverarbeitung machen muss und das dauert ja auch wieder seine Zeit. Wird wohl nichts daraus… Aber dort hinten, diese niedliche, kleine Tauschbörse für Hausgemachtes. Kostet gar nicht so viel, ein paar Anrufe, ein bisschen Werbung auf Facebbook, zwei oder drei motivierte Freundinnen… Ich glaube, das könnte ich noch zusammenkratzen… Bloss, wer kümmert sich dann um die Kinder? Und was, wenn alles, was keinen Abnehmer findet, bei mir liegen bleibt? Und wenn sich alle aus dem Staub machen, bevor aufgeräumt ist. Wird wohl doch nichts draus… Aber es wäre doch soooooo niedlich….“

„Das dort drüben ist der absolute Hammer! Ein umwerfendes Buchprojekt, das nehme ich, koste es, was es wolle… Äääähm, okay, an die durchwachten Nächte habe ich dabei natürlich nicht gedacht und die freien Stunden für ungestörtes Arbeiten… Na ja, wenn ich mich ein wenig anstrengen würde, könnte es klappen… Aber mir brummt noch der Schädel von der letzten schlaflosen Nacht und da habe ich nicht mal geschrieben. Ist wohl doch noch etwas zu früh für grosse Schreibereien… Aber dieses sensationelle Ablagesystem für gute Ideen, das kann ich mir vielleicht leisten. Wie, dazu müsste ich mein Büro auf Vordermann bringen? Wo ich doch gerade so knapp meinen Haushalt schaffe, wenn „Meiner“ mehrheitlich ausfällt… Wird wohl auch nichts draus. Zumindest noch nicht jetzt.“

‚Ha, aber das dort drüben, das muss einfach klappen. Das Kätzchen, das sich Karlsson zum Geburtstag wünscht, das muss doch einfach drin liegen. Wo zwei Katzen sich wohl fühlen, wird auch eine dritte glücklich sein. Ach so, ja, die zwei müssten Nummer drei auch noch akzeptieren. Und wenn Leone oder Henrietta dies nicht täten? Würde dann eine davon sich aus dem Staub machen? Die Kinder würden das Karlsson und mir nie verzeihen… Aber es wäre doch so tröstlich, etwas Kleines, Lebendiges zu haben…. Nein! Auf gar keinen Fall hinschauen! Du weisst, dass das nicht in Frage kommt…Nun ja, ein einziger, verstohlener Blick wird wohl nicht schaden…es ist ja nur ein Blick… Mist! Jetzt hat es mich schon wieder erwischt, dabei weiss ich doch ganz genau, dass das auf gar keinen Fall drin liegt. Ob es vielleicht eine Nummer kleiner ginge? Ein Tageskind vielleicht, nur ein paar Stunden pro Woche, vielleicht auch nur ein oder zweimal im Monat… Ach, vergiss es, du weisst genau, dass das weder für das Kind noch für dich gut wäre…“

„Dann machen wir eben eine Reise. Einfach mal weg aus dem ganzen Trott, Neues erkunden, Vergangenes hinter sich lassen, neue Lebensperspektiven gewinnen… Nun gut, zuerst müsste „Meiner“ mal wieder auf die Füsse kommen. Und dann müsste man schauen, wie das mit der Schule zu lösen wäre. Ach so, ja, die Finanzen… Vergessen wir das Ganze gleich wieder…“

So stehe ich da, bewundere die Auslage und denke, dass ich wohl erst einmal sparen muss, ehe wieder an Projekte zu denken ist. Aber ich weiss schon, was ich mir als erstes anschaffe, wenn es dann soweit ist. Bis dahin stricke ich mal an Karlssons Pullunder weiter. Ist ja auch eine Art Projekt…

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Höhlenträume

Wenn die Geschirr- und Wäscheberge die Sicht auf den Feierabend versperren….
Wenn man trotz Putzfrauenbesuch schon wieder über die Spielsachen stolpert…
Wenn der ganze Bürokram, mit dem man in einem durchschnittlichen Privathaushalt schon bald eine Teilzeit-Sekretärin beschäftigen könnte, wieder einmal liegen bleibt….
Wenn man aus dem Altpapier eines einzigen Tages Isoliermaterial für ein ganzes Haus herstellen könnte….
Wenn die Kindergeburtstagswünsche ins Unermessliche steigen….
Wenn der Kater das Katzenfutter verschmäht, weil die Speisereste so viel besser schmecken….
Wenn das Telefon andauernd klingelt….
Wenn zum vierten Mal am Tag jemand wegen einer Nichtigkeit an der Türe steht….
Wenn schon wieder ein Lattenrost den Geist aufgibt….
Wenn die Zeitungslektüre mal wieder nur Sorgenfalten auslöst….

…. dann denke ich jeweils, eine sichere Höhle mit ein paar Fellen und einem warmen Herdfeuer hätte auch gereicht. Okay, vielleicht noch eine Badewanne und eine gut sortierte Hausbibliothek dazu, aber den Rest hätte man sich doch wirklich schenken können.

Ja, ich weiss, WLAN und iPad fehlen noch, aber tun wir mal so, als könnte ich noch ohne… Ich meine, WLAN in einer Höhle, sowas geht nun mal einfach nicht. Man stelle sich nur mal vor, wie schlecht die Verbindung dort wäre.

 

 

Was soll das?

Meine sehr verehrten Wettermacher

Mit diesem Schreiben möchte ich meine tiefste Enttäuschung ausdrücken. Bis anhin hatte ich stets geglaubt, Sie hätten mit Kommerz nichts am Hut. Immerhin scheren Sie sich einen Dreck darum, ob das Wetter im Süden an Ostern schön ist, ob das Open Air-Kino verregnet wird, ob die Skipisten schneefrei bleiben. Diese standhafte Unabhängigkeit vom grossen Geld habe ich stets bewundert.

Und nun dies. Als ob es nicht schlimm genug wäre, dass die Läden schon seit Wochen vollgestopft sind mit dem ganzen Weihachtskram. Mit Ihrem verfrühten Schneegestöber haben Sie die den Kindern vorgegaukelt, es würde jetzt dann gleich losgehen mit der Bescherung. Im Gegensatz zu uns desillusionierten Erwachsenen glauben die lieben Kinderlein nämlich noch an das Märchen von weissen Weihnachten.

Ausbaden müssen das einmal mehr wir Eltern. „Nein, lieber Zoowärter, der Samichlaus kommt noch lange nicht.“ „Nein, Prinzchen, wir stellen den Tannenbaum nicht gleich nach deinem Geburtstag auf.“ „Ja, Luise, dir bleibt noch genug Zeit, einen Wunschzettel zusammenzustellen.“ „Ach, FeuerwehrRitterRömerPirat, muss ich denn wirklich jetzt schon Jingle Bells vorsingen?“ Wissen Sie denn nicht, wie anstrengend es ist, bereits Wochen vor Weihnachten nur noch ein einziges halbwegs vernünftiges Kind im Haus zu haben? Das Ganze auch noch kurz vor Vollmond.

Sie verstehen also, meine verehrten Wettermacher, dass ich von Ihrer Anbiederung an die Geschäftemacher nichts halte. Als Wiedergutmachung erwarte ich von Ihnen, dass Sie uns für den Rest der kalten Jahreszeit einschneien. Nach diesem Wochenende brauche ich ganz dringend einen Winterschlaf.

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Karlsson hat nie…

Karlsson hat nie wissen wollen, warum wir bei Halloween nicht mitmachen. Er hat es einfach akzeptiert, dass der Brauch uns nichts sagt.

Karlsson hat nie den Wunsch geäussert, regelmässig eine Vorabendserie schauen zu dürfen.

Karlsson hat sich mit neun keinen iPod gewünscht.

Karlsson hat sich nie darüber beschwert, dass wir uns keine ausgedehnten USA-Ferien leisten können.

Karlsson hat stets klaglos akzeptiert, dass bei uns gewisse Dinge anders sind als bei anderen.

Karlsson fand es ganz okay, dass wir den Kindergeburtstag zu Hause feiern und nicht an dem wohlbekannten Ort mit Rundum-Bespassung.

Karlsson hatte kein Problem damit, dass ich viel von dem Weihnachtsklimbim, den sie dir im Oktober schon nachwerfen, links liegen lasse.

Karlsson liessen Monster, Ninjas und Star Wars kalt.

Heute konfrontieren uns Karlssons Geschwister mit all diesen und vielen weiteren Wünschen. Und ich frage mich, ob Karlsson wirklich so genügsam war, oder ob er einfach nicht den Mut hatte, zu wünschen, was die Jüngeren zuweilen fast schon fordern.

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Auf die Plätze, fertig….

Der Startschuss in die diesjährige Käfer-Saison ist gefallen. Zu Beginn sah es ganz danach aus, als würde der FeuerwehrRitterRömerPirat allen anderen die Show stehlen. Doch dann entpuppte sich das, was wir als erste Anzeichen einer ausgewachsenen Erkältung ansahen, als Fehlstart. Ein steifer Hals, ein Hauch von Müdigkeit und das war’s dann auch schon. Während sich aller Augen noch auf den FeuerwehrRitterRömerPiraten richteten, machte sich das Prinzchen heimlich in die Startlöcher. Und siehe da, der Jüngste zeigt den anderen, wo es lang geht. Mit Fieber, Triefnase und schlechten Träumen zieht er an allen anderen vorbei. Karlsson, Luise und der Zoowärter, die bisher noch auf den Zuschauerrängen sitzen, reagieren ganz unterschiedlich auf den Erfolg ihres jüngsten Bruders. Während Luise ihn mit „Komm schon, Prinzchen, du schaffst das. Bald bist du am Ziel“, anfeuert, lässt der Zoowärter kein gutes Haar an Prinzchens Auftritt. Zu quengelig, zu nervig, zu wenig lustig. Karlsson hingegen scheint noch gar nicht bemerkt zu haben, dass das Rennen begonnen hat. Sein einziges Ziel ist derzeit ein gelungener Übertritt an die Oberstufe, da hat man keine Zeit für diese läppischen Käfer. Ich hingegen beobachte mit Spannung, was auf der Käfer-Rennbahn abgeht und weil der Wettlauf so viel aufregender ist als das Zuschauen, laufe ich mich schon mal mit Ohrensausen und einem Hauch von Schnupfen warm.

„Meiner“ läuft dieses Jahr ausser Konkurrenz. Es dürfte schwierig sein, mit den gewöhnlichen Feld-Wald-und Wiesenkäfern die gleiche Leistung hinzukriegen wie er. Und ich gehe nicht davon aus, dass ihm einer von uns den Titel als „König der Käfer“ vergönnt.

Wie krank dürfen Eltern sein?

Blöde Frage, ich weiss. Wo doch jedes Zweijährige verstanden hat, dass richtige Eltern nie krank werden. Richtige Eltern bekommen bei der Geburt ihres ersten Kindes ein Superhelden-Kostüm geschenkt und von da an kann ihnen nichts und niemand mehr etwas anhaben, mögen die lieben Kleinen noch so viele Käfer aus Kita, Kindergarten und Karate-Unterricht mit nach Hause schleppen. Richtige Eltern kennen keinen Schmerz, keine Erschöpfung, keine Ansteckung, kein „Ich kann nicht mehr!“.

Ja, ich weiss, jetzt kommen wieder diese Einwände. „Wenn du wüsstest, wie schlimm das war, als ich diese schreckliche Grippe und keine Hilfe hatte.“ „Du hast ja keine Ahnung, wie lange ich unter meiner postnatalen Depression gelitten habe.“ „Du hättest meinen Mann erleben müssen, als er nach seiner schweren OP wieder nach Hause kam.“ Und dann kommt wohl noch der Einwand, „Meinen“ hätte es ja auch ziemlich übel erwischt.

Dazu kann ich bloss sagen, dass das alles pure Illusion ist. Kranke Eltern sind in unserem Gesundheitswesen nicht vorgesehen und darum gibt es sie auch nicht. Kranke Arbeitnehmer ja, kranke Sportler auch, kranke Manager und kranke Greise erst recht. Aber kranke Mütter und Väter? Nie davon gehört und darum kann es auch nicht sein, dass eine Mutter nach einer schweren Erkrankung eine Haushalthilfe bezahlt bekommt, ein Vater nach einer OP eine Kur. Die Familie als Hort der Glückseligkeit ist der beste Ort um zu genesen und wenn einer einwendet, bei all dem Lärm und Betrieb könne er unmöglich gesund werden, gehört ihm das Sorgerecht über seine Kinder entzogen. Wahre Eltern verfügen über eine eiserne Gesundheit – und wenn die trotzdem mal versagen sollte, steht ihnen eine Legion von Schwiegermüttern, Müttern, Freundinnen und Tanten zur Verfügung, die im Notfall einspringen. Wem das nicht reicht, dem ist nicht mehr zu helfen.

Neulich warf jemand die Frage auf, wie das mit den Partnern von Burn-out-Patienten sei. „Was geschieht eigentlich mit dem Elternteil, der zu Hause alleine den Laden schmeisst, die Kinder versorgt und sich darum kümmert, dass die Finanzen nicht aus dem Ruder laufen? Bekommt der auch Hilfe?“, fragte die Person. Ich nehme mal an, die Person wollte einen besonders lustigen Witz machen, denn sie glaubt ja wohl kaum im Ernst, dass so ein klitzekleines Burn-out-Syndrom einem mitbetroffenen Elternteil etwas anhaben könnte.

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Bloss nicht dran denken

Bloss nicht dran denken, dass diese erste Woche eben nur die erste Woche war und dass es durchaus sein kann, dass noch ein paar weitere ähnliche Wochen folgen.

Bloss nicht dran denken, dass nächste Woche die Schule wieder beginnt und „Meiner“ nicht in der Lage ist, mit Karlsson und Luise Mathematik zu büffeln.

Bloss nicht dran denken, dass die Kinder irgendwann merken, dass ich alleine nicht immer alles mitbekomme, was ihnen die Gelegenheit bietet, endlich ein paar Dummheiten auszuhecken.

Bloss nicht dran denken, dass mein Akku irgendwann leer sein könnte.

Bloss nicht dran denken, dass „Meiner“ und ich jetzt eigentlich unsere drei kinderfreien Tage hätten geniessen sollen.

Einfach nur einen Tag nach dem anderen nehmen, dankbar sein, dass wir die erste Zeit so gut überstanden haben und dass es „Meinem“ ein klein wenig besser geht.

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Lieblingsgeräusche

 Wenn der Deckel des Einmachglases knackt und mir damit klar und deutlich mitteilt, dass sich die ganze Arbeit gelohnt hat.

Das Schnurren der Katze, wenn kein Mensch sie berührt hat und sie es trotzdem nicht lassen kann. Einfach schnurren aus lauter Zufriedenheit, das muss man erst mal können.

Prinzchengesang in allen Lebenslagen, sei es beim Treppensteigen, morgens nach dem Aufwachen, beim Spielen – einfach immer und überall. Einfach nicht beim Essen, wenn ich bitten darf.

Das Schwingen der Waschmaschine, wenn ich weiss, dass es die letzte Ladung eines gigantischen Wäschebergs ist, die trockene Wäsche sauber gefaltet ist und am Wäscheständer noch Platz ist für die nassen Stücke. Kommt pro Jahr vielleicht drei- oder viermal vor.

Das wohlige Geräusch, das Kinder und Gäste von sich geben, wenn das, was ich gekocht habe, besser ist, als das Rezept hätte vermuten lassen.

Die Stimme des FeuerwehrRitterRömerPiraten, wenn er seinen kleinen Brüdern eine Geschichte vorliest.

Das Brabbeln eines sehr kleinen Babys. Wenn das nicht zu haben ist, gebe ich mich auch mit dem hungrigen Schreien eines Säuglings zufrieden. Zumindest, solange jemand in der Nähe ist, der das arme Kindchen füttern kann, bevor ich einen Milcheinschuss habe.

Die Tastatur, wenn der Text nur so aus den Fingern fliesst.

Das Knallen der Türe, aber nur, wenn die Wut gross genug ist und vor allem nur, wenn ich diejenige bin, die die Tür knallt. Aus gutem Grund, versteht sich.

Hummelgesumm. Alle anderen Insekten summen irgendwie nervtötend, aber Hummeln… einfach himmlisch.

Der letzte Ton, den die Motorsäge von sich gibt, ehe sie auf immer und ewig verstummt. Das gleiche gilt für Rasenmäher, Holzspaltmaschinen, Pressluftbohrer und Zithern – nicht aber für himmelblaue Autos, wenn sie in Varese auf einer Ausfahrtsstrasse stehenbleiben.

Wenn „Meiner“ lacht. So richtig. Wie damals, als er noch siebzehn war.

Und dann natürlich das hier, aber streng genommen gehört das wohl nicht in die Kategorie „Geräusche“.

Halt auf Verlangen

Und wieder stehen wir an dem Punkt, an dem wir doch eigentlich schon längst nicht mehr stehen möchten. Wieder fragen wir uns, wie wir die Balance hinkriegen sollen zwischen Familie, Berufsarbeit und Haushalt und zwar möglichst so, dass beide mit der Aufteilung glücklich sind. Und die Kinder auch. Und das Budget auch. Und überhaupt alle, die irgendwie davon betroffen sind, wie wir unser Leben gestalten.

Ich habe nicht grundsätzlich ein Problem damit, dass man sich hin und wieder der Frage stellen muss, wie es im Leben weitergehen soll. Die Gefahr, einzurosten und stehenzubleiben ist bestimmt geringer, wenn das Leben nicht nach einem ausgefeilten Plan abläuft, den es strikte zu befolgen gilt. Zuweilen aber überkommt mich diese unglaubliche Müdigkeit, weil bei uns nur selten etwas nach Plan läuft. Klar, unser Leben ist dadurch ziemlich bunt, spontan und abwechslungsreich, aber eben auch ermüdend, weil wir noch kaum einmal Zeiten hatten, in denen wir sagen konnten: „So ist es für diese Lebensphase gut, so fahren wir jetzt mal eine Zeit lang weiter, ehe wir die Weichen wieder neu stellen.“

Nein, ich möchte nicht von nun an bis zur Pensionierung alles immer gleich haben, ich bilde mir auch nicht ein, dass „Meiner“ und ich glücklich wären mit einem Leben, in dem alles stets überschaubar bleibt. Aber ich hätte gar nichts dagegen, mal an einer Zwischenstation ankommen und etwas länger verweilen zu dürfen.

Basmati-Reis-Frau

Auf einer Autofahrt zu zweit entspann sich das folgende Gespräch zwischen Karlsson und mir:

Karlsson (scherzhaft): „Meine Kinder sollen mal keine Grossmutter haben, die stets bunt angezogen und fröhlich ist. Du brauchst dann mal eine grosse, runde Brille mit Goldrand, ein zweiteiliges Kostüm in dezenten Farben und eine Kurzhaarfrisur, die du dir jeden Freitag beim Coiffeur auffrischen lässt.“

Ich: „Ich fürchte, damit kann ich nicht dienen. Ich gehe nicht davon aus, dass ich mich so grundlegend ändern werde.“

Karlsson: „Du meinst, du wirst dann immer noch gemusterte Thai-Hosen und bunte Blusen tragen?“

Ich: „Vermutlich schon, aber immerhin kann ich dir versprechen, dass ich nicht immer fröhlich sein werde. Ich kann ja auch heute schon anders. Aber mein Stil wird wohl mehr oder weniger gleich bleiben.“

Karlsson: „Na gut, dann weiss ich immerhin, worauf ich mich einstellen muss. Du wirst also so eine Frau sein mit wallenden, bunten Kleidern, langen Haaren und so…“

Ich: „Du meinst ein Hippie?“

Karlsson: „Nein, ich meine eine Basmati-Reis-Frau.“

Ich: „Eine Basmati-Reis-Frau? Was um Himmels Willen soll denn das sein?“

Karlsson: „Eben so eine Frau wie du: Weite Oberteile, riesige, farbenfrohe Hosen, Sandalen, viel Goldschmuck und so, die jeden Tag Basmati-Reis mit Curry isst.“

Ich: „Okay, gut, dann werde ich eben eine Basmati-Reis-Frau. Hauptsache, wir du versuchst nicht, mich zu verändern, denn Goldrand-Brille, Deux-Pièces und Kurzhaarfrisur kannst du bei mir glatt vergessen…“

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