Balsam

Wenn der Kellner im Restaurant findet, wir seien so eine nette Familie,…

Wenn er jedem einzelnen Kind seine Aufmerksamkeit schenkt, obschon wir nur Pizza, Wasser und ein kleines bisschen Dessert bestellen,…

Wenn sein Kollege beim Abschied bemerkt, „Meiner“ sehe aus wie Abramowitsch, sei aber mit seinen vielen Kindern viel reicher als der,…

Wenn der Verkäufer am Glacestsand das Eis zum halben Preis gibt, weil er findet, uns eine Freude zu bereiten bereite ihm auch Freude,…

Wenn die Vermieterin sagt, morgen gehe sie zur Polizei, weil es ihr jetzt reiche mit dieser elenden Nachbarin, die unsere Kinder andauernd anschreit,…

Wenn Sie uns dann auch noch bittet, doch so wie geplant hier zu bleiben, weil unsere Kinder vollkommen in Ordnung seien und auch kein Wort mehr von der Treppe sagt,…

Wenn das alles an einem Tag geschieht, den ich so gegen vier Uhr nachmittags für verloren erklärt hatte,…

…dann ist das Balsam auf meine Seele, die in den letzten zwei Tagen Rotz und Wasser geheult hat, weil sie das Gefühl hatte, die Franzosen hätten uns kein bisschen lieb.    

 

So war das gemeint

Okay, mag sein, dass „Massregelungen“ ein etwas starkes Wort war. Vielleicht hätte ich eher sagen müssen, wir fühlten uns gegängelt, mal sanfter, mal gröber. 

Die sanfte Tour läuft so ab:

Ich gehe mit Luise zum Gemüsehändler, bezahle meine Ware, will einen Teil Luise in die Hände drücken, einen Teil selber tragen, weil es bis zum Auto nur ein paar Schritte sind. Ob ich eine Tasche haben möchte, fragt die Frau an der Kasse. Nein danke, möchte ich nicht. Meine Tochter kann beim Tragen helfen und… weiter komme ich nicht. Ohne Tasche gehe das nicht, unterbricht mich die Verkäuferin. Doch, wirklich, kein Problem, es sind nur ein paar Schritte bis zum… Ach, was rede ich mir den Mund fusselig? Die Bananen sind bereits in einem dieser unmöglichen Plastikbeutel verschwunden, den ich eben nicht hätte haben wollen. 

Oder so:

Es ist heiss, alle Vendittis sind müde und durstig, also suchen wir uns ein nettes Strassencafé aus und schieben ein paar Tische zusammen, damit alle Platz finden. Der Keller findet das grundsätzlich gut, nur müssen in seiner Vorstellung die Tische ein paar Zentimeter weiter links stehen. Keine Ahnung warum, der Durchgang für ihn wird dadurch nicht breiter. Aber es muss so sein, also müssen alle Vendittis noch einmal aufstehen und schieben, bis der Kellner zufrieden ist, dann erst dürfen wir unsere Getränke bestellen.

Die sanfte Tour ist natürlich nicht so schlimm, auch wenn sie ganz schön nerven kann, wenn man ihr mehrmals täglich ausgesetzt ist. Mühsamer wird es, wenn ein erzieherischer Unterton dazu kommt. Zum Beispiel so:

„Meiner“ ist mit vier Kindern am See, er sitzt am Ufer, die Kinder klettern ein wenig auf den nahen Felsen. Eine Gruppe von Spaziergängern kommt vorbei und weist „Meinen“ darauf hin, dass sie das Schuhwerk unserer Kinder zum Klettern vollkommen ungeeignet finden, obschon sie selber nicht viel mehr Profil auf den Sohlen haben. Eine zweite Gruppe stänkert, er sei aber etwas gar weit entfernt von seinen Kindern, eine dritte Gruppe will wissen, ob er denn keine Angst um seine Brut hätte. (Nein, hat er nicht, denn er weiss ziemlich genau, was er ihnen zutrauen kann und was nicht.)

Nun, auch damit kann man leben. Richtig mühsam wird es, wenn man sich in den vier Wänden, die man gemietet hat, nicht mehr frei fühlt. Zum Beispiel darum:

Wie wir bei unserer Ankunft erfahren durften, wohnen wir Wand an Wand mit unserem Vermieter. (Nein, davon war in den Reiseunterlagen nichts zu lesen, sonst hätten wir das Haus nicht gemietet.) Ebenfalls bei unserer Ankunft erfuhren wir, dass wir bitteschön auf der Treppe, die in den oberen Stock führt, etwas leise sein sollen. „Kein Problem“, sagten wir und gaben uns alle erdenkliche Mühe. Zwei Wochen lang ging das gut, dann meinte der Vermieter, das mit der Treppe störe halt schon ein wenig, ob wir nicht vielleicht noch etwas leiser sein könnten. „Na ja, wir werden’s versuchen“, murmelten wir in bestem Wissen, dass ein Mensch des Fliegens mächtig sein müsste, um auf diesen andauernd knarrenden Stufen unhörbar zu sein. Wo er schon dabei sei, meinte der Vermieter, möchte er uns noch bitten, die Türen etwas leiser zu schliessen, das störe auch. Natürlich versprachen wir, unser Bestes zu tun, aber irgendwie wurmte uns die Sache doch. Weder die knarrende Treppe noch die hellhörige Bauweise des Hauses sind unsere Schuld und hätten wir davon gewusst, wären wir nicht hier. 

Spätestens in diesem Fall wünschte ich mir innig, man würde hier auch mal über eine Sache hinwegsehen – so wie ich zum Beispiel darüber hinwegsehe, dass der Hund des Vermieters andauernd zu uns in den Garten kommt -, weil man ja nicht für den Rest des Lebens nebeneinander wohnen wird. Aber so läuft das hier offenbar nicht. Im Gegenteil, unsere liebenswerte Nachbarin steht inzwischen schon zeternd da, wenn bei uns drüben an einem sonnigen Nachmittag fünf Minuten lang mittlere Spielplatzlaustärke herrscht. 

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Meine lieben Franzosen

Glaubt mir, inzwischen mag ich euch wirklich ganz gut. Ihr seid ausgesprochen höflich – wenn ihr uns nicht gerade auf der Strasse so dicht auffahrt, dass man es mit der Angst zu tun bekommt. Ihr plaudert liebend gerne mit uns darüber, ob das alles unsere Kinder sind und wie alt wir waren, als wir sie bekommen haben, weil wir noch so furchtbar jung aussehen. Bei Touristenfallen weist ihr artig darauf hin, dass eine Sehenswürdigkeit vielleicht nicht so das Wahre für unsere Kinder ist, obschon ihr euch damit der Gelegenheit beraubt, uns ein teures Kombiticket anzudrehen. Ihr lächelt unser wild gelocktes Prinzchen freundlich an, obschon er das offizielle „Jöööööö“-Alter längst überschritten hat. Ihr erträgt geduldig unsere Stammeleien, wenn uns mal ein Wort entfällt und haltet nichts von der Unsitte, mit jedem Fremden Englisch zu reden, bloss weil er gerade einen Knoten in der Zunge hat. Ihr gebt jedem Schweizer hier das Gefühl, er sei etwas ganz Besonderes, dabei hat jedes zehnte Auto hier ein Schweizer Nummernschild. Ja, ihr schenkt uns sogar regelmässig frische, knackige Salate. 

Das alles freut uns sehr. Aber wäre es euch vielleicht möglich, nicht andauernd jede Kritik zu äussern, die euch auf der Zunge liegt? Mag sein, dass wir uns in euren Augen sonderbar aufführen, aber könnten wir uns nicht darauf einigen, dass ihr uns gewähren lässt, solange wir uns im Grossen und Ganzen nach euren Gepflogenheiten richten und euer wunderschönes Land mit der ihm gebührenden Bewunderung und Respekt bereisen? So viele Massregelungen habe ich seit meinem letzten – und einzigen – Hausarrest mit fünfzehn nicht mehr über mich ergehen lassen müssen. Dabei führe ich mich inzwischen weitaus gesitteter auf als damals. 

  

Alles Käse

Die Aufgabe wäre eigentlich ein Klacks: Ein paar verschiedene Käsesorten auftreiben, damit wir die Gschwellti – Deutsche würden von Pellkartoffeln reden – nicht ohne Begleitung essen müssen. Zu Hause würde so ein Einkauf fünf, maximal zehn Minuten dauern. Rein in die Migros, das Altbewährte aus dem Regal schnappen, vielleicht noch eine interessante Neuheit dazu, bezahlen und wieder raus. Hier in Frankreich dauert das etwas länger.

Gut, den Supermarkt finde ich inzwischen ohne nur ein einziges Mal wenden zu müssen, weil ich zwar immer noch andauernd falsche Abzweigungen erwische, die Strassen aber bereits gut genug kenne, um irgendwie doch noch zum Ziel zu kommen. Und ich komme jetzt auch schon ganz schnell vom Parkplatz im Laden, da ich nach nur zwei erfolglosen Versuchen bereits begriffen habe, dass man zwar in der Schweiz den 1-Franken-Einkaufswagen mit einer Euromünze von der Kette lösen kann, nicht aber in Frankreich den 1-Euro-Einkaufswagen mit einem Einfränkler.

Dann aber wird es kompliziert. Die Käsetheke für den Offenverkauf finde ich zwar schon ziemlich zielsicher, aber weil französische Senioren männlichen Geschlechts wenig Geduld aufbringen für verwirrte Mittelalterliche aus der Schweiz, drängen sie mich andauernd zur Seite. Folglich ist es mir bis anhin noch nicht gelungen, die Auslage eingehend genug zu studieren, um auch zu wissen, was ich denn überhaupt bestellen würde, sollte ich je an die Reihe kommen. Na ja, seit heute weiss ich wenigstens, an welchem Ende sich der Ziegenkäse befindet und weil den ausser Karlsson keiner von uns mag, kann ich beim nächsten Besuch vielleicht die Blauschimmel-Sektion inspizieren, ehe mir ein Senior in die Quere kommt. Bis zum Ende unseres Aufenthalts schaffe ich so vielleicht drei Viertel der Theke, mit etwas Glück sogar die ganze. 

Bis zu diesem Zeitpunkt liegt also noch kein einziges Stück Käse in meinem 1-Euro-Einkaufswagen, aber noch bin ich guten Mutes, denn gleich um die Ecke stehen die Kühlschränke mit dem abgepackten Käse, zuerst natürlich wieder das ganze Ziegen-Zeugs. Himmel, wie viele unterschiedliche Wege gibt es denn, aus übel schmeckender Ziegenmilch übel schmeckenden Ziegenkäse zu machen? (Ich weiss, es gibt Menschen, die Ziegenmilch und Ziegenkäse mögen. Ich gehöre nicht zu ihnen. Vielleicht ist euch das schon aufgefallen.) Dann also weiter zum Hartkäse. Da ich mir nicht sicher bin, ob unsere Kinder den „Gruyère de la France“ ebenso mögen wie den echten „Gruyère“ und ich unbekannten Hartkäse lieber erst probieren möchte, ehe ich ein riesiges Stück kaufe, landet schliesslich echt schweizerischer „Tête de Moine“ im Wagen. Den mögen sie alle, das weiss ich mit Sicherheit, und günstiger als zu Hause ist er obendrein (Ein Umstand, der mir zu denken gäbe, wäre ich heute nicht zu faul dazu). 

Na dann, gehen wir eben weiter zu… aber halt, war’s das schon? Etwas Reibkäse* noch und dann stehe ich bei der Butter. Etwas trübselig lege ich meine Salzbutter in den Wagen und überlege mir, ob ich es doch noch einmal bei der Theke versuchen soll, denn für Geschwellti ist die Ausbeute allzu mager. Dann aber wandert mein Blick etwas weiter und ich sehe sie alle: Weichkäse, Frischkäse, Halbhartkäse, Streichkäse, Scheibenkäse, Käse mit Früchten, Käse mit Nüssen, Käse mit Nüssen und Früchten, Käse mit Kräutern, Käsewürfel, italienischen Käse, holländischen Käse, englischen Käse… Scheinbar endlos geht das so und ich fühle mich wie „Wallace & Gromit“, die ihr Käseparadies gefunden haben. Die Senioren von der Käsetheke sind längst aus dem Laden raus, doch ich stehe noch immer da, vergleiche, wähle, verwerfe, wähle erneut, staune, rufe mich zur Vernunft, weil irgendwer auch essen sollte, was ich kaufe. 

Nach einer halben Ewigkeit ziehe ich weiter, mit einem Bruchteil dessen, was mich interessiert hätte. Aber die Zeit drängt, zu Hause warten die Kinder, die nach einem Schulmorgen mit Papa dringend etwas zwischen die Zähne bekommen müssen. Als ich den Einkaufswagen zurückgebe und meine Euromünze zu meinem tief beleidigten Einfränkler ins Portemonnaie lege, bin ich irgendwie bedrückt. Weil es mir nie im Leben gelingen wird, all das zu kosten, was ich gerade gesehen habe, nicht mal, wenn ich nie wieder nach Hause zurückkehre. Aber auch, weil es irgendwie krank ist, dass mich eine solche Auswahl derart glücklich macht. 

(Irgendwann später, als ich mir eine heisse Kartoffel mit Käse in den Mund schiebe, fällt mir dann noch glühend heiss ein, dass ich bei der ganzen Herrlichkeit komplett vergessen habe, das Kleingedruckte auf den Käseschachteln zu lesen. Das Kleingedruckte? Ihr wisst schon, die klitzekleinen Hinweise, die einem sagen, ob das Geld, das man ausgegeben hat, einer halbwegs anständigen Firma zugute kommt, oder ob man mal wieder die Kassen von Nestlé  & Co. zum Klingeln gebracht hat.)

* Kann mir einer erklären, was die Franzosen an unserem schrecklichen „Emmentaler“ so toll finden, dass sie ihn nicht nur imitieren, sondern auch in riesigen Beuteln als Reibkäse verkaufen? 

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Am Wasser

Da liegt es also vor uns, tiefblau und friedlich. Eine kleine, saubere Bucht, Muscheln, kreischende Möwen und nette kleine Wellen. Sandburgen bauen, Muscheln sammeln, planschen, bis man so nass ist, dass man auch ein Bad im noch zu kühlen Wasser wagen kann. Familienfrieden pur, zumindest so lange, bis einer etwas mehr Wasser abbekommen hat, als ihm lieb gewesen wäre. 

Kann das wirklich das gleiche Wasser sein? Das Wasser, von dem sie wieder andauernd reden, in den Nachrichten, in Diskussionsrunden, in Parlamenten? Das Wasser, das den einen Vergnügen bereitet, den anderen den Tod? Dort ihr Elend, hier unser Glück.

Ein Urteil ist so leicht gesprochen, wenn man am sicheren Ufer sitzt. 

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Himmel und Hölle

Wollt ihr wissen, wie sich unsere drei jüngsten Kinder das Paradies vorstellen? Also, dann malt euch einen Ort aus, an dem man bereits an der Kasse ein Säcklein Süssigkeiten pro Person in die Hand gedrückt bekommt, dazu noch einen geheimnisvollen Jeton und einen Gutschein. Nachdem ihr ein paar Schritte gegangen seid, empfängt euch eine nette Dame in pinkfarbenem Tüll und fragt euch, ob ihr lieber zwei rosarote, zwei schlumpfförmige oder zwei mit Marmelade gefüllte Zuckerdinger haben möchtet. Diese Wegzehrung muss für zwei grellbunte, mit interessanten Dingen angefüllte Stockwerke reichen, bevor man euch gelbe, grüne und weisse Zuckerdinger – diesmal leicht säuerlich – in die Hand drückt. Nun geht es ein, zwei Treppen runter, zu drei geheimnisvollen Maschinen, die nur darauf warten, euren Jeton zu schlucken, um euch im Gegenzug vier weitere Portionen Süssigkeiten auszuspucken. (Bei manchen spuckt das Wunderding gar acht Portionen aus, zum Beispiel beim FeuerwehrRitterRömerPiraten.) Als ob das alles nicht schon wunderbar genug wäre, kommt ihr zum Schluss in einen Museumsshop voller süsser, klebriger Dinge und weil es in euren Portemonnaies noch einen Überrest Taschengeld hat, braucht ihr nicht mal eure Eltern zu belästigen, um etwas von dieser Herrlichkeit zu bekommen. Vor der Heimfahrt kommt noch der Gutschein vom Anfang zum Einsatz. Der erlaubt euch nämlich, all das zuckersüsse Zeugs, das ihr auf dem Rundgang in euch hineingestopft habt, auf einer Hüpfburg kräftig durcheinander zu schütteln. Paradiesisch, nicht wahr?

Nun folgt mir bitte noch einmal in den Museumsshop. Kommt mit mir zwischen die engen Regale, die sich unter den Kisten von Schleckwaren beinahe biegen. Helft mir bitte dabei, alle meine Kinder im Auge zu behalten, damit keines verloren geht. Ach, und wo ihr schon dabei seid, könntet ihr bitte dem Zoowärter erklären, dass der gelbe Teddy mit der Schmusedecke zu teuer ist, dass sein Geld aber noch reichen würde für den grösseren der beiden Bären ohne Decke. Und Karlsson sollte noch zwei Euro bekommen, er steht gleich dort drüben, hinter dem Regal mit den Gummischlangen. Ihr müsst nur die zwei Senioren, die sich mit Vorräten für den Enkelbesuch eindecken, ein wenig zur Seite schieben. Bei dieser Gelegenheit könntet ihr auch dem FeuerwehrRitterRömerPiraten sagen, wo er sich an der Kasse anstellen muss. Mist, wo sind denn schon wieder das Prinzchen und Luise? Wie sollen wir die jetzt wieder finden, zwischen dieser Schulklasse von halbwüchsigen Italienern, die ihr ganzes Feriengeld, das sich ihre von der Krise gebeutelten Eltern vom Mund abgespart haben, verjubeln? Und richtet bitte „Meinem“, der schon ganz ungeduldig bei der Türe wartet, aus, ich würde gleich kommen, sobald ich hier alles unter Kontrolle habe. 

Seid ihr noch bei mir, meine lieben Leser, oder haben wir uns im Getümmel verloren? Nun, falls ihr noch hier seid, schaut euch einen Moment lang um, damit ihr wisst, wie ich die Vorhölle beschrieben hätte, wäre ich Dante gewesen. 

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Grenzen(los)

Man sagt ja, wir lebten in einer globalisierten Welt, einer Welt, die zumindest innerhalb von Europa kaum mehr Grenzen kennt. Irgendwie stimmt das ja auch. Zumindest ist es eine ganze Weile her, seitdem ich zum letzen Mal an einer innereuropäischen Grenze ein Reisedokument habe vorweisen müssen und das, obschon wir Schweizer ja nicht so richtig dazugehören (wollen). Dafür aber stößt man im virtuellen Bereich immer wieder auf überraschende Grenzen. Zum Beispiel kann ich mir bei Netflix meine „Tudors“ ganz ungehindert zu Ende reinziehen,  „Meiner“ aber wird bis Juni warten müssen, um zu erfahren, wie „The Americans“ ausgeht, denn das gibt’s hier nicht. Dafür aber eine seichte Romcom über einen traurigen Koch, die wir uns nur angesehen haben, weil das zu Hause nicht geht (und wir uns an jenem Abend wirklich gar nichts zu sagen hatten, da wir einander tagsüber mehrmals in die Haare geraten waren). Wir hätten natürlich auch „Downton Abbey“ haben können, dafür aber kein „House of Cards“, was in der Schweiz genau umgekehrt wäre. 

Will ich mich beim Schweizer Fernsehen darüber informieren, was zu Hause so läuft, kann ich das immer erst dann tun, wenn die Sendung im Archiv ist, live geht nicht, aus rechtlichen Gründen, wie mir ein Popup erklärt. Was aus Patrick Jane wird, kann „Meiner“ entweder auf Französisch erfahren, oder gar nicht, denn was in Deutschland ausgestrahlt wird, darf offenbar in Frankreich nur über den Fernseher empfangen werden, aber der hier im Haus empfängt ausschließlich französische Sender, was auch gut ist, denn sonst kämen die Kinder noch auf die Idee, bei diesem Prachtwetter vor der Glotze abhängen zu wollen. So müssen sie sich mit Handy und iPad zufrieden geben, was bei den streng bewachten Internetgrenzen aber…. Ach, ich glaube fast, das habe ich schon erklärt. 

Darum ziehen sie sich jetzt halt Carmen und Robert Geiss auf youtube rein. Für Trash gibt’s offenbar keine Grenzbestimmungen. 

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