Wenn bloss die blöden Kieselsteine nicht wären…

Es sind nicht die grossen Brocken im Leben, die mir derzeit am meisten zu schaffen machen. Ich kann damit leben, dass es noch mehrere Wochen bis Monate dauern kann, bis „Meiner“ sich von seiner Krankheit erholt hat. Hauptsache, er kommt wieder auf die Beine und die Aussichten dafür sind gut. Natürlich treibt es mich an die Grenzen, dass die Hauptlast für Kinder und Haushalt in diesen Wochen auf meinen Schultern lastet, aber irgendwann haben wir ja gesagt zu „in guten wie in schlechten Tagen“ und „Meiner“ hat ja auch schon oft für mich geschleppt. Ich kann es verkraften, dass ich zu ausgelaugt bin für einen neuen Job. Klar, ich freue mich schon auf den Tag, an dem ich endlich wieder energiegeladen aus dem Bett springen werde, aber bis dahin nehme ich das Leben so ruhig wie das eben möglich ist.

Oder versuche es zumindest und genau da liegt das Problem: Mit den grossen Brocken wäre ich genügend ausgelastet und darum würde ich zu gerne auf die lästigen Kieselsteine verzichten, die in meinen Schuhen drücken. Die Flöhe, die sich ausgerechnet jetzt auf unseren Katzen niederlassen müssen und deren Bekämpfung viel Zeit erfordert. Die Panne beim Online-Banking, die mich dazu zwingt, die Rechnungen am Postschalter zu begleichen und eine neue „Smart Card“ zu organisieren. Der Geschirrspüler, der mal wieder nicht will, wie er sollte. Der heruntergerissene Duschvorhang, den ich erst dann wieder aufhängen kann, wenn ich die richtigen Ringe aufgetrieben habe. Prinzchens Weigerung, etwas anderes als grüne Hosen anzuziehen, wodurch jedes An- und Umziehen zum Machtkampf ausartet. Die Mandarinenschalen, welche die Kinder überall liegen lassen. Der Katzenkot hinter der Spielzeugkiste. Der Anruf, der genau dann kommt, wenn ich endlich mal auf dem Sofa liege. Der Autoschlüssel, der nicht dort ist, wo er sein sollte…

Lauter kleine Banalitäten, an die ich nicht mehr als einen Gedanken verschwenden sollte und die in diesen Tagen doch so oft dazu führen, dass ich laut werde. Nichtigkeiten, keiner Beachtung Wert und doch oft so gewichtig, dass meine Laune – und meine Familie – darunter leidet. Ich möchte mich nicht darüber aufregen und schaffe es doch nicht, cool zu bleiben. Vielleicht rauben mir die grossen Brocken doch mehr Energie, als ich wahrhaben möchte.

 

Dranbleiben

Heute Abend sind der innere Schweinehund und die brave Hausfrau mal wieder tüchtig aneinander geraten:

Innerer Schweinehund: „Ich mach dann mal Feierabend für heute. Das bisschen Hausarbeit kann ruhig bis morgen liegen bleiben.“

Brave Hausfrau: „Nichts da! Das ist genau die Haltung, die dazu führt, dass die Geschirr- und Wäscheberge in den Himmel wachsen. Du bleibst jetzt hier und wir bringen die Sache hinter uns.“

Innerer Schweinehund: „Aber ich muss mich doch schonen…“

Brave Hausfrau: „Und du denkst natürlich, sich zu schonen bedeutet, alles liegen zu lassen, bis man einen ganzen Tag braucht, um das Zeug wieder wegzuschaffen?“

Innerer Schweinehund: „Na ja, so ähnlich. Ich würde natürlich nicht warten bis Samstag, aber morgen ist auch noch ein Tag. Und ich bin ja so schrecklich müde.“

Brave Hausfrau: „So what? Müde bin ich auch und schonen tut man sich am besten, indem man jeden Tag brav seine Pflicht tut. Kleine Schritte erhalten die Gesundheit…“

Innerer Schweinehund: „Willst du wohl endlich die Klappe halten? Wenn ich nur schon das Wort Pflicht höre wird mir übel. Ich leg‘ mich dann mal hin…“

Brave Hausfrau: „Genau das wirst du nicht tun. Wir gehen jetzt nach oben und hängen die nasse Wäsche auf. Dann noch den Geschirrspüler einräumen, den Tisch sauber machen und die Grünabfälle entsorgen. In zwanzig Minuten sind wir fertig.“

Innerer Schweinehund: „Und du glaubst wirklich, dass ich die zwanzig Minuten noch durchhalten kann? Ich bin seit sieben Uhr ohne Pause auf den Beinen…“

Brave Hausfrau: „Ich wäre schon seit halb sieben auf den Beinen, wenn du mich nicht mir Gewalt im Bett festgehalten hättest. Denk dir mal, was wir in dieser halben Stunde alles hätten schaffen können…“

Innerer Schweinehund (verdreht die Augen): „Oh ja, ich kann es mir lebhaft vorstellen. Dann würden meine Füsse noch etwas mehr weh tun und das Schädelbrummen wäre noch heftiger.“

Brave Hausfrau: „Schluss jetzt mit deinem Gejammer. Bringen wir die Sache hinter uns, dann gibt’s heute einen frühen Feierabend und wir kommen morgen früher aus den Federn.“

Innerer Schweinehund: „Aber wir können doch jetzt nicht arbeiten. Sollten wir nicht lieber mit ‚Meinem‘ plaudern? Jetzt, wo er wieder zu Hause ist, möchte er bestimmt nicht, dass wir schon wieder anschleichen…“

Brave Hausfrau: „Jetzt, wo er wieder zu Hause ist, sollten wir erst recht für Ordnung sorgen, sonst glaubt er noch, er müsse zum Besen greifen. Du ruinierst seine Gesundheit, wenn du dich weiter verweigerst.“

Innerer Schweinehund: „Okay, dann komme ich halt. Aber wundere dich nicht, wenn es morgen in der Zeitung heisst: ‚Innerer Schweinehund mit Moralkeule zu Tode geprügelt‘.“

Ich muss das nicht alleine schaffen

Plötzlich ist es wie im Märchen. Ich überlasse mit schlechtem Gewissen mein ganzes Familienchaos meiner Schwester, um „Meinen“ im Spital zu besuchen – und um endlich aus diesem Arzt herauszupressen, was eigentlich los ist – und bei meiner Heimkehr glaube ich, mich im Haus geirrt zu haben. Alles glänzt, Prinzchens Kleiderschrank ist aufgeräumt, die Abfalleimer sind geleert und statt einer Schwester stehen plötzlich zwei da, dazu auch noch meine Mutter, Karlsson und Luise, mit Putzlappen bewaffnet. Sie haben das nicht so geplant, sind einfach zufällig gerade zusammengekommen und anstatt gemütlich Kaffee zu trinken machen sie sich dran, meinen Dreck zu beseitigen. Und versprechen, wieder zu kommen.

Ich habe mich noch kaum von meinem freudigen Schrecken erholt, da klingelt das Telefon und Schwester Nummer drei bietet an, morgen die kleineren Kinder durch den Wald zu jagen, wenn die grösseren aus dem Haus sind. Etwas später gehe ich kurz ins Büro, um eine Kleinigkeit zu erledigen und als ich zurückkomme, ist der Einkauf, den ich diese Woche habe liefern lassen, fein säuberlich verstaut. Wieder Karlsson, Luise und meine Mutter. Eine WC-Pause später hat sich Karlsson bereits an den Herd gestellt, um das Abendessen vorzubereiten. Luise versucht derweilen, ihrem grossen Bruder beizubringen, dass er einen kleinen Mist gebaut hat: „Ich möchte jetzt wirklich nicht mit dir streiten, Karlsson, aber das war nicht besonders schlau von dir, was du vorhin gemacht hast…“ Ist dies das gleiche Mädchen, das ich jeweils wegen seiner verletzenden Worte zurechtweisen muss? Als ich glaube, dass es besser nicht kommen könnte, bekomme ich noch einen Anruf, mit dem mir eine weiterer gewaltiger Stein vom Herzen fällt.

Ich denke zurück an den vergangenen Samstag, als ich auf meiner einsamen, verregneten Heimfahrt aus dem Tessin nur noch lauter Berge vor mir sah und zwar nicht nur St. Gotthard & Co. „Warum immer wir?“, klagte ich. „Warum ausgerechnet jetzt, wo ich ohnehin am Ende meiner Kräfte bin?“ Als ich „Meinen“ am Montag zitternd und schwankend in die Ambulanz einsteigen sah, fühlte ich mich einsamer als je zuvor. Wie sollte ich das Ganze ohne ihn schaffen, wo wir doch zu zweit schon an unsere Grenzen stossen?

Heute habe ich erfahren, dass ich es nicht alleine schaffen muss. Ich bin umgeben von Menschen, die alle ihre eigenen Grenzerfahrungen gemacht haben und die darum um meine Überforderung wissen. Menschen, vor denen ich mich nicht zu schämen brauche, auch wenn ich beim Anblick unseres derzeitigem Durcheinanders vor lauter Scham im Boden versinken könnte. Ja, es war mir unendlich peinlich, dass sie mein Chaos in all seiner Pracht gesehen haben und doch habe ich heute seit einer gefühlten Ewigkeit wieder einmal richtig aufgeatmet.

20121017-225543.jpg

Und schon wieder eine Hürde…

Seit gestern Morgen ist „Meiner“ im Spital. Fit war er schon seit längerer Zeit nicht mehr, dann aber kamen das hohe Fieber, die wirren Sätze und schliesslich die Ambulanz, die ihn ins Spital brachte. Nach einigen bangen Stunden des Wartens endlich der erlösende Bescheid, dass es zwar schlimm ist, aber nicht so schlimm, wie man insgeheim stets fürchtet, auch wenn man es natürlich nie und nimmer offen ausspricht. Aus Angst, dass es eintreffen könnte, wenn man es ausspricht? Oder weil man denkt, man könnte sich lächerlich machen? Ich weiss es nicht. Auf alle Fälle atmete ich auf, als endlich der erlösende Anruf kam. Seither leben wir einmal mehr irgendwo zwischen Familienchaos und Spitalzimmer, getragen von einem dichten Netz aus Verwandten, Freunden und Bekannten. Nicht gerade das, wovon man träumt, wenn man im weissen Kleid vor dem Altar steht, aber immerhin erlebt man einmal mehr, dass man nicht alleine ist.

Tagsüber geht’s ja auch ganz gut. Die Kinder halten mich auf Trab, das Telefon klingelt mehr als gewöhnlich und zwischendurch bekommt sogar der Haushalt ein wenig Zuwendung. Abends aber, wenn alles still wird und nur noch die Katzen und ich auf dem Sofa sitzen, dann kommen die Ängste angeschlichen. „Was, wenn die ganze Sache doch gefährlicher ist, als du dir weismachen willst?“, raunen sie mir zu. „Hast du denn nicht bemerkt, dass ‚Deiner‘ heute Abend wieder so schwach war und kaum essen mochte?“ „Bist du dir sicher, dass du den Ärzten trauen kannst? Immerhin haben sie ‚Deinen‘ nicht ins Spital deines Vertrauens gebracht…“

Solange alles hell und lebhaft ist, kann ich mir einreden, dass alles fast genau so ist wie immer. Wenn ich bei „Meinem“ am Krankenbett sitze und mit eigenen Augen sehen kann, dass es ihm zwar nicht gut, aber immerhin schon etwas besser als gestern geht, dann glaube ich, dass alles wieder gut kommt. Wenn aber die Tageszeit kommt, die wir gewöhnlich miteinander oder zumindest nebeneinander verbringen, dann spüre ich, wie verloren ich mich fühle ohne den Mann, der zwar nicht perfekt, aber dennoch der Mann meines Lebens ist.

20121016-225225.jpg

Lieblingsgeräusche

 Wenn der Deckel des Einmachglases knackt und mir damit klar und deutlich mitteilt, dass sich die ganze Arbeit gelohnt hat.

Das Schnurren der Katze, wenn kein Mensch sie berührt hat und sie es trotzdem nicht lassen kann. Einfach schnurren aus lauter Zufriedenheit, das muss man erst mal können.

Prinzchengesang in allen Lebenslagen, sei es beim Treppensteigen, morgens nach dem Aufwachen, beim Spielen – einfach immer und überall. Einfach nicht beim Essen, wenn ich bitten darf.

Das Schwingen der Waschmaschine, wenn ich weiss, dass es die letzte Ladung eines gigantischen Wäschebergs ist, die trockene Wäsche sauber gefaltet ist und am Wäscheständer noch Platz ist für die nassen Stücke. Kommt pro Jahr vielleicht drei- oder viermal vor.

Das wohlige Geräusch, das Kinder und Gäste von sich geben, wenn das, was ich gekocht habe, besser ist, als das Rezept hätte vermuten lassen.

Die Stimme des FeuerwehrRitterRömerPiraten, wenn er seinen kleinen Brüdern eine Geschichte vorliest.

Das Brabbeln eines sehr kleinen Babys. Wenn das nicht zu haben ist, gebe ich mich auch mit dem hungrigen Schreien eines Säuglings zufrieden. Zumindest, solange jemand in der Nähe ist, der das arme Kindchen füttern kann, bevor ich einen Milcheinschuss habe.

Die Tastatur, wenn der Text nur so aus den Fingern fliesst.

Das Knallen der Türe, aber nur, wenn die Wut gross genug ist und vor allem nur, wenn ich diejenige bin, die die Tür knallt. Aus gutem Grund, versteht sich.

Hummelgesumm. Alle anderen Insekten summen irgendwie nervtötend, aber Hummeln… einfach himmlisch.

Der letzte Ton, den die Motorsäge von sich gibt, ehe sie auf immer und ewig verstummt. Das gleiche gilt für Rasenmäher, Holzspaltmaschinen, Pressluftbohrer und Zithern – nicht aber für himmelblaue Autos, wenn sie in Varese auf einer Ausfahrtsstrasse stehenbleiben.

Wenn „Meiner“ lacht. So richtig. Wie damals, als er noch siebzehn war.

Und dann natürlich das hier, aber streng genommen gehört das wohl nicht in die Kategorie „Geräusche“.

Adieu, meine geliebten Tomaten

Es war ein schmerzhafter Moment, als ich gestern meine Tomatenpflanzen ausriss, nachdem ich die letzten, noch grünen, Früchte geerntet hatte. Tagelang hatte ich die Aufgabe vor mir hergeschoben, hatte gehofft, dass die Sonne vielleicht doch noch einmal so tut, als wäre es Sommer, aber irgendwann musste ich tun, was getan werden musste. Ein wenig Melancholie ist wohl immer dabei, wenn der Herbst allmählich grauer wird und einem unweigerlich bewusst wird, dass die sonnigen Tage gezählt sind, zumindest für ziemlich lange Zeit. Der Gedanke, dass zwischen dem Ausreissen der liebevoll gehätschelten Pflanze und dem Anpflanzen eines neuen Setzlings lange, dunkle Monate liegen, hat wohl für viele Menschen etwas Bedrückendes an sich. So bedrückend wie dieses Jahr war es für mich aber noch nie. 

Es waren ja auch keine gewöhnlichen Tomatenpflanzen, die ich da in den Grünabfall-Container beförderte, es waren meine Therapiepflanzen, von denen ich Abschied nehmen musste. Sie waren es, zu denen ich mich flüchtete, wenn ich das Gezanke der Kinder nicht mehr länger ertragen konnte, bei ihnen schnappte ich frische Luft, wenn ich mal wieder einen Käfer erwischt hatte und es nicht mehr länger im Bett aushalten konnte, bei ihnen heulte ich mich aus, als ich eine Reihe von Enttäuschungen zu verarbeiten hatte. Sie waren es aber auch, die mir immer wieder kleine Freuden bescherten. Ihr üppiges Wachstum, der Duft an den Händen, nachdem ich sie hochgebunden hatte, der Ansturm der Kinder, wenn ich ein paar besonders schöne Exemplare gepflückt hatte. Es mag ein trübes Licht auf meinen derzeitigen Zustand werfen wenn ich sage, dass diese Tomatenpflanzen der Lichtblick meines Sommers waren – aber so war es nun mal. 

Jetzt also sind sie weg, die letzten Früchte sind zu Konfitüre verarbeitet und mir bleibt nichts, als mich zu verwünschen, weil ich mir keinen standhafteren Garten-Therapeuten zugelegt habe. Hätte ich, wie Rose aus dem Comic, einen „let things be tree“, dann müsste ich jetzt nicht nicht weinerlich am Computer sitzen, sondern könnte draussen im Garten stehen und jammern.

To Do

  • „Meinen“ anschnauzen,  weil er für einmal nicht den perfekten Hausmann,  sondern den „ist mir doch egal,  wenn alles im Chaos ersäuft“-Ehemann gespielt hat
  • Dafür sorgen,  dass die männlichen Familienmitglieder nicht ohne Zahnpaste und Zahnbürsten nach Italien fahren
  • Alle männlichen Familienmitglieder morgens um sieben zum Bahnhof fahren,  damit sie den Zug nach Milano rechtzeitig erwischen
  • 3 Badezimmer putzen
  • 2 Küchen saubermachen
  • 4 Ladungen Wäsche waschen und aufhängen
  • Zahlreiche Kontrollanrufe an „Meinen“,  damit ich mir auch ganz sicher keine Sorgen um meine lieben Knöpfe machen muss
  • Unzählige Rechnungen bezahlen – Habe ich wirklich keine übersehen?
  • Euro besorgen
  • GPS befragen
  • „Meinen“ befragen,  ob ich morgen wirklich mit dem Auto nach Italien fahren soll
  • Schwiegermamma ver(un)sichern,  dass das schon irgendwie klappen wird
  • Kolumne schreiben
  • 4 mal den Geschirrspüler ein- und wieder ausräumen
  • 2 Kühlschränke putzen – Nein,  glaubt mir,  ihr wollt nicht wissen,  weshalb ich das unbedingt noch vor der Abreise tun musste.
  • So tun als ob ich Zeit hätte für ein Kaffeekränzchen mit Luise und Gast
  • Luise beibringen, dass ich bei diesem Sauwetter wirklich keine Lust habe,  mit ihr aufs Riesenrad zu gehen. Ist mir vollkommen egal,  dass das Ding auch bei Regen in Betrieb ist
  • Gottesdienstmoderation vorbereiten
  • 3 Tassen zerschlagen,  für einmal ganz ohne böse Absichten
  • Scherben von drei Tassen entsorgen
  • Unzählige Versuche,  Luise „Gregs Tagebuch“ zu entwinden,  damit ich endlich weiss,  warum sie das Buch nicht mehr aus den Händen gibt
  • Nur noch ganz kurz ein paar Minuten ins Büro gehen,  weil ich vor meinen Ferien noch eine klitzekleine Sache erledigen muss
  • Vor dem Schrank stehen und darauf warten,  bis der Koffer von selber rausfällt,  damit ich keinen Stuhl holen muss
  • Luise den „Ententanz“ vorsingen und danach erfolglos versuchen,  die Melodie wieder aus dem Ohr zu kriegen
  • Wach bleiben,  damit ich meine To Do-Liste bis zum bitteren Ende abarbeiten kann

Und ich grenzenlos naiver Mensch hatte doch tatsächlich geglaubt,  ich könnte mir heute einen netten Frauensamstag mit Luise gönnen…

Wiedermal ein paar Fragen

1. Ist ein Anflug von Schadenfreude erlaubt, wenn die Verurteiler der Nation auf einmal erkennen müssen, dass Begriffe wie Burnout, Mobbing und Krankschreibung keine Erfindung der Gebrüder Grimm sind?

2. Soll ich mich mit meiner Mutter freuen, wenn es ihr vergönnt ist, auf dem Haupt ihrer jüngsten Tochter die grauen Haare spriessen zu sehen? Oder soll ich mich heulend ins Badezimmer verkriechen und mir die Haare färben?

3. Auch nach einem Tag beobachten und Abtasten des Bauches bleibt die Frage: Leidet der FeuerwehrRitterRömerPirat an Verstopfung, hat er eine Blinddarmentzündung oder möchte er mir etwas Wichtiges mitteilen?

4. Schaffen es meine Tomaten noch, oder muss ich mich allmählich nach Rezepten für Marmelade aus grünen Tomaten umsehen?

5. Darf man einem Menschen schonend beibringen, dass man über gewisse Themen nicht mehr mit ihm reden möchte, oder ist es besser, jedes Mal das Thema zu wechseln, wenn er wieder davon anfängt?

6. Wie bringe ich „Meinen“ dazu, zu diesem Räucherofen ja zu sagen, den ich neulich so günstig auf Ricardo gesehen habe?

7. Haben wir unseren Jüngsten zu sehr verwöhnt, oder ist es nur eine Phase?

8. Hat man einen Knacks, wenn man vor der zweiten Klassenzusammenkunft schlecht träumt? Dass man sich vor der ersten fürchtet, ist ja eigentlich klar, aber sollte man die zweite nicht ganz gelassen angehen können?

9. Wird es in Italien noch gleich sein wie letztes Jahr, oder ist jetzt, wo man so viel über den Niedergang liest, alles noch chaotischer geworden?

10. Mal angenommen, ein sehr lieber Mensch schenkt dir acht Gutscheine für nahezu-gratis Schifffahrten, die er von einer sehr verrufenen Grossbank erhalten hat. Nimmst du die Gutscheine dankend an, oder sagst du: „Ist ja wirklich lieb gemeint von dir, aber von denen lasse ich mich nicht um den Finger wickeln.“?

11. Darf man um diese Zeit noch mit dem Stabmixer hantieren oder muss ich die Gabel nehmen?

Offen

Jetzt, wo es offiziell ist, dass ich ab Ende November wieder hauptsächlich Hausfrau sein werde, kommen allmählich Zweifel auf, ob das gut kommen wird. Nein, ich bezweifle nicht, dass es der richtige Entscheid war, meinen Teilzeitjob zu künden. Wenn Familie, Job und Ehrenamt insgesamt mehr von dir abverlangen, als deine Gesundheit verkraften mag, dann ist es an der Zeit, zu ändern, was sich ändern lässt. So viel ist mir inzwischen klar geworden.

Alles andere aber ist momentan ein einziges, grosses Fragezeichen. Wird mir die Decke auf den Kopf fallen, wenn ich wieder mehr zu Hause bin, oder werde ich die neu gewonnenen Freiheiten geniessen können? Finde ich den Weg zurück ins Schreiben? Wird mir das endgültige Loslassen gelingen, oder falle ich zuerst einmal in ein Loch? Suche ich mir einen neuen Job, oder wird mich eine neue Aufgabe finden, wie es in meinem Leben schon so oft der Fall war? Werde ich mich Hals über Kopf in ein neues Abenteuer stürzen, oder bleibe ich meinem Vorsatz treu, zuerst einmal zur Ruhe zu kommen und zu sehen, was daraus entsteht? Ist das Hausfrauendasein noch immer so unerträglich für mich, oder komme ich jetzt, wo die Kinder grösser sind, besser damit klar? Soll ich am Ende gar etwas ganz Neues wagen? Eine Weiterbildung, zum Beispiel?

Oh ja, ich wünschte, zumindest auf eine dieser Fragen bereits eine Antwort zu haben. Gleichzeitig aber bin ich auch froh, dass noch so vieles offen ist – offen für Neues, was auch immer es sein wird.

Aber doch nicht jetzt

Liebe Katholiken, nehmt mir es bitte nicht übel, wenn ich mit einer kleinen Frage an euch herantrete: Würde es euch vielleicht etwas ausmachen, eure Heilige Jungfrau in Zukunft nicht mehr am 15. August in den Himmel auffahren zu lassen? Glaubt mir, ich respektiere es, dass euch dieser Tag heilig ist, auch wenn ich Maria etwas weniger verklärt sehe als ihr. Aber müsst ihr sie ausgerechnet am 15. August feiern?

Dieser Tag ist denkbar ungeeignet für einen Feiertag. Kaum hat die Schule angefangen, haben unsere Kinder wieder frei und ich weiss beim besten Willen nicht, wie ich die Wohnung nach fünf Wochen ohne Putzfrau auf Vordermann bringen soll, wenn schon wieder alle den halben Tag im Pyjama herumlungern und mich anflehen, endlich ins Schwimmbad zu kommen. Und nächstes Jahr wird’s noch mühsamer, weil der 15. ein Donnerstag sein wird und dann machen die bestimmt gleich wieder ein verlängertes Wochenende draus. Wer braucht denn so kurz nach den Ferien so viel Erholung? Nun ja, wir Mütter vielleicht, die wir fünf Wochen lang für Unterhaltung gesorgt haben. Wie aber sollen wir uns erholen, wenn schon wieder alle unterhalten werden wollen?

Gut, man könnte vielleicht auch anregen, dass die Schule die Sommerferien so legt, dass Mariä Himmelfahrt in die schulfreie Zeit fällt. Das Problem ist nur, dass sich die Schule ziemlich schwer tut mit solch einschneidenden Veränderungen. Ihr aber, meine lieben Katholiken, seid bestimmt flexibel genug, euren Feiertag in Zukunft an einem günstigeren Datum zu begehen. Am liebsten irgendwann zwischen September und März, wenn weit und breit kein Feiertag in Sicht ist, der als kleine Verschnaufpause taugt. (Nein, Weihnachten zählt nicht, denn da kann von verschnaufen nicht die Rede sein.)