Verräter!

Als ich „Meinem“ vorhin erklärt habe, wie gut es mir getan habe, endlich mal meinem Ärger über Frau Hutter Luft zu machen, schwieg er zuerst lange. Ich überlegte mir schon, ob er mir wohl nicht zugehört habe, als er kleinlaut gestand, dass er in dem Interview durchaus ein paar Aussagen gefunden habe, denen er zustimmen könne. Wie bitte? „Meiner“, ein durch und durch emanzipierter Mann, ein politisch so weit links stehender Mensch, dass es zuweilen sogar mir zu weit geht, findet nicht alles falsch, was aus dem Mund von Frau Hutter kommt?  Wie kann er nur? Und liebt er mich überhaupt noch?

Da gibt es nur Eines: „Meinen“ so schnell als möglich ins Kreuzverhör nehmen, herausfinden, wo genau er eine Übereinstimmung seines Gedankenguts mit dem  von Frau Hutter gefunden hat. Und dann Gegenargumente feuern: „Wenn Frau Hutters Mann doch so gerne Vollzeit-Hausmann werden möchte, warum steht  sie dann seinem Glück im Wege? Hä? Weil sie eine Egoistin ist, die lieber ihre Ideologie durchboxt, als herauszufinden, was für ihre Familie gut ist. Natürlich stimmt es wenn, Frau Hutter sagt, die biologische Uhr der Frau ticke, aber wer sagt das nicht? Doch das gibt ihr noch lange nicht das Recht, ihren  Mann vom Herd fern zu halten, wenn er so gerne dorthin möchte.“ Ich habe noch viel länger auf ihn eingeredet, aber ich muss ja nicht alle Welt von meiner Meinung überzeugen. Es genügt, dass ich „Meinen“ wieder auf den rechten Weg gebracht habe. Der häusliche Frieden ist wieder intakt, unsere Meinung über Frau Hutter wieder dieselbe.

Er liebt mich also doch noch!

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Ach, Frau Hutter…

Ach, Frau Hutter, wann lernen Sie endlich, den Mund nicht so voll zu nehmen! Schon bevor Ihr erstes Kind gezeugt war, haben Sie reichlich selbstbewusst in die Welt hinausposaunt, wie Frau Mutter zu sein habe. Während andere Frauen weiser werden, wenn sie ihr erstes Kind im Bauch haben, machen Sie fröhlich weiter. Mit Genuss weisen Sie auf Ihre Schwester hin, die heute mit Leib und Seele Mutter ist, obschon Sie dies nie erwartet hätten. „Seit sie Mutter ist, hat sich etwas geändert in ihrem Gedankengut“, sagen Sie und denken nicht daran, dass Ihnen das Gleiche passieren könnte, einfach in entgegengesetzter Richtung.

Es ist nämlich nicht nur so, dass Frauen, die ganz auf die Karriere fixiert waren, plötzlich in ihrer Rolle als Mutter völlig aufgehen. Das Umgekehrte passiert ebenso häufig: Frauen, die geglaubt hatten, ihre Erfüllung in der Mutterschaft zu finden, gleiten in eine Depression ab, weil die Realität so ganz anders ist als ihre Träume. Wie Frau als Mutter fühlt, handelt, denkt, weiss sie erst, wenn sie Mutter ist. Erst dann wird sie wissen, wie für sie und ihr Kind das Leben am besten funktioniert. Und je lauter eine Frau ihre Meinung herausposaunt hat, umso schmerzhafter ist es für sie, sich und anderen  eingestehen zu müssen, dass die Dinge anders sind, als sie erwartet hatte. Man könnte auch sagen, je hochmütiger das Geschwätz, umso tiefer der Fall.

Deshalb ein Rat von einer Mutter, die mehrmals ihre Meinung hat ändern müssen, auch wenn sie den Mund nicht halb so voll genommen hat wie Sie: Halten Sie endlich die Klappe! Bringen Sie Ihr Kind auf die Welt und schauen Sie dann, ob Sie tatsächlich nie wieder den Drang haben, Politik zu machen (was ich von Herzen hoffe), ob Fremdbetreuung wirklich nur schlechte Seiten hat, ob das Hausfrauendasein ebenso erfüllend ist wie die Mutterschaft, ob Mütter tatsächlich besser geeignet sind für diesen Job als Väter. Und dann, wenn Sie weiser geworden sind, dürfen Sie von mir aus wieder reden. Aber bitte nicht vorher!

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