Wo bleibt er denn so lange, der perfekte Hausmann?

Kann es denn sein, dass ich die einzige unfähige Hausfrau bin, die mit dem perfekten Hausmann verheiratet ist? Ist es den möglich, dass ausser uns niemand diese unsinnige Arbeitsteilung lebt: Die unfähige Hausfrau schmeisst zu Hause den Laden mehr schlecht als recht, während der perfekte Hausmann in der Schule sitzt und den Kindern die deutsche Grammatik näher bringt. Obschon „Meiner“ und die deutsche Grammatik sich etwa so nahe stehen wie Paris Hilton und Stephen Hawking. Ja, ausgerechnet in der Schule muss er sitzen. Dort, wo ich ihn nie erreichen kann, wenn ich mal dringend wissen muss, wo er dies und jenes verstaut hat oder wie etwas in den Griff zu kriegen ist. Sässe er im Büro, ich könnte ihn jederzeit anrufen, wenn ich nicht mehr weiter weiss. So eine Art Briefkastenonkel für die verzweifelte Hausfrau. Aber ich kann ihn doch nicht wegen jeder Haushaltskrise aus dem Unterricht rufen lassen.

Und so kam es, dass ich heute früh in der Wohung herumgestöckelt bin wie ein aufgescheuchtes Huhn und nach dem Gesundheitsheft des Prinzchens suchte, das „Meiner“, der perfekte Hausmann, am einzig richtigen Ort für Gesundheisthefte versorgt hat. Das Heft, das für mich unauffindbar ist, weil mir im Haushalt jeder Sinn für Logik abgeht und ich deswegen den einzig richtigen Ort für Gesundheitshefte nicht finden kann. Das Heft, das ich unbedingt brauche, weil ich in einer Viertelstunde bei der Kinderärztin zum Baby-TÜV antraben muss. Und vorher noch den Zoowärter in der Spielgruppe abliefern muss. Und ja, Sie haben richtige gelesen: Ich bin durch die Wohnung gestöckelt. Obschon ich mir heute früh, noch ohne Schuhe an den Füssen, dafür mit dem Prinzchen auf dem Arm, zwei hässliche blaue Flecken geholt habe, als ich auf der Treppe hingefallen bin. Nun, zumindest war ich danach wach.

Bedarf es wirklich noch weiterer Beweise, dass ich im falschen Job bin? Nun ja, wenn Sie unbedingt darauf bestehen, dann liefere ich eben noch ein paar: Karlssons Bett ist noch immer nicht frisch bezogen, obschon er jetzt bereits seit drei Tagen wieder gesund ist. Der Staubsauger liegt noch immer im Büro und wartet darauf, bis ich endlich aufhöre zu schreiben und mit ihm durch die Wohnung rase, damit er  all das Zeug aufsaugen kann, nach dem er seit Tagen lechzt. Die Kidney-Bohnen liegen noch immer im Einweichwasser, obschon ich sie schon gestern Abend hätte kochen müssen. Nun ja, zumindest stammen die Kidney-Bohnen nicht aus der Dose, aber was hilft das, wenn es zum Mittagessen dennoch gekaufte Tortelloni gab?

Reichen die Beweise? Oder wollen Sie wirklich noch meinen Haushalt persönlich inszpizieren? Nur um festzusztellen, was schon längst augenfällig ist: Hier muss endlich mal ein rechter Hausmann ans Werk. Ich wüsste da schon einen…

Wink mit dem Zaunpfahl

Ich habe ja nie behauptet, eine Vorzeigehausfrau zu sein. Und momentan ist unser Haushalt noch weniger präsentabel als im Normalzustand. Bei so vielen Kranken kommt das Aufräumen einfach ein wenig zu kurz. Ja, und dann muss ich natürlich zwischendurch auch noch Dr. Sarah May auf die Sprünge helfen, damit die Koalas nicht eingehen. Es hätte also keinen Stromausfall gebraucht, um mir vor Augen zu führen, dass ich eine schlampige Hausfrau bin. Doch irgendwer glaubt zu wissen, dass ich einen Tritt in den Hintern brauche und deshalb gingen heute pünktlich um Viertel nach acht Uhr abends die Lichter aus. Und sie gingen nicht wieder an, mochte ich am Sicherungsschalter riegeln, soviel ich wollte. Was ist nur aus den guten alten Sicherungskästen geworden, wo man einfach eine neue Sicherung reinschrauben konnte, wenn die Alte schlapp machte?

So tappte ich also durch die Wohung und suchte nach der Schwachstelle, die das ganze System zum Streiken gebracht hatte. Nach langer Zeit wurde ich fündig: Es war der Kühlschrank. Ja, genau derjenige, der schon längst wieder mal abgetaut und geputzt werden sollte. Aber weshalb der Kerl ausgerechnet heute auf sich aufmerksam machen musste, ist mir ein Rätsel. Wo ich doch mit zwei Mittelohr-Entzündungen (Karlsson & Prinzchen), einer darniederliegenden Grippe („Meiner“), einer fast ausgestandenen Grippe (Zoowärter), zwei sich langweilenden ganz Genesenen (Luise & FeuerwehrRitterRömerPirat), Dr. Sarah May und Novemberschreiben mehr als genug am Hut habe. Genau heute also musste dieser Kühlschrank aussteigen, mich dazu zwingen, ihn leer zu räumen und mit Schrecken festzustellen, dass er dringend gesäubert werden muss. Aber der Kerl kann mich mal. Nach Feierabend  lasse ich mich nicht mehr zum Putzen zwingen. Schon gar nicht von einem Kühlschrank.

Das kann ja heiter werden!

Seitdem Karlsson Luise an ihrem ersten Geburtstag aus lauter Eifersucht eins mit dem Hammer übergebraten hat, sind wir stets darum bemüht, dass auch die Geschwister des Geburtstagskindes nicht zu kurz kommen. Und deshalb gibt’s für sie meistens auch ein winziges Geschenk. Und weil Luise und der FeuerwehrRitterRömerPirat Tiere lieben, habe ich zugegriffen, als „Meine Tierklinik in Australien“ bei Amazon zum Spottpreis zu haben war. Und seither werde ich nicht nur von meinen Kindern herumkommandiert, jetzt fordert auch noch Dr. Sarah May meine ungeteilte Aufmerksamkeit.

Wie, Sie kennen Dr. Sarah May nicht? Dann schaffen Sie sich schleunigst eine Tochter an. Das Computerspiel mit Tierärztin Sarah May wird in den meisten Fällen gleich mitgeliefert. Und falls nicht, gibt’s bestimmt schon bald wieder eine Aktion bei Amazon. Nun, Dr. Sarah May sollte eigentlich dafür sorgen, dass die Koalas nicht hungern, dass das Gehege sauber ist und dass die Kunden stets prompt und freundlich bedient werden. Aber unter uns gesagt: Die Frau ist eine Niete! Immer wieder piepst das Handy, weil wieder ein unzufriedener Kunde abgerauscht ist, dann wieder sitzen die Koalas traurig in ihrem Gehege und  warten auf Streicheleinheiten. Und was tut Dr. Sarah derweil? Die pennt natürlich mal wieder. Oder sie macht Stretching auf der Terrasse. Das ist nicht zum Aushalten. Der Frau muss ich dringend unter die Arme greifen, sonst wird das nichts mit der florierenden Tierklinik.

Und so rase ich hin und her. Im realen Leben macht sich das Prinzchen hinter Karlssons Geburtstags-Luxemburgerli, während in der Tierklinik mal wieder ein unzufriedener Kunde meckert. Und weil der FeuerwehrRitterRömerPirat noch nicht so recht versteht, wie wichtig die Kundenzufriedenheit ist, muss natürlich Mama ran, um Sarah May auf die Sprünge zu helfen. In der Zwischenzeit liegt der Zoowärter schreiend in der leeren Badewanne, weil er hingefallen ist. Und „Meiner“, der noch immer krank ist, bräuchte dringend einen Tee. Aber wann soll ich den auch machen, wo doch die Koalas so dringend Futter brauchen? Auch Sarah May schleicht schon seit einer ganzen Weile um den Kühlschrank herum, weiss aber offensichtlich nicht, wie sie diesen ohne meine Hilfe aufbringen soll. Müssen die alle gleichzeitig hungrig und durstig sein? Damit Sarah May nicht aus den Latschen kippt, eile ich ihr rasch zu Hilfe, was zur Folge hat,  dass ich wieder zu spät komme, als das Prinzchen die Vorratskammer zu plündern beginnt.

Es ist hoffnungslos. Ich schaffe es nicht, an beiden Orten für Ordnung sorgen. Also schnell den Zoowärter aus der Badewanne gezogen, das Prinzchen ins Bett gesteckt, „Meinen“ ebenfalls und dann nichts wie hin zu den Koalas. Ich kann die armen Tierchen doch nicht verhungern lassen!

Wer soll das bloss alles aufräumen?

Für alle, die noch verschont geblieben sind vor dem schweinischen Elend, hier ein paar Bilder, die zeigen, was auf sie zukommen könnte:

DSC03109-small DSC03113-small DSC03114-small DSC03110-small

Und alle, die jetzt neidisch sind und denken, immer dürften Vendittis allen Spass haben und bei ihnen sei nie etwas los, die dürfen sich trösten. Es ist genug Schweinegrippe für alle da. Und sollten Sie dennoch leer ausgehen, dann haben Sie vielleicht bei der nächsten Grippewelle mehr Pech. Ich selber habe vorerst einmal genug geseucht und mache mich ans Aufräumen. Jede Party geht eben einmal zu Ende. Obschon: Ganz aufheben können wir das Krankenlager noch nicht. „Meiner“ seucht noch etwas weiter und der Zoowärter auch.

Wo bleiben die denn?

Seit Jahren nun warte ich schon auf die Lieferung und noch immer sind sie nicht eingetroffen, die zusätzlichen Arme, die ich gleich nach Karlssons Geburt bestellt hatte. Eigentlich habe ich pro Kind ein weiteres Paar bestellt, müsste also inzwischen zwölf Arme haben. Aber noch immer mühe ich mich ab mit den Zweien, die ich bei meiner Geburt auf den Lebensweg mitbekommen habe. Versuche irgendwie, dafür zu sorgen, dass Karlsson sein Pausenbrot bekommt, währdenddem ich Luises Haar kämme, die Schuhe des FeuerwehrRitterRömerPiraten suche, den Zoowärter davon abhalte, dem Prinzchen auf den Rücken zu steigen und dem Prinzchen den versabberten Pulli ausziehe. Das alles natürlich mit dem Telefon in der Hand, denn meistens hat man ja auch noch einen Anruf entgegenzunehmen.

Okay, ich weiss, ich sähe ziemlich sonderbar aus mit zwölf Armen. Aber dennoch träume ich da wohl einen alten Menschheitstraum. Wie anders will man sich erklären, dass die Inder eine überaus hässliche vielarmige Göttin namens Kali haben? Ich bin mir sicher, dass diese von einer gestressten Mutter erfunden worden ist. Nun ja, die Idee hat auch ihre Nachteile. So dürfte zum Beispiel die Bekleidungsindustrie Probleme haben damit, uns Mütter elegant einzukleiden. Aber wenigstens hätten die Schneider mal wieder eine Herausforderung. Und wahrscheinlich müsste man auch furchtbar aufpassen, dass sich die vielen Arme nicht ineinander verknoten. Aber wenn ich mal wieder, wie heute früh, verschlafen habe und vor lauter Hetze nicht mehr weiss, wo ich zuerst anpacken soll, dann verwünsche ich die Tatsache, dass ich nur zwei Hände und  zwei Füsse habe. Und dass ich noch immer auf die Lieferung meienr Bestellung warte.

Man komme mir jetzt nicht mit der Ermahnung, ich müsse mich eben nicht verschlafen, dann sei es kein Problem, mit der Grundausstattung an Extremitäten auszukommen. Wie soll man sich denn nicht verschlafen, wenn man die halbe Nacht auf den Beinen gewesen ist, weil Karlsson  eine Grippe aufgelesen hat?

DSC02913-small

Morgen, Sophie, wird’s was geben…

Morgen, meine liebe Sophie, gibt’s eine Überraschung für dich. Nein, keine neue Rührschüssel, zumindest keine für dich ganz alleine. Etwas viel besseres: Eine kleine Schwester. Ach, rümpf jetzt bitte nicht die Nase, Sophie. Kleine Schwestern sind wunderbar. Nicht, dass ich eine hätte. Aber immerhin bin ich selber eine, eine sechsfache. Und du willst doch nicht etwa behaupten wollen, ich sei nicht wunderbar, oder Sophie? Und falls dir dieser Grund nicht ausreicht, um dich zu freuen, dann frag mal Luise, ob man sich etwas auf dieser Welt sehnlicher wünschen kann, als eine kleine Schwester.

Morgen also wirst du sie bekommen, liebe Sophie. Ich habe sie eigens für dich aufgestöbert in den unendlichen Weiten des Internets, das letzte verkäufliche Exemplar deiner Art, nur wenig gebraucht und unglaublich sympathisch. Deine kleine Schwester sieht fast genau gleich aus wie du, nur etwas jünger, etwas weniger abgekämpft. Aber das haben kleine Schwestern eben so an sich. Dafür haben sie nicht so viel Lebenserfahrung. Natürlich kann sie auch ein paar Dinge, die du nicht kannst, aber das ist kein Grund, eifersüchtig zu werden. Ich bin mir sicher, dass du auch noch ein paar Tricks auf Lager hast, mit denen du die Kleine beeindrucken kannst. Und das mit der Schüssel die ihr euch teilen müsst,  werdet ihr schon miteinander aushandeln können.

Somit ist also alles wieder perfekt. Sophie die Zweite braucht nur noch einen neuen Namen und dann legen wir los mit der Weihnachtsbäckerei.

DSC02867-small

 

Sniff!

„Leider gibt es zur VarioTronic profi überhaupt keine Ersatzteile mehr, nicht einmal mehr die Rührschüssel“, muss ich heute Morgen beim Abrufen meiner Mails lesen. Die „VarioTronic profi“, das wäre dann die Sophie. Und die soll jetzt keine neue Rührschüssel mehr bekommen! Warum stellen die Küchengeräte für die Ewigkeit her und haben dann keine Ersatzteile an Lager? Und wie soll ich das bloss Sophie beibringen? Ich sehe ihr doch an, dass sie arbeiten möchte, Teig kneten, Rahm schlagen, dafür sorgen, dass Vendittis schön rund bleiben. Ich weiss doch, dass sie sich so drauf gefreut hat, auszuprobieren, ob man Luxemburgerli auch in der heimischen Küche herstellen kann. Und jetzt soll nichts daraus werden. Ein trauriger Tag also. Aber ich gebe erst auf, wenn ich das ganze Internet nach einer neuen Rührschüssel abgeklappert habe, wenn ich wirklich sicher bin, dass sich die Schüssel nicht reparieren lässt. Sophie muss bleiben!

IMG_3193-small

Bleib bei uns, Sophie!

Man sollte doch meinen, eine Küchenmaschine wäre froh darüber, dass sie gebraucht wird. So ein Gerät will doch auch nicht einfach in der Ecke rumstehen. Aber nein, die faulen Dinger machen schlapp, sobald sie mal etwas mehr Teig kneten müssen, als ihnen lieb ist. Ich weiss nicht, wie viele Küchenmaschinen in meiner Küche die Arbeit aufgenommen haben und nach kurzer Zeit wieder weg waren, weil sie den Anforderungen im Hause Venditti nicht gewachsen waren. Memmen waren das, allesamt.

Mit Sophie wird sicher alles anders, dachte ich, als sie eines Tages bei uns einzog. Denn Sophie ist nicht irgend eine dahergelaufene Küchenmaschine, Sophie hat mehr als ein Jahrzehnt lang einen tadellosen Dienst bei Linders verrichtet. Wer schon bei Linders gespiesen hat, weiss, dass Sophie dort keine ruhige Kugel schieben konnte und deswegen traute ich ihr die harte Arbeit in meiner Küche zu. Und ich hatte mich nicht getäuscht. Sophie ist die erste Küchenmaschine, die nicht zusammenzuckt, wenn ich mit meinen Teigzutaten anmarschiert komme. Die Erste, die klaglos knetet, ohne zu stinken, ohne heiss zu laufen, ohne irgendwann entnervt den Geist aufzugeben. Eine wahre Perle, diese Sophie.

Aber Sophie ist eine Frau und Frauen müssen bekanntlich zuweilen ein wenig gehätschelt werden, damit sie ihren Dienst weiter tun. Die einen brauchen ein Wellness-Weekend, um wieder neue Kräfte zu schöpfen, andere lassen sich mit einem ausgiebigen Shopping-Trip neu motivieren, wieder andere sind im siebten Himmel, wenn sie einen Abend lang ungestört lesen dürfen. Sophie, so haben wir feststellen müssen, braucht eine neue Teigschüssel, sonst macht sie nicht mehr mit. Klar wäre die alte noch gut genug, aber nicht für eine Perle, wie Sophie eine ist. Und deshalb hat Sophie einfach eines Tages ihre Schüssel in alle Einzelteile zerfallen lassen, als ich den Teighaken, ganz sachte und mit viel Fingerspitzengefühl,  entfernte. Hat sich einfach so gehen lassen, ein deutlicher Wink mit dem Zaunpfahl: „Ich bin bereit, für euch zu arbeiten, aber nur, wenn ich eine neue Rührschüssel bekomme.“ Und seither befindet sich Sophie im Streik, denn ohne Rührschüssel nützen alle anderen herausragenden Fähigkeiten nichts. Wenn sie nicht sofort eine neue Schüssel bekommt, macht sie keinen Wank mehr, auch wenn ihr Motor noch längst stark genug wäre.

Hoffentlich hat der Hersteller noch irgendwo eine verstaubte Sophie-Schüssel auf Lager. Denn Sophie ist die erste Küchenmaschine, die ich erst dann ziehen lasse, wenn wirklich Hopfen und Malz verloren sind.

DSC02879-small

Süchtig

Bis anhin hatte ich mich eigentlich nicht für einen suchtgefährdeten Menschen gehalten. Okay, ich kann Luxemburgerli nicht widerstehen. Aber die Dinger sind so teuer, dass ich sie mir alle Schaltjahre leiste, – oder schenken lasse,- so dass keinerlei Suchtgefahr besteht. Dass ich süchtig sein könnte nach Lesen ist mir schon eher mal durch den Kopf gegangen. Wenn ich mich dabei erwischt habe, wie ich eine Gebrauchsanweisung durchgelesen habe, weil gerade kein anregenderer Lesestoff zur Hand war. Oder den Text auf der Shampooflasche. Oder die Wegleitung zur Steuererklärung.

Gestern aber ist mir klar geworden, dass auch ich ein Suchthaufen bin. In meinem Kopf schwirrten zwei Texte herum. Wunderschöne, geschliffene Sätze, Pointen, die ich nicht vergessen wollte, Worte, die so treffend waren, dass ich sie auf keinen Fall vergessen wollte. Aber ich hatte keine Zeit. Der Zoowärter wartete auf sein Frühstück, das Prinzchen hatte eine volle Windel, die Putzfrau wartete darauf, dass ich das Chaos aus dem Weg räume, damit sie ungehindert staubsaugen konnte. Keine Chance zu entkommen, sich hinter den Bildschirm zu setzen und zu tippen, was das Zeug hält. Nicht mal Zeit, mir ein paar Notizen zu machen, damit die Sätze nicht wieder verschwinden. Und so verwandelte ich mich in eine Furie mit zittrigen Fingern, rasendem Puls und starrem Blick. Ich wollte schreiben, musste schreiben und zwar jetzt gleich, sofort! Es fehlten nur noch die Schweissausbrüche, und ich hätte mich gefühlt wie ein Junkie auf Entzug. Nicht, dass ich Erfahrung hätte mit solchen Dingen…

Wenn das so weitergeht mit mir, kann das ja heiter werden. Im Moment zum Beispiel schwirren in meinem Kopf Blog-Posts durcheinander, Sätze für das Novemberschreiben, Ideen für die nächste Geschichte. Und ausserdem habe ich da noch ein Buch, dass ich unbedingt fertig lesen muss. Nichts Hochstehendes, bloss eine belanglose Chick-Lit-Schnulze in miserabler deutscher Übersetzung, die ich mir gekauft habe, um die Fahrt von Zürich nach Aarau zu verkürzen. Aber ich muss doch wissen, ob die Tussi am Ende Ed nimmt oder Josh, nicht wahr? Okay, ich geb’s zu, ich weiss, dass sie Ed nimmt. Ich habe das Ende schon gelesen. Aber ich muss doch wissen, wie es dazu kommt.

Während ich mich in einem Rausch von Lesen und Schreiben befinde, dämmt „Meiner“ das Chaos in Haushalt, Terminkalender und Wäschekorb ein, so gut es geht. Mit solchen Trivialitäten kann ich mich momentan einfach nicht herumschlagen…

DSC02403-small

Putschversuch

Angefangen hat es damit, dass ich vorgestern den Kochwein nicht mehr finden konnte. Ich suchte die ganze Küche ab, doch finden konnte ich ihn nicht. Kaum bewege ich mich mal auf zehn Schritte vom Herd weg, – mehr liegt momentan nicht drin, – findet „Meiner“ bessere, prinzchenfreundlichere Plätze für alles Mögliche. Und weiss dann nicht mehr, wo er das Zeug hingetan hat.

Weiter ging es damit, dass mich Luise eines Abends darüber informierte, dass sie und Karlsson ab jetzt für das Aufräumen der Küche zuständig seien, der FeuwerwehrRitterRömerPirat für das Versorgen der Schuhe und der Zoowärter für sonst etwas. Ich habe vergessen, was es war. Nicht vergessen habe ich aber, dass „Meiner“ und die Kinder dies vereinbart hatten, als ich mal kurz weg war.

Heute nun überraschte mich Karlsson mit der Frage, wann wir denn nun unseren Familienrat abhalten würden. Familienrat? Bei Vendittis? Noch nie davon gehört. Haben die das Thema etwa in der Schule durchgenommen? Währenddem mir diese Gedanken durch den Kopf schiessen, höre ich, wie „Meiner“ Karlsson erklärt, er hätte es am Sonntag vergessen. Aber nächsten Sonntag würden wir uns ganz bestimmt zum Familienrat treffen.

So langsam fühle ich mich wie Obelix: Die wollen mich nur dabei haben, weil ich so dekorativ bin. Die planen einen Putsch gegen mich! Es ist unübersehbar: „Meiner“ will meinen Job übernehmen. Und zwar nicht als Co-Präsidium, wie bisher,  sondern als Alleinherrschaft. Dabei wäre ein Putschversuch doch gar nicht nötig. Die Hälfte meines Jobs gebe ich freiwillig her.  Aber nur die Hälfte. Ich will ja meine Kinder auch mal sehen.

DSC02536-small