Zehn Gründe, weshalb das aktuelle Sauwetter vollkommen in Ordnung ist

Erstens: Die Tortur des Frühlings-Schuhkaufs kann getrost noch ein wenig warten. Jeder Tag ohne Schuhkauf mit fünf genervten Kindern ist ein schöner Tag und sei das Wetter noch so mies.

Zweitens: „Meiner“ und ich konnten heute Abend vor lauter Frust vollkommen straffrei eine Schachtel „Celebrations“ wegputzen, die er heute geschenkt bekommen hat. Versteht sich von selbst, dass wir uns dazu eine richtig gute Schnulze reinziehen mussten.

Drittens: Keiner kann mir einen Vorwurf machen, wenn ich mich weigere, einen Frühlingsputz zu machen. Wo kein Frühling ist, muss auch nicht geputzt werden.

Viertens: Kater Leone & Katze Henrietta kommen schön brav Abend für Abend nach Hause und wärmen uns das Bett vor.

Fünftens: Meine improvisierte Gewächshausheizung kann beweisen, was sie draufhat. 

Sechstens: Der Zoowärter schleppt mit seinen Schuhen keine Erdklumpen mehr ein, weil er im Garten keine Löcher mehr graben mag.

Siebtens: Das Prinzchen weiss, dass es zwischen Winter und Frühling nicht unbedingt einen Unterschied geben muss.

Achtens: Nun…dazu fällt mir jetzt gerade nichts ein. Okay, vielleicht noch dies: Lieber jetzt Schnee als im Juli.

Neuntens: Äääähm, auch dazu kommt mir nichts mehr in den Sinn. Ach ja, stimmt, die Osterhasen schmelzen nicht weg, weil die Sonne nicht ins Schlafzimmer, wo diese kindersicher versteckt sind, scheinen kann. 

Zehntens: …….Ach was, ich geb’s auf. Ich schreibe das alles ja doch nur, um nicht in der Chor jener einzustimmen, die über das Wetter jammern.

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Fast schon wie früher

Da bin ich also wieder, bestens ausgeruht, mit zahlreichen guten Vorsätzen ausgerüstet – früher ins Bett, weniger Koffein, mehr Grüntee, mehr Gelassenheit, mehr Geduld und weniger Stress – und bereit, wieder meinen Teil zum Familienleben beizutragen. Also morgens um vier mit „Meinem“ das Prinzchenbett von Katzenkot befreien, Weihnachtsmenü aus dem Ärmel schütteln, überdrehte Kinder beruhigen, Baum schmücken, Playmobil zusammenbauen – was halt so dazugehört, wenn man einen Tag vor Heilig Abend nach Hause kommt. Nun ja, das mit dem Katzenkot ist zum ersten Mal passiert, aber das Prinzchen zeigte sich verständnisvoll. Die Katzen hätten eben Angst gehabt, ihr Geschäft in der Katzenkiste im dunklen Wohnzimmer zu verrichten. Im Kinderzimmer war es zwar genauso dunkel, aber lassen wir das wenig festliche Thema für heute.

Bereits jetzt ahne ich, dass der Familienalltag sich meinen Vorsätzen gegenüber wenig sensibel zeigen wird, aber ich kann gut damit leben. Wenn ich bedenke, dass wir vor zwei Monaten noch fürchteten, „Meiner“ werde vielleicht nie wieder ganz sich selber sein, dann bin ich einfach nur dankbar, dass es bei uns schon fast wieder so ist wie früher und dass wir unser übliches turbulentes, möchtegern-feierliches Weihnachtsfest mit hier einem Stimmungseinbruch und dort einem Glanzlicht feiern durften.

Frohe Weihnachten allerseits!

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Lieblingsgeräusche

 Wenn der Deckel des Einmachglases knackt und mir damit klar und deutlich mitteilt, dass sich die ganze Arbeit gelohnt hat.

Das Schnurren der Katze, wenn kein Mensch sie berührt hat und sie es trotzdem nicht lassen kann. Einfach schnurren aus lauter Zufriedenheit, das muss man erst mal können.

Prinzchengesang in allen Lebenslagen, sei es beim Treppensteigen, morgens nach dem Aufwachen, beim Spielen – einfach immer und überall. Einfach nicht beim Essen, wenn ich bitten darf.

Das Schwingen der Waschmaschine, wenn ich weiss, dass es die letzte Ladung eines gigantischen Wäschebergs ist, die trockene Wäsche sauber gefaltet ist und am Wäscheständer noch Platz ist für die nassen Stücke. Kommt pro Jahr vielleicht drei- oder viermal vor.

Das wohlige Geräusch, das Kinder und Gäste von sich geben, wenn das, was ich gekocht habe, besser ist, als das Rezept hätte vermuten lassen.

Die Stimme des FeuerwehrRitterRömerPiraten, wenn er seinen kleinen Brüdern eine Geschichte vorliest.

Das Brabbeln eines sehr kleinen Babys. Wenn das nicht zu haben ist, gebe ich mich auch mit dem hungrigen Schreien eines Säuglings zufrieden. Zumindest, solange jemand in der Nähe ist, der das arme Kindchen füttern kann, bevor ich einen Milcheinschuss habe.

Die Tastatur, wenn der Text nur so aus den Fingern fliesst.

Das Knallen der Türe, aber nur, wenn die Wut gross genug ist und vor allem nur, wenn ich diejenige bin, die die Tür knallt. Aus gutem Grund, versteht sich.

Hummelgesumm. Alle anderen Insekten summen irgendwie nervtötend, aber Hummeln… einfach himmlisch.

Der letzte Ton, den die Motorsäge von sich gibt, ehe sie auf immer und ewig verstummt. Das gleiche gilt für Rasenmäher, Holzspaltmaschinen, Pressluftbohrer und Zithern – nicht aber für himmelblaue Autos, wenn sie in Varese auf einer Ausfahrtsstrasse stehenbleiben.

Wenn „Meiner“ lacht. So richtig. Wie damals, als er noch siebzehn war.

Und dann natürlich das hier, aber streng genommen gehört das wohl nicht in die Kategorie „Geräusche“.

Katzenwünsche

„Zum Geburtstag wünsche ich mir ein Kätzchen“, verkündete Karlsson gestern, nachdem wir einen Nachmittag mit lieben Menschen und herzigen Kätzchen verbracht hatten. “ Aber wir haben doch Henrietta und Leone“, wandte ich ein. „Ich will aber ein eigenes Büsi, ein Weibchen, damit sie Junge bekommen kann“, beharrte Karlsson. „Ich will auch eine eigene Katze zum Geburtstag, auch ein Weibchen“, meldete sich Luise zu Wort. „Ich auch. Eine, die mir ganz alleine gehört“, erklärte der Zoowärter. „Ich werde jeden Samstag das Kistchen leeren“, versprach Karlsson.

Ich seufzte tief und erinnerte mich an die seligen Zeiten, als ich solch irrwitzige Geburtstagswünsche mit einem müden Lächeln und einem „Wir werden dann sehen“, abtun konnte. Heute, wo die Kinder den Wert ihres Geburtstagsgeldes, das ihnen die Grossmütter jeweils zustecken, erkannt haben, dürfte es schwierig werden, sie davon abzuhalten, sich ihre Wünsche einfach selber zu erfüllen. Ich war es ja, die ihnen vollmundig versprochen hatte, über ihr eigenes Geld dürften sie frei verfügen, solange sie es nicht für Dummheiten ausgeben. Und da ich es nie wagen würde, eine Katze als Dummheit zu bezeichnen, werde ich wohl oder übel davon ausgehen müssen, dass es nicht bei zwei Katzen bleibt.

Nun ja, wer nach dem zweiten Kind nicht aufhört, kann wohl auch nicht davon ausgehen, dass nach Haustier Nummer zwei schon Schluss ist.

 

Ich bleibe draussen – oder so

Wie ist das eigentlich mit den Katzen? Darf man die auch mit in ein Geschäft nehmen? Bei den Hunden ist das ja eindeutig geregelt. Wenn es erlaubt ist, steht nichts, wenn es verboten ist, hat es ein Verbotsschild und einen Haken, an dem der Hund angeleint werden kann.

Ob für Katzen das gleiche gilt? Ich hätte es zu gerne gewusst, heute Morgen, als das Prinzchen und ich am Bankschalter standen und plötzlich von draussen her ein klägliches Miauen hörten. So kläglich miaut nur einer, das war mir sofort klar und deswegen war ich keineswegs erstaunt, als ich Kater Leone vor der automatischen Türe stehen sah. Einen äusserst verzweifelten Kater Leone, denn wenn er mich sieht und doch nicht zu mir gelangen kann, dann dreht der Arme fast durch.

Seitdem er mich an seinem ersten Tag bei uns zu seiner Mama erkoren hat, jammert er wie ein kleines Kind, wenn ich mich zu weit von ihm entferne. Nun gut, er darf natürlich gehen, wie ihm beliebt, er ist ja ein Kater. Ich aber soll gefälligst bleiben, wo ich bin, jederzeit verfügbar für traute Zweisamkeit auf Mamas Kopfkissen. Wenn ich nicht bin, wo ich seiner Meinung nach sein sollte – haben Katzen überhaupt eine Meinung? -, dann sucht er mich eben. Im Garten, im Büro, an der Bushaltestelle, bei Nachbars oder eben in der örtlichen Filiale einer sehr verrufenen Schweizer Bank.

Gewöhnlich lasse ich mich von ihm finden, aber heute liess ihn dann draussen warten, obschon es mir fast das Herz zerriss, als er so kläglich nach mir rief. Weil ich aber nicht den Verdacht erwecken wollte, Kater Leone sei mein Komplize bei einem auf unschuldig getrimmten Banküberfall – „Kaltblütige Mama im rosa Kleidchen mit herzigem Kleinkind und anhänglichem Kater übertölpelt unbescholtene Bankangestellte“ -, unterdrückte ich meinen Katzenmutter-Instinkt. Ich glaube, Kater Leone war ziemlich eingeschnappt. Erst ein heftiges Gewitter am sehr späten Abend konnte ihn dazu bewegen, heim zu Mama zu kommen.

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Arme Katzen

Wenn es wahr ist, was die Werbung verspricht….

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… dann kann ich unsere Katzen nur noch bemitleiden.

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Ich glaub‘ die mögen mich…

Dass man mich heute nicht ganz ohne Widerstand zum Frauentag gehen lassen würde, hatte ich erwartet. Am Donnerstag hatte ich ja noch befürchtet, die Erkältung würde mir einen Strich durch die Rechnung machen, doch erstaunlicherweise machte sie sich heute Nacht still und leise davon. Gut, sie liess mir einen hartnäckigen Husten als Andenken zurück, aber Gliederschmerzen, Brummschädel und Triefnase hat sie wieder mitgenommen. Von dieser Seite her hatte ich also grünes Licht.

Etwas schwieriger war es mit den Kindern, die mich im Laufe der vergangenen Woche etwas weniger als gewöhnlich zu Gesicht bekommen hatten, was nicht alleine an mir lag, sondern auch an Geburtstagspartys, Musikstunden und Arztterminen. „Mama, du darfst nicht gehen“, klagten sie, aber nur so lange, bis sie sahen, dass ich ihnen in der Bäckerei Gipfeli und Tessinerbrot besorgt hatte und dann liessen sie mich von Herzen gerne ziehen. So wenig braucht es, damit die Kinder auch mal einen Tag ohne mich auskommen können…

Zwei aber konnten sich gar nicht damit abfinden, den Tag ohne mich zu verbringen: Leone und Henrietta. Wie gewöhnlich begleiteten sie mich zur Haustüre, aber anstatt sich im Garten auf Vogeljagd zu begeben, machten sie sich auf, mich zum Bahnhof zu begleiten. Zuerst dachte ich ja noch, ich könnte die zwei in irgend einem Garten unterwegs abschütteln, doch ich musste bald einmal erkennen, dass die Katzen nicht von meiner Seite wichen. Als wir an der Hauptstrasse angelangt waren, hiess es umkehren und Karlsson bitten, die Katzen zu holen. Hauptstrasse und Bahngeleise waren mir dann doch zu gefährlich für die zwei. Henrietta liess sich bereitwillig mit ins Haus nehmen, Leone aber mochte mich noch immer nicht alleine ziehen lassen. Inzwischen war mein Zug längst abgefahren, also machte ich mich auf zur Bushaltestelle, Leone stets an meiner Seite. Der Bus liess auf sich warten, Leone wartete in sicherer Distanz zur Strasse mit. Keine Sekunde liess er mich aus den Augen und hätte ihn eine nette Mitreisende nicht im letzten Moment um die Hausecke und somit in Sicherheit gejagt, er wäre wohl mit mir in den Bus gestiegen. Und so kam ich einmal mehr mit Verspätung an meinem Ziel an, ausnahmsweise nicht wegen der Kinder, sondern wegen der Katzen.

Als ich am späten Abend nach einem Tag voller netter Begegnungen und neuer Impulse von der Bushaltestelle nach Hause ging, wartete Kater Leone in sicherer Entfernung zur Strasse auf einem Mäuerchen. Kaum erkannte er mich, rannte er mir mit einem verzweifelten Miauen entgegen. Er, der gewöhnlich spätestens um fünf Uhr nachmittags bei Fressnapf und Sofa sein will, mochte erst wieder nach Hause kommen, als er mich wieder in Sicherheit wusste. Ich glaube fast, der Kleine hat mich vermisst…

Und dann noch dies:

Ich weiss nicht, ob mich der Inhalt oder die Orthographie mehr erschüttert, aber dieser Satz, den ich heute im Bus gelesen habe, geht mir nicht aus dem Kopf: „Schulergänzende Tagesstrukturen werden strickt abgelehnt.“ 

Wieder da

Heute Morgen kam sie wieder nach Hause, die von allen schmerzlich vermisste Henrietta. Der Jubel war gross, Kater Leone beschnupperte seine Schwester von hinten bis vorn, Luise und der Zoowärter stritten sich den ganzen Vormittag darum, wer sie nun halten dürfe. Fast hätte ich das arme Tier wieder nach draussen geschickt, dort, wo es von Kindern ungestört den Tag geniessen könnte. Sie blieb drinnen, stillte ihren grossen Hunger und bekam Krach mit ihrem Bruder. Was Luise ziemlich erschreckte: „Mama, komm schnell. Leone hat Henrietta angefaucht. Warum macht er das? Mama, ich mache mir Sorgen…“

Warum er das macht, meine liebe Luise? Nun, ich muss dir leider sagen, dass sich Geschwister nicht während jeder Sekunde des Tages innig lieben. Es gibt da so eine Sache, die sich Streit nennt. Ja, ich weiss, davon hast du noch nie etwas gehört und natürlich hast du keine Ahnung, wie man so einen Streit austrägt. Aber weisst du, mein Kind, die Welt da draussen ist böse und kalt und man sagt, dass sich die Menschen dort ziemlich oft streiten. Aber du brauchst dich nicht zu fürchten, denn hier bei uns kommt so etwas natürlich nie vor.

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Wo steckt sie bloss?

Als Erwachsene sage ich mir, dass unsere Katze Henrietta den Heimweg bestimmt bald wieder finden wird, dass sie sich wohl einfach irgendwo vor Joachim in Sicherheit gebracht hat und wieder nach Hause kommt, wenn es endlich ruhiger wird. Ich beruhige mich damit, dass die meisten Katzen mal für ein paar Tage verschwinden. Und ausserdem hat sie den Heimweg auch bei den anderen Ausflügen wieder gefunden, wenn auch schneller.

Als Mutter von fünf Kindern, die miterleben muss, wie die Kinder weinen, weil Henrietta seit gestern Vormittag nicht mehr aufgetaucht ist, kann ich dennoch nicht ruhig bleiben. Was, wenn sie doch nicht mehr zurückkommt? Klar, es gibt noch viele Katzen auf der Welt, aber die sind eben nicht Henrietta. Und wenn die Kinder nervös werden, überträgt sich das auch auf uns Eltern. Denn sie fehlt ja nicht nur den Kindern, auch wir vermissen es, wie sie frühmorgens an unseren Zehen knabbert.

Ja, und dann ist da noch Henriettas Bruder Leone, der kläglich miauend nach seiner Schwester ruft. So traurig wirkt er, dass unsere Kinder, die sich seit Tagen nur noch in den Haaren liegen, nur noch staunen, wie sehr sich Bruder und Schwester lieben könnten, wenn sie denn wollten. Da behaupte noch einer, Haustiere hätten keinen pädagogischen Nutzen…

Henrietta

Der Zeit voraus

Okay, in unserer Wohnung herrscht wie immer das pure Chaos, die Weihnachtsguetzli sind noch immer nicht gebacken und auch die Sommerkleider sind noch längst nicht weggeräumt, aber zumindest in einer Sache habe ich in diesem Jahr die Nase vorn: Die Weihnachtsgeschenke für unsere Kinder sind eingepackt. Gewöhnlich erledige ich dies irgendwann zwischen Tannenbaumschmücken und dem Rühren der Morchelsauce am Weihnachtstag und ich stelle mir die Frage, ob sich das überhaupt noch lohnt, wo das Papier ohnehin in einer halben Stunde zerfetzt wird. In diesem Jahr aber warten alle Geschenke perfekt verpackt auf ihren grossen Tag.

Selbstverständlich gibt es einen guten Grund dafür, denn gewöhnlich renne ich dem Leben hinterher und versuche verzweifelt, es an seinem Rockzipfel zu erwischen. Vorsprung auf die Pflichten des Alltags kommt äußerst selten vor, wie man an unserem Haushalt auf den ersten Blick erkennt. Dass die Geschenke bereits verpackt sind, war reine Notwehr. Das Prinzchen und der Zoowärter spürten nämlich jedes einzelne Geschenklein auf und was nicht weihnächtlich verpackt war, wurde zum Inventar des Spielzimmers erklärt und zum Spielen eingesetzt. Also blieb mir nichts anderes übrig, als alles so schnell wie möglich zu verpacken und damit auch für einen Dreijährigen unmissverständlich als Weihnachtsgeschenk zu deklarieren. Wenn es mir jetzt noch gelingt, die Katzen von dem verlockend raschelnden Papier fern zu halten, dann kann ich zumindest mal in einem Bereich so tun, als wäre ich bestens auf das Fest der Feste vorbereitet.

Es braucht ja keiner zu wissen, dass die Geschenke für Gotten und Göttis noch nicht mal angefangen sind…

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