Hinder em Huus und vorem Huus – Ein Loblied auf die Beschaulichkeit

Zuweilen gerate ich bekanntlich in Gefahr, meinen Familienalltag durch die rosarote Brille zu betrachten. Hier ausnahmsweise mal ein vollkommen realistischer Beitrag über einen ganz gewöhnlichen, heissen Dienstagnachmittag im August:

13:30 Uhr: Luise und Karlsson sind in der Schule, das Prinzchen hat sich mit seinem Kakao zurückgezogen, der Zoowärter und der FeuerwehrRitterRömerPirat spielen friedlich. Also beste Voraussetzungen, um mich ans Einmachen der Tomaten zu machen. Schnell einen grossen Topf Wasser aufsetzen, die Tomaten kreuzweise einritzen und blanchieren. Wenn das so weitergeht, kann ich in zwanzig Minuten mit Einfüllen und Sterilisieren anfangen.
13:40 Uhr: Der Zoowärter will einen Freund einladen, das Prinzchen schreit im Garten nach seinem besten Freund, der gegenüber wohnt, der FeuerwehrRitterRömerPirat fragt mich alle zehn Sekunden, wann denn endlich seine erste Trompetenstunde anfange.
14:00 Uhr: Das Wasser siedet, die Tomaten sind aber noch nicht fertig eingeritzt, der Zoowärter lädt seinen Freund auf 14:30 Uhr ein, der FeuerwehrRitterRömerPirat will immer noch wissen, wann die Trompetenstunde beginnt, das Prinzchen hat seinen Freund noch nicht gefunden und jetzt will auch der Zoowärter wissen, wann sein Freund endlich kommen werde.
14:30 Uhr: Prinzchens Freund ist endlich aufgetaucht, Zoowärters Freund kommt mit Mama und kleinem Bruder, was ich schamlos für einen ausgedehnten Schwatz neben dem Tomatenschälen – die Dinger sind jetzt endlich soweit – ausnütze. Der FeuerwehrRitterRömerPirat fühlt sich vernachlässigt und fängt an, die anderen zu nerven.
15:15 Uhr: Karlsson kommt nach Hause und will singen und zwar nicht wie üblich schön und rein, sondern laut und falsch.
15:25 Uhr: Die Mama von Zoowärters Freund bietet sich an, auf die Kinder aufzupassen, währenddem ich den FeuerwehrRitterRömerPiraten – endlich! – zur Trompetenstunde fahre. Das Prinzchen heult, weil ich ihn nicht mitnehme. Auf dem Weg fällt mir ein, dass ich noch das Geld für das Notenheft hätte mitbringen sollen. Na dann, machen wir eben gleich beim ersten Mal einen schlechten Eindruck. Das können wir also abhaken.
15:35 Uhr: Die Mama von Zoowärters Freund geht nach Hause. Weil alle so nett und friedlich miteinander spielen, lade ich den kleinen Bruder zum Bleiben ein. Stand der anwesenden Kinder zu diesem Zeitpunkt: 3 Vendittis, 1 bester Freund für das Prinzchen, 1 bester Freund für den Zoowärter, ein kleiner Bruder des besten Freundes. Kein Problem, wo sie doch alle so nett zueinander sind.
15:40 Uhr: Eine Fehde zwischen den Kindergartenjungs und den Vorschulkindern bricht aus. Die Grossen jagen die Kleinen ums Haus, mal sind alle hinten, mal vorne und ich bin nie dort, wo es gerade brennt. Die Nachbarn von gegenüber kommen vollkommen übernächtigt aus den Ferien zurück, kurzer Austausch über das Wetter hier und in Bosnien, über die lange Fahrt und die Hochzeit der Tochter. Von gegenüber ruft die Grossmutter von Prinzchens Freund. Prinzchens Freund stellt auf stur und bittet mich, mit seiner Grossmama zu verhandeln, damit er länger bleiben kann. Gar nicht so einfach, wo sie kein Deutsch spricht und ich kein Marokkanisches Arabisch.
16:00 Uhr: Luise kommt nach Hause, berichtet mir über Zoff in der Schule. Wenige Augenblicke später kommt der FeuerwehrRitterRömerPirat mit seiner neuen Trompete. Er spielt „Oh Tannenbaum“, alles auf einem Ton und sehr laut. Die Nachbarn eilen ans Fenster, stellen mit Entsetzen fest, dass Vendittis jetzt auch noch eine Trompete haben. Eine andere Nachbarin kommt auf dem Velo vorbei, bleibt auf einen Schwatz, auf dem Gartentisch klingelt das Telefon und ich bin nicht schnell genug. Karlsson informiert mich, dass er nach der Geigenstunde gleich ins Schwimmbad und danach zu den Pontonieren gehen wird, dann ist er weg, dafür kommt der beste Freund des FeuerwehrRitterRömerPiraten überraschend zu Besuch. Luise telefoniert derweilen mit der besten Freundin. Leider kann sie heute nicht mehr vorbeikommen.
17:00 Uhr: Meine Mutter möchte mit dem Auto in die Garage fahren, zuerst müssen aber alle Traktoren, Trottinetts, Bälle und Kinder aus dem Weg. Dazwischen muss noch der Schwatz mit der Nachbarin beendet werden. Das Prinzchen heult, weil wir seine Baustelle zerstören, die Grossmama von gegenüber möchte den Enkel abholen, aber dieser weigert sich und beisst ihr in die Hand.
17:15 Uhr : Plötzlich ist alles still. Die ganze Horde ist im Spielzimmer meiner Mutter verschwunden, einzig Luise, der kleine Bruder des besten Freundes und ich sind noch im Garten. Wir versuchen herauszufinden, ob der Kleine aufs WC muss, oder ob er Hunger hat. Luise bringt ihn schliesslich dazu, aufs WC zu gehen. Währenddem er sitzt, sehe ich draussen die Grossmama, die verzweifelt ihren Enkel sucht. Weil ich ihr nicht erklären kann, wo er ist, locke ich den Jungen aus dem Spielzimmer und schleppe ihn auf den Balkon, wo ich ihn so hoch wie möglich halte, damit die Grossmama ihn sehen kann. Sie sieht ihn nicht, die Bäume tragen zu viel Laub. Zoowärters Freund und Bruder werden abgeholt, kurzer Schwatz mit den Eltern, dann schnell hinters Haus, damit ich der verzweifelten Grossmama beweisen kann, dass ihr Enkel nicht entführt worden ist. Da jetzt auch der Vater des Jungen zu Hause ist, können wir eine Zeit vereinbaren, wann er nach Hause muss. Ich zeige den Jungen auf der Uhr, wann er gehen muss, er zeigt mir, wann er gehen will, nämlich etwa drei Stunden später.
17:30 Uhr: Zurück im Spielzimmer meiner Mutter. Alles ist friedlich, der FeuerwehrRitterRömerPirat spielt wieder „Oh Tannenbaum“, inzwischen schon auf zwei Tönen und so laut, dass meine Mutter und ich nicht reden können. Wir bitten ihn, etwas leiser zu sein, er ist verständlicherweise eingeschnappt, ich kann mich aber nicht darum kümmern, weil ich jetzt Prinzchens Freund davon überzeugen muss, dass er nach Hause muss.
17:50 Uhr: Allmählich kehrt Ruhe ein, es sind nur noch ein bester Freund und vier Vendittis zu betreuen, Karlsson ist noch nicht zurück. Der beste Freund des FeuerwehrRitterRömerPiraten, der gewöhnlich ganz gut Deutsch spricht, versteht uns plötzlich nicht mehr, als wir ihn fragen, wann er denn nach Hause müsse. Also isst er bei uns Tomatensuppe – zum Einmachen bin ich nicht mehr gekommen – und ich hoffe mal, dass das so in Ordnung ist. Zu Hause anrufen möchte er nämlich nicht und da ich leider keine der neun Nationalsprachen Eritreas spreche, kann ich es nicht für ihn erledigen.

Nach diesem beschaulichen Tag habe ich nur noch einen Wunsch: So schnell als möglich die verschiedenen Sprachen Afrikas zu lernen, damit ich weiss, wann ich welches Kind wieder zu Hause abliefern muss. Die internationale Atmosphäre im Spielzimmer möchte ich nämlich auf gar keinen Fall mehr missen.

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Souvenirs

Okay, dass ich mich in einer ausgeprägten „Trautes Heim, Glück allein“-Phase befinde, ist mir natürlich schon längst aufgefallen. Wie schlimm es aber tatsächlich um mich steht, habe ich erst gestern bemerkt. Ziehe ich gewöhnlich in jeder Stadt von Buchladen zu Buchladen, fand ich mich hier in Strasbourg beim Geschäft mit den Küchenschürzen wieder. Und ich bewunderte nicht das Modell mit dem topmodernen Cupcakes-Aufdruck, sondern die altmodischen mit den Störchen und den Bauernmägden, die Schürzen mit dem praktischen Knopf, an dem man ein Küchentuch befestigen kann. Nun ja, ich kann mir einreden, dass ich das Cupcakes-Modell nur deshalb kaum beachtete, weil es 35 Euro kostete, aber wenn ich ganz ehrlich zu mir bin, dann muss ich gestehen, dass es das Küchentuch war, das mein Herz höher schlagen liess. Wie praktisch, ein Küchentuch, an dem man die Hände abwischen kann, damit die Schürze sauber bleibt…

Zuerst glaubte ich selber noch an einen Scherz, als ich zu „Meinem“ sagte, ich würde mir eine Schürze kaufen, aber spätestens als ich mit Luise darüber diskutierte, ob wir uns beide eine kaufen sollten und ob es nicht schön wäre, wenn wir beide die gleiche hätten, wusste ich, dass es kein Zurück mehr gab. Da stand nicht mehr die berufstätige Mutter, die sich einen Dreck darum schert, dass der Haushalt im Chaos versinkt, sondern die altmodische Hausfrau, die ihre Butter selber macht, die Müesli-Mischung und die Essiggurken. Diese altmodische Hausfrau, die sich in letzter Zeit immer öfter in den Vordergrund drängt, wenn wieder mal alles zuviel wird. Die Hausfrau, die beinahe in Freudentränen ausbricht, wenn sie ihren ersten hausgemachten Mozzarella serviert, die ihre Kinder nervt mit ihrem „Riecht mal an diesem Joghurt. Diese Frische, diese zarte Süsse, dieses Aroma!“. Die Hausfrau, die in Strasbourg keine Bücher kauft, sondern eine Küchenschürze mit Geschirrtuch, dazu noch passende Topflappen und ein geschnitztes Buttermodel.

Jetzt, wo mein Kaufrausch überstanden ist und ich mir meine Einkäufe genauer ansehe, wird mir ein wenig mulmig. Steckt in mir drin doch mehr Hausfrau als mir lieb ist, war das einfach ein kleiner Ausrutscher – so wie man vielleicht mal ein Buch kauft, das einem leicht peinlich ist- , oder stecke ich am Ende in einer Midlifecrisis?

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Der perfekte Geburtstagskuchen

Damit das Rezept gelingt, müssen zuerst einmal die Grundvoraussetzungen stimmen. Am besten funktioniert es mit einem Kind, das mitten in den Sommerferien das Licht der Welt erblickt hat. Nur so hat man die Garantie, dass man beide Hände frei hat zum Backen. Sonst hält man ja immer in der einen Hand den Teigschaber, in der anderen das Telefon, oder den Stift, um eine Prüfung zu unterschreiben, oder eine von Fruchtfliegen umschwärmte Kindergartentasche, aus der man eine zerquetschte Banane herausfischen muss, ohne dabei das Eiweiss für den Kuchen zu verunreinigen.

Nun aber zum Rezept: Man nehme einen Samstag, an dem ausser Kuchen backen, Chutney einkochen, Fruchtfliegen vertreiben und Kinder nach einer Woche Ferienlager in Empfang nehmen nichts auf dem Programm steht. Dies vermengt man mit einer übermüdeten und deswegen sehr relaxten Mama Venditti, die alles um sich herum vergisst, wenn sie nur den perfekten Eischnee schlagen kann. Ein Papa Venditti, der für einmal nicht motzt, die Geburtstagsvorbereitungen seien vollkommen übertrieben, sondern stattdessen brav die Geschenke einpackt, verleiht dem Kuchen das gewisse Etwas. Eine Rezeptvariante sieht vor, dass man zum ersten Mal im Leben zur idealen Lebensmittelfarbe greift, welche das Marzipan nicht in eine klebrige, unappetitliche Schmiere, sondern in einen saftig grünen Fussballrasen verwandelt. Dies muss nicht unbedingt so sein, der Kuchen wäre auch mit der klebrigen, unappetitlichen Schmiere geniessbar, es trägt aber erheblich zu Mama Vendittis guter Laune bei, wenn beim Servieren nicht alles an Messer, Tortenschaufel und Fingern kleben bleibt. Glasiert wird das Ganze mit der Abwesenheit des Geburtstagskindes, denn ohne die gewöhnliche Überdosierung an „Liebstes Geburtstagskind, geh doch bitte endlich aus der Küche denn sonst ist die Überraschung im Eimer“ wird der Kuchen viel bekömmlicher.

So also bäckt man den perfekten Geburtstagskuchen. Schade, dass die Zutaten nur während der Sommerferien erhältlich sind und dass der FeuerwehrRitterRömerPirat das einzige Familienmitglied ist, das in weiser Voraussicht dann zur Welt gekommen ist, wenn der Alltag für einige Augenblicke innehält.

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Glücklichkochen

Nach viel zu wenig Schlaf, einem absolut frustrierenden Tag und einem ausgiebigen Bad im Selbstmitleid habe ich heute nur dies zu sagen: Danke, Mama 007, für die Empfehlung meines neusten Selbsthilfeschmökers, äääähm, ich meine natürlich, der neusten Ergänzung meiner Kochbüchersammlung:

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Ich glaube, ich schliesse mich für die kommenden drei Monate in meiner Küche ein, lasse mir regelmässig frische Zutaten durchs Fenster reichen und komme erst wieder raus, wenn ich mich glücklichgekocht habe.

Eingemacht

Je sommerlicher es draussen wird, umso mehr packt mich die Leidenschaft für die hauseigene Lebensmittelproduktion. Kaum hat das neue Dörrgerät in unserer Küche Einzug gehalten, schaue ich mich nach einem Dampfentsafter um. Vielleicht wäre es auch ganz spannend, wenn ich den alten Einmachautomaten meiner Mutter reaktivieren würde. Weckgläser haben wir ja noch in rauen Mengen im Keller herumstehen. Ach ja, und jetzt, wo die Wachteln so fleissig Eier legen, könnte man vielleicht doch die Vermehrung der Tiere ins Auge fassen. Wo wir doch ganz wider Erwarten einen Hahn im Gehege haben… Und steht da nicht diese mechanische Saftpresse in der Garage? Die könnte mir im Herbst noch gelegen kommen. Neulich habe ich mich schon mal schlau gemacht, ob es eine Weiterbildung im Haltbarmachen von Lebensmitteln gibt. Es gibt sie. Vielleicht wäre das ja ein Projekt für den Winter? 

Ich nehme mal an, in den kommenden Wochen werde ich mehrheitlich in der Küche, im Garten, auf dem Wochenmarkt und bei Ricardo beim Aufstöbern von Küchengadgets anzutreffen sein. Wo wir gerade bei den Gadgets sind: Da habe ich doch neulich etwas ganz Ausgefallenes entdeckt, etwas, was es in meinem Haushalt noch nicht gibt und was meines Wissens auch nirgendwo im Keller rumsteht. Das Ding nennt sich Küchenwaage und man sagt mir, dass es bei gewissen Gelegenheiten ganz praktisch sein kann, es zur Hand zu haben. Was meint ihr, treibe ich es mit meinem Küchenwahn auf die Spitze, wenn ich mir eine zulege?

Also doch eine Hausfrau

Wer mich kennt und wer hier mitliest, der hat vielleicht schon mitbekommen, dass ich nicht gerade eine begeisterte Hausfrau bin. Die Sache ist mir einfach nicht spannend genug, um über Jahre hinweg meine Aufmerksamkeit zu fesseln. In letzter Zeit aber ist mir bewusst geworden, dass ich die Sache differenzierter betrachten muss. Ich bin einfach keine moderne Hausfrau.

Die moderne Hausfrau nämlich hat dafür zu sorgen, dass Reiheneinfamilienhaus, Wäsche, Kinder und Hund in tadellosem Zustand sind, so dass jederzeit ein Filmteam von Procter&Gamble unangemeldet einfallen könnte, um eine Serie von Werbefilmen zu drehen. Da kann ich leider nicht mithalten – höchstens vielleicht für die abschreckenden „vorher“-Bilder – und ich will es auch nicht.

Mit einem anderen Pflichtenheft hingegen kann ich mich durchaus für den Hausfrauenberuf begeistern, zumindest in einem Teilpensum. Man gebe mir ein paar Pflanzen zu hegen, eine Familie und Freunde, die mit mir die Ernte geniessen, einige Einmachgläser, die ich mit dem Überschüssigen füllen kann, Rezeptbücher und -datenbanken für die Inspiration, die Zeit, herauszufinden, wie man aus wenig viel macht und wie man Lästiges mit natürlichen Mitteln los wird und ich bin der glücklichste Mensch auf Erden.

Da bin ich dann plötzlich bereit, altmodische Bücher mit Tipps zur Haushaltsführung wälzen und das ist wohl genau das Stichwort: altmodisch. Ich bin keine moderne Hausfrau zum Herzeigen, sondern eine altmodische, die mit dem arbeiten will, was die Natur hervorbringt. Kaum etwas macht mich so glücklich wie ein Vorratsschrank voller Köstlichkeiten, die ich selber hergestellt habe, ein einfaches Dessert, das dank einiger im Wald gesammelter Holunderblüten zur Delikatesse wird, ein warmes Brot, das im eigenen Ofen gebacken wurde, das gute Gefühl, von der Quitte sogar die Schalen verwertet zu haben. Also ganz eindeutig altmodisch.

Klingt alles sehr idyllisch, nicht wahr? Nun ja, das ist es auch, bis zu dem Punkt, wo es darum geht, nach der Ernte- und Kochorgie die Ordnung wieder herzustellen. Einen netten Menschen, der hinter mir herräumt und alles wieder einigermassen präsentabel macht, habe ich nämlich noch nicht gefunden. Und so altmodisch, dass ich nach getaner Arbeit die Hühner und Schweine durchs Haus treibe, damit sie das Heruntergefallene beseitigen, bin ich dann auch wieder nicht.

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Nun übertreibt mal nicht

Diese Woche koche ich Österreichisch. Dazu gibt es keinen bestimmten Grund, ausser vielleicht den, dass ich seit einiger Zeit dem Menüplan unter ein bestimmtes Thema stelle  um mir die mühselige Rezeptsuche zu erleichtern und mir diesmal einfach nichts Besseres eingefallen ist. Zur Abwechslung mal Marillenknödel, Zillertaler Krapfen & Co.  War gar nicht so einfach, diesen Menüplan zu erstellen, man kann ja nicht alle Tage Mehlspeisen essen. Oder Wiener Schnitzel.

Wobei das mit den Schnitzeln eine ziemlich komplizierte Angelegneheit ist. Was mir als Vegetarierin aus der Schweiz als ganz banales Stück Kalbfleisch in Panade erscheint, ist bei unseren Nachbarn offenbar Staatsreligon Nummer zwei. Das merkt man schon bei der Auswahl des Rezepts.  Mache ich das „Echte Wiener Schnitzel“,  das „Original Wiener Schnitzel“ oder „Wiener Schmitzel – das Original“? Jedem Rezept kann ich entnehmen, dass aus der Sache nur etwas werden kann, wenn man die Anweisungen sklavisch befolgt. Offen gestanden sind von blossem Auge kaum Unterschiede erkennbar, aber was weiss ich denn schon?

Eigentlich könnte mir das mit der Perfektion ja egal sein, denn ich habe nicht im Sinn, von dem Zeug auch zu essen. Aber als auf Transparenz bedachter Mensch will ich keinen Etikettenschwindel begehen und den Kindern etwas auftischen, was den Namen nicht verdient. Ausserdem fürchte ich mich davor, dass plötzlich ein Österreicher in meiner Küche steht – keine Ahnung, woher der kommen soll – und mir eins auf die Finger gibt, weil ich mich nicht genauestens an die Vorschriften gehalten habe.  Oh nein, ich bin nicht vollends durchgedreht, nur leicht eingeschüchtert ob all der Kommentare zu den Rezepten: „Die Panade unter gar keinen Umständen andrücken!“, „Ohne Schweineschmalz wird das gar nichts!“, „Ha! Das soll das Originalrezept sein? Und wo bleibt das Öl, mit dem das Ei vermischt wird?“, „Ihr spinnt ja wohl! Das Salz gehört nie direkt aufs Fleisch.“ So ähnlich geht das endlos weiter und am Ende könnte man meinen, ein Wiener Schnitzel könne nur derjenige zubereiten, der a) in Wien zur Welt gekommen ist, der b) seinen Stammbaum lückenlos bis zur ersten Wiener Türkenbelagerung zurückverfolgen kann und der c) eine Oma hat, die ihn vom ersten Atemzug an mit perfekt gebratenen Schnitzeln vollgestopft hat.

Keine Chance also, das ich die Sache richtig hinkriege. Darum habe ich einfach so getan, als würde ich ganz gewöhnliche panierte Schnitzel zubereiten und man sagt mir, sie seien gar nicht so schlecht gewesen. Aber glaubt bloss nicht, ich würde an dieser Stelle verraten, nach welcher Methode ich vorgegangen bin. Sonst wimmelt es hier schon bald von sehr vielen Kommentaren über die alleinseligmachende  Methode, ein Wiener Schnitzel zuzubereiten.

 

Von wem hat er das bloss?

Gut, ich geb’s ja zu: Die Sauerei im Haus war so gross, dass die Kinder wohl geradezu erleichtert waren, dass wir sie heute dazu verknurrten, uns eine Stunde lang beim Aufräumen zu helfen. Was nach dieser Stunde noch nicht erledigt sei, würden wir Eltern dann selber machen, versprachen wir. Nein, wir wollten damit nicht unsere Kinder schonen, sondern unsere Nerven, denn gewöhnlich ist das ewige „Nun macht schon! Nur noch staubsaugen, Wäsche aufhängen, Altglas entsorgen, Spielsachen einräumen, Fenster putzen, Geschirr verräumen und Fussboden fegen, dann sind wir fast fertig…“ anstrengender als die Arbeit an sich. Darum die Zeitlimite.

Für einmal also verlief die Aufräumerei friedlich und ziemlich zackig. An gewissen Stellen konnte man nach einer Stunde bereits den Fussboden wieder sehen. Dann die grosse Überraschung: „Darf ich bitte noch ein wenig weitermachen?“, wollte Karlsson wissen, nachdem sich seine Geschwister im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Staub gemacht hatten. Nun ja, ein solch einmaliges Angebot sollte man nicht ausschlagen und so erlaubten wir unserem Ältesten ausnahmsweise, etwas mehr Hausarbeit als vorgeschrieben zu erledigen. Und so legte sich Karlsson mit Möbelpolitur, Fensterputzmittel, Mopp und Putzeimer ins Zeug als ginge es darum, einen Pokal zu gewinnen.

Zwei Stunden später, als „Meiner“ und ich reif für eine Pause waren, stand Karlsson im Wohnzimmer, putzte Fenster und schnauzte Luise an, die es gewagt hatte, drei Schritte über den noch feuchten Fussboden zu gehen. In mir stieg eine leise Furcht auf, als ich diese Szene beobachtete. Ob die mir damals im Spital das falsche Baby mitgegeben haben? Ich meine, ich motze ja auch, wenn mir jemand Fussabdrücke auf dem frisch geputzten Fussboden macht, aber freiwillig Fenster putzen? Von mir hat er das bestimmt nicht.

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Geschirrspüler sei Dank

Mir ist jetzt wieder klar, weshalb sich eines Tages ein findiger Kopf dazu entschieden hat, den Geschirrspüler zu erfinden. Ein Tag mit Geschirrspüler sieht etwa so aus:

Aufstehen, Geschirrspüler ausräumen, frühstücken, Geschirrspüler einräumen, duschen, anziehen, Zähne putzen, zur Arbeit gehen, nach Hause kommen,Mittagessen kochen, Geschirrspüler auffüllen und laufen lassen, essen, Geschirrspüler ausräumen, wieder füllen und laufen lassen, leben – auf welche Art auch immer – Zvieri vorbereiten, Geschirrspüler ausräumen, Abendessen kochen, Geschirrspüler füllen, essen, Geschirrspüler fertig füllen und laufen lassen, Kinder zu Bett bringen, so tun, als hätte man Feierabend, Zähne putzen, schlafen.

Und so ein Tag ohne Geschirrspüler:
Aufstehen, frühstücken, Geschirr abwaschen, Überschwemmung aufwischen, Mittagessen vorbereiten, Geschirr abwaschen, Überschwemmung aufwischen, essen, Geschirr abwaschen, Überschwemmung aufwischen, Zvieri vorbereiten, Geschirr abwaschen,  Überschwemmung aufwischen, Abendessen vorbereiten, Geschirr abwaschen, Überschwemmung aufwischen, essen, Geschirr abwaschen, Überschwemmung aufwischen, todmüde ins Bett sinken und von Seifenblasen träumen. Körperhygiene, Berufsarbeit, Freizeit, Familienleben, das alles kannst du dir abschminken, wenn du keinen (funktionstüchtigen) Geschirrspüler hast. Die Witschaft, die Freizeitindustrie, das soziale Leben, alles würde zusammenbrechen, gäbe es das nützlichste aller Haushaltgeräte nicht. Wir würden vereinsamen, unser Körpergestank wäre unerträglich, zwischen den Fingern würden uns Schwimmhäute wachsen. Eine schreckliche Vorstellung, nicht wahr?

Wobei: Es könnte ja sein, dass das Leben auf diesem Planeten erträglicher wäre, kümmerte sich jeder um sein eigenes Dreckgeschirr…

Und noch einmal Alltagsfreuden

Hat man mal mit Suchen angefangen, dann nimmt das Finden kein Ende mehr. Hier wieder ein paar Alltagsfreuden, die ich (wieder)entdeckt habe:

1. An einem verregneten Sonntag eine Gewürzbestellung aufgeben – nicht nur das Alltägliche, natürlich – und dich zwei Tage später in der Küche austoben mit Gewürzblüten, Kaffeegewürz und Tandoori-Mischung.

2. Fliederblüten-Sirup kochen.

3. Den drei jüngsten Vendittis dabei zuhören, wie sie in seltener Eintracht „Gschwind, Bethli, chumm is Gärtli, ha öppis herzigs gseh“ singen. Man muss einfach damit klarkommen, dass sie aussehen wie drei Islamisten beim Freitagsgebet, solange sie noch als Blumenzwiebeln auf dem Fussboden kauern.

4. Die zwei Stunden, die man eigentlich für einen Kaffeeklatsch mit einer Freundin eingeplant hatte, mit dösen, Prinzchen-Geplauder – „Prinzchen, du musst in die Badewanne, du riechst nicht besonders gut.“ „Weisst du Mama, so bin ich eben gemacht“ – und Katzenkraulen verbringen. Den Abwasch hätte man beim Kaffeeklatsch ja auch nicht erledigt, also kann das schmutzige Geschirr getrost noch ein wenig länger warten.

5. Sich bei der Zeitungslektüre darüber freuen, dass man das Gesicht von Nicolas Sarkozy in Zukunft deutlich seltener sehen wird. Ob der Neue besser ist, sei dahingestellt, aber immerhin verdirbt einem das arrogante Grinsen nicht mehr die Laune.

6. Die Entdeckung, dass ich mir die sternenförmige Brotbackform, die sich die Kinder schon so lange wünschen, nicht zu kaufen brauche, weil wir sie von der Grossmama ausleihen können. Wieder ein (Un)Ding weniger, das einen permanenten Wohnsitz in meinem Küchenschrank sucht.

7. Der FeuerwehrRitterRömerPirat, der mich fragt: „Mama, darf ich heute den Abwasch ganz alleine machen?“

8. Die Nachricht, dass morgen der Monteur kommt, um den Geschirrspüler zu flicken, denn auch wenn der FeuerwehrRitterRömerPirat die Sache ganz gut macht, verzichte ich gerne auf die tägliche Überflutung der Küche. Wobei ich mir noch nicht ganz sicher bin, wovor ich mich mehr fürchte, vor der Überflutung oder vor dem Monteur, der mir wieder eine Strafpredigt halten wird, weil ich meinen Geschirrspüler nicht artgerecht halte. Also vielleicht doch keine Alltagsfreude…

9. Die Gewissheit, dass sich das Prinzchen nicht vor den Ameisen fürchtet, die zum Sturm auf unsere Küche geblasen haben. Mit dem Zoowärter waren solche Angriffe jeweils der reinste Horror, so aber muss ich nur noch meine eigene Abscheu überwinden.

10. Du stellst fest, dass wenigstens einer von Karlssons schulfreien Tagen, mit denen der Lehrer berufstätige Mütter so unendlich glücklich macht, auf einen Mittwoch und nicht auf einen Freitag fällt. Mittwoch ist Papa-Tag, folglich brauchst du dir zumindest einmal nicht den Kopf zu zerbrechen, wo du das Kind unterbringst, währenddem du bei der Arbeit bist. Oh ja, ich weiss, das Kind ist bald zwölf und könnte auch mal ein paar Stunden alleine zu Hause bleiben, aber wisst ihr denn nicht, auf welch dumme Ideen beinahe-Zwölfjährige kommen, wenn man sie aus den Augen lässt?

Wenn ich diese Liste durchsehe und daran denke, dass wir vermutlich bald Nachwuchs bekommen – Katzennachwuchs, wohlverstanden – dann müsste ich eigentlich der glücklichste Mensch auf diesem Planeten sein. Müsste, denn ich finde wohl trotz aller Freuden immer etwas, worüber ich mich aufregen kann…