Gotlandbrot-Erkenntnisse

Da ich den Besuchern meiner Lesung frisches Gotlandbrot versprochen habe, bin ich heute wieder am Backen. Hier einige Erkenntnisse:

Wie der Abdruck auf dem Tuch, mit dem ich die Schüssel bedeckt habe, beweist, hat der erste Vorteig einen Hang zum Perfektionismus…

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…das zweite Kneten und Gehenlassen macht dem Perfektionismus jedoch schnell den Garaus…

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Sophie mag es nicht, wenn man den zweiten Vorteig auch nur eine Minute länger als die im Kochbuch angegebenen 45 Minuten gehen lässt…

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Gottegris mag es nicht, wenn Sophie laut wird. Mein zerkratzter Hintern ist Zeuge. Nein, fragt nicht, glaubt mir einfach….

….manchmal muss man eben doch mehr Mehl als im Rezept angegeben zufügen…

…doch der fertige Teig ist jedes Mal schön anzusehen…

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…anstelle von Melasse habe ich diesmal Wacholderlatwerge genommen. Ist weniger klebrig und schmeckt meiner Meinung nach besser. Und hier ein Bild für alle, die nicht wissen, was Wacholderlatwerge ist:

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…Anis schmeckt – und riecht – eindeutig besser als Ajwar…

… und einmal mehr bin ich überzeugt, dass sich der ganze Aufwand lohnt. Mag sein, dass der eine oder andere Besucher, der morgen zur Lesung kommt, meine Bücher nicht mag. Wenn er aber dieses Brot nicht liebt, ist ihm nicht mehr zu helfen…

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Gotlandbrot

Einige (Facebook)-Freundinnen wollten wissen, wie ich das Gotland-Brot gebacken habe, mit dem ich heute auf meinem Profil geprahlt habe und wenn ich mir schon die Mühe nehme, das Rezept aufzuschreiben, kann ich es gleich hier tun, dann haben alle etwas davon. Das Rezept habe ich aus dem Kochbuch „Natürlich Schwedisch“ von Carina Brydling, aber ich habe es ein wenig angepasst, da ich in meiner Küche nicht alle Zutaten finden konnte und da ich die Tendenz habe zu glauben, ich wisse alles besser. Also, dann fangen wir mal an…

Gut, eigentlich muss man eine Woche früher anfangen, zumindest wenn man seine eigene Sauerteigkultur verwenden will. Wie man Sauerteig macht, kann man an jeder Ecke im www herausfinden, ich verzichte also auf eine langfädige Erläuterung. Natürlich kann man das Zeug auch im Reformhaus kaufen, aber wenn schon hausgemacht, dann richtig, finde ich.

Gestern Abend also mischte ich 900 Gramm Roggenmehl, 500 Gramm Weissmehl, ca. 1.9 Liter warmes Wasser (Frau Brydling empfiehlt 2,1 Liter, aber das schien mir dann doch etwas viel) und 1 Deziliter Sauerteig zu einem Vorteig. Faul, wie ich nun mal bin, liess ich Sophie diese Arbeit erledigen, damit ich mich im der Zwischenzeit um den Sirup kümmern konnte.

In Schweden nimmt man dafür „dunklen Sirup“, ich nahm Melasse. Dann käme noch die Schale einer Pomeranze hinzu, doch die hatte ich auch nicht zur Hand, also nahm ich Bio-Zitrone. Schliesslich bräuchte man noch Anis und Fenchelsamen, doch aus mir unerklärlichen Gründen fand ich weder das eine noch das andere in meinem Gewürzschrank, also half ich mir mit Ajwar aus. Ob man sich nun an das eine oder an das andere Rezept hält, der Sirup wird immer auf die gleiche Weise zubereitet: 2 Deziliter Wasser (Wasser) mit 1 Deziliter Melasse (dunklem Sirup), 2 Messerspitzen Ajwar (je einer Messerspitze Anis und Fenchelsamen) und Streifen der Zitronen (Pomeranzen-)schale aufkochen. Frau Brydling würde jetzt noch das Weisse aus der Schale entfernen und das Zeug kleinschneiden, aber ich habe darauf verzichtet und das Ganze über Nacht stehengelassen. Das Gleiche habe ich mit dem Vorteig getan: Tuch drüber und ab ins Bett. Und auf gar keinen Fall mehr Mehl beigeben, die Masse muss glatt und klebrig sein!

Am Morgen löste ich zwei Würfel Bio-Hefe (ca. 80 Gramm) mit ca. 80 Gramm Zucker in 3 Deziliter warmem Wasser auf. Frau Brydling nimmt 150 Gramm Zucker, aber wir wollen mal nicht übertreiben. Den Sirup goss ich durch ein Sieb, dann kamen Sirup, aufgelöste Hefe, 300 Gramm Weizenvollkormnehl, 150 Gramm Roggenmehl und 150 Gramm Weissmehl in den Vorteig. Das Kneten überliess ich wieder Sophie, denn Frau Brydling hatte mich gewarnt, dass dies eine „sehr klebrige und schwere Arbeit“ sei. Sophie scheint mit ihr einig zu gehen, aber das ist nun mal ihr Job. Der Teig war tatsächlich ziemlich klebrig und sehr feucht, doch ich widerstand der Versuchung, mehr Mehl zuzugeben. Stattdessen legte ich wieder mein Tuch über die Schüssel und liess den Teig 45 Minuten ruhen.

Als diese Zeit um war, quoll der Teig schon fast über den Rand der Schüssel. Darum liess ich Sophie noch einmal ein wenig arbeiten, ehe ich die weiteren Zutaten zufügte: 50 Gramm Salz (Frau Brydling nimmt 75 Gramm), 3 Deziliter Melasse (dunklen Sirup), 200 Gramm Roggenmehl, 300 Gramm Weissmehl und 500 Gramm Weizenvollkornmehl. Sophie durfte dann noch einmal kräftig kneten, dann ruhte der Teig, der jetzt übrigens ohne weitere Wasser- oder Mehlzugabe perfekt war, noch einmal 45 Minuten unter dem Tuch, allerdings nicht mehr in Sophies Schüssel, sondern in einem grösseren Gefäss, da der Teig ein wenig voluminös geworden war.

Den aufgegangenen Teig formte ich zu vier Brotlaiben, die noch einmal 10 Minuten ruhen durften, ehe ich sie in den 200 Grad heissen Ofen schob, wo sie 50 Minuten (bei Frau Brydling dauert es eine Stunde, aber die hat vielleicht keinen Umluftofen) blieben. Zum Schluss mischte ich dann noch etwas Kaffee mit Melasse und bestrich die warmen Brote damit.

Tja, das war’s dann auch schon und wenn Frau Brydling nicht übertreibt, halten sich die Brote in Küchentücher eingeschlagen bis zu zwei Wochen. Ich werde dies vermutlich nie überprüfen können, denn länger als drei Tage werden die Brote bei uns nicht überleben. Soll ja auch das beste Brot der Welt sein, wie die Autorin ganz unbescheiden behauptet.

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„Meiner“ kauft ein

„Meiner“ war auf einer Weiterbildung in Deutschland. Bevor er sich auf die Heimfahrt machte, rief er an, um zu fragen, ob er noch einkaufen solle. „Bring doch einfach ein paar Dinge, die man in der Schweiz nicht bekommt“, antwortete ich. Hier die Liste der Spezialitäten, die er mitgebracht hat:

  • 1 Kilo Paniermehl
  • 1 Kilo Kakao
  • Butterkekse, hierzulande besser bekannt unter dem Namen Petit Beurres
  • 1 Beutel grüne Oliven
  • Vanillinzucker
  • Backpulver
  • Aufbackbrötchen für heute Morgen
  • 1 Kilo Gnocchi
  • Eine Flasche Buntwaschmittel
  • 1 Liter Essigreiniger
  • Parkettreiniger
  • 2 Pack grüne Servietten
  • 3 Flaschen Pepsi Max (habe ich bestellt, weil mein Koffeinpegel gerade bedenklich tief stand, als „Meiner“ anrief)

Gut, er hat auch noch ein paar Dinge speziell für mich mitgebracht, darunter so alltägliche Dinge wie ein Kokosnuss-Brotaufstrich und zweifarbige Flämische Waffeln. Aber ich gehe mal lieber nicht ins Detail, sonst glaubt ihr noch, „Meiner“ würde mich nicht lieben. 

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Die Kohl-Affäre

„Ein Weisskohl wird ja wohl reichen. Ausser mir und dem Zoowärter wird kaum einer essen davon“, sagte ich zu mir selber, als ich heute Abend zum Gemüsemesser griff, um eine Beilage zu den Ofenkartoffeln zuzubereiten. Das Rezept aus meinem neuen Schweden-Kochbuch war so simpel, dass ich nichts Besonderes davon erwartete: Weisskohl in Bouillon weich dämpfen, in Butter anbraten, Doppelrahm, Salz und Pfeffer hinzu und dann alles kurz köcheln lassen. So einfach, aber das Resultat war köstlich.

„Zoowärter, das musst du probieren“, rief ich unseren Gemüseliebhaber herbei. Der Zoowärter probierte, verdrehte genüsslich die Augen und versprach, wenn er ganz viel von diesem Kohl essen dürfe, würde er ohne Widerstand sein Zimmer aufräumen und brav zu Bett gehen. Drei Portionen später war der Zoowärter halbwegs satt, die Pfanne nahezu leer. „Probiert doch auch noch ein bisschen“, sagte ich zu den anderen Kindern. Erst rümpften sie die Nase, doch dann liessen sie sich einen Löffel voll aufschwatzen.

Augenblicke später brach ein Tumult los: „Warum hast du nicht mehr davon gekocht?“, wollte Karlsson wissen. „Das musst du morgen noch einmal machen“, forderte Luise. „Kann ich noch mehr haben?“, bat die Cousine unserer Kinder, die mit uns ass. „Wenn ich keinen ganzen Teller voll davon kriegen kann, esse ich überhaupt nichts heute Abend“, protestierte das Prinzchen. Ja, genau, das gleiche Prinzchen, das gewöhnlich nur Verachtung übrig hat für Kohl und anderes Gemüse. Einzig der FeuerwehrRitterRömerPirat blieb stumm, aber wohl nur, weil er gerade wegen irgend einer Sache sehr eingeschnappt war und unter dem Esstisch schmollte. Sonst hätte er bestimmt gejammert, der Zoowärter hätte viel mehr Kohl bekommen als er und das sei ganz schrecklich unfair. Erst als ich versprach, ich würde morgen noch einmal genau das Gleiche kochen und dann so viel, dass es für alle reicht, beruhigte sich die aufgebrachte Meute wieder. 

Was bin ich froh, dass die Kohl-Affäre zwei Stunden später wieder vergessen war. Sonst wäre bestimmt erneut ein Tumult ausgebrochen, als der von mir in Sachen Kohl schamlos bevorzugte Zoowärter sein ganzes Abendessen wieder von sich gab. 

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Mitbringsel

Aus Griechenland frisch gepflückte Granatäpfel, Trauben, Kakis und Fave, dazu eine Flasche frisch gepresstes Olivenöl.

Aus Vaters Garten die schönsten Auberginen.

Aus der Toscana Honig, eine Venus-Fliegenfalle und die schrecklich ungesunden Küchlein, die unsere Kinder so lieben.

Aus den USA all diesen wunderbaren Kram, den man sich nie kauft, weil man sich ja immer nur Nützliches leistet.

Aus Berlin ein Köfferchen voller Lush-Goodies.

Aus Patentochters Küche eine köstliche Schokoladen-Himbeer-Torte.

Aus Nachbars Garten sonnengereifte Trauben.

Aus Schwagers Garten die Christrose, die bei ihm keinen Platz mehr findet. 

Aus der Biokiste von Freunden erlesenes Gemüse.

Ich fühle mich in diesen Tagen so reich an lieben Menschen.

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Zwei Reaktionen

Unser ehemaliges Au-Pair lebt seit einiger Zeit in Konstanz und da sie noch immer einen festen Platz in unseren Herzen hat, fuhren wir gestern über die Grenze, um sie zu besuchen. Natürlich war uns bewusst, dass wir damit Gefahr liefen, im gleichen Topf zu landen wie die Horden von Schweizern, die in Deutschland die Geschäfte stürmen, als herrschte in unseren Ladenregalen gähnende Leere, doch damit muss man leben können. (Nebenbei bemerkt: Ist meinen Landsleuten eigentlich bewusst, dass sie mit ihren Ausfuhrscheinen die Deutschen ebenso nerven, wie die Deutschen uns, wenn sie uns mit einem gekünstelten „Grüzi“ begrüssen?) Nun, ich weiss nicht, ob wir in diesem Topf gelandet sind, dafür weiss ich, dass man ganz unterschiedlich darauf reagieren kann, wenn Vendittis ein Geschäft mit ihrem Besuch beglücken. 

Zuerst war da mal dieses Teegeschäft – ziemlich esoterisch, aber wunderschön und einladend. Obschon „Meiner“ versuchte, unsere Horde draussen zu behalten, stürmten sie alle den Laden, als bekäme man dort für jeden Einkauf zehnfache Minimania-Säcklein geschenkt. Als die Verkäuferinnen sahen, wie das Prinzchen fröhlich um die Regale kurvte, reagierten sie blitzschnell: „Lass mich überlegen, was machen wir mit dir“, sagte die eine zum Prinzchen. „Möchtest du gerne ein Gläschen Tee probieren?“ Das Prinzchen wollte natürlich, die anderen wollten auch und bald schlürften fünf kleine bis mittelgrosse Vendittis wertvollen Grüntee aus hübschen Gläschen. „Mama, den musst du kaufen“, sagten sie zu mir und verliessen dann ohne weitere Umstände den Laden, um mich in Ruhe stöbern zu lasen. Als ich bezahlte, meinte die Verkäuferin: „Auf dieses Prinzchen müssen Sie achtgeben. Der ist ein ganz besonderes Kind, ein Luftwesen, so frei und wild. Gehen Sie viel in die Natur mit ihm, das braucht er. 
Diese Reaktion berührte mich zutiefst, denn auch wenn ich nicht glaube, dass das Prinzchen ein Luftwesen ist, so weiss ich es doch sehr zu schätzen, wenn jemand den kleinen, wilden Bengel in sein Herz schliesst, obschon er doch gar nicht in einen feinen Teeladen passt. 

Eine Stunde später betraten wir eine Pizzeria, um unsere Kinder zu füttern, bevor sie zu quengeln anfingen. Ich hätte zwar lieber Indisch oder Griechisch gegessen, aber um die Gefahr zu bannen, dass unsere Söhne vor lauter Hunger den Kellner angreifen, sagte ich zum erstbesten Lokal ja. Es sah ja auch ganz nett aus. Als wir über die Schwelle gingen, stöhnte eine Frau, die auf ihr Essen wartete, laut vernehmlich auf, was mich ziemlich ärgerte, um des lieben Friedens Willen jedoch ignorierte. Wir setzten uns und „Meiner“ bestellte Mineralwasser für alle. (Erstes Stirnerunzeln des Kellners). Das Wasser kam und wir gaben unsere Bestellung auf. Karlsson verzichtete ganz vernünftig auf eine Vorspeise, um sich dafür Ravioli mit Crevetten und Trüffelöl zu gönnen. Er bekam „Ravioli Primavera“ und als wir freundlich darauf hinwiesen, das hätten wir aber nicht bestellt, antwortete der Kellner gehässig, er sei sich zu 100% sicher, dass ich Primavera gesagt habe. Habe ich nicht und das sagte ich ihm auch, aber er wusste es besser und der enttäuschte Karlsson musste sich mit Primavera zufrieden geben – und danach Luises halbe Pizza verschlingen, die sie nicht essen mochte. Von da an kreiste der Kellner wie ein Aasgeier um unseren Tisch, um uns die Teller zu entreissen, kaum hatten wir den letzten Bissen in den Mund gestopft. Unser ehemaliges Au-Pair hatte noch ziemlich viele letzte Bissen vor sich, als er ihr den Teller wegnehmen wollte, was sie aber nicht zuliess. Er gab ihr deutlich zu spüren, dass er den Teller lieber jetzt schon genommen hätte, denn diese lästigen Vendittis mit ihrer Brut – die sich übrigens ganz anständig aufführte – sollten jetzt endlich aus seiner Pizzeria verschwinden. Das taten wir dann auch bald einmal, aber erst, nachdem „Meiner“ ganz untypisch darauf beharrt hatte, 96.40 zu bezahlen und nicht 100, wie der Kellner gehofft – und offensichtlich auch erwartet – hatte. 

Die Versuchung ist natürlich gross, nur den kinderhassenden Kellner in Erinnerung zu behalten, aber ich habe beschlossen, auch die kinderliebende Verkäuferin aus dem Teeladen nicht zu vergessen und darum soll das Prinzchen heute den ganzen Tag draussen spielen. An der frischen Luft, wie es sich für ein Luftwesen gehört…

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Heute investiert

75 Minuten und 110 Blumenzwiebeln in einen bunteren Frühling. 

6,5 Minuten in die botanische Erziehung des Prinzchens und seines besten Freundes. („Zuerst mit dem Ende des Kochlöffels ein Loch in die feuchte Erde graben…Nein, noch etwas tiefer…noch etwas tiefer…Halt! So tief nun auch wieder nicht…jetzt die Blumenzwiebel rein, zudecken und das nächste Loch graben. Nein, nicht hier, hier habe ich schon eine gesetzt….Ihr mögt nicht mehr? Die hier noch, dann seid ihr fertig. Bringt den Kochlöffel wieder nach oben, den brauche ich noch. Nein, das machst du. Ja, ich weiss, du hast Rückenschmerzen von der harten Arbeit, aber glaub mir, das habe ich auch und mein Rücken ist bedeutend älter als deiner….“)

125 Gedanken und drei Gesprächsminuten mit „Meinem“ in eine verbesserte Nutzung des Gewächshauses. 

18 Gedanken in die Optimierung der Melonengrösse. Nicht, dass ich es übertreiben möchte, aber ich habe das Gefühl, dass für eine ausgereifte Tigermelone auch etwas mehr als 5 Zentimeter Durchmesser drinliegen.

39.80 Fr. in ein Verbessertes Raumklima und damit unendlich viel in das Wohlbefinden unserer Gäste, die den Geruch unserer Katzen durchaus noch wahrnehmen, wenn sie die Wohnung betreten.

Eine mit Curry-Blumenkohl belegte Piadina in die Liebesbeziehung zwischen dem Zoowärter und dem genannten Gemüse.

2 Stunden in das Anlegen eines Pfirsich-Wintervorrats. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an unseren Nachbarn, der seinen Pfirsich-Überfluss mit uns teilt. Ja, wir haben auch anständige Nachbarn, nicht nur solche, die immer gleich die Polizei rufen.

2 Kilo zukünftiger Essiggurken in das Glück meines Mannes. Und meiner Kinder, falls „Meiner“ etwas für sie übrig lässt.

Je einmal ausschlafen und einmal Mittagsschlaf in die Bekämpfung meiner Dauermüdigkeit.

30 Minuten in ein glücklicheres Leben unserer Wachteln.

Viel Arbeit, ein bisschen Shopping und noch mehr Abwechslung in die Verhinderung meiner üblichen samstäglichen Misere. 

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Wie Mama Venditti inzwischen einkauft

Crèmeschnitten:

„Okay, da wären mal sieben Vendittis, mit Prinzchens bestem Freund und Luises bester Freundin sind wir neun. Hmmm, ich glaube, ich nehme besser zehn Stück, man weiss ja nie, wer noch aufkreuzt.“ (Die zehnte Crèmeschnitte bekommt dann auch tatsächlich der beste Freund des FeuerwehrRitterRömerPiraten, der während meiner Abwesenheit spontan aufgekreuzt und geblieben ist.) 

Obst:

„Wir brauchen mindestens acht Kilo. Das Kilo Mirabellen, die zwei Kilo Trauben, zwei Kilo Zwetschgen und die zwei Kilo Äpfel von vorgestern sind bereits aufgegessen. Ach ja, und ich muss noch Bananen kaufen. Prinzchens bester Freund liebt die Dinger und ich kann ihn nicht schon wieder enttäuschen, weil ich keine im Haus habe…“

Getreideriegel:

„Wenn ich die Schachtel à sechs Stück kaufe, reicht das zwar für unsere fünf Kinder und für Prinzchens besten Freund. Aber was mache ich, wenn einer von Zoowärters besten Freunden heute auch noch vorbeischaut? Doch halt, wenn der kommt, muss ich ohnehin eine andere Sorte kaufen. Ich glaube, er mag die mit den Marroni gar nicht. Ob er überhaupt Getreideriegel mag? Vielleicht kaufe ich doch besser etwas Salziges für ihn.“

Brot:

„Luise und das Prinzchen möchten sicher, dass ich einzelne Brötchen bringe. Aber wenn dann noch Luises Schulkameradinnen zum Lernen vorbeikommen, habe ich nicht genug für alle und das wäre unfair. Ich glaube, ich kaufe doch besser zwei ganze Brote. Oder vielleicht auch vier, dann reicht es vielleicht noch fürs Abendessen.“

Saft:

„Eigentlich wäre ein Karton Süssmost praktisch, aber Zoowärters Freunde versauen mir immer den Fussboden, wenn sie sich den Saft selber zapfen. Da nehme ich lieber Orangenjus.“

Abendessen:

„Ich glaube, heute Abend koche ich indisch. Ein Gemüsecurry, etwas mit Poulet und Gewürzreis. Ob Prinzchens bester Freund indische Küche mag? Vielleicht lasse ich die Gewürze im Reis besser weg. Ich möchte nicht, dass er hungrig nach Hause geht…“

Tiefkühlgipfeli im Sonderangebot:

„Ob ich die kaufen soll? Man weiss ja nie, wen unsere Kinder am Wochenende zum Übernachten einladen und dann wäre es nett, wenn wir den kleinen Gästen Gipfeli auftischen könnten.“

In meinen Augen ist das stetige Kommen und Gehen von vielen lieben Menschen etwas vom Schönsten am Leben in einer grossen Familie.

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Energievorrat

Vor einem Jahr…

…arbeitete ich viel mehr, als für mich und meine Familie gut war, immer wieder stand abends noch eine Sitzung auf dem Programm, am Wochenende lag ich regelmässig mit einem Magen-Darm-Käfer im Bett, Verschnaufpausen waren purer Luxus, ich fühlte mich beinahe schon verpflichtet dazu, bei allen möglichen Anlässen dabei zu sein, wenn mal nichts auf dem Programm stand, experimentierte ich in der Küche…

…und doch fand ich irgendwie die Zeit, Unmengen von Vorräten einzukochen, einzufrieren und zu dörren.

Dieses Jahr…

…bin ich vormittags fast immer alleine zu Hause, mein Arbeitspensum beträgt noch gut die Hälfte,  die Arbeitszeiten kann ich voll und ganz nach meiner Familie richten, nur selten zwingt mich ein Käfer ins Bett, ein Tag ohne Mittagsschlaf ist die grosse Ausnahme, Termine am Abend gibt es kaum mehr, die meisten Anlässe finden ohne mich statt…

…und doch besteht mein Wintervorrat derzeit gerade mal aus vier Portionen Pelati und fünf Portionen Mais. Seit Tagen schon warten die Holunderbeeren im Kühlschrank darauf, endlich zu Sirup zu werden, die Randen haben die Hoffnung auf eine Karriere als Borscht schon fast aufgegeben und die zukünftigen Essiggurken, die ich gestern auf dem Markt gekauft habe, werfen mir bereits vorwurfsvolle Blicke zu. 

Ich glaube, ich muss mal im Vorratsschrank wühlen. Vielleicht finde ich dort noch das eine oder andere Glas Energie von letztem Jahr.

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Was sich am Ende eines Tages in meiner Handtasche findet

Gewöhnlich habe ich ja keine Ahnung, wer zu welchem Zeitpunkt was in meine Handtasche stopft, ich weiss nur, dass sich im Laufe der Zeit jeweils das halbe Familienleben darin ansammelt. Irgendwann, wenn mir die Tasche zu schwer wird – oder wenn ich beim Wühlen auf verfaultes Obst stosse – kippe ich den ganzen Inhalt aus und staune nicht schlecht, was  ich alles mit mir schleppe. Da heute mal wieder eine neue Handtasche fällig war, konnte ich für einmal sehr genau mitverfolgen, was an einem einzigen Tag zusammenkommt. 

Als ich mein neues Prachtstück voller Stolz aus dem Laden trug, befand sich darin einzig mein Portemonnaie und die Kaufquittung. Draussen auf dem Trottoir stopfte ich noch mein Handy und den Schlüsselbund in die dafür vorgesehenen Fächer. „Dabei bleibt es“, sagte ich zu mir selbst, schnappte mir meinen Einkaufskorb und machte mich auf die Suche nach meiner Familie. Doch der Einkaufskorb war schwer, weil ich am Wochenmarkt in einen Gurken-, Käse-, Pilz- und Honigwein-Kaufrausch geraten war. Also musste der Honigwein in meine Handtasche wandern, zusammen mit einer Flasche Schokoladen-Rosen-Topping, der ich auch nicht hatte widerstehen können. „Dabei bleibt es jetzt aber wirklich“, sagte ich zu mir selbst, doch wenig später traf ich endlich „Meinen“ und die Kinder an. Und so kam es, dass ich heute Abend die folgenden Dinge in meiner Handtasche fand:

  • Die leere Ice-Tea-Flasche von Prinzchens bestem Freund
  • Prinzchens halbleere Ice-Tea-Flasche
  • Eine Feder, die ich vom Prinzchen geschenkt bekommen habe
  • Ein Papiertaschentuch, das die Mutter von Prinzchens bestem Freund verloren hatte und das Luise mir zur sicheren Verwahrung übergab
  • Luises linker Flip-Flop
  • Den grünen Stützverband, den Luise an ihrem rechten Fuss nicht mehr tragen mochte
  • Karlssons Schuheinlagen, die er bei mir deponierte, weil der Orthopäde ja gesagt hatte, zum Eingewöhnen sollten die Dinger nicht länger als eine Stunde getragen werden und was kann Karlsson denn dafür, dass wir noch nicht zu Hause waren, als die Stunde um war?
  • Ein gebrauchtes Taschentuch unbekannter Herkunft
  • Ein leerer Glacé-Becher, der, wenn ich mich nicht irre, dem FeuerwehrRitterRömerPiraten gehörte

„Das geht ja noch“, werden jetzt einige sagen, aber seht euch doch mal an, was auch noch in der Tasche gelandet wäre, hätte ich nicht lauthals protestiert:

  • Das obere Ende einer Gurke, welches der Zoowärter nicht essen mochte
  • Das untere Ende derselben Gurke
  • Eine von Luise angebissene Gurke
  • Das Papier von Zoowärters Vanille-Cornet
  • Die Abstimmungsbroschüre, die mir ein Arzt gerne in die Hand gedrückt hätte, was ich aber nicht zuliess, weil nur die Aargauer über die Sache abstimmen, nicht aber wir Solothurner
  • Der Möbelkatalog mit einem 10%-Gutschein auf alle Möbel, den mir eine junge Frau überreichen wollte 
  • Karlssons Einkäufe aus dem Zweifranken-Shop: Ein Leimstift, eine Tube Schuhcreme, eine Dose Schuhcreme, zwei Vorhangleisten und eine Hundeleine
  • Die Verpackung der Hundeleine
  • Luises „Hanni & Nanni“-Buch
  • Diverse Quittungen
  • Die Feder, die das Prinzchen „Meinem“ schenkte

Doch ich will mich nicht beklagen, ich kann froh und dankbar sein, dass ich die Tasche heute Abend überhaupt finden konnte, um alles auszumisten. Luise hat mir nämlich mindestens zwanzig mal gesagt, wie schön sie das Stück findet und dass sie keineswegs abgeneigt wäre, es dereinst von mir zu erben. Inzwischen kenne ich Luise gut genug, um zu wissen, was das im Klartext bedeutet: Wenn sie das nächste Mal die Psychologin spielt, wird sie sich die Tasche schnappen, zusammen mit meinen Lieblingsschuhen und meinem einzigen noch brauchbaren Lippenstift, sie wird im ganzen Haus ihre Therapiesitzungen abhalten und dann, wenn sie alle therapiert hat, wird die Tasche in irgend einer Ecke landen, wo ich sie Tage später nach verzweifelter Suche wieder finden werde.

Nein, ich will mir nicht ausmalen, was ich dann alles darin finden werde…

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