Schwärmerisch

Da stehe ich also vor meinen üppig wuchernden Erbsen und breche die erste reife Schote ab, öffne sie und zeige den Inhalt dem Prinzchen. „Sind da wirklich so viele drin?“, fragt er staunend und probiert zum ersten Mal in seinem Leben eine erntefrische Erbse. Unbeschreiblich, diese Frische, diese Süsse, dieser Genuss. Weil das Prinzchen glaubt, nach einer einzigen kleinen Erbse müsse man gleich zur Zahnbürste greifen, setze ich meinen Gartenrundgang alleine fort. Die Tomatenpflanzen, die wegen der Kälte eben noch klein und mickrig waren, haben sich nach wenigen Sonnenstunden prächtig entwickelt, die Krautstiele, welche der Regen beinahe ertränkt hätte, werden in wenigen Tagen gross genug sein, um in der Pfanne zu landen, die Tigermelone wuchert nach allen Seiten, die Kamillenblüten sind so gross und aromatisch wie noch nie, den Salatköpfen kann man beim Wachsen beinahe zuschauen. 

Unfassbar, was aus den winzigen Samen, die ich im Februar in die Erde gedrückt habe, geworden ist. Und dies trotz Kälte, heftigem Wind, Mangel an Sonnenlicht und viel menschlichem Gejammer. Eine unglaubliche Vielfalt, die aus nicht viel mehr besteht als aus Wasser und Licht und alles, was ich dazu beitragen kann, ist regelmässiges Giessen, ein erbarmungsloser Kampf gegen die Nacktschnecken und ab und zu ein wenig Brennessel-Gülle.

Es gelingt mir nicht, mein Staunen in Worte zu fassen, mein genüssliches Schmatzen, wenn ich in eine süsse, sonnenwarme Erdbeere beisse, muss reichen. Ja, ich weiss, ich bin heute ziemlich schwärmerisch, aber was erwartet ihr von einer, die sich inzwischen dabei ertappt, wie sie mit ihren Randen redet?

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Wieder mal ein paar Dinge gelernt

  • Man kann durchaus ein paar Monate damit leben, das Geschirr jedes Mal zwei Treppen hochzutragen, um den Geschirrspüler zu füllen. Man kommt sogar einige Monate ganz ohne Geschirrspüler klar, wenn der Ersatzgeschirrspüler ebenfalls seinen Geist aufgibt. Mit funktionierendem Geschirrspüler im gleichen Raum, in dem gekocht wird,  ist das Leben jedoch ganz eindeutig schöner als ohne. 
  • Auch wenn gewisse Ämter einen miesen Ruf haben, trifft man dort gelegentlich auf sehr nette Menschen. Gut, vielleicht waren die Leute nur nett, weil sie auf den ersten Blick erkannten, dass ich ihre Leistungen weder wünsche noch brauche. 
  • Auch zwei vollkommen unsportliche Menschen bringen es fertig, ein Kind miteinander zu zeugen, das beim Rennen um den Titel „Der Schnellste im Dorf“ mitmachen darf. Es sagt wohl ziemlich viel über die Unsportlichkeit des Paares aus, wenn es ganze vier Versuche braucht, bis ein solches Kind zustande kommt…
  • Musst du morgens nicht aus dem Haus, bringst du es auch weit über Dreissig noch zustande, eine Nachtschicht nach der anderen zu schieben. Wehe aber, du musst eines Morgens raus. Dann spürst du sehr schnell, was für eine Memme dein Körper geworden ist.
  • Nacktschnecken ist es vollkommen egal, ob die Pflanzen im Freiland oder im Gewächshaus wachsen. Gibt es einen Weg, wie sie ins Gewächshaus reinkommen, dann finden sie ihn, darauf kannst du Schneckenkörner nehmen.
  • Bloss weil du nach wochenlangem Regenwetter und Fronleichnams-Brücke die Nase voll hast von Kindern, die gelangweilt auf dem Sofa herumlümmeln, heisst das noch lange nicht, dass die Magen-Darm-Seuche einfühlsam genug ist, um deine Kinder bei dieser Runde zu verschonen. Und weil du die Knöpfe erst wieder zur Schule schicken kannst, wenn sie voll und ganz genesen sind, lümmeln sie eben noch ein wenig länger.
  • Mitt Buttermilch und Zitronenschale im Teig isst sogar das Prinzchen Vollkornbrot, auch dann, wenn seine Nase ihm vorgegaukelt hat, die Mama habe Butterzopf gebacken. 
  • Gummistiefel sind auch nicht mehr, was sie mal waren. Früher stand ein Paar locker zehn Geschwister hintereinander durch und leistete danach auf irgend einem Bauernhof in Rumänien noch mal zwanzig Jahre  tadellosen Dienst. Heute brauchst du in jeder Saison mindestens ein Paar pro Kind. Kaufst du teure Modelle, brauchst du zwei bis drei Paar pro Kind, denn die teuren Modelle sind nur teuer, weil irgend ein Designer viele Stunden aufgewendet hat, um einen Gummistiefel zu gestalten, der nicht wie ein Gummistiefel aussieht. Dass auch ein Gummistiefel, der nicht wie einer aussieht, bei Regenwetter dicht halten sollte, hat der Designer dabei übersehen. 

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Hätten wir keinen Garten…

…dann hätte ich heute Morgen nach Frühstück, Zeitungslektüre und Prinzchengeplauder lustlos die Küche aufgeräumt, Wäsche gefaltet, ab und zu einen traurigen Blick auf das traurige Wetter geworfen, Mittagessen gekocht, die Kinder angemotzt, hinter ihnen hergewischt, vielleicht eine Tasse Kaffee getrunken und abends „Meinem“ die Ohren voll gejammert.

Weil wir aber einen Garten haben, trieb mich das Regenwetter nach draussen, denn hätte ich nicht ganz schnell eingegriffen, hätten die Schnecken meinen liebevoll gehätschelten Setzlingen einen frühen Tod bereitet. Mit Schere, Nematoden, Schneckenzaun und Bierfallen gingen das Prinzchen und ich auf Schneckenjagd, ich führte ihn ein in die Welt der biologischen Schädlingsbekämpfung, er spürte für mich noch die winzigste aller Schnecken auf. Anfangs jammerten wir noch über Regen und Kälte, doch irgendwann merkten wir wohl beide, dass schlechtes Wetter vom Fenster aus betrachtet trüber ist, als wenn man sich draussen bewegt, die Vögel zwitschern hört und den Flieder riecht. Wären wir drinnen geblieben, hätten wir wohl erst spät bemerkt, dass die Wolkendecke allmählich löcherig wurde, so aber waren wir mittendrin, als das Wetter sich allmählich besserte.

Hätten wir keinen Garten, dann wäre ich heute drinnen versauert, aber weil wir einen Garten haben, war der heutige Tag ganz nett. Ich glaube, das Prinzchen würde mir beipflichten, hätte er nicht vor lauter frischer Luft sehr früh sehr tief geschlafen.

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Das beste Mittel gegen Magen-Darm-Seuche

Sobald das Schlimmste durchgestanden ist – wir wollen hier nicht in die Details gehen -, ignoriert man die Seuche einfach. Solange man sich den Magen nicht mit fettigen Pommes Frites und Käseschnitten verdirbt, sollte das eigentlich ganz gut funktionieren. Dann empfiehlt sich ein Gang in den Garten. Ein paar Setzlinge eintopfen, ein bisschen pikieren, wenn nötig eine Runde giessen und schon fühlt man sich deutlich besser. Falls die Kraft reicht, kann man sich jetzt durchaus einem Stapel schmutziger Teller zuwenden, und sei es nur, um dem Ehepartner zu signalisieren, dass der gute Wille vorhanden ist. Vielleicht aber ist der Tellerstapel eine zu grosse Herausforderung für den entkräfteten Körper. Dann empfiehlt sich ein seichter Film, ein anspruchsloses Buch oder ein unerschrockener Gast, der die Käfer nicht scheut und sich bereit erklärt, mit dem Kranken ein Tässchen Tee zu trinken. Derart gestärkt sollte der Patient jetzt in der Lage sein, ein paar Büroarbeiten zu erledigen, die er seit Tagen oder Wochen vor sich herschiebt. Wobei dies allerdings die Gefahr eines Rückfalls birgt, zumindest, wenn die aufgeschobene Büroarbeit im Bezahlen von Rechnungen besteht. In diesem Fall heisst es dann eben, zurück ins Bett zu kriechen, die Decke über den Kopf zu ziehen und das ganze Elend auszuschlafen.

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Wie man mir an einem Tag wie heute ein Lächeln aufs Gesicht zaubert

Sechs mal Magen-Darm-Grippe in verschiedenen Stadien von „Ich bin so krank, dass ich nicht mal Zwieback essen mag“ über „Ich bin nicht gesund genug, um zur Schule zu gehen, aber auch nicht krank genug um im Bett zu bleiben“ bis hin zu „Ich fühle mich genau gleich elend wie ihr, aber einer muss ja für Zwieback-Nachschub und saubere Bettwäsche sorgen“ und der einzige Gesunde muss arbeiten. Nicht gerade mein Lieblingstag, ehrlich gesagt. Umso wichtiger sind mir die kleinen Dinge, die mir ein Lächeln aufs Gesicht zaubern:

Luise, die mir erzählt, wie sie gestern in der Bäckerei im reinsten St.Galler-Dialekt ein Brot bestellt hat. Fragt mich nicht, woher sie St.Galler-Dialekt kann, vielleicht hat sie diese Halskrankheit im Blut.

Die alte Frau aus Sri Lanka, die sich mir nach dem Zwieback-Einkauf in den Weg stellt, um mir mit Händen, Füssen und ein paar Brocken Deutsch zu sagen, wie sehr ihr mein „Costume“ gefalle. Genau wie die Frauen aus Sri Lanka, findet sie, einzig das schöne Tuch fehle noch. 

Kater Leone, der als Reaktion auf Henriettas Nachwuchs so anhänglich ist wie in seinen ersten Tagen. Nichts beruhigt so sehr wie ein Kater, der sich nach einem anstrengenden Tag auf deinen Rücken legt und dir ins Ohr schnurrt.

Der Gedanke, dass ich meinem alljährlichen Setzlings-Kaufrausch ein Schnippchen geschlagen habe und deswegen diesen Frühling seelenruhig an den Auslagen vorbeigehen kann. Wie ich das geschafft habe? Indem ich im Februar bereits dem Sämereien-Kaufrausch erlegen bin und deshalb zu Hause vor lauter Setzlingen den bewölkten Himmel nicht mehr sehen kann.

Das Prinzchen, der frühmorgens über Karlssons Teddy aus Kleinkindertagen sagt: „Gell, Karlsson, als Mama und Papa dir David gekauft haben, war er noch kein Schrott.“

Die Tatsache, dass meine Manuskripte das Stadium „Feinschliff“ erreicht haben.

Die Katzenbabies. Ich darf gar nicht anfangen damit, sonst wird’s kitschig hier.

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Von wegen „grüner Daumen“

Früher habe ich das Märchen vom grünen Daumen auch noch geglaubt, ja, ich habe es gar weitererzählt. Als unwiderlegbaren Beweis für seine Existenz führte ich die Jericho-Rose an, die unter meiner Aufsicht zu schimmeln begann. Klagten andere über ihren farblosen Daumen, nickte ich verständnisvoll und tröstete, mir ginge es genau gleich. Heute nicke ich nicht mehr, ich spreche auch keinen Trost mehr aus, ich denke nur noch „bla, bla, bla“.

Es ist nämlich so: Den Pflanzen ist es vollkommen egal, ob der Daumen grün ist oder nicht, solange sie deine volle Hingabe haben, gedeihen sie prächtig. Wasser, wenn ihnen danach steht, weder zuviel noch zu wenig, Sonne, aber bitte auch davon nicht zuviel, den richtigen Boden, nur die Tierchen, die ihnen nicht schaden und dann dulden sie noch nicht mal jeden beliebigen pflanzlichen Nachbarn. Da reicht irgend so ein magischer grüner Daumen nicht aus, ohne leidenschaftliche Liebe zu den kleinen, rätselhaften Wundern wird nichts aus der Sache. Liebe und ziemlich viel Einsatz, Tag für Tag, damit ihnen die Schädlinge nicht zu nahe treten, das Wetter nicht die Laune verdirbt und die unerwünschten Nachbarn ihnen nicht den Lebensraum streitig machen. 

Nachdem ich nun über Jahre geübt habe, kleinen, anspruchsvollen Wesen meine ganze Liebe und Hingabe zu schenken, damit sie gedeihen können, ist es plötzlich gar nicht mehr so schwierig, mit den zarten Pflänzchen ähnlich umzugehen. Darum gedeihen sie wohl auch, obschon ich noch immer keinen grünen Daumen habe.

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Kann mir mal einer erklären…

…weshalb die Leute jetzt, wo es endlich Frühling geworden ist, nur darüber reden, dass es bestimmt bald wieder kalt sein wird?

…weshalb Deutsche Ärzte, die genau gleich freundlich und kompetent sind wie ihre Schweizer Kollegen, nie – aber auch wirklich gar nie – auf die Idee kommen, dem Patienten zu erklären, was läuft?

…weshalb die Keimlinge meiner Chioggia-Randen wunderbar gedeihen, die Keimlinge meiner goldenen Rande aber kläglich abserbeln, obschon sie gleich viel Wasser, Licht, Wärme und Zuneigung bekommen haben?

…weshalb unserer Kinder nach all den Jahren den Satz „Bitte lasst weder Joghurtbecher noch Schokoladenpapier draussen herumliegen, wenn ihr ein Picknick veranstaltet“ noch immer nicht verstehen?

…weshalb Filme, die ab 6 Jahren freigegeben sind, meist nicht mal für Erwachsene geeignet sind, weil der Inhalt so deprimierend ist?

…weshalb eine Zehnjährige besser als mancher Kinderbuchautor weiss, was ein gutes Kinderbuch ausmacht?

…weshalb Karlsson mir direkt ins Gesicht sagt, dass er meine Witze nicht lustig findet, wo er das doch eigentlich hinter meinem Rücken sagen müsste?

…weshalb die grössten Kinderfeinde ihre Sätze über Kinder stets mit „Ich habe nichts gegen Kinder…“ anfangen?

…weshalb alle zu lachen beginnen, wenn wir von der Schwan-Attacke erzählen?

…weshalb man böse Blicke und giftige Bemerkungen erntet, wenn man im Spitalflur hohe Absätze trägt?

…weshalb die Menschheit je so dumm war, zu glauben, mit der Erfindung einiger nützlicher Maschinen würde das Leben einfacher?

…weshalb der Drucker immer in der Formular-Hochsaison den Geist aufgibt?

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Grün

Natürlich rede ich mir ein, meine in den vergangenen Jahren gewachsene Liebe zum Gärtnern sei auf meinem ureigenen Mist gewachsen und selbstverständlich weise ich mit einem gewissen Stolz darauf hin, dass ich schon in meiner Kindheit den Drang ins Grüne verspürte. Damals, als ich täglich meine Runde ums Haus drehte, um nachzusehen, ob alles wie gewünscht grünte und blühte. Es muss noch irgendwo diesen Schulaufsatz geben, der belegt, dass der Same meiner heutigen Leidenschaft in den frühen Achtzigern gesät worden ist.

Es soll mir also keiner kommen und behaupten, ich sei einfach eine der vielen, die mitreiten auf der Welle des Urban Gardening, des Topfgärtners, dem Ruf nach mehr Biodiversität, dem Schrei nach mehr Grün in der Betonwüste. Natürlich mache ich mir vor, meine Ziele seien höher als jene der grossen Masse, die mit Gummistiefel und Gartenschaufel einfach nur hip sein wollen. Mir liegt daran, den Kindern etwas weiterzugeben, was sie heute nicht mehr so selbstverständlich mitbekommen wie wir damals; der Umschwung ums Haus, der irgendwann – wohl in den Siebzigern – mit Steinplatten zu einem pflegeleichten, aber toten Aussenraum verunstaltet wurde, soll zum Lebensraum für Pflanzen und Kleingetier werden. Ja, so hehr sind sie, meine Ziele. 

Und doch schleckt keine Geiss weg, dass ich mit meiner Lust am Gärtnern einmal mehr ein Kind meiner Zeit bin. Genau so, wie ich mit zwölf ein Kind meiner Zeit war, als ich über das Robbenschlachten heulte, mit vierzehn, als ich Michael Jackson anhimmelte, mit sechzehn, als ich ein Austauschjahr in den USA machte und   über den plötzlichen Fall des Eisernen Vorhangs staunte, mit zwanzig, als ich wortgewaltig über die Chancengleichheit zwischen Mann und Frau palaverte, mit dreiundzwanzig, als ich Bio-Produkte zu kaufen begann und mir trotz anfänglicher Bedenken ein Handy zulegte, mit vierundzwanzig, als ich einen ersten Internetanschluss in der Wohnung installieren liess, mit fünfundzwanzig, als ich eine überzeugte aber tolerant gegenüber Andersdenkenden auftretende Verfechterin der natürlichen Geburt und des Stillens wurde und von einer Wassergeburt träumte, mit sechsundzwanzig, als ich die Angst vor dem Millennium-Bug belächelte, mit achtundzwanzig, als ich über George W. Bush schimpfte, mit dreissig, als ich zu Apple konvertierte, mit zweiunddreissig, als ich immer lauter über die ungerechte Situation der Familien in der Schweiz zu lamentieren begann, mit vierunddreissig, als ich mir ein Blog einrichten liess, mit siebenunddreissig, als meine Ablehnung der Atomkraft durch Fukushima noch mehr Schub bekam. Und jetzt greife ich eben vermehrt zu Harke, Rechen und Gartenschaufel, lege einen Komposthaufen an und mache mir Gedanken, wie „unser“ Grund und Boden zum Guten verändert werden kann. So wie viele, die in den Siebzigern geboren, in den Achtzigern und Neunzigern aufgewachsen und im neuen Jahrtausend erwachsen geworden sind. 

Natürlich, all dies habe ich mit meinen ganz persönlichen Eigenarten und Empfindungen gelebt, ich habe nicht alles mitgemacht – Techno war nicht mein Ding -, war zuweilen meinen Altersgenossen voraus, hinkte dafür in anderen Fällen weit hinter ihnen her, immer wieder mal eckte ich auch an, weil meine Meinung sich nicht immer nach dem Mainstream richtete. Ja, ich bin ich selbst, aber eben auch Produkt der Zeit, in der ich geprägt und geformt worden bin und deshalb wird auch von mir die Rede sein, wenn man später mal sagt: „In der Generation unserer Eltern wurde vermehrt Wert auf Ökologie, nachhaltiges Handeln und sorgsamen Umgang mit den Ressourcen gelegt.“ 

Ich hoffe sehr, dass es nicht bloss beim Trend bleibt, sondern dass es uns gelingt, der kommenden Generation einen natürlicheren und grüneren Start ins Leben zu bieten. 

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Frühlingsferien

07:15 Uhr: Prinzchen schreit, weil er nicht von „Meinem“ in die Krippe gebracht werden will. Anziehen muss ich ihn, weil „Meiner“ in den Augen des Prinzchens nicht die richtigen Qualifikationen dazu mitbringt.

07:20 Uhr: Der Zoowärter will sich noch einmal versichern, dass er wirklich Ferien hat und ausschlafen darf.

07:22: „Meiner“ fragt mich nach der Telefonnummer der Krippe, damit er melden kann, dass das Prinzchen heute erst später kommen wird.

07:55: Der erste Anruf des Tages für „Meinen“, der aber schon längst zur Arbeit gegangen ist.

07:58: Der zweite Anruf des Tages für „Meinen“, der noch immer nicht zu Hause ist.

08:05: Das Prinzchen haut zur Grossmama ab, ich pfeife ihn zurück.

08:07: Der Zoowärter beschliesst, dass er doch nicht ausschlafen will und verlangt Frühstück.

08:15: Ein eingeschriebener Brief mit schlechten Nachrichten.

08:30: Flucht in den Garten, angeblich, um die Kompostschüssel zu leeren, in Wirklichkeit aber, um die schlechte Nachricht im Zwiegespräch meinen Keimlingen zu verdauen.

08:45: Ich versuche, das Kind zu trösten, das von der schlechten Nachricht betroffen ist, bin aber wenig erfolgreich, weil ich selber gerade nicht an die Gerechtigkeit in dieser Welt glauben mag.

09:00: Das Prinzchen will noch immer nicht in die Krippe. Ich insistiere.

09:05: Anruf bei der Versicherung. „Wegen einer internen Weiterbildung sind wir erst ab 13 Uhr wieder erreichbar.“ Ausreden muss man haben…

09:10: Luise ist traurig, weil Kater Leone schon wieder nicht nach Hause gekommen ist.

09:20: Mit einem heulenden Prinzchen, der seinen riesigen Bären mit sich trägt, mache ich mich auf zur Krippe.

09:30: Das Prinzchen ist geblieben, wirkte sogar äusserst glücklich, als ich ging. Korrekturarbeiten am Küchentisch, währenddem Luise die Psychologin gibt, Karlsson die alte Italienische Immigrantin und Zoowärter und FeuerwehrRitterRömerPirat sich Spiegeleier zubereiten.

11:30: Streit unter Geschwistern und keiner hört auf mich.

12:30: Währenddem ich das Geschirr abwasche, überkommt mich die grosse Versuchung, diesen Tag als verloren abzuschreiben.

13:00: Zweite Flucht in den Garten, der Aprikosenbaum blüht und es haben sich gar zwei oder drei Bienen eingefunden, um sich mit mir daran zu freuen.

13:20: Die Dame bei der Versicherung ist nicht nur frisch weitergebildet, sondern auch ausserordentlich nett und verständnisvoll. Vielleicht ist dieser Tag doch nicht ganz so schlecht, wie ich eben noch gedacht hatte.

14:00 Uhr: Karlsson will an seinem Vortrag arbeiten und ich versuche ohne Erfolg, ihn davon abzuhalten. Kann dieses Kind denn nie Ferien machen?

14:30 Uhr: Luise möchte jetzt auch einen Vortrag schreiben, freiwillig, aus Spass an der Sache. „Kind, du hast Schulferien!“

14:55: Luise möchte Hilfe beim Schreiben des Vortrags. „Kind, glaub mir, du hast Schulferien. Und ich auch!“

15:00: Nachmittagsschlaf, die einzige Möglichkeit, dem Lerneifer der zwei Ältesten zu entrinnen.

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Geständnisse

Natürlich habe ich eine Supercard, aber das habe ich dem Mann an der Kasse verschwiegen, weil ich zu faul war, die Karte aus dem Portemonnaie zu kramen.

Mein Mitleid für „Meinen“ hält sich in Grenzen. Hätte er auf mich gehört, dann wäre er heute nicht mit den Kindern durch die Läden gehetzt, um Frühlingsjacken zu kaufen. Hätte er das Zeug online bestellt, wäre er jetzt nicht müde und gereizt.

Drei der unzähligen Erdsäcke, die wir ins Hochbeet geschüttet haben, hatten kein Öko-Label drauf.

Heute habe ich in der Zeitung nur die Klatsch- und Tratsch-Spalte gelesen.

Ich finde Zoowärters Jacke, die er sich offenbar mit viel Geschrei und Tränen ertrotzt hat, potthässlich.

Als Karlsson heute der Kinderärztin Red und Antwort stand, wäre ich beinahe auf dem Stuhl eingeschlafen.

Eigentlich sind mir meine neuen Gummistiefel ein wenig zu eng, aber weil sie so schön sind, tue ich so, als würde es mich nicht im Geringsten stören.

Nachdem ich im Bus kein Billett lösen konnte, habe ich dies an der Endstation nachgeholt, weil ich befürchtete, der Chauffeur, dem ich mein Problem während der Fahrt gestanden hatte, könnte mich heimlich beobachten.

Trotz aller meiner Beteuerungen, es nicht mehr zu tun, habe ich mich heute heimlich mit der Schreibblockade getroffen.

Ich habe mir heute überhaupt keine Mühe gegeben, das Mädchen zu verteidigen, das Luise so sehr vor den Kopf gestossen hat. Im Gegenteil, ich habe meiner Tochter sogar beim Lästern geholfen.

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