Beziehungsarbeit

Es ist doch stets das gleiche Lied: Eines deiner Haushaltgeräte fängt eines Tages an zu rebellieren. Anstatt stillschweigend seine Pflicht zu tun, führt es sich auf einmal ungebührlich auf, erledigt seine Arbeit schlampig und droht dir gar mit Streik, wenn sich nicht bald etwas ändert. Du versuchst, das störrische Ding mit besonders viel Zuneigung wieder zurück auf den Pfad der Tugend zu bringen, doch das hilft meistens wenig und wenn du nicht willst, dass es zum endgültigen Bruch zwischen dir und dem Gerät kommt, bleibt dir am Ende nichts anderes übrig, als einen Experten ins Haus zu holen, der eure Beziehung wieder kittet. Wortreich klagst du dem Herrn erst am Telefon, dann von Angesicht zu Angesicht dein Leid, du erklärst ihm, wie du alles in deiner Macht stehende unternommen hast, um dein Haushaltgerät zur Raison zu bringen und natürlich lässt du deutlich durchblicken, dass es nicht deine Schuld ist, dass das Verhältnis derart zerrüttet ist.

Ja, und was tut er dann, der Herr Experte? Bläst er dem störrischen Geschirrspüler, Backofen oder was auch immer es ist, mal gehörig den Marsch? Sagt er ihm klar und deutlich, dass es so nicht weitergehen kann? Aber nicht doch! Er beugt sich lieber mit sorgenvollem Blick zu dem bockigen Ding herab, streichelt ihm sanft über sämtliche Ecken und Kanten und murmelt dabei: „Ja, was hast du denn, meine arme kleine Zuckerschnecke? War die Mama wieder böse zu dir?“ Von nun an bist du Luft für den Experten, er hat nur noch Ohren für das, was dein Gerät zu sagen hat und am Ende heisst es dann, wenn du besser hingehört hättest, mehr Mitgefühl gezeigt hättest, mehr in die Beziehung investiert hättest, dann wäre es nie soweit gekommen. Vielleicht liesse sich noch etwas retten, aber nur, wenn du dich in Zukunft ändern würdest.

Weil es doch immer so läuft, fürchtete ich mich heute früh fast ein wenig vor dem Besuch des Experten, der sich angekündigt hatte, um zu sehen, ob die Beziehung zu unserem unfolgsamen Kühlgerät noch zu retten ist. Am Ende würde er doch wieder mir die ganze Schuld in die Schuhe schieben. Ja, vielleicht würde er gar damit drohen, mir das Sorgerecht für das Gerät zu entziehen…

Nun, für einmal sollte es anders laufen. Anfänglich sah es zwar noch ganz danach aus, als wolle der Herr mir weismachen, da bestünde gar kein Konflikt zwischen mir und dem Kühlschrank, doch ziemlich bald musste er erkennen, dass ich nicht ohne Grund gejammert hatte. Es sei ja wirklich eine Schande, wie verweichlicht diese Geräte heutzutage seien, meinte er. Die Hersteller würden zwar eine Lebensdauer von mindestens zehn Jahren versprechen, aber das gelte ja nur für Haushalte, in denen die faulen Dinger nie einen Finger krumm machen müssten. „Bei Ihnen aber“, sprach er und sah sich in meiner unordentlichen Küche um, „müssen die Geräte eben noch etwas leisten. Sie backen Ihr eigenes Brot, Sie kochen und waschen für eine grosse Familie und bestimmt müssen Sie auch ganz viele Lebensmittel kühlen. Da müsste man sich doch verlassen können auf die Helfer im Haushalt.“ Er schimpfte auf die nichtsnutzigen Dinger, schilderte mir ausführlich, mit welchen Tricks die Hersteller die Beziehungskrise zwischen Besitzer und Gerät programmieren und legte mir ans Herz, mich bei Neuanschaffungen auf gar keinen Fall von überteuertem Klimbim blenden zu lassen, denn das führe fast immer zu bitteren Enttäuschungen.

Als der nette Herr ging, war ich in zweifacher Hinsicht getröstet:

  1. Die vielen zerbrochenen Beziehungen zu Haushaltgeräten waren nicht meine Schuld. Ich bin also gar nicht so beziehungsunfähig, wie andere Monteure mir hatten weis machen wollen.
  2. Die Kluft, die sich zwischen dem Kühlgerät und mir aufgetan hat, weil es nicht leistet, was ich von ihm erwarte, ist überwindbar. Der Experte meint zwar, es brauche noch etwas Geduld von meiner Seite, aber sobald die Ersatzteile eingetroffen seien, werde er dafür sorgen, dass ich wieder neues Vertrauen fassen könne zu dem unzuverlässigen Mistvieh, das uns ausgerechnet mitten im Hochsommer im Stich gelassen hat. (Okay, ich geb’s ja zu. Diese letzten, nicht gerade konstruktiven Worte stammen von mir. Vielleicht muss ich doch auch noch ein wenig an mir selber arbeiten…)

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Darmgrippe-Profi

Neulich eine Erinnerung aus längst vergangenen Tagen: Es war einer dieser endlosen Dienstage. Dienstage waren bei uns immer endlos, denn dann traf sich „Meiners“ Lehrerkollegium zu nicht immer produktiven Sitzungen. Als unsere Kinder noch klein waren, hasste ich diese Dienstage wie die Pest, denn man konnte nie wissen, wann und in welcher Stimmung „Meiner“ nach Hause kommen würde. Einziger Lichtblick waren die Abende, an denen er mir von besonders wichtigen Sitzungstraktanden berichten konnte. Also zum Beispiel von der Episode, als zwei reich verheiratete, kinderlose Lehrerkolleginnen über die Frage debattieren wollten, ob sie auch verpflichtet seien, den vollen Jahresbeitrag von 25 Franken an die Kaffeekasse zu leisten, wo sie doch ihren Kaffee stets schwarz und ohne Zucker tränken. 

Aber kommen wir zurück zu diesem elenden Dienstag, den ich neulich auf einmal wieder so lebhaft in Erinnerung hatte. Karlsson war damals noch klein, Luise sehr klein und der FeuerwehrRitterRömerPirat winzig. Mitten in diese ohnehin schon anstrengende Situation platzte die Magen-Darm-Seuche, die mich mit heftigen Magenkrämpfen und Schwindelanfällen buchstäblich in die Knie zwang. Ich konnte ja meine Kinder keinen Augenblick aus den Augen lassen und so kniete ich jammernd und stöhnend auf dem Fussboden, versuchte die Knöpfe im Griff zu behalten und sehnte den Moment herbei, in dem „Meiner“ endlich auf dem weissen Pferd durch die Tür geritten käme, um mich zu erlösen. (Ich hab’s ja gewöhnlich nicht so mit schwächelnden Prinzessinnen und heldenhaften Prinzen, aber in diesem Fall konnte ich nicht anders.) Nun, irgendwann war er endlich da, ich überliess ihm die Kinder und gab mich ganz den Käfern hin, bis ich am nächsten Morgen wieder mit rebellierendem Magen und weichen Knien zum Dienst antrat.

So handgestrickt ging das damals bei uns noch zu und her. Heute handhabe ich so eine Magen-Darm-Geschichte natürlich viel professioneller. Selbstverständlich lasse ich mich schon längst nicht mehr überraschen von so etwas, denn heutzutage schleppen mir die Kinder – die ja immer unbedingt haben müssen, was alle andern auch haben – die Käfer ins Haus. Nach zwei oder drei Patienten weiss ich ziemlich genau, mit wie vielen Krankheitstagen zu rechnen ist und wie lange der Käfer braucht, um vom einen zum anderen zu wandern. So kann ich ziemlich präzise abschätzen, wann und wie lange es mich erwischen wird. Ausserdem habe ich heute natürlich viel mehr Zeit, auch nur beim kleinsten Bauchgrimmen in mich hinein zu hören, um zu spüren, was die Ursache für mein Unwohlsein sein könnte. Ein Luxus, den ich mir früher nicht erlauben konnte. 

Auf diese Weise vorgewarnt muss ich nur noch auf das erste Schwindelgefühl warten, das mir sagt, dass mir maximal 12 Stunden bleiben, ehe mich der Käfer ins Bett zwingt. Dies ist der Moment, in dem ich a) umgehend die Nahrungszufuhr einstelle, um mir selber zu ersparen, was den Kindern so zugesetzt hat und b) alles, was gerade ansteht, erledige. Also  zum Beispiel die fast überreifen Aprikosen zu Confiture verarbeiten, die Einmachgurken einkochen, den Sauerteig für Montag bereitstellen, die Küche aufräumen und im Garten das Allernötigste erledigen. Dann bleibt mir gerade noch genug Zeit, den Blogtext, der mir während der Arbeit im Kopf herum geschwirrt ist, in die Tasten zu hauen, ehe ich ausser Gefecht gesetzt bin.

Weil „Meiner“ inzwischen ähnlich professionell ist im Umgang mit den Käfern, stimmt er seine Seuchentage perfekt auf meine ab, so dass er bereits wieder halbwegs im Strumpf ist, wenn ich mich gezwungen sehe, das Bett aufzusuchen.

Selbstverständlich legen wir solche Episoden inzwischen auch stets in die Nähe des Wochenendes. Den Anfängerfehler, die Magen-Darm-Seuche an einem Dienstag an uns heranzulassen, begehen wir schon längst nicht mehr. Dienstag ist nämlich noch immer der Tag der Lehrersitzungen. (Da aber diese Sitzungen heutzutage von kompetenten Menschen geleitet werden, sind sie nicht mehr ganz so endlos, dass ich sehnsüchtig darauf warten müsste, bis „Meiner“ auf dem weissen Pferd über die Schwelle geritten kommt. Und inzwischen wäre sogar das eine oder andere Kind in der Lage, mich zu vertreten, bis er da ist, um den Laden zu übernehmen.)

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Getrennte Fernsehzeiten

In letzter Zeit kommt es mir vor, als herrschten bei uns zu Hause süditalienische Verhältnisse. Andauernd läuft die Glotze, die Theme-Songs der einzelnen Sendungen kenne ich schon fast auswendig, immer wieder werde ich herbeigerufen, weil die Fernbedienung streikt. Was ist bloss schief gelaufen bei uns? Sind „Meiner“ und ich auf unsere alten Tage etwa unseren Prinzipien untreu geworden? Sind wir ermüdet von dem ständigen Kampf um die Zeitbeschränkung? Haben wir resigniert im Kampf gegen die Werbespots, die Wünsche wecken, die kein Kind von sich aus haben würde?

Nicht unbedingt. Zwar sind wir nicht mehr ganz so streng wie früher, aber im Grossen und Ganzen gelten die gleichen Regeln wie immer schon: Eine oder zwei Folgen einer Kinderserie, dann ist Schluss. Werbung wird nach Möglichkeit umgangen, ganze Filme gibt es nur bei speziellen Gelegenheiten wie Krankheit, Kinoabend oder endlosen Regenperioden. 

Aber warum, um Himmels Willen, dröhnt trotzdem andauernd die Glotze im Wohnzimmer? Ganz einfach: Weil Prinzchen, Zoowärter und FeuerwehrRitterRömerPirat nicht gleich ticken wie Luise und Karlsson tickten, als sie in dem Alter waren. Die beiden Grossen schauten nämlich immer alles gemeinsam. Zuerst „Bob de Sou“… ääähm, ich meine „Bob de Boumaa“, später „Angelina Ballerina“ und schliesslich „Meine Schwester Charlie“. Auch Kinoabende waren leicht zu organisieren. „Nemo“ kam nicht in Frage, denn das war zu traurig, dafür kannten sie „Ein Zwilling kommt selten allein“ fast auswendig. Erst seit einiger Zeit glotzen Karlsson und Luise getrennt, er vorzugsweise schwedische Krimis und Biopics, sie himmeltraurige Teenie-Dramen. 

Wie das bei den drei Jüngeren entwickeln wird, will ich mir gar nicht ausmalen, denn schon heute bringen sie es nicht fertig, in friedlicher Eintracht mit glasigem Blick vor der Mattscheibe zu sitzen. Das Prinzchen liebt „Tim und Struppi“, der Zoowärter hasst sie und der FeuerwehrRitterRömerPirat mag sie nur, wenn sich gerade sonst nichts anbietet. Der Zoowärter liebt Pokémons, das Prinzchen hasst sie und der FeuerwehrRitterRömerPirat findet sie zwar lustig, zöge aber eigentlich „Puss in Boots“ vor. Manchmal möchte das Prinzchen aber auch Sport schauen, doch seine beiden Brüder würden nie und nimmer ihre kostbaren Fernsehminuten für so einen Mist opfern. Und dann erfrecht sich der FeuerwehrRitterRömerPirat gar hin und wieder, etwas sehen zu wollen, was erst ab zwölf freigegeben ist. 

Ich habe also die Wahl: Entweder, ich spiele jedes Mal die Mediatorin, um zwischen den verschiedenen Parteien zu vermitteln, oder ich gestatte getrennte Fernsehzeiten, damit jeder nach seiner Façon seine Zeit verschwenden glücklich werden kann. 

Darum kommt es mir vor, als lärme die Glotze bei uns schon fast so häufig wie bei Schwiegermama.

Na ja, immerhin sitzt bei uns jeweils einer da und schaut zu. Bei Schwiegermama plärrt das Gerät meistens ganz alleine vor sich hin. 

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Die Flut ist da

Das Schuljahr ist gerade mal zwei Tage alt und schon türmen sich bei uns wieder die Papiere. Alle haben sie uns etwas mitzuteilen. Der Schulleiter, die Hausaufgabenhilfe, die Kinderbetreuer, die lieben Menschen, die in den Herbstferien Zeit opfern werden, um die Kinder zu beschäftigen, die Gemeinde… Sie alle wollen sicher gehen, dass wir lesen, was sie uns zu sagen haben, also bekommt jeder unserer drei Primarschüler die Papiere in die Hand gedrückt. Ergänzend dazu natürlich noch einige Briefe, in denen die Klassenlehrer ihre Infos weitergeben. (Also die einzigen Zettel, die wirklich von Bedeutung wären, die aber leider in der Flut unterzugehen drohen.)

Ich find’s ja wirklich wichtig, dass man uns informiert und gegen den einen oder anderen Zettel, der hin und wieder ins Haus flattert, hätte ich ja auch nichts einzuwenden, aber wenn ich mich dran mache, den ganzen Stapel zu sortieren – „aufbewahren“, „nur ein Exemplar aufbewahren und die anderen entsorgen“, „unterschreiben und zurück in die Schule“, „ein Teil zurück in die Schule, den Rest aufbewahren“, „in den Kalender eintragen und entsorgen“, „keines Blickes würdigen und entsorgen“ – dann frage ich mich zuweilen schon, ob sich unsere Primarschule nicht vielleicht wenigstens ein winziges Schrittchen in Richtung digitales Zeitalter bewegen könnte. 

Na ja, vielleicht wäre die Facebook-Meldung „Lehrer xy hat dich zu seiner Veranstaltung ‚Elternabend 2016‘ eingeladen“ etwas gar informell, aber gesehen würde sie mit Sicherheit von sämtlichen Eltern. Wo doch Facebook schon längst zum weltumspannenden Mami-Treff verkommen ist. 

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Gerätechaos

Eine Sache, die wir nicht beachtet haben, als wir den Entscheid fällten, mehr als die durchschnittlichen 1.54 Kinder zu bekommen:

Zu jedem Kind kommt früher oder später ein Handy

zu jedem Handy kommt eine Nummer

zu jeder Nummer ein Anbieter

zu jedem Anbieter ein unüberschaubares Angebot an günstigen und weniger günstigen Abos und Prepaid-Deals.

Wenn du dich da mal durchgekämpft hast, fängt es erst richtig an mit dem Chaos, denn natürlich gibt es da noch

…unterschiedliche Betriebssysteme und somit dauernde Unklarheit, welchem Familienmitglied man Zugang zu welchen heruntergeladenen Inhalten verschaffen kann.

…E-Mail-Adressen, die im modernen Teenager-Alltag nur noch äusserst selten gebraucht werden, was dazu führt, dass immer im entscheidenden Moment das passende Passwort fehlt, weshalb plötzlich wieder Mamas Erinnerungsvermögen gefragt ist. (Als ob Mamas Gehirn ein Computer wäre, der solche Sachen stets abrufbereit hat. Und als ob Teenager ihren Eltern ihre Passwörter bekannt geben würden. Aber Mütter können selbstverständlich auch ins Verborgene sehen.)

…Ladekabel, die immer entweder unauffindbar, inkompatibel oder defekt sind.

…Akkus, die meist dann leer sind, wenn eigentlich ein anderer ganz dringend das einzige auffindbare, kompatible und intakte Ladekabel bräuchte, um den eigenen leeren Akku aufzuladen.

…den Wunsch nach einer Hülle, die nicht nur hübsch und unverwüstlich ist, sondern auch Schutz vor jedem nur denkbaren Missgeschick bietet, eine Hülle also, die es so nicht gibt, weshalb die Suche danach auch dann nicht zu Ende ist, wenn das Handy von einer halbwegs tauglichen Hülle umhüllt ist.

Darüber, welche Fragen der Zugang zu den grenzenlosen Weiten des Internets mit sich bringt, wollen wir gar nicht erst zu reden anfangen.

Und auch nicht darüber, dass ich bereits jetzt, wo erst drei von fünf mobil telefonieren, komplett den Überblick über die in unserer Familie versammelten Gerätschaften verloren habe. 

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Liegestuhl-Leben

Du bekommst ein paar Kinder und manche sagen nur: „Da habt ihr aber viel Arbeit.“

Du legst einen Garten an und manche sagen nur: „Das gibt aber unglaublich viel zu tun.“

Du entscheidest dich, Rosen anzupflanzen und manche sagen nur: „Bist du dir sicher? Rosen machen so viel Arbeit.“

Du kochst eine Suppe aus frischen Tomaten und manche sagen nur: „Das gibt ja so eine Sauerei.“

Du bäckst dein eigenes Brot und manche sagen nur: „Das ist aber ein furchtbarer ‚Chrampf‘.“

Du könntest dir auch Haustiere anschaffen, selber Käse machen, dein eigenes Geschirr töpfern, Gäste bekochen, ein Baumhaus bauen, ein Buch schreiben, ein Ehrenamt übernehmen oder sonst irgend etwas tun und sie würden nur sagen: „Ist ja nett, aber macht das nicht furchtbar viel Arbeit?“

Gerade so, als ob das Leben nur lebenswert wäre, wenn man es im Liegestuhl verschläft.

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Knauserig

Geizig bin ich ganz bestimmt nicht. Im Gegenteil. Wenn ich von einer Sache begeistert bin, macht es mir nichts aus, dafür etwas springen zu lassen. So kann sich mein Garten zum Beispiel absolut nicht über meine Knauserigkeit beklagen.

Noch viel weniger gehöre ich zu den Menschen, die andauernd darüber lamentieren, Kinder zu haben sei so furchtbar teuer. Ich führe nicht Buch darüber, wie viel uns die Knöpfe bis heute gekostet haben und ich werde auch nicht damit anfangen, wenn sich abzeichnet, dass es bei dem einen oder anderen noch etwas dauern kann, bis er sein eigenes Einkommen verdient. Klar, zuweilen sorge ich mich, ob wir das alles hinkriegen werden, aber es ist mir hundertmal lieber, mein Geld in die Zukunft der heranwachsenden Generation zu investieren, als mein Haus allmählich mit unnötigem Schnickschnack, der mir – angeblich – das Leben erleichtert, anzufüllen und mich mit Stammbaum-Katzen zu umgeben. 

Wenn ich aber, wie heute, eine ganze Stange Geld ausgeben muss, weil fünf Kinder ihren Turnsack ganz oder teilweise neu bestücken müssen, dann schmerzt mich trotz grosszügigen Ausverkaufsrabatten jeder einzelne Franken, der von unserem Konto abgebucht wird. Nicht, weil ich grundsätzlich etwas gegen Sport hätte – sofern ich ihn nicht betreiben muss -,  sondern weil ich beim besten Willen nicht einsehen mag, weshalb ein Turnschuh, der mit einem Schlenker oder drei Streifen versehen ist, so viel wertvoller sein soll als ein gewöhnlicher Turnschuh.

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Wer dient da eigentlich wem?

Das Kühlgerät, das nicht so kühlt, wie man es von ihm erwarten würde, obschon es andauernd vorgibt, es würde brav seine Pflicht erfüllen. Als wäre ich so blöd, ihm zu glauben, dass es ganze 12 Stunden braucht, um ein paar läppische Eiswürfel zu produzieren. (Wir haben es nun mit einer sanften Neupositionierung und der Entfernung aller mikroskopisch kleinen Eiskristalle, die laut Bedienungsanleitung gar nicht existieren dürften, ausprobiert, in der Hoffnung, diesen Sommer wenigstens einmal eisgekühlte Getränke geniessen zu können.)

Das Kochfeld, das seinen Dienst nur mit äusserstem Widerwillen tut und sogar zu faul ist, am Ende der mit mir vereinbarten Kochzeit laut vernehmlich zu piepsen.

Dafür eine Küchenuhr am Backofen, die andauernd hysterisch zu lärmen anfängt, obschon sie noch nie jemand eingestellt hat.

Der Spülkasten, der andauernd demonstrativ rauscht, um uns leise, aber dennoch ungemein penetrant darauf hinzuweisen, dass er wünscht, in den Ruhestand versetzt zu werden.

Die Kaffeemaschine, die trotz aufwändiger Entkalkungsprozedur bloss braun gefärbtes Wasser in die Tassen spuckt und die erst nach viel gutem Zureden endlich tut, wozu sie geschaffen ist.

Das Handykabel, das meinen Akku immer nur dann auflädt, wenn ich es sorgfältig auf eine leicht erhöhte Unterlage gebettet habe, um für den richtigen Knick zu sorgen, damit der Strom fliessen kann. (Nein, ich besitze dieses Kabel nicht seit einer halben Ewigkeit, wir sind gerade mal fünf Wochen miteinander unterwegs.)

Der Pürierstab, der sich in der Cremesuppe müde um die eigene Achse dreht, ohne auch nur den kleinsten Eierschwamm zur Unkenntlichkeit zu verarbeiten. Dabei wäre dies so dringend nötig, denn sonst erkennen die Pilzverächter in der Familie, was da alles in der Suppe schwimmt und essen nichts. 

Der Staubsauger, der nur saugt, wenn man ihm den Dreck vorher in winzige Stückchen teilt, weil er alles andere nicht schlucken mag. Wer da noch an das Märchen von der nie nachlassenden Saugkraft glaubt, ist grenzenlos naiv.

Der Haarföhn, der nur dann Haare trocknet, wenn er dazu in Stimmung ist, der sonst aber keinen Wank tut. 

Und sonst noch ein paar Geräte, die andauernd nach Pflege und Aufmerksamkeit schreien. Zuweilen frage ich mich, ob die wirklich dazu geschaffen sind, uns das Leben zu erleichtern, oder ob wir in Wirklichkeit ihre Sklaven sind.

Wetten, die lachen hämisch über uns, sobald wir am Ende eines Tages, an dem wir uns liebevoll um sie gekümmert haben, vollkommen erschöpft in unseren Betten liegen?

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Deine Ferien waren ein Erfolg, wenn…

…du nicht mehr weisst, welche Art von Kaffeemaschine du zu Hause hast. Auch nach längerem Nachdenken nicht mehr. (Na ja, immerhin bist du dir zu hundert Prozent sicher, dass es keine Nespresso-Maschine sein kann…)

…du froh bist, dass alle deine Arbeits-Passwörter gespeichert sind, weil du sie vor lauter Entspannung vergessen hast.

…du sehr lange nach einem Glas suchen musst, weil du beim besten Willen nicht mehr weisst, in welchem Küchenschrank sie untergebracht sind.

…du dir daheim erst einmal überlegen musst, wer in welchem Zimmer schläft, wenn der Zoowärter mitten in der Nacht laut weint und Hilfe braucht.

…du dich trotz vieler Stunden auf deutschen Autobahnen noch richtig ausgeruht fühlst.

…du denkst, das Schuljahr müsste doch längst wieder begonnen haben, weil das doch unmöglich bloss drei Wochen gewesen sein konnten, die ihr weg wart.

…dir erst zu Hause wieder einfällt, dass Geschirrspüler und Herd gerade dabei sind, den Geist aufzugeben.

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Peacemaker

Früher war’s ja noch einfach, wenn „Meiner“ und ich uns mal streiten wollten. Wir mussten einfach dafür sorgen, dass die Kinder ausser Hörweite waren und dann konnten wir einander all die bösen Dinge an den Kopf werfen, für die wir uns, sobald sich unsere Gemüter wieder etwas abgekühlt hatten, hundertmal entschuldigen mussten.

Irgendwann fingen die Kinder an zu spüren, dass da etwas im Busch war, also liessen sie uns keinen Moment aus den Augen, wenn dicke Luft herrschte. Ihre besorgten Blicke und die vorsichtigen Fragen, was denn los sei, waren nur schwer zu ertragen, also versuchten wir, unsere Streitereien hinter verschlossenen Türen auszutragen, was aber wenig half, da „Meiner“ und ich ziemlich temperamentvoll sind, wenn wir wütend sind.

Mit zunehmendem Alter begannen die Grossen, ihre Erzeuger etwas kritischer als auch schon zu betrachten und so fielen plötzlich Sätze wie: „Aber Mama, das kannst du Papa wirklich nicht vorwerfen.“ Oder: „Papa, du weisst genau, dass Mama das nicht so gemeint hat.“ Oder: „Hört endlich auf, das ist ja nicht zum Aushalten.“ Gar nicht so einfach, unter der Aufsicht solcher Kommentatoren einen Streit zu Ende zu führen, aber auch das kriegen wir noch irgendwie hin.

Dass wir uns irgendwann ganz tüchtig vor unserem Nachwuchs blamieren würden, war also schon seit einiger Zeit absehbar. Heute war es soweit. Da befanden sich „Meiner“ und ich in einer wüsten „Wenn du nicht so stur gewesen wärst, dann hätten wir…“-Zankerei, als Karlsson auf dem Hintersitz sprach: „Wisst ihr, was mich total nervt an euch? Da haben wir eben erst eine KZ-Gedenkstätte besucht und gesehen, wie schlimm das alles war und jetzt streitet ihr euch wegen irgend einem banalen Mist.“

Tja, was kann man da noch anderes tun als erst einmal beschämt zu schweigen und dann so rasch als möglich Frieden zu schliessen?

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