Dann eben keine Predigt

Eigentlich hätte ich heute ja diesen unglaublich inspirierenden Text über die Bedeutung meines Glaubens schreiben wollen. Den ganzen Tag über hatten sich in meinem Kopf Sätze gebildet, mit denen ich mich von meinem alten, frömmlerischen Gehabe  distanziert und zu meinem weitaus alltagstauglicheren, aber viel weniger in starre Dogmen fassbaren neuen Glauben bekannt hätte. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, was ich alles in diesen Text hineingepackt hätte: Meinen Ärger über Frau Rickli, meine Sorgen darüber, dass Fremdenhass in Europa wieder salonfähig ist, meinen Frust darüber, dass so viel geredet und so wenig getan wird, meine Traurigkeit über mein eigenes Versagen und mein Fazit, dass ich das alles wohl nicht ertragen könnte, würde ich nicht glauben. 

Tja, und dann beschloss ich, zuerst einmal ein paar Büroarbeiten zu erledigen, bevor ich mich ans Niederschreiben meiner tiefschürfenden Gedanken mache. Die Lohnabrechnung der Putzfrau, zwei drei Formulare, die schon längst ausgefüllt sein müssten, den Lohn der Putzfrau vom Konto abheben. Kleinkram nur, der aber leider in den grossen Dramen des Alltags nur zu oft vergessen geht, den ich aber keinen Tag länger mit mir herumtragen will, weil er eben doch belastet. Die Formulare waren schnell erledigt, doch dann stellte ich fest, dass mir ein Dokument fehlte, das ich bei der Arbeit liegen gelassen hatte. Na gut, dann mache ich eben einen kleinen Abendspaziergang, hole das Dokument und gehe dann gleich zur Bank. Vielleicht fallen mir auf dem Weg weitere nette Sätze für meinen Text ein.

Ha, von wegen. Auf halbem Weg stelle ich fest, dass mein Büroschlüssel zu Hause geblieben ist. Umkehren will ich nicht, denn die Strassenlampen im Quartier streiken allesamt und Dunkelheit ist nicht mein Ding. „Na gut, dann hole ich eben nur das Geld. Das Dokument kann ich ja morgen nach der Arbeit mitnehmen“, brumme ich – jawohl, ich habe die schlechte Angewohnheit, mit mir selber zu reden, wenn ich alleine unterwegs bin – und mache mich auf den Weg zur Bank. Wo ich leider feststellen muss, dass auch der Geldautomat streikt und diesmal liegt es ganz bestimmt am Automaten und nicht an meinem Kontostand. Dann eben auf zur nächsten Bank, wo man mich aber nicht einlässt, weil ich die falsche Karte dabei habe. Verärgert mache ich mich auf den Heimweg, um meinen Schlüssel zu holen. Damit ich doch noch das Dokument holen gehen kann, weil ich es nicht mag, unerledigter Dinge ins Bett zu gehen, wo ich mich doch endlich dazu aufgerafft hatte, den Bürokram hinter mich zu bringen. Der Schlüssel aber ist unauffindbar, „Meiner“, den ich sogleich verdächtige, das Ding verlegt zu haben, erweist sich als unschuldig und ich muss mir eingestehen, dass ich mir alles selber eingebrockt habe. Aus Gründen, die ich schon längst nicht mehr nachvollziehen kann, habe ich nämlich heute Nachmittag den Schlüsselbund auf den Waldspaziergang mitgenommen und danach nicht mehr an seinen Platz zurückgelegt. Fragt mich bitte nicht, wie ich auf die Idee gekommen bin, dass dem Schlüsselbund ein wenig frische Waldluft guttun würde.

Da es inzwischen schon fast Mitternacht ist, beschliesse ich ziemlich verärgert, doch wieder alles auf morgen zu verschieben. Der Elan, endlich reinen Bürotisch zu machen, ist verflogen, die Lust, einen unglaublich inspirierenden Text über meinen Glauben zu schreiben ebenfalls und so bleibt mein einziger Trost, dass zumindest die Atheisten unter meinen Lesern zufrieden sind, weil sie meiner Sonntagspredigt entgangen sind. 

Noch ein paar Alltagsfreuden

Vielleicht werde ich ja allmählich sentimental, aber ich habe schon wieder ein paar Freuden im oft so anstrengenden Alltag entdeckt:

1. Am Morgen mit den Kindern zur Mühle fahren, Mehl in allen möglichen Varianten kaufen, auf dem Heimweg Dinkelherzen mit Schokoladenüberzug auf der Zunge zergehen lassen und mich an den Kommentaren der Kinder freuen: „Die sind ja wirklich besser als Maltesers!“ oder „Mama, findest du nicht auch, dass die einen leichten Anis-Geschmack haben?“ oder – meine persönlicher Favorit – „Mama, willst du noch eins?“

2. Miterleben, wie sich der am Morgen gekaufte Hartweizendunst mit nur wenig Wasser vermischt in frische Pasta verwandelt. Das Surren der Teigwarenmaschine im Ohr, die warmen, geschmeidigen Spaghetti in der Hand, der Anblick eines Lebensmittels, das so viel schöner und unregelmässiger ist, als die Industrieware. 

3. Die frische Pasta im Teller. So unbeschreiblich gut, dass auch die Katze nicht widerstehen kann, ja, nicht einmal das Prinzchen.

4. Vier Kinder, die vergnügt im Auto sitzen und einander sagen, wie froh sie doch sind, Geschwister zu haben, denn ein Leben ganz ohne Brüder und Schwester, das kann man sich doch einfach nicht vorstellen. Ich meine sogar aus dem Mund des FeuerwehrRitterRömerPiraten den Satz „Ich hab‘ euch gern“ gehört zu haben, aber vielleicht bilde ich mir das bloss ein. 

5. Karlsson, der am Mittag verschwitzt und glücklich vom Training mit den Pontonieren nach Hause kommt und es kaum erwarten kann, am Dienstag wieder auf den Fluss zu gehen. Jawohl, die Rede ist hier von Karlsson „Ich hasse jede Art von sportlicher Betätigung“ Venditti!

6. Ein sehr müder Zoowärter, der nach einem Wutanfall fast in meinem Arm einschläft. Gibt es ein schöneres Gefühl? Nun ja, ohne vorangehenden Wutanfall wäre es noch etwas schöner gewesen…

7. Macadamianüsse.

8. Ein Prinzchen, das vor lauter Freude quietscht, weil ich mal wieder etwas zu schnell war in der Kurve.

9. Luises erstes Wachtelei, noch ganz warm, leicht klebrig und offenbar so gut, dass sie es gegessen hat, obsch0n sie gar keine Eier mag.

Nun möchte ich natürlich nicht, dass meine Leserschaft glaubt, bei uns sei plötzlich über Nacht die Idylle eingekehrt. Im Gegenteil, auch heute habe ich herumgebrüllt, auch heute hatten wir ein paar ziemlich heftige vorpubertäre Ausbrüche – oder waren die vielleicht schon pubertär? -, auch heute habe ich den Tag nicht ohne Mittagsschlaf und einigen tiefen Seufzern überstanden und zudem habe ich heute nach elfeinhalb Jahren Mutterschaft Bekanntschaft mit der Kinderkrankheit Ringelröteln geschlossen und dies gleich in dreifacher Ausführung. Bei weitem nicht perfekt also, aber immerhin so schön, dass ich mich das eine oder andere Mal dabei ertappt habe, wie ich lauthals gelacht habe. 

 

 

So geht das nicht, Mama Venditti

Ein paar Tage lang mag es völlig okay sein, dass die Arbeit an erster Stelle steht. In Krisensituationen, oder wenn ein wichtiger Anlass bevorsteht, oder wenn man eine Sache auf einen bestimmten Termin hin abschliessen muss. Irgendwann aber muss wieder Schluss sein damit und die Familie muss wieder oberste Priorität haben. Bei mir dauert es jeweils ziemlich lange, bis mir dämmert, dass es jetzt wieder Zeit zum Umdenken ist. Meist braucht es ein einschneidendes Erlebnis, das mich aufrüttelt. 

Heute, zum Beispiel, als ich am Vormittag mit dem Prinzchen Griesspudding für die Kinder, die jeweils am öffentlichen Mittagstisch essen, zubereitete. In meiner eigenen Küche, mit Milch, Butter und Eiern aus unserem Kühlschrank, mit Griess, Salz und Zucker aus unserem Vorratsschrank, mit Zitronenschale aus unserer Obstschale – und mit zwei Zimtstangen, die der Arbeitgeber bezahlt hat. Was ja nicht weiter schlimm ist, denn es macht viel mehr Spass, mit dem Prinzchen gemütlich am Herd zu stehen und zu kochen, als an einem freien Tag zur Arbeit zu hetzen und dort in der Küche alle nervös zu machen mit meinem Chaos. Dass die Zutaten aus dem eigenen Vorrat stammen, stört mich auch nicht, denn bei den Mengen, die wir verbrauchen, fällt das nicht ins Gewicht. Was mich aber ernsthaft beunruhigt, sind die Gedanken, die mir durch den Kopf gingen. Ist es okay, wenn ich einen Teil des Puddings unseren eigenen Kindern serviere? Wäre es nicht anständiger, das Überschüssige meinen Arbeitskolleginnen zu überlassen? Und warum erkläre ich schliesslich dem Prinzchen laut und deutlich, dass es vollkommen in Ordnung ist, wenn wir auch von dem Pudding essen, da die Zutaten ja aus unserer Küche stammen? Gerade so, als müsste ich mich gegenüber einem unsichtbaren Beobachter rechtfertigen. 

Nein, so kann das nicht weitergehen, Frau Venditti. Zuallererst bist du Mutter und alles andere kommt nachher. Und wenn du das vergessen hast, dann ist es jetzt höchste Zeit, dich wieder daran zu erinnern. Denn wenn du deinen Kindern den Griesspudding nicht gibst, dann holen sie ihn sich anderswo…

Lauter faule Ausreden

Oh ja, ich weiss, heutzutage ist man verständnisvoll und tolerant. Dagegen habe ich ja grundsätzlich nichts einzuwenden, und doch habe ich es zuweilen gründlich satt, stets alles mit verständnisvollem Blick abzunicken. „Aber natürlich verstehe ich, dass Ihre Tochter kein Vollkornbrot essen kann, wo sie doch als Kleinkind einmal ein traumatisches Erlebnis mit einem Kernenbrötchen hatte.“  Selbstverständlich ist es okay, dass du nicht zu dieser Sitzung kommst, wo du doch nachweislich allergisch bist auf das Material, aus dem die Stühle sind, auf denen wir jeweils sitzen.“ „Ist doch klar, dass du keine schweren Einkaufstaschen mehr schleppen magst. Du hast dich ja jetzt dazu entschieden, schwanger zu werden und da kann man nicht früh genug anfangen, sich zu schonen.“ „Nein, ich nehme es Ihnen bestimmt nicht übel, dass Sie unsere Autotüre eingedrückt haben. Wenn ich ein schwerkranken Meerschweinchen hätte, könnte ich mich auch nicht mehr auf den Strassenverkehr konzentrieren.“ „Aber natürlich war es richtig, deinen Mann vor die Tür zu setzen. Jemand, der so grässlich schmatzt, hat nichts Besseres verdient.“

Meine Beispiele sind natürlich vollkommen aus der Luft gegriffen und haben nicht im Entferntesten mit meinem Erleben im Alltag zu tun. Ich bin ja nicht so blöd, an dieser Stelle jemandem aus meinem Umfeld auf die Zehen zu treten und dann bei der nächsten Gelegenheit zu hören: „Weisst du, dein Blogeintag hat mich so sehr verletzt, dass ich eine panische Angst vor dem Internet entwickelt habe. Darum kann ich jetzt auch keine Mails mehr beantworten. Das verstehst du doch, nicht wahr?“

Das Schlimmste sind nicht mal die erbärmlichen Begründungen, die da für jede Unpässlichkeit, Unlust und Unmoral aufgetischt werden. Nein, das Schlimmste ist, dass ich tatsächlich jedes Mal nett und verständnisvoll nicke, anstatt klipp und klar zu sagen, wie sehr es mich nervt, wenn die Leute bei jeder Gelegenheit eine Allergie, ein Trauma, eine Krise oder weiss ich was aus dem Hut zaubern, um sich aus der Verantwortung stehlen. Dann doch lieber so, wie mal ein ehemaliges Au Pair zu mir sagte: „Weisst du, ich habe absolut keinen Bock auf Arbeit morgen. Kannst du mir nicht frei geben?“ Da konnte ich wenigsten rundheraus zur Antwort geben: „Mädchen, mit dieser Einstellung findest du nie einen anständig bezahlten Job, also reiss dich gefälligst zusammen. Du hast übermorgen noch genügend Zeit zum Shoppen.“

Das haben wir uns also dabei gedacht

Nachdem ich mich neulich eingehend mit unserem aus dem Lot geratenen Budget befasste und mir überlegte, wo denn das ganze Geld hingekommen war, stellte ich schnell einmal fest, was wir falsch gemacht hatten: Zu viele Ferien. „Das kann’s doch einfach nicht mehr sein“, schalt ich mich. „Man kann sich  auch zu Hause erholen. Dieses Jahr gehen wir nirgendwo hin. Was haben wir uns bloss dabei gedacht, so oft zu verreisen?“

Heute, nach zwei Wochen Schulferien zu Hause bei ziemlich ungemütlichem Wetter, ist mir wieder klar, was wir uns dabei gedacht hatten, als wir letztes Jahr jede Gelegenheit zur Flucht genützt hatten. Ferientage zu Hause sind schlicht unerträglich. Nein, das liegt nicht an den streitenden Kindern. Damit muss man einfach klarkommen, wenn man sich für Kinder entschieden hat. Auch das Wetter ist nicht das eigentliche Problem, denn beim Wetter muss man nehmen, was man bekommt, weil man sonst unzufrieden und griesgrämig wird. Auch über Langeweile möchte ich mich nicht beklagen, denn mit vielen netten Gästen und diversen Kindern, die zum Übernachten hier waren, war für ausreichend Abwechslung gesorgt.

Nein, das Problem war das Büro. Dass nur die Familie, ich aber keine Ferien hatte, hätte keine Rolle spielen müssen, da ich ja nicht Vollzeit arbeite. Aber aus Teilzeit wird schnell einmal Beinahe-Vollzeit, wenn a) der Papa zu Hause ist und man es mit der Pünktlichkeit beim Heimkommen nicht so genau nehmen muss und b) das Büro so nahe ist, dass man abends „nur noch ganz schnell etwas erledigen“ kann. Ach, und wenn man schon so schön am Arbeiten ist, kann man doch gleich noch von zu Hause aus das eine oder andere fertig machen… Tja, und dann war ich irgendwann ganz schön gestresst und alles andere als erholt.

Der Fall ist klar: Entweder lerne ich jetzt ganz schnell, mich gegen die Arbeit abzugrenzen, wenn wir während der Schulferien zu Hause bleiben. Oder aber ich lerne endlich, wie man richtig viel Geld verdient, damit wir verreisen können, wann immer wir dem Alltag ausweichen möchten.

 

Gedanken

Etwas mehr als fünf Jahre noch und Karlsson ist gleich jung wie „Meiner“ und ich waren, als wir uns kennen lernten.

Noch ein paar Monate und ich bin gleich alt, wie meine Mutter war, als ich zur Welt kam. Glaubt mir, in meinen Augen war meine Mutter sehr alt, als ich noch klein war.

Es ist durchaus vorstellbar, dass ich Grosstante sein werde, bevor mein erstes Kind volljährig ist.

Luise lacht nicht mehr über die Witze, die „Meiner“ zu ihren Freundinnen macht.

Ich ertrage keine Zugluft mehr. Und hochhackige Schuhe waren auch schon mal bequemer.

An manchen Tagen höre ich meine biologische Uhr ticken, obschon das Thema für mich offiziell abgeschlossen ist.

In der Gegenwart von gewissen überdurchschnittlich selbstbewussten jungen Menschen fühle ich mich sehr alt, ääähm, ich meine natürlich weise.

Manchmal, wenn die Kinder voller Begeisterung von der Zukunft reden, muss ich aufpassen, dass ich keine pessimistischen Bemerkungen mache.

Wäre ich nicht Mutter, ich würde vor sehr vielen Zeiterscheinungen die Augen verschliessen, weil sie mir so etwas wie Angst einflössen.

Hach, wie war das doch schön früher, wenn man im Mai endlich keine Strumpfhosen mehr tragen musste, sondern zu den Kniestrümpfen wechseln durfte. Und waren sie nicht herrlich, diese doppelten Glace-Lutscher mit dem Schokoladenüberzug? Schade, dass es die heute nicht mehr gibt. Stellt euch vor, damals bekam man für fünfzig Rappen ziemlich viele Süssigkeiten. War das ein Spass, als wir jeweils abends zur Käserei gingen, um frische Milch zu holen. Damals gab es noch in jedem Dorf eine Käserei, wisst ihr…

Nein, ich bin nicht alt, aber…

Haltet diesen Mann von Ricardo fern!

Solange er nur die Brockenhäuser durchstöberte, ging es ja noch. Klar, er schleppte immer mal wieder Dinge an, die nachher nur im Weg herumstanden, aber meist verwertet er die Sachen recht originell. Auch gegen seine monatlichen Besuche beim Restpostenverkauf hatte ich nichts einzuwenden, obschon er wohl der einzige Mann auf diesem Planeten ist, der seine Frau mit einem Jahresvorrat an Bio-Tampons zum sagenhaften Preis von zwei Franken beschenkt hat.  Jetzt aber hat er Ricardo entdeckt.

Nun ja, er wusste natürlich schon längst, dass es dort ganz tolle Dinge zu kaufen gibt, aber bis vor Kurzem war ihm die Sache mit dem Passwort, der Online-Bezahlung und den Bewertungen schlicht zu kompliziert. Er hat’s nicht so mit dem Onlinehandel, „Meiner“. Dieses Feld hat er brav mir überlassen.

Vor einigen Tagen aber hat er entdeckt, dass  es bei Ricardo coole Kleider für wenig Geld gibt. Und  alte Möbel, die man ganz toll aufmöbeln könnte. Und Kinderfahrräder. Und ein grosses Xylophon. „Wolltest du nicht schon immer ein Xylophon haben? Sieh mal, das hier gibt’s für nur zwei Franken. Wie lautet nochmal das Passwort?“

Naiv, wie ich nun mal bin, nannte ich ihm das Passwort und nur drei Tage später bin ich stolze Besitzerin eines sehr grossen Xylophons und weiss beim besten Willen nicht, was ich damit anfangen soll. Okay, ich habe immer mal wieder gesagt, dass ich das Instrument gerne spielen würde, aber dieser Wunsch gehört in die Kategorie „Wir könnten noch mal für ein oder zwei Jahre mit Sack und Pack ins Ausland gehen.“ oder „Die Villa dort würde mir auch noch gefallen. Wäre doch cool, wenn man daraus ein Generationenhaus mit vielen tollen Freizeitangeboten machen könnte.“ oder „Warum Mieten wir uns keinen Schrebergarten? Wir könnten dann unser eigenes Gemüse ziehen, die tollsten Rezepte ausprobieren und einen Versandhandel eröffnen.“ Alles ganz nette Ideen, aber nie und nimmer dafür gedacht, in die Realität umzusetzen. Dinge, die man einfach so dahinsagt, ohne auch nur einen Augenblick lang daran zu denken, das Gesagte auch in Tat umzusetzen.

Nun bin ich natürlich von Herzen dankbar, dass ich mit einem Mann verheiratet bin, der auch meine unsinnigen Wünsche ernst nimmt, aber ich denke, ich ändere dennoch mein Ricardo-Passwort. Sonst werde ich demnächst auch noch Besitzerin eines  Gastro-Geschirrspülers, eines Papageis oder einer Strickmaschine. Wenn es um solche Dinge geht, bin ich für eine ganz strenge Rollenteilung: Er ist für das Einkaufen von Ramsch zuständig, ich für die Fehlkäufe.

Und nun zur Werbung

Manchmal bin ich einfach nur stolz auf „Meinen“. Währenddem ich am Computer sitze und um jedes einzelne Wort einer Kolumne kämpfe, die Kinder im Garten eine Trauerfeier für die unter tragischen Umständen verstorbene Wachtel Fiorenza abhalten und das Telefon nahezu unablässig klingelt, verwandelt er seelenruhig unseren hässlichen, alten Küchentisch in einen wunderschönen, wie neu aussehenden Küchentisch. Und das ganz ohne Schimpftiraden, Farbkleckse und Frust. Wüsste ich nicht, dass der gute Mann auch seine Fehler hat, ich würde ihn nach einem Tag wie heute für einen Heiligen halten…

Nein, ich übertreibe nicht mit meiner Schwärmerei. In Natura sieht der Tisch viel besser aus…

Historisch inkompatibel

Momentan will einfach nichts so richtig zusammenpassen. Währenddem der Zoowärter noch mitten in der Ritterzeit steckt, tut der FeuerwehrRitterRömerPirat so, als hätte er sich nie für das Leben im finsteren Mittelalter begeistern lassen. König Artus? Wer interessiert sich schon für diesen Langweiler? Drachen und gefangene Prinzessinnen? Zum Gähnen langweilig. Turniere hoch zu Ross? Ist doch alles nur Theater. Armer Zoowärter. Sein grosser Bruder lässt kein gutes Haar an den Helden, die er so sehr bewundert. Der FeuerwehrRitterRömerPirat weigert sich standhaft, mit dem Zoowärter Burgbelagerung, Drachenkampf, Prinzessinnenbefreiung und ähnliche Kindereien zu spielen.

Als Mutter leide ich natürlich mit meinem Zweitjüngsten, aber auch für die Abkehr vom Mittelalter, die der FeuerwehrRitterRömerPirat vollzogen hat, kann ich Verständnis aufbringen. Der Junge hat nämlich das Licht der Renaissance entdeckt. Nicht mehr die Ritter in ihren schweren Rüstungen, sondern die leichtfüssigen Helden der Antike begeistern ihn in diesen Tagen. Achilles, Odysseus und die Götter des Olymp beflügeln seine Fantasie, die Lehrerin wird mit Bittbriefen eingedeckt, weil der Junge sich im Schulunterricht lieber mit Homer als mit „Zipf, Zepf und Zipfelmütz“ befassen möchte.

Warum aber sehe ich unseren Dritten derzeit in der Renaissance und nicht in der Antike? Nun, neben seiner Faszination für den Trojanischen Krieg hat er ein weiteres grosses Thema für sich entdeckt: Die Reformation. „Herr Hadubrand“ als Schlaflied ist passé, jetzt will er „Ein‘ feste Burg ist unser Gott“ hören. Martin Luther hält zeitgleich mit den Helden der Antike Einzug ins Kinderzimmer, womit unser Sohn lebt, was Wikipedia über die Zeit der Renaissance schreibt: „Im protestantischen Nordeuropa wird der Epochenbegriff der Renaissance von dem der Reformation überlagert.“

Soweit so gut. Dumm ist nur, dass Karlsson seinem jüngeren Bruder nicht nur altersmässig, sondern auch historisch einen Schritt voraus ist. Mit seiner Begeisterung für die Barockzeit reitet er auf der Welle der Gegenreformation. Sein grosses Idol, Johann Sebastian Bach, war zwar ein überzeugter Protestant, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass aus unserem Ältesten nie und nimmer ein Bilderstürmer geworden wäre, hätte er damals gelebt. Zu sehr liebt er die Pracht barocker Kirchen und Schlösser. So kommt es, dass auch Karlsson und der FeuerwehrRitterRömerPirat hin und wieder historische Differenzen austragen.

Einzig das Prinzchen hält sich aus der Debatte heraus. Seine Idole sind die Bauarbeiter, die im Schweisse ihres Angesichts bauen, was der Bauherr vorgibt. Ob das nun eine Ritterburg, ein griechisches Theater oder eine Barockkirche ist, kümmert das Prinzchen nicht. Hauptsache, er darf mitspielen und ein Bauarbeiter sein.

Blogging is like me grow the beak

Als ich mit dieser Bloggerei anfing, trug ich mich mit dem Gedanken, meine Texte jeweils auf Deutsch und auf Englisch zu veröffentlichen. Damals dachte ich noch, ich würde vielleicht ein- oder zweimal pro Woche etwas schreiben und dann wäre es ja keine Sache, die Texte kurz ins Englische zu übertragen. Ich hätte dann endlich einen Beweis erbringen können, dass mein halbes Anglistik-Studium doch nicht nur vertane Zeit gewesen war. Bald aber erkannte ich, dass bloggen süchtig macht und so waren schnell einmal so viele Texte da, dass ich vor einer schwierigen Entscheidung stand: Zweisprachig bloggen und die Familie verhungern lassen, oder die Familie weiterhin füttern und alles nur auf Deutsch veröffentlichen. Ich entschied mich für die zweite Variante. Einerseits, weil ich meine Familie liebe, andererseits aber auch, weil ich für die Version in Englisch alle meine geliebten Helvetismen hätte opfern müssen.

Seit heute nun besteht die Möglichkeit, dass beautifulvenditti doch noch zweisprachig daherkommt. Es gibt da nämlich diese nette kleine App, die mir die Übersetzungsarbeit abnimmt. Ich kann schreiben, wie mir der Schnabel gewachsen ist, kopiere den Text in die App, drücke „Öffnen“ und schon kann man das Ganze auch in Englisch lesen. Schaut her, so einfach geht das:

„Bilingual blog and let the family starve, or feed the family and everything continues to publish only in German. I chose the second option. On the one hand, because I love my family, but also on the other hand, because I would have for the English version of all my beloved Helvetismen have to sacrifice. Since this is now possible, but that comes along beautifulvenditti still bilingual. Fact, there is this nice little app, which decreases the traslation of my work. I can write how I cope with the bill, copy the text in the app, press „Open“ and you can read the whole thing in English. Look, it is that simple:“

Wirklich einfach, nicht wahr. Ich bin mir bloss nicht so sicher, ob man mir das mit dem halben Anglistik-Studium noch abnehmen würde, wenn ich meine Texte so veröffentlichen würde. Vielleicht lasse ich es doch lieber bleiben… I would not fully disclose to the ridiculous… ääähm, ich meine, ich möchte mich nicht voll und ganz der Lächerlichkeit preisgeben.