Nervensäge

„In deinem Alter ist man eigentlich nicht so richtig sich selber. Du kannst mir glauben, ich rede da aus Erfahrung.“

„Mach bloss keine Witze über mein Alter. Zweimal blinzeln und du bist auch schon vierzig.“

„Wenn du mal Kinder hast, wirst du mich verstehen.“

„Das nennst du modern? Genau so liefen wir in den Neunzigern auch rum.“

„Eines Tages wirst du wünschen, du hättest die viele Zeit noch, die du heute sinnlos vergeudest.“

„Du solltest dir wirklich Zeit nehmen für ein richtiges Frühstück. Glaub mir, der Tag wird so viel besser, wenn du etwas Gesundes im Magen hast. Wie? Du hast keine Zeit dafür? Dann steh doch einfach zehn Minuten früher auf.“

„Fang frühzeitig an zu lernen. Ich habe ja viel zu spät begriffen, was man mit Lernen alles erreichen kann, also mach nicht den gleichen Fehler wie ich.“

Manchmal, wenn ich mir beim Moralisieren zuhöre, sage ich nachher zu mir selber: „Ich glaube, wenn ich ein Teenager wäre, ginge ich mir ziemlich auf den Geist.“

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Life Advice aus Mama Vendittis Küche

Fühlst du dich irgendwie unzufrieden? Fällt es dir schwer, dich an den kleinen Dingen im Leben zu freuen? Möchtest du endlich wieder so etwas wie ein Erfolgserlebnis haben? Dann habe ich heute eine kleine Übung für dich und die geht so:

  1. Sorge dafür, dass die Wasserversorgung in der Küche den Dienst quittiert. Auf welche Weise du das tust, ist mir eigentlich egal. Hauptsache, es wird wirklich mühsam, die alltäglichen Arbeiten zu erledigen.
  2. Ändere mindestens zwei Wochen lang nichts an diesem Zustand. 
  3. Entschliesse dich dazu, während dieser zwei Wochen möglichst viel einzumachen, komplizierte Gerichte zu kochen oder vielleicht sogar Gäste einzuladen. Du könntest auch den Geschirrspüler ausser Gefecht setzen, um den Lerneffekt der Übung zusätzlich zu steigern. 
  4. Wenn du diesen Zustand so richtig satt hast, sorge dafür, dass er sich noch mindestens drei oder vier Tage länger aufrecht erhalten lässt.
  5. Bring jetzt deine Wasserversorgung dazu, wieder das zu tun, was man von einer Wasserversorgung in westlichen Ländern gemeinhin erwartet. Ich verspreche dir, dass du dich wie neu geboren fühlen wirst. Du wirst wie auf Wolken durch deinen Alltag schweben, immer wieder staunend den Wasserstrahl bewundern, der dein Spülbecken im Nu füllt und alle werden dich fragen, warum du wie ein Honigkuchenpferd grinsend durch die Gegend läufst. 
  6. Falls du den Geschirrspüler ausser Gefecht gesetzt hast: Verzichte noch ein paar Tage ganz bewusst darauf, ihn wieder in Gang zu setzen, um endlich wieder einmal das unbeschreibliche Gefühl von ungetrübter Vorfreude zu erleben. 

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Geht doch…

Als Luise in der dritten Klasse zum ersten Mal Französischunterricht hatte, verflog die Freude schon nach kurzer Zeit. Weil die Kinder mit Spiel und Spass an die Sprache unserer Landsleute herangeführt werden sollten, verzichtete das Lehrmittel auf alles, was nur im Entferntesten an Büffeln erinnern könnte und so hatte unsere arme Tochter bald ein unglaubliches Wirrwarr im Kopf. Trotz grundsätzlicher Befürwortung des frühen Sprachunterrichts, begannen „Meiner“ und ich am Sinn der Französischlektionen zu zweifeln.

Beim FeuerwehrRitterRömerPiraten sah es leider nicht viel anders aus und so fing „Meiner“ an, kritische Fragen zu stellen. Er müsse dem Lehrmittel eben eine Chance geben, meinte die Lehrerin, dann werde sich der Lernerfolg schon einstellen. Wir blieben trotzdem skeptisch, denn es wollte uns nicht einleuchten, weshalb unsere Kinder zwar wussten, was „Lautmalerei“ und“Verkehrskreisel“ auf französisch heisst, jedoch nach zwei Jahren nicht sagen konnten, wie sie heissen, wo sie wohnen und was sie gerne tun. 

Beim Zoowärter sah es im ersten Jahr nicht viel anders aus. Das Kind erledigte seine Hausaufgaben mit Widerwillen, verstand kein Wort und hatte im Grunde genommen keine Ahnung, was das alles sollte. Dann bekam er eine neue Lehrerin und plötzlich kam Bewegung in die Sache. Wenn einer fragt, was das Wort „Cocktail“ bedeutet, weist er darauf hin, das müsse doch etwas mit „le coq“ zu tun haben, auf einfache Fragen weiss er eine Antwort und inzwischen sieht es gar so aus, als würde ein für die ganze Klasse verbindlicher Grundwortschatz aufgebaut. (Nein, so etwas ist leider nicht mehr selbstverständlich. Macht ja keinen Spass, Vokabeln zu büffeln.) Und weil er jetzt zu verstehen beginnt, was das alles soll, kommt allmählich die Freude an der Sprache auf. 

Sieht ganz danach aus, als könne man auch mit schlechten Lehrmitteln guten Frühfranzösich-Unterricht machen. 

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Von den schönen Dingen

Vor lauter Haushaltärger habe ich die schönen Dinge ein wenig aus den Augen verloren, dabei gibt es doch so vieles, worüber ich mich freuen kann:

Ein letztes Bad im Aarekanal, danach ein ausgedehntes Picknick mit lieben Freunden.

Das Prinzchen, das spät am Abend noch wach im Bett sitzt und aus voller Kehle seine selbst erfundenen Melodien schmettert.

Bekocht und umsorgt zu werden von herzensguten Menschen, die finden, wir hätten eine Auszeit vom Badewannen-Abwasch verdient.

Ein Abendspaziergang mit „Meinem“ und der Katze, die uns in der Dunkelheit nicht ohne ihren Schutz ziehen lassen will.

Die Artischockenernte, die zwar nicht überreich, aber doch reicher als erwartet ausgefallen ist. 

Karlsson, der sich an der neuen Schule fühlt, wie ein Fisch im Wasser.

Malven, Astern, Dahlien, Phlox, Herbstanemonen, Scabiosen und Prachtkerzen, die um die Wette blühen. 

Jede einzelne kostbare Minute, in der ich nichts über Pokémon hören muss.

Luise und der Zoowärter, die sich nach schwierigen Zeiten wieder aufgerappelt haben und zu ihrer alten Lebensfreude zurückfinden. 

Ein Birnbaum, den wir schon längst aufgegeben hatten, der nun zum ersten Mal in seinem Leben wunderschöne Früchte trägt. 

Der FeuerwehrRitterRömerPirat, der immer sogleich fühlt, wenn jemand Aufmunterung braucht. 

Nach sehr langer Zeit wieder mal eine neue Idee in meinem Kopf, die sich vielleicht eines Tages zu etwas Gutem weiterspinnen lässt.

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Teenager müsste man sein

„Warum kommt denn plötzlich so wenig Wasser aus dem Hahn?“, fragte eines meiner herzallerliebsten halbwüchsigen Kinder heute, als es sich zu später Stunde noch etwas kochen wollte. 

„Mein liebes Kind“, gab ich zur Antwort, „das ist nun schon seit zwei Wochen so. Hast du dich denn noch nie gefragt, warum Papa und ich seit einiger Zeit in der Badewanne abwaschen?“

„Doch, natürlich, aber ich habe mir dann gedacht, ihr macht das nur, weil es in der Badewanne schneller geht.“

Himmel, wie schafft man es, in diesem Haus zu leben, ohne die Leiden des Küchentrogs wahrzunehmen und das trotz regelmässigem Küchendienst? Und wie um alles in der Welt blendet man das mütterliche Dauergejammer über das Küchenelend* aus? So etwas schafft nur ein Teenager, der vor lauter Snapchat bloss noch am Rande mitkriegt, womit sich der Rest der Familie den lieben langen Tag so rumschlägt.

Glückliche Teenager…

 

* Ach, wo wir schon beim Küchenelend sind: „Meiner“ hat für einmal seine Nettigkeit in den Schrank gesperrt und die Leute, die uns das schadhafte Kühlgerät verkauft haben, so lange genervt, bis sie sich bereit erklärt haben, uns den vollen Verkaufspreis zu erstatten und das Monstrum aus unserer Küche zu entfernen. Vielleicht kommen doch wieder bessere Zeiten…

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Der Spass will einfach kein Ende nehmen…

Vielleicht hat meine geschätzte Leserschaft allmählich die Nase voll von meinen Küchendramen, aber da das Ganze nun wirklich groteske Züge annimmt, sehe ich mich verpflichtet, noch ein wenig weiter darüber zu berichten. Einerseits, damit das irgendwo dokumentiert ist, denn in ein paar Monaten glaube ich sonst die Sache selber nicht mehr. Andererseits, weil die Menschheit sehen soll, dass auch unser Leben im Luxus seine Tücken hat. 

Die Ausgangslage heute Morgen war so…

Ich rechnete fest damit, spätestens heute Mittag wieder über ein funktionierendes Kühlgerät zu verfügen, denn der Monteur, der mir vor zweienhalb Wochen hoch und heilig versprochen hatte, die Reparatur werde bestimmt nicht länger als sieben Tage auf sich warten lassen, hatte heute endlich Ersatzteile und Zeit, um sich der Sache anzunehmen. Die Telefonate, die „Meiner“ geführt hat, um diesen Termin zu bekommen, habe ich nicht gezählt, aber es waren viele.

Im Weiteren hatte ich die feste Zusage, dass am Montag der neue Herd geliefert werden soll. Vom gleichen Anbieter wie das Kühlgerät, diesmal aber wieder wie gewohnt mit Garantieverlängerung, da ich mich darum bemühe, den gleichen Fehler nur einmal im Leben zu machen. (Beim Kühlgerät hatten wir darauf verzichtet, weil man sich mit dem Geld, das wir über all die Jahre für ungenutzte Garantieverlängerungen bezahlt haben, eine  neue Luxusküche leisten könnte. Wie wir jetzt wissen, spüren die Geräte so etwas sofort und beschliessen, kurz nach Ablauf der regulären Garantiezeit in Streik zu treten.)

Ausserdem freute ich mich wie ein kleines Kind auf den nächsten Dienstag, denn dann soll derjenige kommen, der die verkalkten Leitungen reinigt. Wenn das Wasser erst mal wieder fliesst, können wir uns auch des defekten Geschirrspülers annehmen und dann bestehen gute Chancen, dass wir noch vor den Herbstferien wieder halbwegs normal kochen, abwaschen und kühlen. 

Wie sich die Lage präsentierte, als der Monteur da war…

Die Gute Nachricht wie immer zuerst: Der Termin mit dem „Leitungsreiniger“ steht weiterhin, es besteht also durchaus Hoffnung, dass wir in einer Woche nicht mehr in der Badewanne abwaschen.

Der ganze Rest aber ist Sch…

Das Kühlgerät, so weiss ich jetzt, ist nicht mehr zu retten. Verlust von Kühlflüssigkeit, Rost, Reparatur wäre teurer als eine Neuanschaffung bla bla bla. Und das ein gutes Jahr nach dem Kauf. Okay, man hat uns damals das Ganze als Ausstellungsmodell vergünstigt angeboten, aber billig war es deswegen noch lange nicht. Ausserdem „absolut vertrauenswürdige Marke, beste Qualität, Sie werden lange Freude haben daran“ und was die einem sonst noch so sagen, wenn sie einen zum Kauf bewegen wollen. Heute dann so: „Solche Geräte stehen monatelang irgendwo herum, vielleicht schon mal bei einem Kunden als Ersatzgerät im Einsatz, keiner schaut, ob wirklich alles in Ordnung ist.“ Also alles, was sie so sagen, wenn keiner die Schuld auf sich nehmen will.

Nun gut, die Schuld liegt natürlich ohnehin bei mir, denn ich war ja, wie gesagt, einmal – ein EINZIGES Mal-  in meinem Leben fahrlässig genug, um auf die Garantieverlängerung zu verzichten und dafür soll ich jetzt tüchtig Busse tun. Ich soll ihnen gefälligst auf Knien danken, dass sie so kulant sind, mir ein sensationell gutes, noch nie gebrauchtes und ganz bestimmt perfekt durchgestyltes Gerät zum sagenhaften Preis von 1500 Franken zu offerieren. Und natürlich soll ich auch keine Minute lang überlegen, ob ich das will und kann, denn so ein Angebot bekomme ich nie wieder im Leben. Ob ich denn wirklich mehr Entgegenkommen erwarten hätte? (Wie gierig die Hausfrauen heutzutage sind… Tssss!)

Während ich am Telefon verhandle, steht hinter mir ein fassungsloser Monteur der findet, Kulanz sähe anders aus. Was ich natürlich auch finde und deshalb dem aalglatten Typen am Telefon – der es nicht fassen kann, dass ich ob seines Angebots nicht in dankbaren Jubel ausbreche – so unmissverständlich klar mache, dass meine Freunde, die mir immer vorwerfen, ich sei zu nett, wahrlich stolz auf mich wären. (Okay, sie würden vielleicht sagen, ich hätte mich am Ende nicht für meinen Ausbruch entschuldigen sollen, aber immerhin war da ein Ausbruch.) 

Wie sich die Lage jetzt, wo ich das alles weiss, präsentiert…

Kühlgerät:

  • Entweder wir toben so lange, bis sich in dem Saftladen, in dem wir das Gerät erstanden haben, ein anständiger Mensch findet, der weiss, was das Wort „Kulanz“ bedeutet,…
  • … „Meiner“ und ich sind blöd genug, um das „sensationelle Angebot“ anzunehmen und zwacken die 1500 Franken – die wir bei der Küchenrenovation nicht budgetiert haben, da wir nicht auf ein neues Kühlgerät eingestellt waren – irgendwo sonst ab,…
  • … oder wir strecken die Waffen, bestehen darauf, dass die wenigstens kostenlos das defekte Gerät aus unserer Wohnung befördern und entsorgen und machen uns bei einem hoffentlich vertrauenswürdigeren Händler auf die Suche nach einem neuen Gerät. 

Wie auch immer die Sache ausgeht, wir werden auf alle Fälle noch wochenlang ohne anständiges Kühlgerät leben müssen. Wir werden weiterhin verzweifelt versuchen, unser Kühlgut irgendwie in den winzigen Kühlschrank, den wir Gott sei Dank noch im Keller hatten, zu stopfen. Und wir werden leider immer mal wieder verdorbene Lebensmittel entsorgen müssen, weil a) schlicht keine Möglichkeit besteht, Resten zu kühlen und b) in dem Kühlschränkchen alles drunter- und drüber liegt, so dass man allzu leicht etwas übersehen kann. 

Und natürlich hat das auch Konsequenzen für den Ofen, der am Montag geliefert werden soll, denn nicht mal ich bin naiv genug, dieser Firma noch einmal mein Vertrauen – und viel Geld – zu schenken, Garantieverlängerung hin oder her. Dabei wäre es der Ofen meiner Träume gewesen. Und das Kochen auf drei Platten geht mir allmählich auch auf den Geist.

Aber ich kann mich wenigstens noch auf den „Leitungsreiniger“ freuen…

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Fairness

Alle Kinder gleich zu erziehen, ist ein Ding der Unmöglichkeit, hundertprozentige Fairness gibt es nicht. Will man sich endlose Diskussionen ersparen, lässt man sich trotzdem hin und wieder dazu verleiten, gewisse Dinge ein für alle Mal festzulegen. 

So war das zum Beispiel früher mit den Trinkgläsern. Aus irgend einem Grund war es für unsere Kinder unglaublich wichtig, dass nicht einer schon früher als der andere aus dem Glas anstatt aus dem Becher trinken durfte, also einigten wir uns auf die folgende Regel: Am ersten Tag des kleinen Kindergartens gibt’s ein Glas, vorher nicht. Die einen hätten es zwar schon früher ohne Scherben geschafft, den anderen rutschte vielleicht auch ein Jahr später noch immer mal wieder eins aus den Händen, aber keiner murrte, denn unsere Regel wurde als absolut fair akzeptiert. 

Ähnlich handhaben wir es mit dem Handy. Die Kinder wissen genau, wann sie ihr eigenes Gerät bekommen werden und sie wissen auch, dass sie von diesem Zeitpunkt an zumutbare Strecken selbständig zurücklegen müssen und nur noch begrenzt auf unsere Chauffeurdienste zählen können. Eigentlich klappt das ganz gut und es hat noch keiner ernsthaft versucht, früher als vereinbart zu seinem Handy zu kommen. Eine ganz und gar faire Regelung, aber ob sie auch wirklich weise ist, bezweifle ich allmählich.

Während nämlich der eine ziemlich schnell einen vernünftigen Umgang mit dem Gerät findet, lässt sich der andere immer wieder dazu verführen, seine Zeit damit sinnlos totzuschlagen. Plötzlich muss man dem einen Zeitbeschränkungen auferlegen, während der andere sein Gerät immer bei sich haben darf, weil er es nur dann zur Hand nimmt, wenn er es wirklich braucht. „Warum darf ich nicht und der andere schon?“, lautet dann die empörte Frage und schon steckt man wieder mitten drin in der Diskussion um die Fairness. 

Alle Kinder gleich zu erziehen ist eben wirklich ein Ding der Unmöglichkeit, denn sie ticken nun mal nicht alle gleich.

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Liebe Migros

Schön, dann sammeln wir also mal wieder. Wie könnten wir auch darauf verzichten, wo doch die winzigen Igelchen und Maulwürfchen so unglaublich herzig sind? Ist ja auch ganz toll, dass sich die Kinder eine Zeit lang mit der Frage befassen, woher das Essen auf unserem Tisch kommt. Bei der Sache mit dem Saatgut, das in jedem zweiten Sammelbeutel steckt, hätten eure Marketing-Gurus jedoch noch etwas schärfer nachdenken sollen. Warum? Darum:

Die Saatgut-Nummer hat euer schärfster Konkurrent bereits im Frühling durchgezogen und jetzt sieht es irgendwie danach aus, als hättet ihr von denen die Restposten übernommen. Nicht gerade originell, finde ich.

Bei der Konkurrenz gab es das Zeug im Töpfchen, bei euch aber muss man sich schon selber zu helfen wissen, denn ihr liefert bloss Samen und Erde. Okay, die anderen haben damals die Sache auch nicht ganz zu Ende gedacht, denn bei denen bildete sich mit der Zeit Staunässe, was vermutlich bei den meisten angesäten Pflänzchen zu einem verfrühten Absterben führte. Aber vielleicht hättet ihr ja aus den Fehlern eurer Konkurrenz lernen und anständige Töpfchen mitliefern können. 

Ihr gebt euch mit eurer Aktion ja so furchtbar naturnah, aber dass sich die Gartensaison hierzulande gerade ihrem Ende zuneigt, scheint ihr nicht zu wissen. Wie stellt ihr euch das vor?

  • Sollen wir die Stockrosen, die Cherry-Tomaten, die Peperoni und die Wiesenblumen jetzt aussäen und dann den ganzen Winter hindurch hätscheln, bis sie im Frühling ins Freie dürfen?
  • Oder war das so gedacht, dass wir das Saatgut aufbewahren, bis es Zeit wird, die neue Gartensaison vorzubereiten? Falls ja, wie sollen wir unseren Kindern, die ja bekanntlich immer sofort ein Resultat sehen wollen, schonend beibringen, dass sie jetzt nur noch warten müssen, bis Räbeliechtliumzug, Samichlaus, Weihnachten und Ostern  vorbei sind, ehe sie mit Säen und Giessen anfangen dürfen? Und glaubt ihr wirklich, wir wüssten dann im Frühling noch, an welchem Ort wir das Zeug gelagert haben? Vermutlich werden wir nicht mal mehr wissen, dass da irgendwo noch Saatgut herumliegt, wo doch dann bestimmt schon wieder die nächste Sammelaktion läuft, die unsere volle Aufmerksamkeit fordert.

Davon, dass wohl mehr als die Hälfte eurer Kundschaft gar nicht den Platz hat für Stockrosen und Wildblumen, wollen wir gar nicht erst anfangen. Es geht bei der Aktion ja leider nicht wirklich darum, Betonwüsten in blühende Wiesen zu verwandeln.

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Der Spass geht weiter

Letzte Woche, als man mir mitteilte, der Kühlschrank werde frühestens in sieben Tagen repariert, glaubte ich noch, die Talsohle sei erreicht. Ab jetzt könne es nur noch besser werden, dachte ich. Natürlich irrte ich…

Die Leitung, die für fliessendes Wasser in der Küche sorgen müsste, fühlte sich offenbar vernachlässigt. „Alle haben ihren Spass“, brummte sie. „Der Kühlschrank zwingt die Familie dazu, ihre Unmengen an Lebensmitteln in zwei alte, kleine Kühlgeräte zu stopfen, nur damit er neue Ersatzteile bekommt. Der Kochherd heizt nur noch, wenn er gerade Lust dazu hat. Der Geschirrspüler tut so, als hätte er einen totalen Zusammenbruch erlitten und die Kaffeemaschine lässt nur noch hie und da ein paar Tröpfchen aus sich herauspressen. Soll ich wirklich die einzige Dumme sein, die in dieser Küche noch ihrer Arbeit nachgeht?“

So oder so ähnlich muss sie zu sich selber gesprochen haben, die Wasserleitung. Natürlich nur ganz leise, denn sie wollte uns ja überraschen mit ihrer Idee, wie sich unser Alltagsleben noch etwas umständlicher gestalten liesse. Das mit der Überraschung ist ihr gelungen. Am Samstagmorgen teilte sie uns voller Stolz mit, sie habe sich für den nationalen Wettbewerb im Langsamfliessen qualifiziert. Sie, die ohnehin nie die Schnellste war, schafft jetzt den Liter Kaltwasser in 1 Minute und 22 Sekunden, den Liter Warmwasser gar in 1 Minute und 29 Sekunden. Wenn das keine rekordverdächtige Langsamkeit ist… Und sie hat sogar die Möglichkeit, ihr Resultat noch zu verbessern, denn  der nette Herr, der mal alles gründlich durchspülen soll, hat erst Mitte September Zeit, zu uns zu kommen.

Anstatt darob in Trübsal zu versinken, haben „Meiner“ und ich beschlossen, ebenfalls eine neue Herausforderung anzunehmen: Wir feilen jetzt an der perfekten Technik, das Geschirr in der Badewanne zu spülen, ohne einen Rückenschaden zu bekommen.

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Woran sich zeigt, dass die Kinder gross werden

Neben meinem Bett stapeln sich wieder Bücher. Richtige Bücher. Also Lektüre, deren Inhalt man durchaus mal in ein angeregtes Gespräch einfliessen lassen darf, ohne dabei zu erröten. Nicht mehr dieser oberflächliche Kram, mit dem ich mich während der Kleinkinderjahre über Wasser gehalten habe, weil ich fürchtete, ich würde das Lesen am Ende noch verlernen. Ich fürchte mich vor dem Tag, an dem ich meine Bücherregale ausmisten muss, weil ich dann die ganzen Peinlichkeiten noch einmal in die Hand nehmen muss, um sie im Altpapier zu entsorgen. (Jawohl, so schlecht waren die Bücher, dass ich, die ich gewöhnlich keine Bücher wegschmeisse, genau dies tun werde, ohne mit einer Wimper zu zucken.)

An heissen Tagen spazieren wir nicht mehr mit sehnsüchtigem Blick der Aare entlang und malen uns aus, wie erfrischend es doch wäre, sich im Fluss treiben zu lassen. Stattdessen lassen wir keine Gelegenheit aus, mit allen Kindern, die gerade Zeit und Lust haben, in den Kanal zu steigen. Mal mit allen fünf, mal nur mit dem FeuerwehrRitterRömerPiraten, mal mit den drei Jüngsten, mal mit den zwei Ältesten, aber stets äusserst zufrieden, weil wir jetzt tun können, was noch vor einem Jahr nahezu unvorstellbar gewesen wäre.

Familienausflüge werden wieder bezahlbar, weil Karlsson und Luise kein Interesse mehr haben an Zoo, Zirkus & Co. Nur mit den drei Jüngsten im Schlepptau sind wir wieder ganz und gar familientickettauglich. Und weil diese Besuche nach einer langen Dürreperiode von „Das ist alles viel zu teuer und ausserdem sind wir viel zu müde, um sonntags noch auszufliegen“ stattfinden, sind das Prinzchen, der Zoowärter und der FeuerwehrRitterRömerPirat ungemein begeisterungsfähig. Auch „Meinem“ und mir hat die Pause gut getan. Wir seufzen jetzt nicht mehr: „Schon wieder Zirkus…“, sondern sind dankbar, dass wir für ein paar Stunden in eine ganz und gar kindliche Welt ohne Pubertätsdramen abtauchen dürfen. 

Auch der Menüplan verändert sich, wenn auch erst schrittchenweise. Das Prinzchen und der FeuerwehrRitterRömerPirat verharren zwar stur in ihrer „Was der Bauer nicht kennt…“-Haltung, aber dem Rest der Familie kann ich Auberginen und Pilze vorsetzen, ohne sie bis zur Unkenntlichkeit verarbeiten zu müssen. Als der FeuerwehrRitterRömerPirat neulich meinte, er könne die Kürbissaison kaum erwarten, wusste ich, dass auch sein Lieblingsessen nicht für immer und ewig Pasta mit Ketchup bleiben wird.

Ach ja, natürlich singe ich abends auch keine Schlaflieder mehr, eine Veränderung die mir, im Gegensatz zu den oben genannten, ganz und gar nicht willkommen ist.

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